Einkauf. beim NORMA

ein normaler, alltäglicher Vorgang.

Stellen Sie sich vor, das Auto ist ein Schiff.
Und jedes mal, wenn wir einen Supermarkt ansteuern, dann ist es, als ob der Einkaufskorb das Beiboot ist, mit dem wir an Land rudern – denn der Parkplatz des Supermarkts ist der Hafen, und das Schiff liegt in solchem vor Anker. (Außerdem kann man mit einem Auto schlecht in einen Supermarkt fahren.)
Am Landgang behufs des Einkaufens nehmen für gewöhnlich sowohl der Chef als auch Herr Weitwinkel teil. Begleitet vom Zahlmeister, zwei Marinesoldaten und 2-3 Matrosen, die die Einkäufe schleppen. Meistens ist es dann so, daß der Chef mit einem der Marinesoldaten loszieht, um Bier, Milch und Tabak zu kaufen, und der Rest des Landkommandos unter der Leitung des Herrn Weitwinkel die übrigen Regale abklappert. Als Treffpunkt wird dann „vor der Kasse“ ausgemacht.
Der Chef hält neben den Einkaufsplan natürlich auch Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts im Auge – man kann ja nie wissen. Alles zwischen 15 und 55 wird in 0,4253 Sekunden gerastert, analysiert – und eigentlich immer ad acta gelegt.
Ein abenteuerliches Schauspiel ist es, wenn Weitwinkel, und der Zahlmeister, der meistens einen Dreispitz trägt, eine mit einem Gänsekiel beschriebene, büttenpapierne Einkaufsliste abklappern. Dabei kommt es auch vor, das sich Weitwinkel von den Matrosen hochheben läßt, um in die obersten Regale sehen zu können. Bisweilen kauft er dann auch Waren, die ihn spontan faszinieren aber gar nicht auf der Liste stehen.
Nachdem der Einkauf getätigt ist, und die Matrosen die Einkäufe ins Beiboot verfrachten, der Zahlmeister den Einkaufszettel, den Kassenbeleg und die PayBack-Karte mit Weitwinkel durchgesehen hat, streiten dieser und der Chef hin und wieder darüber, ob diese oder jene Ausgabe denn wirklich notwendig war. Dann rudert der Einkaufskorb zurück über den Parklplatz (durch das Hafenbecken) zurück zum Schiff. Dort wird dann alles – wie auf einem großen Schiff – im Laderaum verstaut, und der Maschinentelegraf rattert. Das Ausparken aus der Parklücke ist das Ablegen des Schiffes vom Pier: Die Wachoffiziere lehnen sich über die Brüstung der Brücke, um einen Blick nach hinten zu haben, reichen die Entfernung zum Ufer auf die Brücke weiter; der Rückwärtsgang ist der klingelnde Maschinentelegraf, im Maschinenraum rotieren die Zylinder.
Die Marinesoldaten, bei mancher emotional-politischer Großwetterlage sogar Johanna deClerk und ein paar ihrer Kampflesben, stehen Gewehr bei Fuß, und beobachten die Umgebung.
„Heck kommt frei“
„Backbordmaschine halbe Kraft zurück, vordere Spring kommt frei. Wegfrieren. Klar bei Deckkommando!“
Weitwinkel ist unterdessen in seiner Kajüte verschwunden, oder beschnuffelt die Einkäufe. Der Chef überwacht als „Eigner“ des Schiffes stumm auf der Brücke das Ablegemanöver, und geifert zu den Klängen des Autoradios(wdr2) innerlich über twitter, die bdsm Community, zu Tode tief gnarfend und nicht Galle spucken könnend, legt er mürrisch den Gang ein.
Ein Opel Astra, Baujahr 95 – unter den smarten Gefährten des 21. Jahunderts mit Navi, und mehr Computertechnik als in den Apollo-Mondraketen der Amerikaner verbaut war – da erscheint dieses alte Vehikel wirklich wie ein dampfgetriebener Seelenverkäufer. Es nützt auch nichts, daß die Maate und Heizer, wenngleich hohlwangig und abgekämpft, stolz darauf sind, daß der Kasten noch schwimmt.
Wenn der Kahn wieder auf offener See ist, und den Hafen hinter sich gelassen hat, steht meistens eine Frau in Uniform in der Tür zur Kajüte des Chefs.
Entweder K. oder Johanna.
„Martin…möchtest du die Tagespresse studieren? Das Dossier deiner TL – wer, was, wann mit wem und wie oft….“
Und immer öfter kommt nur ein unwirsches „Nein!“ aus dem inneren der Kajüte zurück. „Diese hohlhirnige Finsternis…. wenn die alle mal vom Leben so gefickt wären wie ich, dann würden sie alle wundgescheurt sein-und zwar oben wie untenrum! und dieses ganze bdsm Blabla, angefangen von der großen Lehrmeisterin bishin zum kleinsten Windelscheißerchen würden alle mal die Schnauze halten. Eigentlich sollten wir mal da…bei diesem Dingens aufkreuzen… ich kann mit meinem bloßen Blick, mehr als …ach was solls… konnte ich mal. Ich hab ja nicht mal mehr eine sporadische Gelegenheit, mir eine Krawatte anzuziehen. Aber wenn…. dann… ich mach mit einer Krawatte, selbst wenn ich sie nur trage, mehr als andere mit ihren 147 Gerten-Floggern, weiß der Kuckuck was… [Stimme wird leiser] ….zumindest war das früher so… [Stimme wird noch leiser] …zumindest war das früher so…“
Die Frau in Uniform an der Kajütentür hat schon längst augenrollend den Gang verlassen, und das Tagesdossier dem Archivar vom Dienst wortlos auf den Tisch geknallt, und ist in die Offiziersmesse – um sich zu betrinken.
Während der Chef noch gedankenversunken und abgestumpft, in seinen Erinnerungen seine Dominanz und Potenz wiederzufinden sucht, oder zumindest ein paar schemenhafte Hinweise dazu, steht Weitwinkel in der Tür. Klopft vorsichtig an.
„Huhu…. die Pfrau Chamäleon wünscht uns über Funk einen guten Morgen, Chef!“
„Danke gleichfalls!“
„…und…ähm…wir haben noch 9,60€, mein Chef. Das sind 10 Rechnungs-Euro, bzw. 9 Valuta-Euro. Da kommen noch hinzu 1,25€ an Pfand der Bierpflaschen, die Sie eben gekaupft haben, mümpfennämlich.“
Der Chef hat nicht zugehört. Oder er hat zugehört, aber dann nur als Untoter. Mit unbewegter Miene fragt er: „Wie lange noch?“
„Ähm…ähm… das muß nach unserem jetzigen Kenntnisstand noch 5 Tage reichen, euer Gnaden!“
Das reicht nie.
„Lassen sie die Rationen halbieren. Tabak nur auf Bezugsschein. Essenausgabe nach Vorschrift, keine Bevorzugung der Offiziere.“ Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel gepreßt, die Augen verschlossen. „Ich hab nicht mal das Geld für neue Schnürsenkel. Schwarze Schuhe und Schuhwichse ist reichlich da – ich seh nachts um halb drei mit 2 Promille noch dominanter aus -und bin es auch-, als diese ganzen Schwafel-Heinis… aber ohne Schnürsenkel…“ [tiefes seufzen]
„Bitte was?“
„Ach nichts, Weitwinkel… nichts. Gehn` Sie. Ich komm gleich auf die Brücke. Und sagen Sie dem LI, er soll den Brennstoff peilen. Ich will nicht schon wieder mit dem letzten Tropfen die Aral ansteuern müssen.“
„Da sammeln wir aber Payback-Punkte, nämlich!“
[ orrr. seufz!]

