Start

„Männerwochenende“ pfff…mir geht dieses „Männergehabe“ ziemlich auf die Nerven. In unserem Team fährt eine Kampflesbe, ein humanoides Kaninchen und meine Wenigkeit. Das taugt nicht zum „Männerklischee“. Zumal nur Johanna „Benzin im Blut“ hat. Weitwinkel und ich sind zu diesem Renneinsatz gekommen, wie „die Jungfrau zum Kinde“.

15:04 Das Auto steht in der Startaufstellung. Es ist heiß, laut… und ich bin flatterig aufgeregt. Weitwinkel gehts ähnlich, und Chamaelita hält uns beiden in der Box das Händchen. Eigentlich hätte ich an diesem Wochenende mit ihr nach Trier fahren wollen – aber das Johannas Rennplanung kams anders.
Chamaelita war kurzerhand zur „Boxenchefin“ erkoren worden: d.H. sie sollte einfach auf Weitwinkel und mich aufpassen, wenn Johanna grade im Auto saß oder schlief.
Johanna hatte uns in der Teambesprechung noch einmal eingeschärft: „Ankommen ist das Ziel. Ein Dreher kann immer mal passieren. Auch Unfälle. Aber“ – sie hob den Zeigefinger, „Ich erinnere nochmal daran, daß das MEIN Auto ist. Ich wünsche, das wir morgen Nachmittag hier sitzen und anstoßen können!“ Und extra an Weitwinkel gewandt: „Fahren Sie, Weitwinkel. Lassen Sie sich nicht irre machen. Auch wenn alle anderen Sie überholen, nicht anfangen zu weinen! Selbst wenn wir letzter werden, haben wir doch gewonnen! Ankommen ist das Ziel. Nicht antitschen, keinen Unfall machen, einfach fahren. Das gilt auch für Dich, Martin!“
Ich nickte. Und hatte einen Kloß im Hals.
Einführungsrunde.
Johanna steht mit unserem Auto irgendwo im Mittelfeld. Insgesamt 158 Fahrzeuge am Start. Und die Nummer „666“ vom Team „deClerk Racing“ mittendrin. Als erfahrenste würde sie starten. Nach ihr würde Weitwinkel fahren, dann ich. Und immer so fort. Einen „stint“ nennt man das – also ein paar Runden hintereinander, dann Fahrerwechsel. maximal drei Stunden am Stück darf man fahren, mindestens 15 Runden um gewertet zu werden. Eine Runde hat 25km links rechts rauf runter. Durch die „Grüne Hölle“.
Während der Einführungsrunde hängen wir alle in der Box an den Monitoren. Es riecht nach heißem Öl und Gummi.
Gottseidank hat Johanna in ihrem Auto auch eine Klimaanlage eingebaut.
Durch die Sprechfunkverbindung krächzt sie: „Warum ist in meinem Auto eine halbe Möhre angeklebt?“
-Die Autokarawane der Einführungsrunde schlängelt sich gerade durch den Adenauer Forst-
Weitwinkel biegt sich sein Mikro zurecht: „Das ist ein Glückbringer. Wenn wir morgen angekommen sind, dann esse ich die andere Hälfte auf, mümpfennämlich!“
[Johanna krächzt irgendwas unverständliches.] Ich rolle mit den Augen, Weitwinkel mümpft und Chamaelita lacht.
Die Einführungsrunde ist gerade unten im Abschnitt Wehrseifen angekommen.
Langsam wirds ernst.
Ich habe Angst. Bin aber jetzt schon voll Adrenalin.
Unser Boxenteam muß ich noch kurz vorstellen: Das waren zum einen Mädchen vom ZA, Johannas Schülerinnen. Quasi eine „girlsday-Aktion“. junge Frauen an technische klassische „Männerberufe“ heranführen. Und da war noch Curt. Johannas Vater. Der hielt sich aber weitestgehend zurück, und wuselte mit drei anderen Niederländern an den Werkzeugen herum. Mit ihm hatte ich nicht viel zu tun.
Ich saß einfach mit Weitwinkel und Chamaelita vor den Monitoren. Kopfhörer auf.
Die Einführungsrunde war gerade im Karussel. Die letzte 180-Grad-Steilkurve, die noch im Rennen weltweit befahren wird, wenn ich das richtig im Kopf habe. benannt nach Rudolf Caraciola. Erster Sieger auf dem Nürburgring 1927.
Boah… mir ist jetzt schon warm. Nebenbei verfolgen wir auch den live-Stream von Vodafone und das Programm von rtlNitro. Bilder von der Strecke.
Direkt vom Brünnchen.
Mir ist flau im Magen. Ich würde gern eine rauchen. Aber hier in der Box geht das nicht. Zu gefährlich.
Ich schwitze jetzt schon Wasser und Blut. Dabei dauerts noch ca. 3-4 Stunden, bevor ich mich in den Wagen setzten kann.
Weitwinkel nuckelt durch einen Strohlhalm ein Erfrischungsgetränk.
Ich hätte gern ein Bier, einen Blowjob und eine Zigarette.
[Johanna meldet sich wieder über Funk]: „Antoniusbuche…Auto läuft super. Bremsen sind gut temperiert“.
15:28.
Wenn das Feld gleich über Start&Ziel den fliegenden Start macht, dann wirds ernst.
Meine Beine sind wackelig.
Wir sehen, wie alle Schlangenlienien fahren. Um die Bremsen auf Temepratur zu brinngen.
Und da sind sie!
Los gehts! Das Rennen ist gestartet.
In der zweiten Rennrunde haben wir sogar mal kurz die onboard-Kamera aus Johannas Cockpit im Fernsehen.
Jetzt heißt es warten, wie Johanna sich schlägt…

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