Bertolt Brecht: Über die Verführung der Engel

Poeta che mi guidi

Engel verführt man gar nicht oder schnell.
Verzieh ihn einfach in den Hauseingang
Steck ihm die Zunge in den Mund und lang
Ihm untern Rock, bis er sich nass macht, stell
Ihn das Gesicht zur Wand, heb ihm den Rock
Und fick ihn. Stöhnt er irgendwie beklommen
Dann halt ihn fest und lass ihn zweimal kommen
Sonst hat er dir am Ende einen Schock.

Ermahn ihn, dass er gut den Hintern schwenkt
Heiß ihn dich ruhig an den Hoden fassen
Sag ihm, er darf sich furchtlos fallen lassen
Dieweil er zwischen Erd und Himmel hängt –

Doch schau ihm beim Ficken nicht ins Gesicht
Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht!

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Das *andere* Land -Teil 2- „Jens findet ein zu Hause“

Es war einmal ein Tal. Ein liebliches Mittelgebirgstal, in dessen Mitte sich ein kleiner Bach durch die Auen windete. Entlang des Baches führte eine gepflasterte Landstraße und eine eingleisige Bahnlinie.
Und dort, wo sich das Tal immer weiter verengte, und der Bach aus den bewaldeten Bergen heraustrat, dort lag zu beiden Seiten des Baches der kleine Ort „Wiezethal“.
Eine einzige sehr alte Brücke aus Bruchsteinen (max Belastung 7,5to) verband die beiden Ortsteile. Mit diesen beiden Ortsteilen hatte es eine besondere Bewandnis, denn hier trafen die beiden Provinzen aufeinander. Auf der einen Seite das Land des Schnuffelns, auf der anderen Seite das Land des Spankings.
Auf der einen Seite lag Snöfland, auf der anderen Seite die Hauptprovinz.

Genau genommen führte die Provinzgrenze mitten durch den Ort, mitten durch die Grundstücke mit ihren Gärten und Häusern.
Das führte dazu, das es in den beiden Ortsteilen unterschiedliche Telefonnummern und auch zwei unterschiedliche Postleitzahlen gab. Ebenso unterlag der eine Teil des Ortes dem snöffische Landrecht (und damit waren seine Bewohner Untertanen ihres Grafen), der andere, größere Teil des Ortes hingegen gehörte zu einem ganz normalen Landkreis mit gewähltem Kreistag.
Dennoch bildete Wiezethal eine einheitliche Gemeinde.

Erst vor zwei Jahren, 2016, war Wiezethal an das Schienennetz angeschlossen worden, und man konnte nun aus dieser ländlichen Beschaulichkeit in nur 26 Minuten in die große Hauptstadt fahren.
Etwas oberhalb der Ortsmitte führte eine Wohnstraße mit Einfamilienhäusern den Berghang entlang. Südlage.
Die Häuser mit ihren spitzen Giebeln schienen alle zwischen 1935 und 1955 erbaut zu sein. Mit einer Ausnahme: ein recht moderner Bungalow mit Swimmingpool. Heim der Familie Heinemann. Aber eins nach dem anderen.
Das nächste Haus in der Sonnenbergstraße war das leerstehende Haus des verstorbenen Professor Pastorius – einem Altphilologen und Althistoriker, der eines Tages, nach einem langen erfüllten Akademikerleben, inmitten seiner Studien und Aufzeichnungen sanft dem Herrn entschlafen war.
So unterschiedlich die Provinzialzugehörigkeit der Grundstücke in Wiezethal war, so heterogen war auch die Zusammensetzung der Bevölkerung. Denn im letzten Haus in der Sonnenbergstraße wohnte der Arzt des Dorfes mit seiner Lebensgefährtin: Dr. Friedrich Hummelmann und Frl. Irma Witte.
Doktor Hummelmann war ein großer stattlicher dunkelbrauner Hamster von fast 1,80m, der stets einen Gehrock mit Weste und Fliege zu tragen pflegte. Irma hingegen war eine ganz normale menschliche Frau, mit runden drolligen Gesicht, runder knubbeligen Nase, die stets ein paar Stücke selbst gebackenen Apfelkuchen vorrätig hatte. Ihre grauen Haare waren zu einer wilhelminischen Damenfrisur frisiert – und da sie nicht nur Doktor Hummelmanns Lebensgefärtin sondern auch seine Sprechstundenhilfe, Gemeindeschwester, Hebamme und Kindergärtnerin des Ortes war, trug sie eigentlich immer eine weiße Kittelschürze.

Wie Jens nach Wiezethal gekommen war, bleibt im nebulösen Dunkeln der Erzählkunst. Er stand jedenfalls vor dem letzten Haus in der Sonnenbergstraße. Dr. Linde hatte ihm die Adresse auf einen Zettel notiert.
Er verglich noch einmal die Anschrift mit dem Emailleschild, das am Jägerzauntörchen des Anwesens hing: „Dr. Friedrich Hummelmann, Medicus. Alle Rassen. Termine und Hausbesuche nach Vereinbarung.“
Nun denn. Er öffnete das Törchen und ging zur Haustüre, und klingelte. Der Klingelknopf war ein schwarzer Bakkelitdruckknopf in einer weißen runden Bakkelitfassung. „Praxis“ war mit Schreibmaschine auf einen Zettel geschrieben, der nun in einem vergilbten Zellophanfenster unter dem Knopf in der Fassung eingelassen war.
Es klingelte im Inneren schrill. Nach wenigen Augenblicken wurde die Tür geöffnet. Jens sah in das runde drollige Gesicht von Irma Witte. Ehe er etwas sagen konnte, kam sie ihm zuvor: „Die Sprechstunde ist gerade vorbei. Kommen sie morgen früh wieder, oder lassen Sie mir ihre Adresse da, dann kommt der Herr Doktor heute Nachmittag bei Ihnen vorbei.“
„Ich will eigentlich nicht in Behandlung. Es geht um ein Haus…“ antwortete Jens zögerlich „…Der Herr Linde hatte mir Ihre Adresse..:“ weiter kam er nicht.
Irma schlug vor Freude die Hände über dem Kopf zusammen. „Ach…ach ach… Dann sind Sie der Herr Bauer, der wegen dem Haus vom alten Pastorius kommt?!“ Irma hatte ohnehin das Gesicht einer liebenswürdigen Oma, aber nun lächelte sie breit über beide Backen.
„Dann kommen Sie herein, nehmen Sie im Wartezimmer Platz, der Herr Doktor kommt gleich!“
Jens folgte ihr, und setzte sich in das Wartezimmer. Der Unterschied zu den Wartezimmern in Deutschland war unübersehbar: Nicht nur, das die Möbel allesamt aus dem Jahre 1952 entlaufen zu sein schienen: eine grün-goldene gemusterte Venyltapete und eine neoklassizistische Standuhr (wahrscheinlich aus Sumpfeiche) sowie ein Bücherregal bildeten ein recht gewöhnungsbedürftiges Ensemble, für jemanden, der aus dem vollvernetzten sterilweißen Berlin des Jahres 2018 kommt.
Ein großes Fenster, es reichte von der Decke bis an den Parkettboden, gab den Blick in einen Obstgarten frei.
Während Ärzte in Deutschland ihre Wartezimmer mit den möglichst furchtbarsten Ergüssen moderner Kunst vollzuhängen scheinen (wahrscheinlich, damit die Patienten sich noch kranker fühlen, als sie ohnehin schon sind), schien dieser Dr. Hummelmann eher ein Freund der klassischen Landschaftsmalerei zu sein.
Aber ehe sich Jens in diesem, für ihn sehr schrecklichen Stilensemble, weiter umschauen konnte, holte ihn die Standuhr aus seinen Gedanken. Sie schlug zwölf mal: Mittag.
Auf der dem Eingang entegen gesetzten Seite des Raumes wurde eine Schiebetür aufgeschoben. Sie quietschte etwas. Jens sah zuerst nur den Rücken einer Frau, und aus dem Hintegrund hörte er eine Stimme: „Wenn Sie solche Praktiken weiter auszuüben gedenken, müssen sie mit Blutergüssen rechnen, gnädige Frau! Achten Sie deshalb darauf, das Sie die Stellen gründlich desinfizieren, bevor Sie die Salbe auftragen. Aber in einer Woche sollten Sie beschwerdefrei sein, nämlich!“
„Danke Herr Doktor!“ Die Frau drehte sich um, und verließ eiligen Schrittes das Wartezimmer, ohne Jens auch nur mit einem Blick zu würdigen.
Hohe braune Lederstiefel, Breecheshosen, weiße Bluse: Für Jens bestand kein Zweifel: Auch diese Frau entstammte einem Film-Set. Er blickte ihr nur kurz hinterher, als seine Aufmerksamkeit wieder in die andere Richtung gelenkt wurde.
„Ach…noch ein Patient? ich habe eigentlich jetzt Mittagspause…“
Jens drehte sich um, und erschrak: Ein Hamster. Ein 1,80m großer dunkelbrauner Hamster! Im Gehrock! …offenbar war dieser gerade dabei gewesen, sich einen weißen Kittel auszuziehen.
„Ähm…Sie…sind…der Dr. Hummelmann?“ fragte Jens ungläubig.
„Der bin ich allerdings!“
Jens war perplex. Er hatte zwar schon auf dem Flug, pardon, Lufthafen aus größerer Entfernung ein humanoides Capybara im Frack gesehen, aber nun einem solchen Fabelwesen leibhaftig gegenüberzustehen und sich mit ihm zu unterhalten, das war etwas anderes.
Irma kam im richtigen Augenblick in das Wartezimmer gelaufen „Friedrich, das ist der Herr Bauer, der sich für das Haus vom alten Herrn Pastorius interessiert!“
„Achsooo, ja dann!“ Dr. Hummelmann reichte Jens seine rechte Hamsterpfote, die dieser immer nochreichlich verwirrt aber automatisch schüttelte.
„Dann werde ich Ihnen wohl das Haus zeigen wollen. Warten Sie einen Moment, ich hole den Schlüssel, sobald ich aus diesem Kittel…ächz…njech…“ er hatte irgendwie den Ärmel des Kittels verdreht, und Mühe ihn auszuziehen.
„Friedrich du bist ein alter Zausel!“ sagte Irma, während sie ihm half, den Arztkittel auszuziehen.
„Und du hast heute Nachmittag deinen Kurs?“ antwortete er, ohne darauf einzugehen.
„Ja allerdings. Deswegen habe ich heute auch nicht gekocht!“ sagte sie, als sie seinen Kittel endlich von ihm geschält hatte, und ihn an den Kleiderhaken im Wartezimmer hing.
Dr. Hummelmann wandte sich an Jens: „Dann werde ich Ihnen nicht nur das Haus zeigen, sondern auch unseren Ort und lade Sie zum Essen ins Gasthaus ein, nämlich!“
„Danke, das ist aber nicht notwe..“
Hummelmann wehrte ab: „Keine Widerrede, Sie sind mein Gast…!“