„ICH WÄRE VERFICKT NOCHMAL FROH, WENN WIR NE SCHATZINSEL ANLAUFEN KÖNNTEN…und jetzt raus mit Ihnen!“
[„gehen Sie ihren Weihrauch, oder was auch immer sie unnötigerweise heute gekauft haben, beschnuffeln“ -> in Gedanken hinzugestezt]
Wie jeder gutaussehende, kompetente, mit Augen-die-frau-zum-feuchtwerden-veranlassende, aber leider leidende und zwangsweise hungernde und eine abgewetzte, reparaturbedürftige Uniform tragender Kapitän gießt sich der Chef erstmal ein Glas eines alkoholischen Getränkes ein. Das Schiff bewegt sich sanft in der Dünung. Der Astra rollt deshalb so gut über die Straßen des Landkreises Ahrweiler, weil der Asphalt hier genauso alt ist, wie das Auto selbst.
Durch das Oberlicht fällt etwas Licht in die Kajüte. Stumm sieht er dem blauen Dunst der Zigarette hinterher.
Im Hintergrund hört man die Kommandos an Deck.
„Zehn Grad Steuerbord! Lichtzeichen setzen!“ …der Maschinentelegraf rasselt.
„All die un- und fehl-gefickten Mösen meiner Generation, die mir versagt blieben… und jetzt sitzen Sie da..unglücklich… und lassen sich von der Premiummuschi belehren, wie man sich selbst noch schneller an die Wand fährt. Einfach mehr Vollgas geben…. nee…ich brauch das Tagesdossier nicht zu lesen. Ich WILL diese Welt gar nicht mehr hören. Alles, was ich in der Schule oder bei meinen Großeltern gelernt hab, ist heute verboten, verpöhnt oder ungesund. Das einzige was mich von den scheiß-beschissenen Nazis unterscheidet, ist der Glaube an den lieben Gott. Aber [Chef lacht verzweifelt diabolisch in sich hinein] das macht nichts. Das haben diese schwarzbelederten ignoranten Säulenheiligen der Gutmenscherei mit den Nazis gemeinsam: Dem Zimmermann aus Galiläa hören genausoviel oder wenig zu wie mir… Ach was solls…“
Müde reibt er sich den Kopf, bemerkt, das seine eigenen langen Gedankensätze nur für denjenigen noch einen Sinn ergeben, der auch in seinem Kopf wohnen würde, ihm zuhören würde.
Ein heftiges Reiben der Augen. Wieder wach sein.
Mürrisch, sehr sehr mürrisch, stapft er den Korridor entlang, und entert zur Brücke auf.
Ein Maat pfeift „Käptn auf Brücke“. Unwirsch läßt der Chef sich auf seinen Sitz fallen.
„neun Euro für 5 Tage…. “ seufzt er.
„BLINKER LINKS! Und beide Maschinen große Kraft voraus!“ Auf einmal ist er dann wieder wach. Hellwach. Und konzentriert.
„Obersteuermann! Ich erbitte mir ein Überholmanöver aus, bei dem selbst Falbalus und Ophelia Ehrenblowjobs als Lobeshymnen darbieten würden! Vollgas, wenn ich bitten darf!“
Der Obersteuermann knallt die Hacken zusammen, salutiert: „Jawoll mein Chef!“.
Der Motor heult auf.
Im Tank ist mehr heiße Luft als Benzin.
Weitwinkel hält sich in seiner Kajüte, von der plötzlichen Beschleunigung überrascht, verzweifelt irgendwo fest, während um ihn herum die Zitronen, mit denen er handelt, herumpurzeln.
Der Astra zieht mit Müh und Not, 70 verschlissene PS aussaugend, an einem lahmarschigen SUV vorbei. Von so einer unglücklichen Familienmutter MitteEnde 30, die auf ihrem geheimen Twitteraccount davon träumt, von einem Mann geschlagen, vergewaltigt und angepißt zu werden. Stattdessen söhnt sie sich mit ihrem Mann den Kindern zuliebe aus, und fährt vom Einkaufen direkt weiter zur „Kita Spatzenhirn“, nur um den nächsten augenroll-tweet zu verfassen. Der landet in ihrer TL gleich hinter Ophelia, MarieMoreau und Falbalus. Den alten, klapprigen bordeauxroten Astra, mit Triskelen, Effzeh und Lazitrölaufkleber, der da grade lebensgefährlich nahe an ihr vorbeiflankt, nimmt sie gar nicht wahr.
An Bord brummt sie Maschine.
„Wir schwimmen noch.“ schnaubt der Chef verbittert in sich hinein. „wir schwimmen noch.“
Autofahren ist seit je her immer eine Sache der Marine gewesen.

