Fall durchs Dunkel

Überarbeitete Fassung

Ich laufe des nächstens eine Straße entlang, und frage mich, warum es 1942 ist. Und warum ich in Chicago bin. Und warum es regnet.
Mein Herz-Ohr möchte eigentlich „When the rain begins to fall“ hören, aber alles, was im Hintergrund dudelt ist „as time goes by“.
iIh finde das sehr beschissen. Von meinem nassen Trenchcoat und Schlapphut einmal abgesehen. Ich sehe mich um in der großen, nassen, schrill erleuchteten
Saxophon-Scheiß-Blues-Straße, und falle plötzlich in ein Loch.
Durch die Straßendecke rausche ich nach unten, und lande auf einem kaputten Sessel in einem großen dunklen Raum.
Langsam erst gewöhne ich mich an die Dunkelheit, die Wände abtastend. Ich stolpere mehrfach über umgefallene Möbel – und reiße mir einen riesen Riß in meinen Trenchcoat.
Da an der Wand hängt eine Kette. Offensichtlich, um eine Sub festzuketten. Bei der leichtesten Berührung zerfällt die Kette zu Staub.
Etwas weiter hängt eine Reitgerte an der Wand – auch sie zerfältt direkt zu Staub, nachdem ich die versuchte anzufassen.
Ich drehe mich um. Wo bin ich hier?
Der Dunkle Tempel? Der ort für das „echte“ ungezwungene BDSM? Warum sind die Lichter aus? Warum ist denn keiner hier? Und warum stolpere ich mit zerissenem Mantel über Unrat?
„Wo sind denn alle?“ frage ich halblaut.
Und bekomme Antwort:

„Die sind alle weg. Entweder sind sie bei Ophelias Autorenlesung oder auf der SecretNight.“
Ich drehe mich um, plötzlich stehe ich in einer Autowerkstatt. Johanna schraubt an ihrem gelben Rennwagen rum.
Nochmal frage ich: „Wo sind denn alle?“
„Hab ich doch grade gesagt – sind alle gegangen.“
„Chamaelita?“
„SecretNight.“
„Und Weitwinkel? Der ist doch nicht etwa auch auf der SecretNight?“
Johanna saufzte. „Nein. Der ist eben weg, hummelte was von Hasiküre.“
„Was?“
„Keine Ahnung. Fellpflege oder so. Jedenfalls bin ich noch hier.“
„Du erinnerst mich sehr an die Schlußszene aus „der Untergang“; der einzige, der noch übrig geblieben war, und bei dem noch Licht brannte, war der Mechaniker an der Lüftungssanlage.“
„Na herzlichen Dnak auch!“ brummte Johanna, ohne aufzusehen. „Schraubenschlüssel bitte!“
Ich reihte ihr den Schraubenschlüssel.
„Aber…aber…wo sind denn alle?“ ich war immer noch nicht ganz bei Sinnen. Jedenfalls kam es mir so vor.
„Na was glaubst du denn? Monatelang so gut wie nichts getwittert…nur hierund da was kryptisches.“
„Ich…ich glaube…ich war krank… oder so…“
ich versuche mich zu erinnern, und bin mir immer noch nicht ganz klar,ob ich in einem meta-Raum-Traum war, oder in der Wirklichkeit, oder ganz woanders.
„Und wo ist Kerstin?“
„Auf ner Fortbildung.“ Johanna sieht mich immer noch nicht an, da sie gerade mit einem Schraubenschlüssel eine Zündkerze festzieht.
„Krank warst du wirklich…und a friendly word of advice: du solltest ficken!“
„Johanna, du bist gut?! Wen denn? Siehst ja: ist keiner mehr da! Du bist lesbisch!“
„Das stimmt allerdings.“
Endlich sah sie mich an, als sie sich mit einem öligen Lappen die Hände vom gröbsten Öldreck befreite.
„Und damit du nicht gleich wieder in eine Sinnfindungskrise schlitterst, hab ich eine Aufgabe für dich!“
„Du? Für mich?“ Ich war irritiert. Vielleicht noch mehr als sonst.
„Ja. Du solltest dich mit etwas ablenken. Du brauchst eine Luftveränderung!“
„Ooooooh Vorsicht mit so großen Worten!…ich fühle mich, als hätte ich eine längere Automobilfahrt hinter mir…irgendwie..gerädert…“

Sie sah mich mit einem süffisanten Lächeln an: „längere Automobilfahrt ist das Stichwort: Weitwinkel und Du, ihr werdet mich auf den Nürburgring begleiten!“
„Was?“
„keine Widerrede! Ich habe das schon fix eingetütet! Das ist ja nicht so weit von deinem Dorf weg, oder?!“
„Nein, weit ist es nicht – aber was soll ich denn am Ring? Und Weitwinkel? Sollen wir uns ein Autorennen angucken?“
„Nope. Ihr sollt mitfahren. Alleine kann ich keine 24 Stunden am Steuer sitzen.“
ich schaute sie sehr skeptisch an. Das konnte sie unmöglich ernst gemeint haben.
„Wir sollen mit die beim 24-Stunden Rennen antreten? Johanna, du bist nicht nur lesbisch, du bist auch geisteskrank!“

(to be continued)

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