Als sie ein paar Augenblicke das Haus verließen, konnte es sich Jens nicht verkneifen zu fragen, was es denn mit dem „alle Rassen“ auf dem Schild für eine Bewandnis hatte.
Dr. Hummelmann war sichtlich irritiert. „Ähm…nunja…wie Sie sehen können, bin ich ein Hamster. Aber da hich nunmal hier in der Hauptprovinz lebe, wo fast ausschließlich Menschen wohnen, ist der Hinweis, das ich alle Bewohner unseres Landes behandeln kann, durchaus nützlich.“
„Verstehe…“
Wie bereits erwähnt, lagen die beiden Grundstücke direkt nebeneinnander – was Jens zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wußte.
„Ach…gleich das hier?“ fragte er verwundert, als Hummelmann das Tor zum Nachbargrundstück öffnete.
„Ja genau…wir sind Nachbarn. Das erspart Ihnen schonmal einen langen Weg zum Arzt, hihi!“ Hummelmann machte diese „lustige“ Bemerkung, da er sich richtig freute, das sich jemand für das Haus des alten Pastorius interessierte.
Gleich als sie im Flur standen, bemerkte Jens dieses eigentümlichen Geruch, der von alten leerstehenden Häusern ausgeht. Aber dieser Geruch…der hatte noch etwas anderes. Es roch… ein bißchen wie damals in der DDR. Wie bei seinen Großeltern.
„Sooo…dann zeige ich Ihnen mal alles!“ Hummelmann war wirklich froh, jemandem das Haus zeigen zu können.
„Der Fernsprecher hier, der gehört zum Haus. Die Leitung ist jetzt natürlich tot, da müssen wir erst zum Postamt, damit die Reichspost den Anschluß wieder freischaltet. Aber die Rufnummer ist 7-9-8. Das weiß ich noch.“
Die Rufnummern in diesem Land werden, zumindest in den ländlichen Gebieten, nicht nach Teilnehmer neu vergeben, sondern sind fest mit dem Anschluß verankert. D.h. wer in eine neue Wohnung zieht, erbt die Nummer des Vorbewohners.
Eine dreistellige Rufnummer! Jens wähnte sich auf einer Zeitreise.
Hummelmann deutete auf das Telefon.
Mit einer Mischung aus Belustigung und Fassungslosigkeit weitete Jens die Augen: Zum einen stand da ein kleines Tischlein. Gelsenkirchener Barock. Es hatte eine Platte aus dunkelgrün-schwarz geaderten Marmor. Und auf dieser Platte stand: Ein Telefon. Ein großes, schwarzes Telefon. Mit Wählscheibe. der voluminöse Hörer war mit dem Apparat nicht nur mit einem gerollten Kabel verbunden, nein, dieses Kabel war nicht aus Gummi, sondern aus Kordelstoff. Ein solches Monstrum an Telekommunikationstechnik kannte er nicht einmal aus seiner Jugend in der DDR. Das Ding ähnelte eher einem W-36, einem deutschen Vorkriegsmodell!
Für jemanden, der es gewohnt ist, bargeldlos im Supermarkt mit seinem Smartphone zu bezahlen, mit seinem Smartphone die gesamte Hauselektrik zu steuern und alles aus dem Internet zu streamen war das hier der technologische Supergau.
Aber andererseits: War es nicht sein Job, in diesem Land das Internet und die dazugehörige Infrastruktur zu etablieren? Im Geiste stellte er sich schon vor, wie anstelle dieses alten Telefonapparates eines Tages ein Router mit touchscreen stehen würde – vorausgesetzt die Leitung ließ Internet überhaupt zu.