Fahrerwechsel

Die ganze Zeit über hören wir Johanna nur hin und wieder fluchen und schimpfen. Wenn wir sie denn hören. Der Streckenmonitor zeigt uns an, daß sie gut mit den GT3-Autos mithält. Jeden Unfall, jede Kollision, die wir im Fernsehen sehen, melden wir über Funk an sie weiter.
[„bedankt… ich sehe die gelben Flaggen“] kommts dann aus dem Funk zurück.
Kurz wieder eine onboard-Perspektive aus unserem Auto: Sie rasen die Fuchsröhre runter. Die Abstände zwischen den Autos werden größer. Das Feld verteilt sich langsam auf den 25 Kilometern.
[„die BMWs sind alle was lahm. hab bestimmt schon 4 überholt“]*krächz*
Ich funke zurück: „Du hast unterm Strich aber zwei Plätze verloren..“
[Ich weiß…aber das Auto geht gut mit… uaahh..FuckinAsshole!…sorry..da war ein CupPorsche der mich schneiden wollte… bin gerade….rgwerk Anfahrt Klos…tal]*krächz*
Ok – so langsam komme ich wieder runter. Irgendwie ist es beruhigend, mit Johanna zu sprechen.
Ich merke auch den Krach nicht mehr so sehr, wenn die ersten Autos hier an der Boxengasse über Start&Ziel donnern. Was-für-ein-ohren-betäu-bender-Lärm!!!
16:19 ich habe nicht wirklich viel Ahnung – aber ich habe die Anzeige für die Luftdrücke und die Öltemperatur entdeckt. Curt neben mir brummt „alles ok“. Johannas Vater ist ein stiller Zeitgenosse, wie mir scheint.
Ich „warte“ geradezu darauf, das irgendwas passiert. Nicht, das ich mir wünsche, das an unserem Wagen was kaputt geht – aber ich sehe wie es links und rechts von uns die ersten Reperaturen gibt.
Johanna fließt gut im Mittelfeld mit.
Weiwinkel legt sich schonmal seinen Rennoverall und Helm zurecht – und schlürft noch eine Tasse Kaffee mit Chamaelita.
Ich verlasse unsere Box nach hinten raus, Richtung Fahrerlager. Ich muß(!) eine rauchen.
So langsam will ich auch endlich fahren. Egal, wie gefährlich es da draußen ist. Jetzt bin ich hier, jetzt will auch mitfahren. Natürlich mach ich mir Sorgen um Weitwinkel. Ich hoffe wirklich, das er nicht die Panik bekommt.
Genauso hoffe ich, das ICH nicht doch noch Panik bekomme.
16:31: Johanna kommt zum ersten Boxenstop.
Noch ist kein Kratzer im Lack. Der Wagen rauscht ran, die Mädels sind schon alle bereit. Mit Feuerlöscher und Benzinschlauch. Das wurde tausendmal geprobt. Reifen und Schlagschraubergewusel. Schnell werden die Scheiben gewischt, der Rüssel angesetzt. Die Fahrertür wird geöffnet, für mehr Frischluft. Ich glaub jetzt ists auch ziemlich egal, was da für ne Flagge neben den Namen geklebt ist. Sie bleibt drin sitzen, die Trinkflasche wird durch eine neue ersetzt. Krach. Lärm.
[„gebt mir neue Reifen, bitte. Ist schon viel rubber pick up auf der Straße!“]*krächz*
Wie im Fernsehen: Schlagschrauber, Reifen weg, Reifen drauf, Schlagschrauber, Rüssel weg – und ab geht die Luzie. Johanna fährt noch einen stint von 5-7 Runden, dann ist Weitwinkel an der Reihe. Das Mädel mit dem Lollipop dreht sich nochmal um – alles gut gegangen. Der dCR 24-N GTx ist wieder auf der Strecke.
16:47:
Krach im Funkverkehr [„aaaah…shit shit shit!“]
„Johanna, was ist los?“
[„Vor mir ist gerade einer abgeflogen, im Adenauer Forst. Bin voll durch die Staubwolke gerauscht und hab die leitplanke leicht touchiert… haltet ihr bitte die Telemetrie im Auge?“]*krächz*
„Ist dir was passiert???“
[„Nein, mir gehts gut, und das Auto fährt auch weiter… kann aber sein, das ich was Dreck und Carbontrümmer aufgesammelt hab… oouuhh… arrgh.. sorry.. diese kleinen Seats gegehn mir auf die Eierstöcke!“] *krächz*
Curt und die anderen Mechaniker zucken mit den Schultern. Anscheinend hats nochmal gut gegangen.
„Johanna… wir sehen hier nichts. Scheintalles normal zu sein. keep racing!“
*krächz*
[Roger… sag…winkel…er soll sich …eitmachen…vier Runden…hrerwechsel!]*krächz*

17:17 Der erste Fahrerwechsel. Spannung. Anspannung.
Herr Weitwinkel steht in seinem Rennoverall da. Helm im Arm. Chamaelita und ich lachen: Herr Weitwinkel hat nämlich einen Spezialhelm, der oben zwei Ausbuchtungen zur Belüftung hat – für seine langen Ohren. Ein richtiger Hasenhelm!
„Ich habe etwas Angst. mümpf!“
„Ach Herr Weitwinkel…“ Chamaelita flauscht ihn. Ich klopfe ihm auf die Schulter. „Wir passen auf Sie auf, versprochen!“
„Mümpf!“ er zieht sich den Helm über.
Wieder rauscht der Wagen an. Das gleiche Prozedere wie zuvor. Johanna krabbelt in dem ganzen Gewusel aus der Fahrertür, Weitwinkel springt rein. Legt erst seine Sitzschale (für seine kleinere Statur) in den Sitz, und hopst dann hinters Lenkrad.
ich höre noch, wie Johanna schreit: „Fahrer ID nicht vergessen!“
Weitwinkel deutet mit dem Daumen nach oben.
(Fahrer ID : Es gibt einen Knopf, den jeder fahrer drücken muß, bevor er losfährt- damit wird die Anzeige des aktuellen Fahrers umgestellt, so daß die Rennleitung und die aktuelle Anzeige weiß, wer gerade hinter dem Steuer sitzt)
Ansonsten: alles recht unspektakulär, vond er allgemeinen Hektik einmal abgesehen. Wir haben Glück: gerade ist kaum was los in der Boxengasse. Weitwinkel hat also Platz und Ruhe, aus der Box zu fahren. Mit qualmenden reifen düst er davon. Chamaelita und ich sehen ihm sorgenvoll hinterher.
Johanna reißt sich endlich den Helm und feuerfeste Haube vom Kopf. Sie ist hochrot und total durchgeschwitzt.
„Boah is das heiß in der Kiste!“
Ihr erster Blick geht zu den Monitoren. Weitwinkel ist auf dem Grand-Prix-Kurs, und hat offenbar sogar zwei andere Autos überholt.
„Jetzt kann er mal zeigen, was in ihm steckt!“ ruft sie.
Im Fernsehen sehen wir kurz unser Auto – der Heckspoiler „Lazitröl“ ist groß im Bild. Das Dach der Fahrgastzelle „ANAL – alles super“ allerdings auch. Dann rauscht er Richtung Hatzenbach…

17:31: wir sehen entsetzt wie die Startnummer 55 in Flammen aufgeht und der Fahrer mühsam aus dem Wagen kommt. Das sieht richtig gefährlich aus! /o\
Weitwinkel muß da jeden Moment vorbeikommen.
[„Huchnmümpf! Hier auf der Grand-Prix-Strecke ist viel Rauch?!“]*krächz*
„Ja, Herr Weitwinkel, da hat ein Auto angefangen zu brennen! Aber dem Fahrer geht es gut! Machen Sie sich keine Sorgen. Fahren Sie einfach weiter!“
[„Hm..okee…“] *krächz*
man hört, das er Angst hat.
„Herr Weitwinkel… alles gut. Uns kann so etwas nicht passierren, wir haben eine automatische Feuerlöschanlage im Motorraum!“ versucht Johanna ihn über Funk zu beruhigen.
Zu Chamaelita und mir meint sie dann: „Das reißts im Ernstfall auch nicht raus, aber hoffentlich dreht er nicht durch.“
[„Verstanden! ich fahre einfach weiter!mümpf!“]
Puh. Johanna trinkt auf ex anderthalb Liter Wasser – ich geh mit Chamaelita erstmal eine rauchen… Um uns herum Rennlärm…

Start

„Männerwochenende“ pfff…mir geht dieses „Männergehabe“ ziemlich auf die Nerven. In unserem Team fährt eine Kampflesbe, ein humanoides Kaninchen und meine Wenigkeit. Das taugt nicht zum „Männerklischee“. Zumal nur Johanna „Benzin im Blut“ hat. Weitwinkel und ich sind zu diesem Renneinsatz gekommen, wie „die Jungfrau zum Kinde“.

15:04 Das Auto steht in der Startaufstellung. Es ist heiß, laut… und ich bin flatterig aufgeregt. Weitwinkel gehts ähnlich, und Chamaelita hält uns beiden in der Box das Händchen. Eigentlich hätte ich an diesem Wochenende mit ihr nach Trier fahren wollen – aber das Johannas Rennplanung kams anders.
Chamaelita war kurzerhand zur „Boxenchefin“ erkoren worden: d.H. sie sollte einfach auf Weitwinkel und mich aufpassen, wenn Johanna grade im Auto saß oder schlief.
Johanna hatte uns in der Teambesprechung noch einmal eingeschärft: „Ankommen ist das Ziel. Ein Dreher kann immer mal passieren. Auch Unfälle. Aber“ – sie hob den Zeigefinger, „Ich erinnere nochmal daran, daß das MEIN Auto ist. Ich wünsche, das wir morgen Nachmittag hier sitzen und anstoßen können!“ Und extra an Weitwinkel gewandt: „Fahren Sie, Weitwinkel. Lassen Sie sich nicht irre machen. Auch wenn alle anderen Sie überholen, nicht anfangen zu weinen! Selbst wenn wir letzter werden, haben wir doch gewonnen! Ankommen ist das Ziel. Nicht antitschen, keinen Unfall machen, einfach fahren. Das gilt auch für Dich, Martin!“
Ich nickte. Und hatte einen Kloß im Hals.
Einführungsrunde.
Johanna steht mit unserem Auto irgendwo im Mittelfeld. Insgesamt 158 Fahrzeuge am Start. Und die Nummer „666“ vom Team „deClerk Racing“ mittendrin. Als erfahrenste würde sie starten. Nach ihr würde Weitwinkel fahren, dann ich. Und immer so fort. Einen „stint“ nennt man das – also ein paar Runden hintereinander, dann Fahrerwechsel. maximal drei Stunden am Stück darf man fahren, mindestens 15 Runden um gewertet zu werden. Eine Runde hat 25km links rechts rauf runter. Durch die „Grüne Hölle“.
Während der Einführungsrunde hängen wir alle in der Box an den Monitoren. Es riecht nach heißem Öl und Gummi.
Gottseidank hat Johanna in ihrem Auto auch eine Klimaanlage eingebaut.
Durch die Sprechfunkverbindung krächzt sie: „Warum ist in meinem Auto eine halbe Möhre angeklebt?“
-Die Autokarawane der Einführungsrunde schlängelt sich gerade durch den Adenauer Forst-
Weitwinkel biegt sich sein Mikro zurecht: „Das ist ein Glückbringer. Wenn wir morgen angekommen sind, dann esse ich die andere Hälfte auf, mümpfennämlich!“
[Johanna krächzt irgendwas unverständliches.] Ich rolle mit den Augen, Weitwinkel mümpft und Chamaelita lacht.
Die Einführungsrunde ist gerade unten im Abschnitt Wehrseifen angekommen.
Langsam wirds ernst.
Ich habe Angst. Bin aber jetzt schon voll Adrenalin.
Unser Boxenteam muß ich noch kurz vorstellen: Das waren zum einen Mädchen vom ZA, Johannas Schülerinnen. Quasi eine „girlsday-Aktion“. junge Frauen an technische klassische „Männerberufe“ heranführen. Und da war noch Curt. Johannas Vater. Der hielt sich aber weitestgehend zurück, und wuselte mit drei anderen Niederländern an den Werkzeugen herum. Mit ihm hatte ich nicht viel zu tun.
Ich saß einfach mit Weitwinkel und Chamaelita vor den Monitoren. Kopfhörer auf.
Die Einführungsrunde war gerade im Karussel. Die letzte 180-Grad-Steilkurve, die noch im Rennen weltweit befahren wird, wenn ich das richtig im Kopf habe. benannt nach Rudolf Caraciola. Erster Sieger auf dem Nürburgring 1927.
Boah… mir ist jetzt schon warm. Nebenbei verfolgen wir auch den live-Stream von Vodafone und das Programm von rtlNitro. Bilder von der Strecke.
Direkt vom Brünnchen.
Mir ist flau im Magen. Ich würde gern eine rauchen. Aber hier in der Box geht das nicht. Zu gefährlich.
Ich schwitze jetzt schon Wasser und Blut. Dabei dauerts noch ca. 3-4 Stunden, bevor ich mich in den Wagen setzten kann.
Weitwinkel nuckelt durch einen Strohlhalm ein Erfrischungsgetränk.
Ich hätte gern ein Bier, einen Blowjob und eine Zigarette.
[Johanna meldet sich wieder über Funk]: „Antoniusbuche…Auto läuft super. Bremsen sind gut temperiert“.
15:28.
Wenn das Feld gleich über Start&Ziel den fliegenden Start macht, dann wirds ernst.
Meine Beine sind wackelig.
Wir sehen, wie alle Schlangenlienien fahren. Um die Bremsen auf Temepratur zu brinngen.
Und da sind sie!
Los gehts! Das Rennen ist gestartet.
In der zweiten Rennrunde haben wir sogar mal kurz die onboard-Kamera aus Johannas Cockpit im Fernsehen.
Jetzt heißt es warten, wie Johanna sich schlägt…

Sequel zu „da lief etwas schief“. Teil1. Resurrection.

Dies ist die Fortsetzung (erster Teil) von „da lief etwas schief“.
[dieser Teil sollte etwas länger werden. Aber ich werde ihn doch unterteilen müssen.]

Der Kampf gegen das Böse geht weiter. Doch auch Helden müssen hin und wieder in die Reha. Oder sich zurückziehen. Sich neu sammeln und formieren.
Denn wenn auch das Böse in einer ersten Schlacht gesiegt haben mag, die kleinen plataiaischen Kräfte des Guten lassen sich nicht unterkriegen.

„Sie wird wach.“
„Und was machen wir jetzt mit unserem prominenten Gast?“
„Gute Frage…!“

Wochen waren vergangen. Ärzte, keine Globulisten sondern Internisten, Dentisten und Chirurgen hatten wundersames vollbracht. So zerbrechlich und sterblich der menschliche Körper doch ist, so faszinierend ist es doch auch, was moderne Medizin zu leisten vermag.
Auf der Intensivstation des nicht näher zu benennenden Krankenhauses wurden Schläuche ausgesteckt, und Maschinen abgestellt – aus einem erfreulichen Grunde.
Die schwer verletzte junge Frau, wochenlang im Koma und Betätigungsfeld der oben erwähnten Mediziner war körperlich wieder hergestellt. Aber sie schlief. Noch.
Doch das sollte sich bald ändern – und das führte dazu, das sich zwei Frauen vor dem Zimmer nun darüber unterhielten.
„Wenn du das schon für eine gute Frage hälst… woher soll ich dann die Antwort wissen, Kerstin?“
„Ach Johanna…Weitwinkel meint, wir sollten sie am besten in ein bewachtes Sanatorium bringen. Aber ich fürchte, da wird sie mit ihrem Temperament binnen kürzester Zeit das ganze Mobiliar zerschlagen. So wie ich sie einschätze, wird sie bald wieder kämpfen wollen.“ Kerstin sah Johanna an. Diese hob fragend die gepiercte Augenbraue.
„Du meinst….“
„Jep. Wir bringen Sie nach Gut Synderhof. Und ich erteile Dir hiermit den offiziellen Auftrag und Befehl: Du wirst sie ausbilden. In allen Kampftechniken, an allen Waffen und mit allen Tricks. Ihre Geheimdienstakte lasse ich dir nach Gut Synderhof schicken.“ Kerstin deutete mit dem Zeigefinger auf Johanna: „Aber ich warne Dich: Sie diskutiert gerne und viel und hat ganz schön was auf dem Kasten. Laß dich davon nicht ablenken. Ich vertraue Dir stellvertretend für unsere ganze Regierung das Mädel an, du wirst sie hüten wie deinen Augapfel. Und nebenbei ausbilden!“