Und so zeigte ihm Hummelmann alle leerstehenden Räume. In jedem Raum gab es Parkettboden. Ohne Kratzer. Die Wände schienen alle neu gestrichen zu sein. Und dennoch: überall lag dieser Mief von „leerstehendem alten Haus“. Die Treppe zur oberen Etage war vielleicht etwas eng, und sie knarzte unter jedem Schritt. Dafür war aber auch ein langer Läufer von oben bis unten über die Stufen gespannt, der auf jeder Stufe von einer Messingstange in Position gehalten wurde.
Die Zimmer waren überraschenderweise gut geschnitten. Aber mit einem innerlichen „Ohjee..“ nahm Jens zur Kenntnis, das es vergleichsweise wenige Steckdosen gab. Diese waren aber, ebenso wie die Lichtschalter, in runden Aufputz-Bakkelitkörpern. Die Verkabelung war ebenso über der Putzschicht, aber unter der Tapete. Das heißt, man konnte den Verlauf einer jeden elektrische Leitung als gerade Wurst unter der Rauhfasertapete nachverfolgen.
„Hier ist der Sicherungskasten.“ Hummelmann klappte in der Wand des oberen Treppenhauses eine Abdeckplatte zur Seite.
Jens sah das, was er bereits erwartet hatte: Einen schwarzen Kasten, in dem viele weiße Keramiksicherungen steckten. Und als i-Tüpfelchen war über jeder Sicherung ein vergilbeter Zettel geklebt, auf dem in Sütterlin(!) die Bestimmung der einzelnen Sicherung stand „Herd“, „Flur“, „Schlafzimmer“ usw.
Der eigentliche Schock kam jetzt erst: Als nämlich Jens mit einem süffisanten Lächeln bemerkte „ach… noch alles alte Technnik“, drehte sich Hummelmann verwundert zu ihm um.
„Wie? alt?“ Hääää? Nachdem dem alte Herr Professor verstorben war, haben seine Erben und ich als Nachlaßverwalter das Haus komplett ronvieren lassen. Die Leitungen sind alle neu gemacht, und auch der Sicherungskasten. Sehen Sie, hier die zwei Ersatz-Sicherungen sind noch in der Originalschachtel! Es ist alles ganz neu!“
Jens fielaus allen Wolken. „Neu? Sie wollen mir sagen, daß das hier neu ist?“
„Ja natürlich. Ich würde Ihnen doch kein unrenoviertes Haus vermieten wollen!“ Hummelmann war unsicher. Er wußte nicht, durch was er seinen potentiellen neuen Nachbarn und Mieter so entrüstet haben mochte.
„Und andere Sicherungen…mit Kippschalter..gibt es sowas hier?“
„Kippschalter? Hääää? Die Sicherungen haben einen Druckknopf, und werden, wenn sie gewechselt werden müssen, aus dem Gewinde geschraubt..“
„Ja…ich kenne solche Sicherungen.“ Jens winkte ab.
Oooohhh jeeee… hier war einiges zu machen. Drei PCs, der Flachbildfernseher und der Thermomix und den ganzen anderen Kram hier anzuschließen, könnte zu einer Herausforderung werden.
„Gefällt Ihnen das Haus nicht?“ fragte Dr. Hummelmann vorsichtig.
„Dochdoch.. schon.. was stellen Sie sich denn als Miete vor?“
„Nun…sagen wir 275 Mark im Monat.“
Jens rechnete kurz nach. „Das sind dann 550 Euro…wieviel Quadratmeter sagten Sie noch gleich?“
„Das sind Einhundertsiebenundzwanzig, den Garten und die Garage nicht mitgerechnet.“
„Und die Nebenkosten?“
„Hääää?“ Dr. Hummelmann wurde wieder unsicher, und legte seinen großen Hamsterkopf in die Schräge. „Was sind Nebenkosten?“
„Na für Heizung, Strom, Wasser, Gas…“
„Achsooo…aber das ist doch schon alles in der Miete mit enthalten, mein lieber Herr Bauer! 2,75Mark für die Müllabfuhr, 12 Mark für Wasser und Strom, 6,75Mark Gemeindekassenzuschlag – nur die Fernmeldegebühr für den Telefonapparat kommt noch hinzu. Das sind aber auch nur 4,75Mark.“
„Ich nehms!“ Jens dachte sich, das er bei seinem Gehalt plus Auslandszulage nicht so schnell derart günstigen Wohnraum bekommen konnte. Er würde sich eine goldene Nase verdienen, bei so geringen Kosten.
„Juhu!“ freute sich Dr. Hummelmann. „Dann sage ich einmal: „Herzlich Willkommen, Herr Nachbar!“ Sie reichten sich die Hände.

Noch während des Händeschüttelns bemerkte Jens etwas im Augenwinkel, als er aus dem Fenster im Treppenhaus auf das Nachbargrundstück blickte: Für einen kurzen Moment glaubte er, eine schwarze Gestalt auf allen Vieren durch den Garten kriechen zu sehen.
„Was können Sie mir über die anderen Nachbarn erzählen?“
„Nun…“ Hummelmann klappte den Sicherungskasten wieder zu, „auf der einen Seite wohnen Fräulein Witte und ich, und hier, zur anderen Seite raus, in dem Bungalow, da wohnen Heinemanns. Eine nette Familie. Sie haben zwei Töchter. Und eine Untermieterin, soweit ich weiß.“
Jens blickte nochmal auf das Nachbargrundstück des Bungalows: Ohne Zweifel! – da kroch eine Frau im schwarzen Ganzkörperlatex am hellichten Tag auf allen Vieren durch den Garten. Er rieb sich kurz die Augen, die Frau war weg.
„Das war hoffentlich nur eine Einbildung.“ seufzte er so bei sich.
Dr. Hummelmann, der Hamster, hatte nichts davon mitbekommen. Er war schon die Treppe hinunter gestiegen. „Und schräg gegenüber, da wohnt der Herr General Padberg. Der arme Mann.“
„Ein General?“ fragte Jens.
„Ja…aber der ärmste ist ganz allein. Vor einigen Jahren ist seine Tochter spurlos verschwunden, und vor zwei Jahren ist seine Frau an Krebs verstorben. Ich konnte Sie leider nicht retten. Aber die Woche über ist er ohnehin nicht hier, nur am Wochenende, da sitzt er meistens in seinem Garten und malt Bilder. Der arme Mann…seufz“.
Jens war hinter Hummelmann die Treppe hinunter gestiegen. Dieser hatte sich nach kurzem Innehalten wieder gefangen.
„Kommen Sie, ich zeige Ihnen unseren Ort! Den Mietvertrag unterschreiben wir später….ach…und wo sie eben die Heizkosten ansprachen: Im Keller sind noch ausreichend Briketts für den ganzen Winter, da müssen Sie sich keine Sorgen machen, nämlich!“
Und wieder einmal fühlte sich Jens wieder auf einer fassungslos-gefühlten Zeitreise.

Die Sonnenbergstraße war nicht sonderlich lang, und mündete alsbald in den „Ortskern“. Auf dem Weg dahin, kam Dr. Hummelmann und Jens eine große schwarze Gestalt entgegen. Ein Priester in Soutane. Mit seinem Barret auf dem Kopf erinnerte er Jens wieder an Don Camillo – so wie der „Dechant“ am Flughafen. Aber während er noch „Dreckspfaffe“ bei sich dachte, grüßte Dr. Hummelmann den Geistlichen mit einem freundlichen „Guten Tag, Hochwürden!“, der den Gruß mit einem „Guten Tag, Herr Doktor!“ erwiderte. Es war Jens sehr unangenehm, als ihn Dr. Hummelmann dem Pfarrer vorstellte.
„Hochwürden, das hier ist der Herr Bauer aus Deutschland, er wird mit seiner Familie für ein Jahr bei uns wohnen. Im Haus des alten Professor Pastorius. Herr Bauer, das ist unser Pfarrer, Herr Barentius.“
Der Pfarrer reichte Jens die Hand, der ihm die seinige nur unter großem Ekel entgegenreichte.
„Ach wie schön…Das herzlich willkommen in unserer Gemeinde. Und Gottes Segen!“
Pfarrer Barentius segnete die beiden mit dem Kreuzzeichen -Jens hätte im Strahl kotzen können. Innerlich dachte er sich: „na viele Kinder hast du heute schon gefickt und Menschen was von Moral gepredigt?!“. Äußerlich hingegen stand er mit versteinerter Miene da, und versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
„Verzeihen Sie meine Herren, aber ich bin in Eile.“ entschuldigte sich der Pfarrer. „Vielleicht sehen wir uns ja in der Messe?“ winkte er noch als gruß hinterher.
„Mit Sicherheit nicht!“ knurrte Jens.
Dr. Hummelmann schien das überhört zu haben oder zumindest überhört zu haben wollen. Denn er sagte lediglich: „Der Pfarrer Barentius ist ein sehr gebildeter Mann. Seine Predigten sind sehr geistreich. Und außerdem ist er ein begnadeter Skatspieler….aber hier, sehen Sie Herr Bauer“
Hummelmann deutete auf ein kleines Ladengeschäft. „Wenn Sie beim Einzug Schrauben oder Nägel brauchen, oder noch mehr elektrische Installationen, dann sind Sie hier an der richtigen Adresse!“
Jens besah sich den Laden. „Elektrische Installationen und Eisenwarenhandlung. Inh. Salomon Kabelbaum“ stand da über dem Eingang zu lesen.
Vor dem Laden kehrte eine kleine hutzelige Gestalt mit einem Besen den Bürgersteig.
„Guten Tag Herr Kabelbaum! Na was macht das Knie? Wieder besser?“ grüßte Dr. Hummelmann die kleine hutzlige Gestalt.
Es war ein kleiner alter Mann mit einer großen Nase. Er trug ein Keppi auf dem Hinterkopf, hatte einen langen Bart und graue lange Locken beiderseits des Gesichts. Der Mann drehte sich um.
„Oioioi… Guten Tag der Herr Doktor! Joi…dem Knie geht es wieder gut, ech hipfe wie ejn junger David als er den Goliath mecht erschlagen haben!“
„Na das freut mich doch, Herr Kabelbaum!“
Hummelmann wandte sich zu Jens: „Der Herr Kabelbaum ist der Elektriker in unserem Ort. Er hat auch die Leitungen, Steckdosen und Sicherungen im Haus neugemacht.“
„Aha…“ dachte Jens bei sich. „Das ist also die elektrische Koryphäe mit der vorsintflutlichen Technik“ – das sprach er natürlich nicht laut, sondern grüßte stumm.
„Joooi, alles nei, alles nei hem wir gemacht, nichwahr, Herr Doktor.“
„Herr Bauer zieht mit seiner Familie in das Haus, müssen Sie wissen.“
Nun wandte sich Kabelbaum an Jens: „Wenn der Herr noch Winsche hat, oder noch Ersatzteyle mecht sein Eygen nennen, Schrauben, Nägel und Licht, ich steh Ihnen zu Diensten, der Herr!“ Kabelbaum deutete eine Verbeugung an.
Jens bedankte sich artig „Ich komme vielleicht darauf zurück, Danke.“, und war froh als er mit Hummelmann weitergehen konnte.