Johanna salutierte: „Sehr wohl Frau Minister!“ – um danach locker flapsig zu fragen: „Apropos Regierung… wie gehts Martin eigentlich?“
Kerstin zuckte stumm die Schultern. „Unverändert. Die Ärzte wissen nicht, was es ist. Er bleibt nach wie vor außer Gefecht…… aber wo du grade fragst: ich bin die nächste Zeit nicht da – wenn was sein sollte, auch mit unserem Gast, dann wende dich an Weitwinkel.“
„Oh scheiße!“ Johanna rollte mit den Augen. „Wo bist du denn?“
„Auf Gran Canaria. Vier Wochen.“
„Urlaub?“
„Internationaler Juristenkongreß.“
Johanna glaubte ihr kein Wort, aber beließ es bei stummen Zweifeln.
„Und wenn du mich jetzt bitte entschuldigst – ich muß zum Flughafen!“ mit diesen Worten ließ Kerstin sie vor dem Krankenzimmer stehen.
„Ey Moment – und wer erklärt unserem VIP, wo sie ist und wie sie hier hingekommen ist?“ rief Johanna ihr hinterher.
Kerstin drehte sich noch einmal um. „Sie mag mich nicht besonders – besser du erklärst ihr alles auf Gut Synderhof. Du rockst das schon….!“
mit diesen Worten entschwand sie winkend in einen Aufzug aus Johannas Sichtfeld.
„Na suuuper!“ -sie bließ die Backen auf. „pffff… toll, wirklich toll. Jetzt kann ich auch noch Babysitter spielen!“

„Wo bin ich?“
Mit schwacher, müder Stimme waren dies die ersten Worte seit Wochen, die über die Lippen der jungen Frau kamen.
Sie zuckte erschreckt zusammen, als sie tatsächlich eine Antwort bekam.
„Sie sind im Krankenhaus.“ es war die freundlichklingende Stimme einer sehr großen aber auch recht fülligen Krankenschwester. „Ich bin Schwester Anneliese. Sie werden bald wieder ganz gesund und auf den Beinen sein, junges Fräulein!“
Die junge Frau nahm erst jetzt vorsichtig blinzelnd ihre Umgebung wahr. Alles schien gelblich-beige-weiß zu sein. Mit Ausnahme des lustig-knollennasigen Gesichts von Schwester Anneliese. Alles, was an der Wand hing, war ein kleines schlichtes Kruzifix mit frischem Buxbaumzweig.
Vorsichtig bewegte sie den Kopf nach rechts und links. Auf der einen Seite war das Beistelltischchen mit einer Blumenvase – irgendwas buntes, frisches schien drin zu stehen. Ihr verstand vermoche noch nicht wieder tiefere botanische Analysen durchzuführen.
Auf der anderen Seite war ein Fenster, durch das man den blauen Himmel, Wolken und die Wipfel eines Baumes erkennen konnte.
„Wie…wie…bin ich hierher gekommen?“
„Sie sind mit einem Hubschrauber eingeliefert worden, Fräulein. Und sie wurden mehrfach operiert. Sie hatten großes Glück!“ Schwester Anneliese schien irgendwas am Schrank zu rödeln, was die junge Patientin aber nur halb wahrnahm.
„Aber…aber..“ Nur bruchstückhaft kam ihre Erinnerung zurück. Das letzte, was sie wußte, war, das sie auf der Party im BDSM-Club gewesen war. Und auf einmal hatte sie Schreie gehört. Und danach nichts. Filmriß.
Sie versuchte sich aufzusetzen. „Ich muß telefonieren…!“
Schwester Anneliese schritt ein, und drückte sie wieder aufs Bett. „Hööösch, hööösch [kultiviertes deutsch für „sachte, sachte“, Anm. d.Verf.], Fräulein. Sie haben ein paar Wochen im Koma gelegen!“
„Ein paar Wochen? Koma?“ die junge Frau nach ihren derzeitigen Möglichkeiten in Wallung. „Ich muß unbedingt…“
„Sie müssen unbedingt etwas essen! Hier ist ihr Abendessen!“ schnitt ihr Schwester Anneliese das Wort ab. Die gute Frau schien resolut aber doch freundlich zu sein. Denn sie fuhr fort: „Und morjen dann, wenn der Dokter et erlaubt, werden Sie verlegt. Dann können Sie sich wat erholen!“
Mit diesen Worten stellte sie der Patientin ein kleines Gläschen mit einer braunen Flüssigkeit zu ihrem Abendbrottablett.
„Was ist das?“
„Ihre Medizin. und die nehmen Sie jetzt bitte!“
Noch vollkommen ihrer Orientierung und inneren Ordnung beraubt, griff die Patientin nach dem Gläschen und exte es. Eine halbe Scheibe Brot schaffte sie selbst zu essen. Dann wurde ihr schwummerig.
„Hat sie gerade „morjen“ anstatt „morgen“ gesagt? Und „wennd er Dokter et erlaubt?“ Hatte die Schwester einen rheinischen Akzent? Wo zur Hölle war sie? Und wie war sie hier hin gekommen?“ – das waren ihre letzten Gedanken, bevor sie wieder in Morpheus` Arme fiel, und die Nacht durchschlief.

Als Schwester Anneliese das Zimmer verlassen hatte, wurde sie schon erwartet. Die „Oberlesbe-ZA“ stand in voller Uniform wartend vor der Tür. Johanna hatte sich seit dem Vormittag und Kerstins Abflug schon umgezogen. Eigentlich hätte sie ja Urlaub gehabt – aber nein. Die Pflicht mußte ja rufen.
„Wieviel haben Sie ihr gegeben?“ fragte sie Schwester Anneliese.
„147mg…dat reich für enne Ellefant ömmzohoe.“
Johanna blickte stumm an Schwester Annelieses elefantöser Gestalt auf und ab, und brummte nur „aha….aber morgen früh kann ich sie abholen lassen?“
„Ja sischer dat. Morjen früh isse widder fitt bie enne Turnschuh!“
„Gut. Danke, Schwester!“
Wenigstens könnte in diesem Krankenhaus auf dieser einen Etage die permante Wache vor dem Zimmer eingestellt werden. Eine Etage höher, da wo der Chef lag, würden auch weiterhin ständig zwei Polizisten und Geheimagenten mit Uzi Wache stehen. Aber wenigstens hier würde dies nun nicht mehr nötig sein.
Johanna seufzte. Das war wenigstens etwas.

Am nächsten Morgen stand um Punkt 8.00Uhr ein Krankenwagen vor dem Hintereingang des Krankenhauses. Es war ein in diesem Lande üblicher Krankenwagen. Ein technologisch hoffnungslos veralteter 1952er Mercedes-Benz Sanka. Aber einwandfrei in Schuß, vollgetankt und einsatzbereit.
Eine noch halb schlafende junge Frau wurde auf einer Bahre aus dem Hintereingang in den Wagen verfrachtet. Am Steuer und auf dem Beifahrersitz saßen zwei junge Frauen in grauer Uniform. Schwarze Kragenspiegel, silberne Venuszeichen darauf. Zusätzlich eine Asklepiosschlange.
Die Sirene ging an – und los die Fahrt. Hinter dem Wagen heulte eine Ducati auf – Johanna, ganz in schwarzer Lederkombi, übernahm getreu ihrem befehl höchst persönlich den Motorradgeleitschutz.
Der kleine Konvoi verließ die Hauptstadt. Ziel: Gut Synderhof, zwischen Wiezethal und Müssen.

…to be continued…

Die Advents/Weihnachtsfolge Teil 2

Advent – Tannengrün – Kerzenschein: Die Welt, die könnt so friedlich sein.
Aber mit der Friedlichkeit war es dieses Jahr nicht weit her, ich hatte einen tanzenden Golem unter Kontrolle zu bringen. Eigentlich nicht ich selbst – sondern mein lieber Geheimdienstchef Dr. Heimlich, der mir dieses ausgesprochene Geschenk ja eigentlich mit den besten Absichten hatte machen wollen.
Da ich ja aber sowas wie ein Privatleben habe, hatte ich mich am Vortag wegen wichtigerem (…) nicht darum kümmern wollen, und die Sache auf sich bewenden lassen müssen.
Dr. Heimlich hatte den tanzenden Golem „AfD“ einstweilen unter steter Beobachtung gehalten.
Anderntags saß ich denn morgends in meinem Büro, und suchte nach der Telefonnummer nach meines Studienfreundes Dr. Zomberg – der immerhin über Zombies im Film seine Dissertation geschrieben hatte. Von ihm erhoffte ich mir Abhilfe – dabei hätte ich dieser Tage mich eigentlich um etwas gaaanz anderes kümmern wollen. Doch dazu später.

Zu den lästigen Pflichten eines Staatschefes gehört nun mal auch das regieren – und und so kam es denn, das, noch ehe ich Dr. Zombergs Nummer finden, geschweige denn anrufen konnte, Dr. Heimlich, Kerstin (meine alte-neue Außen und Kriegsministerin) und Athanasius Weitwinkel, mein Reichskassenwart, in der Tür standen.
Weitwinkel arbeitete seit geraumer Zeit an einem Steuer-Reförmchen, und dunkel erinnerte ich mich, das ich einen Entwurf für die Kirchensteuer redigiert hatte.
Vor der Lösung des Golem-Problems und vor der Sache, die ich eigentlich vorhatte, kam also erstmal dröge Verwaltungsarbeit.
Mein Land, so virtuell es auch sei, hat reichlich Traditionen und Rechtsformen, Sitten und Gebräuche unterschiedlichster Coleur in sich vereinigt. Sowohl der preußische Beamtenstaat, als auch das römische Reich haben der Organisation und Verwaltung ihren Stempel aufgedrückt; wenngleich allzu große Ernsthaftigkeit durch eine jewisse, rheinische Jemütlichkeit und Jelassenheit unterbunden wird. Englischer Snobismus, russischer Pragmatismus, klassische Altertumswissenschaft und ein konstitutionalisierter Hang zu Improvisation feiern, je nach Kassen- und Gemütslage, fröhliche Urständ´.
Dazu kam und kommt dann noch die ganz besondere snöffische Naivität – es ist eben nicht immer leicht aus einem solchen Mentalitätskonglomerat ein funktionierendes „ganzes“ zu formen.

Weitwinkel drängelte sich also mit einem Hinweis auf eine Unverständlichkeit in Kirchensteuerfragen vor – ich seufzte. Sowohl Politik als auch Religion sind zwei sensible Themen, auf die ich in diesem Moment keine rechte Lust hatte.
Er reichte mir den Entwurf der neuen Lohnsteuerkarten: „Mein Chef… ich verstehe da etwas nicht…ich bin verwirrt…“
„Lassen Sie mal sehen, Weitwinkel…“
Auf dem Vordruck für die Lohnsteuerkarte in meinem virtuellen Land steht unter „Kirchensteuer“ eine ähnliche Spalte, wie sie euch, liebe Leser, bekannt sein dürfte.
Da steht unter Religionszugehörigkeit zum ankreuzen „normal“ (falls nicht zutreffend bitte weiter mit Zeile 4), und in Zeile 4a „Herätiker (orthodoxes Bekenntnis, koptisches Bekenntnis)“, in Zeile 4b „Erz-Herätiker (lutherisches Bekenntnis)“, Zeile 4c „Mosaisches Bekenntnis“, Zeile 4d „Sonstige (Mohammedaner, Hindus, Sikhs, Buddhisten).
Was jetzt neu war, und Athanasius Weitwinkel offensichtlich verwirrte, war die Zeile „4e“. Sie lautete „Heiden“.