Sie waren nicht weit gegangen, als sie an einem Platz ankamen. Verschiedene Straßen, oder besser: enge Gassen, liefen hier sternförmig zusammen. In der Mitte des Platzes war ein kleiner Springbrunnen.
„Sehen Sie Herr Bauer. Hier ist die Mitte von Wiezethal. Dort ist die Kirche, daneben das Pfarrbüro, daneben die Bürgermeisterei. Da werden Wir Sie nachher ins Melderegister eintragen gehen. Aber jetzt ist ohnehin Mittagspause, da haben alle zu.“
„Mittagspause?“
„Ja natürlich! Warum sollte denn eine Behörde über Mittag geöffnet haben? Die Leute müssen ja schließlich etwas essen. Von zwölf bis zwei haben Ämter und Geschäfte zu. Eine Stunde zum essen, die andere zum verdauen. Ist das bei Ihnen in Deutschland etwa anders?“
„Ähm…nunja…etwas.“
„Hmhmhm… naja jedenfalls…sehen Sie hier hinten, da ist das Reichspostamt. Da werden wir nachher ihren Telefonanschluß wieder anmelden.“
„Nach der Mittagspause?“
„Äh..ja. Nach der Mittagspause. Und hier vorn ist das Lebensmittelgeschäft…“
„Das hat zu wegen Mittagspause?“
„äh..jaaa?!..und daneben die Schreibwaren und Buchhandlung…die haben aber jetzt auch Mittagspause.“
„Verstehe.“ Jens mußte süffisant grinsen.
„Und dort hinten geht es zum Bahnhof, aber da fahren jetzt keine Züge…“
„Lassen Sie mich raten? Mittagspause?“
„Das ist richtig. Woher wissen Sie das?“
„Och..war nur so ne Vermutung.“

…to be continued…

2018 – eine kurze Zusammenfassung.

Seit September/Oktober werde ich gefragt, „was denn los ist“. Und warum ich so wenig auf twitter aktiv bin. Hier die Kurzversion:

Ich machs kurz und schmerzlos – und im Telegrammstil.
Aber das Jahr 2018 kommt mir nicht davon, ohne eine kleine Abrechnung.
Um das ganze länger auszuführen, fehlt mir die Kraft. Und wer mir schon etwas länger auf twitter folgt, der wird sicherlich gemerkt haben, daß es recht still geworden ist. Das hat auch einen Grund. Doch der Reihe nach.

Was funktioniert hat: Die Sonderaustellung über die römischen Funde in der Römervilla Ahrweiler konnte eröffnet werden. Dank meiner Vor und Mitarbeit.
Ich bin auch bei der Zeremonie namentlich erwähnt worden. Jut.
Aber das wars auch schon. Die Lorbeeren für dieses Projekt haben andere bekommen. Und das wars dann auch schon.

Weiterhin wollte ich eine Therapie anfangen, habe einen Therapeuten gesucht und gefunden – aber nach den ersten Sitzungen hieß es: Och nö…suchen Sie sich nen anderen. Da hat man mal jemanden gefunden, und dann schickt der einen wieder weg. Klasse. Ging die Sucherei wieder von vorne los, und ich weiß noch nicht, ob sie beendet ist.

Ich hatte ein blind-Date. Allerdings derartig blind, das ich nicht wußte, wie sie aussieht, wie sie heißt. Wir kannten uns nur vom schreiben. Und das Treffen war die reinste Schnipseljagd. Ich stand in einem Cafe, und sollte unter den Frauen, die da saßen, nun auf Anhieb diejenige welche raussuchen. Ich wär am liebsten gegangen, aber ich wollte sehen, wer sich hinter einer solchen „Sicherheitsparanoia“ verbarg. Nach etwas hin und her hatte ich dann doch diejenige welche gefunden. Einerseits eine junge zarte Frau, andererseits, gelinde gesagt, eine Psychopathin, die aufgrund zahlreicher Stören besser nicht mit Menschen verkehrt. Sie war wohl zwar an mir als Mann/Dom irgendwie interessiert, aber gleichzeitig hielt sie mir ihren angeblich überaus guten Verdienst ständig vor die nase, und als Gipfel durfte ich mir anhören „Aber für einen HartzIV Empfänger siehst du verdammt ghut aus?!“. Tja Entschuldigung, wenn ich als zivilisierter Mensch zu einem Blinddate mit sauberer und gebügelter Kleidung erscheine. Meine Jogginghose und die Asiletten waren in der Reinigung -.-
Und ein Gesprächsparter, der so gut wie gar nicht auf mich eingeht, nur von seinem Riesengehalt redet, und mich durch Geschäfte schleift, wo ich hinterher zutrotten habe: nein danke. Meiner „Dominanz“ fiel es anheim, Madame mit einem spontanen Kuß aus Rache heimzusuchen, aber das wars dann.

Nächster Punkt: Ich hätte mich gerne mit einer Frau treffen wollen, die nicht nur attraktiv in Körper und Geist ist, moralisch liebenswürdig verkommen im Sinne des rrr ist, nein, die auch etwas getan hat, was weit außerhalb von reinen Trieben oder bdsm-Gedönse ist: Sie hat mich intellektuell herausgefordert, und mich bei meinen Althistoriker-Eiern gepackt. Ich möchte keine Details verraten, was sich Historiker für schmutzige Dinger am Telefon sagen (Das Hirschgeweih könnte Sie verunsichern): jedenfalls sie war feucht und willens und soooo kurz davor ins Auto zu steigen um sich mit mir zu treffen. Ich saß frisch geduscht und vorbereitet mit gekühlten Getränken hier. Und sie kam nicht. Und kam nicht. Angeblich aus Rücksichtnahme auf jemanden. Aha. Völlig unnötig, denn da gab es nichts mehr, auf das man Rücksicht hätte nehmen müssen, ich bin frei wie man nur frei sein kann.
Das hat mich irgendwie sehr tief getroffen.
Es wäre mir ein intellekutelles Feuerwerk gewesen, mit dieser Frau zu spielen/schlafen/ficken/ Bücher zu wälzen, das weder etwas mit Liebe noch Trieben, nicht einmal unbedingt etwas mit BDSM zu tun gehabt hätte, einfach nur aus Spaß an der Freud, jemand auf intellektueller Augenhöhe zu haben.
Und – was war? Nix. Ich kam mir vor, wie der sprichwörtliche Mohr, dem man nichteinmal mehr sagt, das er gehen kann.
Zumal die selbstgewählte Zurückhaltung inzwischen wieder gewichen zu sein scheint, so läßt es mich doch mit einem großen Fragezeichen zurück. Ich möchte an dieser Stelle nichts weiter schreiben. Dafür sind meine Gedanken zu dem Thema zuuu ambivalent.
PS: deine Kaltgetränke liegen hier immer noch im Kühlschrank.

nächstes Thema: erinnert sich noch jemand an den Sommer? Als die Sonne rund um die Uhr zu scheinen schien, und es „selbst im Januar nicht kälter als 30 Grad“ wurde? Nachts und unter Wasser?
Ich wollte ein Twittertreffen veranstalten. Ich hatte ein Schwimmbad, ein FREIBAD!!! wohlegemerkt an der Hand. eine ganze nacht lang. Für umsonst! Aber anstatt abzusagen, habe ich erst auf Nachfrage(!) Absage um Absage erhalten. Anstatt eine Horde von engagierten Twitterern fiel die Veranstaltung ins Wasser. Mangels Teilnahme…ein Freibad…im Sommer 2018 – und keiner geht hin…tzeh