„Was ist das denn für eine neue Religionsgemeinschaft, mein Chef?“ fragte Weitwinkel, und reichte mir den Lohnsteuerkartenvordruck.
„Äh…achso das hier: Das ist für die Atheisten. Man weiß ja nicht, ob sich nicht doch mal welche zu uns verlaufen.“
„Athe-was?“
„Atheisten. Gottlose. Heiden – die glauben an nichts. Kein Jott, keine Relijon – et jibt so Leute. Sie erinnern sich doch an das Twittertreffen, das sie mit Heimlich organisiert haben, oder? Mein twitteraccount hat mitlerweile an die 720 follower. Und für den Fall das sich von diesen vielen Leuten hier vielleicht mal niederlassen wollen, müssen wir auf alles gefaßt sein. Wer sich der Welt öffnet, muß auch ein kleines Stück mit der Zeit gehen, lieber Weitwinkel.“
„Heiden? Oh Gott…wie furchtbar… und die glauben wirklich an nichts?“
„An gar nichts, lieber Weitwinkel.“
„Aber…aber…“ man sah Weitwinkel seine Konfusion deutlich an. Er war sichtlich aus dem Konzept gebracht.
„Aber…dann haben die ja gar keine Schutzengel, kein Sankt Martin, kein Nikolaus, kein Ostern…“
„Tja nun, wissen Sie…“ ich überlegte, wie ich meinem Reichskassenwart schonend die Welt erklären konnte, ohne ihn emotional zu überfordern.
„Und die Kinder von den Heiden bekommen an Weihnachten keine Geschenke, weil sie kein Weihnachten haben?“ Weitwinkel fing an zu weinen – auch das noch!
„Die haben keine Krippenfiguren, keinen Weihnachtsbaum, keine Eisenbahnen mit denen sie spielen? Die werden nicht in de Christmette dem lumen christi teilhaftig?“ schluchzte er unter Tränen.
Ich seufzte – und erinnerte mich an die tweets von so manchem strammen Atheisten, deren Weihnachten in haßerfülltem sich-betrinken im Kreise der Familie bestand. Wie sollte ich Weitwinkel das beibringen?
„Halt halt halt…hey Weitwinkel!“ ich rüttelte an seiner Schulter. „Bleiben Sie bei sich!…ich kann Ihnen versichern, das alle Kinder an Weihnachten Geschenke bekommen!“
„Wirklich?“ fragte er, schluchzend.
„Ja…seien Sie unbesorgt!“
„Aber…aber.. ist das nicht eine sehr, sehr langweilige Religion?“
„Äh…was meinen Sie? Die Atheisten gehören keiner Religion an, da sie keinen Gott haben…“
„Ja…aber…das bedeutet, die gehen am Sonntag Morgen von halb Elf bis halb Zwölf in eine große leere Halle, und glauben eine ganze Stunde lang an nichts?“ fragte er nun verwundert. „So ganz ohne Musik, Hostien, Liturgie und Weihrauch? Das muß doch entsetzlich langweilig sein!“ Weitwinkel sah Kerstin und mich mit großen weinerlich-fragenden Augen an.
Ich seufzte – wie sollte ich einem ur-snöffischen Wesen wie ihm das bloß verdeutlichen? Kerstin rollte auch mit den Augen – und grinste dann: „Weitwinkel, die haben ab und zu das fliegende Spaghettimonster!“
Orrr Kerstin! Ich stupste ihr in die Seite und zischte ihr zu: „Kerstin –bitte! Der nimmt das doch alles Ernst!“
Aber es war zu spät: Weitwinkel begann sich auf seinem Schreibblock Notizen zu machen. „Spag-hetti..“ nuschelte er. „Und sonst? Gibt es keine Symbole oder Figuren, die das Nicht-Glauben ausdrücken?“ fragte er uns.
Da es eh zu spät war, sprang ich auf Kerstins Zug mit auf, und meinte: „Doch… Kurt Cobain und Che Guevara.“
Kerstin mußte laut auflachen. Sie wandte sich Weitwinkel zu, und meinte mit tot-ernster Miene: „Und sie dürfen die Null und die Eins nicht vergessen! Hören Sie! Das sind alles ganz rationale, binär denkende Menschen. Alles Kinder des Informations-Zeitalters. Die Null und die Eins sind gaaanz wichtig!“
Auch das notierte sich Weitwinkel sehr eifrig.

Ich hätte es besser wissen müssen, aber ich hatte mich durch Kerstin dazu hinreißen lassen, meinen lieben Reichskassenwart Athanasius Weitwinkel etwas zu veräppeln.
Brummel-hummelnd besah er sich seine Notizen und den Vordruck für die Lohnsteuerkarte.
„Hmmm… aber fiskalisch gesehen bilden die Heiden eine Religionsgemeinschaft ab, die dadurch definiert wird, das sie keiner anderen Gemeinschaft angehören.“
„Das ist eine interessante juristische Frage,“ Kerstin setzte sich auf „ich glaube aber nicht, daß…“
Weitwinkel hob abwehrend die Hand, „als Reichskassenwart muß ich zusehen, das Geld in die Kasse unseres Chefs, und damit in unsere, kommt. Und da für alle Religionsgemeinschaften der Steuersatz gleich hoch ist, werden die Heiden, so es sie denn in unserem Land geben sollte, den gleichen Satz zahlen müssen. Dann halt in eine „Allgemeine Heidenkasse“. Nachher kommen die Leute noch auf die Idee, aus der Kirche auszutreten, um Geld zu sparen.“
„Naja… Weitwinkel…ich glaub in Deutschland zum Beispiel wird das anders gehandhabt…“ wollte ich dazwischen gehen.
„Neinnein, mein Chef.. ich habe da eine Idee…Die Kirchensteuern aller Religionsgemeinschaften dienen doch dem Zweck, den Unterhalt der Gemeinschaften an sich als auch den Betrieb von Kindergärten, Armenspeisungen, Krankenhäusern und Altenheimen zu finanzieren, oder?“
„Jaaa…“
„Sehen Sie – und die Heiden werden für diese dem Gemeinwohl nützlichen Dinge ebenso aufkommen. Außerdem werden wir an ihnen mehr verdienen,als an den Gläubigen!“ Weitwinkel lächelte auf einmal.
„Warum denn das?“
„Naja, weil die Heiden mehr arbeiten!“
„Hä? Weitwinkel, was haben sie vor?“
„Naja… Ich werde einen Gesetzesentwurf erarbeiten, daß Feiertage, also Tage an denen Arbeitsverhältnis ruht, nur von denjenigen begangen werden dürfen, die der Religionsgemeinschaft angehören, die den Feiertag ausrichtet. Es wäre doch unlogisch, wenn jemand, der nicht an den lieben Gott glaubt, aber gleichzeitig die Geburt von Gottes Sohn, also Weihnachten feiern darf. Diejenigen werden dann am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag zur Arbeit erscheinen müssen – tun sie das nicht, haben sie einen unentschuldigten Fehltag beim Arbeitgeber. Schließlich haben die jüdischen und mohammedanischen Geschäfte ja auch Sonntags auf, aber Samstags bzw. Freitags geschlossen.“
„Dann werden die aber verdammt wenig Feiertage haben…“ brummte ich.
Kerstin lachte auf: „Das heißt, ich muß also nur weiter schön brav katholisch bleiben, damit ich die meisten Feiertage im Jahr mitnehmen kann?“
„Ja!“ gab Weitwinkel in vollem Ernst zurück „Einjeder ist seiner Spiritualität Schmied – und muß mit den Konsequenzen leben.“
„Moment – wie sieht das denn mit Leuten aus, die an Feiertagen arbeiten müssen?“ unterbrach ich meinen Reichskassenwart.
„Die sind natürlich von der Steuer befreit!“
„Also wenn eine z.B. katholische Krankenschwester am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag Dienst auf der Station schiebt…“
„Dann ist sie an diesen beiden Arbeitstagen, da es ja Feiertage ihrer Konfession sind, natürlich von der Kirchensteuer befreit. Umgekehrt würde diese Befreiung ja auch für Heiden gelten, die an staatlichen Feiertagen wie Neujahr oder dem ersten Mai arbeiten müssen.“
„Oder an meinem Geburtstag.“ brummte ich – und rollte mit den Augen. Steuergesetzgebung ist seit alters her ein beliebtes Mittel, jegliche staatliche Bürokratie auf Trab zu halten.
Weitwinkel hatte sich erhoben, und wandte sich wieder zum gehen.
„Entschuldigen Sie, daß ich sie hier gestört habe…jetzt muß ich nur noch einen geeigneten Bauplatz finden!“
„Moment – einen Bauplatz? Wofür?“
„Na für die Atheistenkirche…!“
„Orrrr Weitwinkel! Haben Sie nicht zugehört? Die Atheisten brauchen keine Kirche, weil sie keinen Gott haben, an den sie glauben!“
„Doch, doch, mein Chef. Wir müssen auch für diese Heiden ein Gebetshaus bauen, wir sind gesetzlich dazu verpflichtet. Im Gesetz steht, daß jede Religionsgemeinschaft im Sinne der Steuergesetzgebung ein Anrecht auf die Errichtung von mindestens einem Gebethaus durch den Staat hat. Wegen der Gleichberechtigung. Wenn wir den Atheisten keine Kirche bauen, verstoßen wir gegen das Gesetz, mein Chef! Egal, was sie darin machen!“
„Aber…!“
Ich wollte noch etwas sagen, aber Weitwinkel war schon fast zur Tür hinaus. Und mit den Worten „…und ich glaube, ich weiß auch schon wo wir das bauen! Aber…“ er holte tief Luft „…zu erst möchte uuuunbedingt nach Remagen auf den Weihnachtsmarkt meine Verwandten besuchen!“
Achja – die alljährliche Kleintierschau auf dem Weihnachtsmarkt meiner Heimatstadt. Das war für Weitwinkel jedes Jahr stets eine Art Wallfahrt. Am liebsten wär ich mitgefahren. Aber aus bekannten Gründen ging das nicht.
„Ich muß weeeheg! Tschööhöö!“ – winkte Weitwinkel uns noch zu, hoppelte von dannen und ließ Kerstin, Dr. Heimlich und mich verdattert im Raum zurück.
„Hat der sich bei der arabischen Exkursion vielleicht einen Sonnenstich abgeholt?“ fragte Dr. Heimlich noch ehe Kerstin oder ich etwas sagen konnten.
„Fragt WER?“ frug ich mahnend zurück „…etwa derjenige, der zulange im Keller war, und uns einen TANZENDEN GOLEM BESCHERT HAT?“
Dr. Heimlich verstummte pikiert.