Dann das schlimmste/nervenaufreibendste (neben der Frau) für dieses Jahr: Meine Verbandsgemeindeverwaltung war durch einen Zeitungsbericht auf mich aufmerksam geworden. Im März/April. Und seit dem gab es einiges an Schriftverkehr hin und her – und im Sommer dann ein Treffen mit dem Verbandsgemeindebürgermeister. Mir ist eine Stelle in Aussicht gestellt worden. Ohne das ich mich beworben hätte. Einfach so -befristet für zwei Jahre. Und meine bereits geleistete Vorarbeit soll mit dem ersten Gehalt verrechnet werden. „Wir melden uns dann in zwei Wochen.“
Das war im Sommer. Und seit dem: ja, dauert noch was/ ist im Urlaub / wir melden uns.
Und dieses warten hat mich DEEERAAARTIG zerrissen, das ich mich nicht zu wundern brauche, wenn mein Körper vor lauter Psychosomatik nur noch zuckt und ich innerlich wie äußerlich auf dem Zahnfleisch gehe und kurz vor dem durchdrehen bin.
Der Supergau war, als ich erfahren hatte, daß der Herr Bürgermeister, der nur noch eine Unterschrift hätte geben müssen, im Herbst bedauerlicherweise einen Herzinfarkt hatte, und bis ins Frühjahr außer Gefecht gesetzt ist. Und solange ist mit meiner Zweijahresanstellung im öffentlichen Dienst erstnmal Essig.
DIE WOLLTEN EINE STELLE EXTRA UM MICH HERUM BASTELN – extra für meine Fähigkeiten, für mich!
Und dann dieses ewige warten…

…aber es kam noch besser: Als Ersatz für das Twimmbad-Treffen gabs dann einen netten Grillabend im kleinen Kreis. Ich mag die Leute die da waren sehr. Ehrlich. Das Problem: Wir waren fünf. Zwei Pärchen und ich.
Und irgendwie wurde sich über Rockmusik, die Legalisierung von Marihuana und die Höhe von Einstiegsgehältern unterhalten. Also allesamt Themen, die ich entweder aus tiefstem Herzen ablehne oder in Ermangelung einer Arbeit keine Ahnung von habe.
Es war schön, das man sich getroffen hat. Die Leute sind super. Ehrlich. Aber wir waren fünf, und ich hatte Mühe mich am Gspräch zu beteiligen. Irgendwie war ich todunglücklich.

Weiter im Text: An jenem Abend wurde mir ein Angebot gemacht, einen Abendvortrag an einer Universität(!!!) zu halten. Thema: Kulturelle Identifikation in den römischen Rheinprovinzen. Man wollte mich also tatsächlich für eine Stunde sprechen hören – gegen Geld. MNicht weil ich so ein netter Mensch bin, oder ein Mann mit so tollen blaugrauen Augen, der im Ernstfall Frauen mit bloßer Rezitation eines Geschichtsbuches feucht und willenlos machen kann – NEIN: Weil ich Althistoriker bin. Ich sollte tatsächlich mal genau das machen, wofür ich ausgebildet worden bin.
Froh vergnügt fuhr ich nach Hause, und bereitete meinen Honorarvortrag vor.
Anderthalb Wochen vor dem fraglichen Termin, fragte ich nochmal nach, an welchem Tag/Ort genau das nun stattfinden sollte, und hörte dann so en passant: Ja äh…also…das ganze ist abgesagt.

Und dann setzte es dann ganz aus. Nach dem Motto „Sagt mal, wollt ihr mich alle verarschen?“.
Kein Wunder, das ich innerlich dem Weitwinkel die Zündschlüssel in die Hand gedrückt hab, „Hier, Sie fahren weiter. ich hab die Schnauze voll!“

Da anscheinend seitens des Schicksals oder des Welten-Karmas kein Interesse an meinen akademischen Fähigkeiten besteht, möchte ich es einmal sehr vulgär und direkt ausdrücken:
ICH WILL ENDLICH EINEN ARBEITSPLATZ UND MIT MEINEM BERUF GELD VERDIENEN UND SCHLANKE AKADEMIKERINNEN FICKEN BIS DAS ES RAUCHT –
ich habe es satt!!! mir am großen Schaufenster namens twitter die Nase platt zu drücken. Ich ertrage es einfach nicht mehr, nur zuzugucken.
Und wie ein unbeteiligter daneben zu stehen. Und wehe! es kommt mir jetzt einer „du mußt in deinem Leben …blablabla..“ Sooo viele Chancen – ich hab hier nur die wichtigsten aufgezählt, bzw die, an die ich mich in meiner Verbitterung un meinem Zorn noch erinnern kann, die NICHT VON MIR verkackt wurden. Wo ich nichts habe tun können. Wo man mich hat hängen lassen.
Tausendmal dieses Jahr war ich sooooo kurz vor was guten – und immer nur im letzten Moment „Ätsch…ja ne..doch nicht. Tut uns leid.“
Ja du lieber Himmel – was soll ich da denn noch groß twittern? Es gibt einfach nichts neues zu berichten.
Ich habs auch satt, dauernd nur beflauscht und beschnuffelt zu werden. Wer das mag, mag sich gern an Weitwinkel wenden. Ich selbst bin aber sehr wohl ein erwachsener Mann. Mit graublauen Augen zum niederknien, leidlich maß an Intelligenz, Bildung und Integrität und durchaus noch erektionsfähig.
Ich bin eigentlich nicht depressiv. Zumindest fühle ich mich nicht so. Ich komme mir nur vor, wie so ein „Spring-aus-der-Kiste“, dem man die ganze Zeit mit Gewalt den Deckel zuhält. Es liegt nicht an mir.
Laßt mich gefälligst endlich hier raus – ihr wolltet mich haben, dann laßt mich auch bitte machen, und die Chancen wahrnehmen, die ihr mir hinwerft.
Innerlich springe ich wie so ein kleiner Insegrimm mit blutig tropfendem Beil um ein Feuer herum.
Ein ganzes Jahr dauernd die Mohrrübe wie dem Esel vor die Nase gehalten, mal dran schnuppern lassen, und dann „ätsch“.

Ich glaube, da würde so ziemlich jeder durchdrehen.
Und – gemessen an meinem Twitterauftritt vor dieser „Krise“ – hätte ich es unverantwortlich gehalten, wenn ich einfach so weiter gemacht hätte wie bisher.
Denn wenn ein Mann (selbst wenn es nicht selbst verschuldet ist), das Gefühl hat, gewisse Dinge zur Zeit nicht unter Kontrolle zu haben, dann wäre es wirklich unverantwortlich, wenn er nach außen hin so tut „Komm her Mädchen, gib Kontrolle ab, ich fick dich jetzt, bis es weh tun und wir beide kommen.“
Also neeeee….. das macht alles wahnsinnigen Spaß. Ich weiß das, ich hab das auch schon oft genug gemacht. Aber dieses Jahr war eine Aneinanderreihung von Ausnahmesituationen, die jeglichen Spaß an sowas obsolet werden lassen. Ich hab sogar kaum noch Interesse für Snooker, Radsport oder ins Schwimmbad gehen gehabt.

So – durchatmen – mir kreisen vielleicht noch viele kleine gedankliche Versatzstücke im Hirn herum, aber ich will es damit bewenden lassen.
Das wichtigste, was ich zum Jahr 2018 zu sagen hatte, habe ich gesagt.
Ich lade selbst die Atheisten in der geneigten Leserschaft dazu ein, inständig darum zu beten, daß sich im nächsten Jahr etwas tut.

Gleichweohl wünsche ich allen Lesern/Innen Followern/Innen Jottes Segen für das Jahr 2019!

(Ich werde den Jahreswechsel wahrscheinlich an einem Ort verbringen, der leider nie zum römischen Reich gehört hat – aber nungut.) Wir sehen uns auf der anderen Seite des Kalenders!

Das *andere* Land -Teil 1- „die Ankunft des Jens“

[Ich habe die bisher angefangenen Geswchichten nicht vergessen. Aber das hier hat sich vorgemogelt, und wollte unbdeingt raus.]

Warum eigentlich immer dieses Gegensatz? Warum eigentlich immer wieder diese kaninchenartigen Fabelwesen, die so unvermutet und unzusammenhängend am Rande des BDSM auftauchen?
Nun…es ist: das andere Land.
So wie ich Snöfland, das Lande der Hasen und Bärchen etc, beschrieben habe, so fehlt auf der anderen Seite noch was. Nämlich der weitaus größere Teil. Derjenige, der irgendwie von lauter ChefleGrands bevölkert wird, und eben nicht von Weitwinkeln.
Stellen wir uns einmal eine Schnittstelle vor, wo eben jene beiden „Welten“ zusammenfallen. Vielleicht wird das ganze dann einfacher verständlich.
Und klammern wir mal die großen prominenten Namen mal aus, den Chef, den Weitwinkel, die Frau Maier, die Frau Chamäleon, Frau Ophelia – alles mitunter unterhaltsam. Aber das Leben der „kleinen Leute“? Abseits der großen Handlungsstränge?

Fangen wir mit dem Einwanderer an. Jens, der Informatiker. Anfang 40. Geboren irgendwo in der DDR, erlebte die Wende als Jugendlicher, und lebte bis vor kurzem in Berlin. Mit seiner Lebensgefährtin, ihrem gemeinsamen 5 jährigen Sohn Pit und der Stieftochter Laura, 14 Jahre alt, aus einer früheren Beziehung seiner Partnerin.
Jens ist sportlich, trägt eine Brille und einen kurzen Bart – fast an der Nähe zum Hipster, ernährt sich gesund, ist Atheist und hat einen Twitteraccount mit um die 5423 follower. Twittert mal was gegen Rassismus und AfD, mal was gegen die CDU und die katholische Kirche und mal was zum Spaß und mal was nachdenklich. Er und seine Familie sind es gewohnt, das man sich per Amazon alles liefern lassen kann, und man per stream sich jede x-beliebige Serie auf den Flachbildschirm im Wohnzimmer oder in der Küche holen kann. Bis hier hin ein ganz normaler User.
Aber da er auch ein gut bezahlter qualifizierter Informatiker ist, erhielt er von seinem Arbeitgeber (einem führenden deutschen Unternehmen in Sachen „Internet“) ein Angebot, für wenigstens ein Jahr ins Ausland zu gehen. Wahlweise mit seiner Familie.
Sein Auftrag: Im betreffenden Land bei der Errichtung der Internet-Infrastruktur zu helfen.
Es gab da einen Staatsvertrag, der diese „Wirtschaftshilfe“ und Kooperation in die Wege leitete.

Und dann ging alles ganz schnell: Es hieß: wir ziehen um. In ein fremdes Land. Der einzige Trost für Jens, bzw. seine Familie: man spricht dort auch deutsch.
Der Umzug erfolgte in Etappen: erst Jens, und dann eine Woche später der Rest der Familie.
Aber wo wohnen? Jens hatte eine Woche Zeit, ein adäquates Heim für sich und seine Familie zu finden.
Arbeiten sollte er in der Hauptstadt, bei dem Kooperationspartner seines Arbeitsgebers. „EDÜB“ Elektronische Datenübermittlungsbehörde.
So begab es sich, als Jens mit seinem Koffer im Flughafen stand, aufgekratzt und jetlag-geschädigt, und versuchte, die Eindrücke die auf ihn einprasselten, zu verarbeiten.
Das war also ein „Flughafen“. Er fand eher, das die große Halle, in der er stand, wie eine große Wartehalle eines Bahnhofs wirkte. Die Mauern waren aus Stein, die Fenster wirkten wie Kirchenfenster. Die Anzeigentafel für die ankommenden und abfliegenden Flüge war kein LCD-Bildschirm, sondern klackerte unentwegt sehr mechanisch. Es gab Zeitungskioske, einen Blumenladen und Schalter, an denen Reisende anstanden. Soweit alles irgendwie vertraut. Was Jens aber als aller erstes feststellte: Die Kleidung! Die Männer trugen alle Anzug, die Frauen alle Schuhe mit Absätzen, Röcke und Blusen. Sehr verwundert beobachtete er ein humanoides Capybara, das mit einem Gehrock(!) bekleidet war, am Zeitungskiosk eine Zeitung kaufte.
Was ihm noch sofort auffiel, weil es ihm direkt in die Nase kroch: Offenbar rauchte hier fast jeder. Die Männer Zigaretten oder Zigarren, und die Frauen, besonders die, die wie Filmstars der 40er Jahre aussahen, Zigarillos mit Mundstück.
Nicht, das es dreckig hier gewesen wäre, es lagen keine Kippen auf dem Boden der Empfangshalle, überall standen Aschenbecher.
Jens war verwirrt. In seiner Verwirrung wurde er wieder ins hier und jetzt zurückgeholt, als er im Gedränge angerempelt wurde. Irgendetwas ging zu Boden, und instinktiv bückte sich Jens, um eine Aktentasche wieder aufzuheben, um sie ihrem Besitzer wiederzugeben. Als er die Tasche nahm, blickte er zu Boden, und blickte langsam zu der Person von unten nach oben auf:
Das waren glänzend schwarze Overknee-Stiefel mit Pfennigabsätzen, ein kurzer dunkler Minirock – im Spalt dazwischen konnte man den hauch von Netzstrümpfen erahnen. Das war ohne jeden Zweifel der höchst attraktive Unterleib einer Prostituierten oder Pornodarstellerin. Der dezente Hauch des Parfüms „Bordsteinschwalbe N° 147“ schien das zu bestätigen.
Aber als Jens weiter an diesem Frauenkörper entlang nach oben blickte, sah er einen feldgrauen Uniformrock mit geschlossenem Stehkragen, an dem einige Ordensspangen, ein eisernes Kreuz und ein vergoldetes Venuszeichen hingen.
Das letzte mal, das er so etwas in natura gesehen hatte (bis auf das EK, versteht sich), war bei der Militärparade zum 40. Geburtstag der DDR. Sofort mußte er an die NVA denken – und an noch weiter zurückliegende Militärepochen.
Jens schluckte.
Denn oberhalb des Stehkragens befand sich das äußerst hübsche Gesicht einer jungen rothaarigen Frau, deren geflochtener Zopf wie ein Fremdkörper auf dem linken Schulterstück der Uniform zu liegen schien.
Unbewußt hatte sich Jens wieder erhoben und die Aktentasche der jungen uniformierten Frau zurückgeben, die sich mit „Danke, mein Herr!“ bedankte und darauf wieder verschwand.
Gerade in dem Moment, als Jens so bei sich dachte: „Ach du scheiße, ich bin in einem reaktionären, faschistoiden Land gelandet, einem billigen Abziehbild der 40er Jahre“ machte er eine weitere Beobachtung, die so gar nicht zu einem überholt alt-moralischem Gesellschaftsgefüge passen wollte:
Da schritten zwei Frauen durch die Halle. Die eine, ein Bleistiftrock-Kostüm tragend stöckelte eiligen Schrittes voran, und hatte die andere Frau buchstäblich im Schlepptau. Denn diese trug um ihren Hals ein schwarzes Halsband, und wurde von der vorderen Frau an einer Leine hinter sich her gezogen. Aber nicht nur das, die angeleinte ging nicht nur barfuß – sie hatte auch den Kopf gänzlich kahl geschoren!
Und dennoch machte sie nicht den Eindruck einer Gefangenen.
Jens hörte im Gewirr dieser Halle nur Bruchstücke, was die beiden Frauen sprachen.
„Komm schon, du Mistvieh, ich hab Hunger. Wir wollen etwas essen gehen.“
„Ja, Herrin.“
„Und beweg dich gefälligst etwas schneller, sonst bekommst du heute Abend keine Schläge!“ mit diesen Worten drehte sich die Dame zu ihrer Begleitung, und verpaßte der angeleinten eine schallende Ohrfeige.
Jens war entsetzt. Er wollte zu den beiden Frauen hineilen, die Dame zur Rede stellen, die Polizei rufen – irgendwas. Aber er sah von der Idee ab, denn er bemerkte, das sich niemand in der großen Halle daran zu stören schien, was gerade vorgefallen war. Niemand drehte sich um. Kein Polizist kam angelaufen, als die soeben geschlagene mit schmerzverzerrtem Gesicht ein „Danke, Herrin“ aussprach und die beiden Damen wieder aus Jens´ Sichtfeld verschwanden. Er stand mit offenem Mund da und wunderte sich.

Endlich nun blieb er nicht länger sich selbst überlassen, denn es sprach ihn jemand an.
„Entschuldigung, mein Herr, sind Sie Jens Bauer? Aus Deutschland?“
Jens drehte sich um. Ein großer blonder Mann in einem kackbraun-grau-karierten Anzug stand vor ihm, einen sandfarbenen Trenchcoat über den linken Arm geworfen.
„Äh..ja, der bin ich.“
Der große Blonde lüftete mit seiner rechten kurz den Hut, und stellte sich als „Linde, Dr. Ludwig Linde“ vor.
Wie sich herausstellte war es sein „Kontaktmann“ von der „EDÜB“, der ihn in Empfang und unter die Fittiche nehmen sollte.
„Sie werden sicherlich Hunger haben, Herr Bauer – kommen Sie, ich lade Sie zum essen ein. Dann können wir in einem schonmal besprechen, wo Sie sich einqaurtieren werden.“
Linde deutete auf ein Restaurant, das auf einer Empore an einer Wand der großen Halle über dem Blumenladen und dem Zeitungskiosk war.
Jens wußte nicht genau warum und wieso, aber ihm war dieser „Dr. Linde“ irgendwie unsympathisch. Er wirkte auf ihn wie eine lange schmale Humphrey-Bogart Immitation – allerdings mit einem blonden Scheitel, der mit einem Stahllineal gezogen zu sein schien. Seine Anzugshose schien dertig scharfkantig gebügelt zu sein, das man mit der Bügelfalte alles mögliche hätte schneiden können. Und dann diese lange schmale schwarze Krawatte – sowas hatte man in den Fünfzigern getragen.

Sie hatten kaum auf der Empore des Restaurants des Platz genommen, als sich an den Nebentisch Jens wunderliches Ereignis von vorhin setzte: Die beiden Frauen.
Das heißt, nur die Dame setzte sich an den Tisch. Ihre Begleitung kniete sich wie ein Hund zu ihren Füßen.
Eine Kellnerin kam, und nahm die Bestellung auf. Jens war wie gebannt: Die Kellnerin trug ein kleines schwarzes mit weißer Spitzenschürze. Aber mehr noch interessanter war, wie die Dame ihre Bestellung aufgab: „Für mich bitte einmal das ostpreußische Reisgericht und ein Wodka pur. Und für das Fickschnitzel hier unten eine Schale mit Wasser.“
Die Bedienung nahm die Bestellung auf, als ob es das selbstverständlichste auf der ganzen Welt wäre, das eine Person in einem Speiselokal sich unter einen Tisch hockte, und eine Schale mit Wasser vorgestellt bekam.

„Herr Linde…“
„Doktor Linde“ hüstelte Linde etwas irritiert.
„Sorry…Herr Doktor Linde…darf ich Sie etwas fragen?“
„Ja natürlich. Nur zu.“
„Was ist ein ostpreußisches Reisgericht, und …haben Sie hier zur Zeit eine Fetischveranstaltung oder Karneval?“
Linde schaute irritiert, denn die Dame mit ihrer angeleinten Begleitung saß in seinem Rücken.
„Also… das Reisgericht besteht im wesentlichen aus Graupen, Lauch und Hackfleisch. Eine Art Risotto. Wir können uns das gerne bestellen, wenn Sie mögen.
Aber über besondere Veranstaltungen ist mir nichts bekannt, bedauere. Karneval ist ja schließlich erst im Februar. Wie kommen Sie darauf?“
Geistesabwesend antwortete Jens „ach…nichts…ich hatte so den Eindruck…“
Jens besah sich die anderen Menschen an den Tischen, und unten in der großen Halle. Wie sie mit ihren sehr schicken aber auf ihn altertümlichen Kleidern hin und her liefen, standen, saßen, zeitung lasen, auf ankommende Fluggäste warteten. Gepäckträger in Uniform trabten hinter Reisenden her. Polizisten, die in ihrer Uniform und mit ihren Stiefeln ihn wieder stark an Vopos erinnerten (nur mit dem Unterschied, das sie Tschakos und keine Schirmmützen trugen) gingen umher. Seltsames Land oder nicht – aber bewaffnete Sicherheitskräfte gehörten offenbar auch hier zum üblichen Alltag. Immerhin war dies der große internationale Flughafen, das Aushängeschild dieses Landes.
Jens war etwas flau.
„Entschuldigen Sie mich, Herr Doktor Linde. Ich müßte mal gerade wo hin. Wenn die Bedienung kommt, dann nehme ich dieses ostpreußische Reisgericht und… den stärksten Schnaps, den Sie in Ihrem Land hier haben!“
Er verschwand in Richtung Toilette. Nicht unbedingt, weil er pinkeln mußte, sondern weil er die Stille einer Urinalpause brauchte, um der Reizüberflutung Herr zu werden. Tja….Piefendeckel. Als er so wasserlassend an der Rinne stand, hörte er auf einmal aus einer der Kabinen Geräusche. Ein rascheln, ein gegen die trennwand rummsen. Ziemlich eindeutig.
Eine Frauenstimme zischte leise „pssst….nicht so laut!“ Erschreckt sah Jens kurz auf seinen Penis und das Urinal. Ok- er hatte sich nicht in der Tür geirrt. Er war definitiv auf dem Männerklo.
Eine Männerstimme brummte etwas ziemlich leise aus der Kabine.
„Ich weiß nichtmal wie du heißt, ich will einfach nur daß du mir jetzt den Arsch fickst!“ zischte die Frauenstimme wieder.

„Oh Gott, laß es es aufhören!“ dachte Jens bei sich, aber der Druck des Strahls ließ noch nicht nach. So mußte er mitanhören, wie die Frauenstimme aus der Toilette fiepte „au…au…sei vorsichtig“ und kurz danach die Männerstimme erwiederte: „Ach wat. Gleitmittel werden überbewertet!“
Danach begann ein gleichmäßig schnelles kräftigeres wummern gegen die Toilettenkabinenwand, das alle 2-3mal von einem „au“ der Frauenstimme untermalt wurde.
Gerade, als die Männerstimme den Satz sprach: „Ich weiß auch deinen Namen nicht, aber ich sag dir, wir brauchen kein Gleitmittel. Das kommt von ganz alleine…du hast da unten schon nen schönen braunen Ring um die Rosette. Ich pump dir die Scheiße aus dem Arsch, du Fickvieh!“ und die Frau antwortete „Halts Maul und fick mich weiter, oder ich renn sofort weg! Na los, fick mich!“
– in diesem Augenblick war Jens endlich fertig, schüttelte einmal kurz und rannte zum Waschbecken. Schnell kaltes Wasser. Viel kaltes Wasser! Ins Gesicht.
Er stürmte quasi aus der Toilette hinaus in das Restaurant. Diese komisch bunte Szenerie da draußen. Zu Doktor Linde in seinem kackbraun-grau karierten Anzug.
Das Essen stand schon auf dem Tisch, ebenso ein Schnapsglas.
Noch ehe er sich hinsetzte nahm Jens das Glas, und stürzte seinen Inhalt in einem Zug hinunter.
„Mein lieber Herr Bauer? Was ist denn mit Ihnen passiert? Sie sehen ja ganz blaß aus?!“ Linde wunderte sich.
„Ach…es ist nichts…nur der Flug…der jetlag…Sie verstehen.“
„Ja natürlich.“ Linde runzelte süffisant die Stirn. Dieser Jens Bauer aus Berlin war ein merkwürdiger Exot.
„Das war übrigens ein „Senatorenbitter“, den Sie da gerade hinuntergespült haben…“
„Noch einen…!“ seufzte Jens, als er sich setzte… „Aber erst nach dem Essen…ich hab Hunger!“

Sie begannen nun, das Graupen/Hackfleisch/Lauch-Arrangement zu verspeisen. Etwa, als er die Mitte des Tellers leer hatte, sah Jens, wie sich die Tür zu den Toiletten öffnete. Er hatte sie keinen Augenblick aus den Augen gelassen. Er verspürte zwar Neugier aber in der Form von Ekel und Abscheu, zu erfahren, wen er da eben unfreiwillig belauscht hatte.
Eine Frau trat aus der Tür. Sie trug offensichtlich eine Stewardessen-Uniform. Ende zwanzig, sehr schlank, dunkles kurzes Haar, aber ihr Erscheinungsbild war perfekt. Die Kleidung picobello. Nur die leicht gerötete Gesichtsfarbe hätte vermuten lassen, was gerade passiert war. Eiligen Schrittes verschwand die Stewardess. Einen Augenblick später trat ein Mann aus der Tür. Mitte dreißig, kantiges Kinn, kurze Haare, leichter Bauchansatz. Er strebte direkt an den Tresen im hinteren Teil des Restaurants. Mit einem Satz sprang er auf den Barhocker, zündete sich eine West-red an, und bestellte einen Rhagava und ein Kölsch.
„Aha“.dachte sich Jens, und wandte sich wieder angewidert seinem Essen und seinem Tischnachbarn zu.
„Wo kann ich hier wohnen? Und meine Familie für ein Jahr?“ In diesem Moment bereute Jens nicht nur seine Worte, sondern überhaupt die Idee, mit seiner Familie hier hin ziehen zu wollen. das war Wahnsinn. Wenn dieses Land so war, wie die Leute hier auf diesem Flughafen – na dann gute Nacht.
„Nun…ich habe da eine Idee…“ hob Linde an.
[die Ausführung dieser Idee kommt dann vllt im nächsten Teil]

Als sie im Begriff waren aufzustehen, bemerkte Jens, wie die angeleinte Frau am Nebentisch tatsächlich unter dem Tisch hockte, und auf allen Vieren Wasser aus einer Schüssel schlabberte, wie dies gewöhnlich nur Hunde tun. Er schloß kurz die Augen, und hoffte, das sei nur eine Einbildung. War es aber nicht.
Die Dame über ihr saß derweil vor ihrem leeren Teller, und nestelte an ihrer Handtasche herum. Fassungslos beobachtete Jens, wie diese feine Dame einen Spiegel herausholte, und ihn vor sich auf den Tisch legte. Dann nahm sie ein kleines, druchsichtiges Beutelchen, aus dem sie ein weißes Pulver vorsichtig auf dem Spiegel dosierte.
„Die wird doch nicht ernsthaft…also hier in der Öffentlichkeit…?“ dachte Jens
Doch. Tat sie. Die Dame hackte mit dem Messer, mit dem sie eben noch das „ostpreußische Reisgericht“ gegessen hatte, das weiße Pulver klein, ordnete es zu zwei Linien – und schnupfte mit einem zusammengerollten 50-Markschein die größere der beiden Linien durch ihr linkes Nasenloch.
Dann klopfte sie ihrer kahlgeschorenen angeleinten Begleitung auf den nackten Schädel.
„Hier, Schlampe, für dich!“ und reichte ihr den Spiegel und das Schnupfröllchen. Die knieende, aus der Schüssel wasserschlabbernde nahm den Spiegel und das Röllchen und schnupfte ebenso wie Herrin die verbleibende Linie des weißen Pulver durch die Nase. „Danke, Herrin.“

„Frau Gräfin?!“ eine Männerstimme rief durch das Restaurant. Jens sah sich um. Ein Mann mit schwarzer Soutane und Priester-Barret stürmte auf die Dame zu. Der „Typ“ (wie Jens ihn gedanklich bezeichnete) erinnerte ihn an Dion Camillo. Nur etwas fetter. Und die Dame am Tisch erhob sich ebenso plötzlich.
„Herr Dechant! Sie hier?“
Der Geistliche war an dem Tisch angekommen. Auch er schien keinen Anstoß daran zu nehmen, daß eine kahlgeschorene Frau mit Halsband an der Leine liegend unter dem Tisch lag. Er reichte der Dame die Hand. Diese erhob sich, machte einen leichten Knicks(!). „Herr Dechant…Sie hier?“
Da Jens im begriff war, mit Dr. Linde das Lokal zu verlassen, bekam er nicht weiter mit, was der „Dechant“ und die „Gräfin“ weiter miteinander zu besprechen hatte.
Auf der Treppe hinunter von der Empore in die große Halle, meinte Linde zu ihm:
„Wir fahren jetzt erstmal in die Hauptstadt, und werden Sie einqaurtieren. Der Bahnhof ist im Kellergeschoß des Lufthafens. Kommen Sie.“
(Auch das war Jens die ganze Zeit über aufgefallen: Überalls stand „Lufthafen“ anstatt „Flughafen“.)
„Warum sagen Sie dauernd Lufthafen? bei uns in Deutschland heißt das „Flughafen!?“
„Und in England heißt es „Airport“ -und was heißt „Airport“ auf deutsch übersetzt?“ zwinkerte Dr. Linde.
Am Zeitungskiosk standen ein orthodoxer Pope, ein jüdischer Rabbi und ein weiterer katholischer Pastor zusammen. Die drei geweihten Männer Gottes hatten offenbar großen Spaß, denn Jens hörte im vorübergehen, wie der Rabbi zu seinen Amtskollegen sprach: „Kennt ihr den schon? Wieviele Atheisten braucht man, um eine Glühbirne zu we…“ – mehr hörte Jens nicht mehr. Nur als er hinter Linde die Rolltreppe hinunter zum Bahnhof betrat, hörte er ein schallendes Gelächter der drei Geistlichen.
„Arschlöcher!“ dachte Jens bei sich.

Jens war wie von Sinnen. Benebelt. Er hatte Angst – weniger um sich, aber die Idee, auf „gut Glück“ seine Familie in dieses komische Land nachzuholen erschien im nun als großer Fehler. Er schleppte seinen Rolltrolley hinter sich her. Dr. Linde hatte zwar nach einem Gepäcktrager bestanden – aber Jens bestand darauf, seinen Koffer selbst zu ziehen. Doktor Linde steckte dem Gepäckträger, der nun umsonst eilig herangealufen war, als Trost wenigstens ein paar Groschen zu.
So trottete jens einfach nur hinter Linde her. Da war ein Zug, eine Wagentür…und endlich ein Abteil. Jens war unfaßbar müde.
„In anderthalb Stunden sind wir in der Hauptstadt, Herr Bauer!“
„Gut!“ brummte Jens vollkommen übermüdet.
„Und…wie ist Ihr erster Eindruck von unserem Land?“
Für einen Moment bemühte sich Jens, einen klaren gedanken zu fassen. Er erinnerte sich daran, das er heute noch keinen einzigen tweet getwittert hatte.
Er sah Dr. Linde an, und fragte ihn:
„Sagt Ihnen der Begriff „wildes Gefuchtel“ etwas?“
„Nein, bedauere.“ gab Dr. Linde irritiert zurück.
„Ach nicht so wichtig. Ich werde versuchen, etwas zu schlafen.“
„Tun Sie das, Herr Bauer, tun Sie das!“

Und als der Zug mit einem Pfiff, mit einem Ruck durch alle Wagen, und einem tief seufzenden „Wuff“- „wuff“- und immer schneller werdenden „wuff-wuff-wuff…“ fahrt aufnahm, und der Rauch der Lokomotive immer schneller am Abteilfenster vorüberzog, da war Jens Bauer, Informatiker aus Berlin, schon vor erschöpfung eingeschlafen.

to be continued…

Time Team Series 20, my third episode: Personality vs Plastic

Francis Pryor - In the Long Run

On most Time Team shoots we get a number of visitors, official and unauthorised. It’s the latter I tend to prefer: they’re less deferential and tend to be a bit more cheeky. One young woman came up to me and whispered in my ear, while pointing vaguely towards a crew filming a scene with Tony and Phil:

‘What’s he really like?’

I wasn’t sure who she meant.

‘Who, Tony?’

‘No, Phil, of course.’

It was as if everyone knew what Tony was like (which I very much doubt).

‘Is he really like that?’

I knew what she meant, and yes, Phil is a bit larger than life.

‘Yes, he is. All the time. The Phil you see on the screen is the Phil you meet in the pub…’

‘So he’s not acting?’ She broke in.

‘No, he never acts. That’s the way he is. He’s himself.’

We then got to…

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