Ich wandte mich an Kerstin: „Und was verschlägt dich hierhin?“
„Ähm…“ sie wirkte auch noch etwas geflasht von Weitwinkels plötzlichem Eifer, für Atheisten eine Kirche bauen zu wollen. „… Ich hoffe, Weitwinkel hat die volle Lohnfortzahlung im Vollrauschfall nicht angetastet? Wenn ich ab 1. Januar wieder vollkommen in Amt und Würden bin, möchte ich meine Arbeitnehmerrechte gewahrt wissen.“
„Was?…“ jetzt war ich verwirrt. Die volle Lohnfortzahlung im Vollrauschfall war mit einer der ersten (und insgesamt wenigen) Gesetzeswerke, die die verstorbene Sally initiiert hatte.
„Kerstin – ich kann dich beruhigen, da bleibt alles beim alten. Aber deswegen bist du nicht hier, nehme ich an?“
„Nein, nicht wirklich – ich wollt mich eigentlich nur für eine Woche abmelden. Ich muß mich um meine Mandanten kümmern- ich hab da so ne Sorgerechtssache, und die Mandantin hat noch n anderes Problem. Und danach bin ich nach Kuba zur Beerdigung von Fidel Castro.“
„Schönen Gruß an Raul.“
„Mach ich….Und daher meld ich mich für eine Woche zu einer Dienstreise ab. Die Schlüssel vom Auswärtigen Amt leg ich dir hier auf den Tisch.“ Sie legte mir einen großen Schlüsselbund auf den Schreibtisch, und sah mich mit gespielt ernster Miene an:
„Und ich habe NICHTS von einer Großfahndung nach einem Rabbiner und NICHTS von tanzenden Golems gehört. Ich bin eigentlich gar nicht mehr hier!“
Schwer atmend und seufzend, und meine Arme hinter dem Kopf verschränkend meinte ich nur: „Kerstin, Dr. Heimlich und ich haben hier alles unter Kontrolle – ist doch so, Dr. Heimlich?“
Der gefragte nickte nur beflissentlich hecktisch mit dem Kopf.
„Soso…“ lachte Kerstin… „So Leute, ich bin wieder weg. Und schönen Gruß an Zimbo!“ – Kerstin verschwand. Und natürlich wußte sie schon wieder alles – aber ich war dankbar, daß sie sich zumindest für den Augenblick aus der Sache raushielt. Und ich freute mich, daß sie sich ihrer Arbeit als Anwältin widmete. Seit Sallys Tod war ja noch nicht so viel Zeit vergangen – ihre Trauerbewältigung bestand aus Arbeit.

Ich war mit Dr. Heimlich nun endlich allein.
„So – Dr. Heimlich. Nun zu uns beiden! Gibt’s was neues von dem Rabbi?“
„Leider nein, mein Chef. Zu meinem Bedauern blieb die Fahndung nach Rabbi Löw bislang ergebnislos.“
„Na spitze!“ brummte ich.
„Und was macht unser Golem derweilen?“
„AfD tanzt weiterhin in unserem Keller, mein Chef! Ich habe Wachleute postiert, wie sie angeordnet haben, und bis jetzt ist keine Veränderung seines Zustandes eingetreten.“
„Hmmm…“ brummte ich – während Heimlich zu mir gesprochen hatte, hatte ich endlich Zimbos Nummer gefunden.
„Dann wird ich jetzt mal nen Spezialisten anrufen…“
„Sie meinen Dr. Zomberg, mein Chef?“
„Ganz genau den!“

Ich wählte die Nummer, und nach dem Freizeichen wurde abgenommen.
„Zimbo, bist du es?“
„Moin, Chef!“ klang es etwas verrauscht aus dem Hörer.
„Tach Zimbo…Wie geht’s?“
„Och ja… und selbst?“
„Gute Frage… ich hab hier ein Problem…“
„Das ist ja nichts neues, Scheff!“ lachte Zimbos Stimme dreckig am anderen Ende der Leitung.
„Das ist ein sehrspezielles Problem, und ich dachte, da kannst du mir hoffentlich bei helfen…“
„Öhm…wenn ich kann… Fickst du immernoch ne verheiratete Frau?“
Ich rollte mit den Augen.
„Orrr Zimbo, das ist jetzt nicht die Frage…“ grunzte ich.
„Also ja?“
Ich seufzte. „Also erstens ist das nicht nur eine verheiratete Frau, und zweitens fick´ich die nicht nur so, sondern ich bind die auch dabei fest und hau ihnen den Hintern wund!“
(Unabhängig von der Thematik habe ich eben manchmal den Hang dazu, Dinge richtig zu stellen).
„Oh Mundorf…so genau wollt ich das gar nicht wissen.“ Zimbos Stimme klang nun irgendwo zwischen lachen und weinen
„Alter…! Das ist so krass und krank… das hab ich dir schon so oft gesagt…“
„Ja… das hast du.“
„Ich mein…du kannst da ja machen, aber müßt ihr dann auch noch solche Bilder twittern? Ernsthaft jetzt…“
„Ich halt mich mit sowas zurück, das weißt du…“
„Also komm, Mundorf… was du da manchmal in deiner #ntl postest, das ist schon ziemlich krank…“
„Ansichtssache…“ ich wollte endlich auf den Golem zu sprechen kommen
„Alter! Du hast letzte Woche ne Frau gepostet, die mit roten Striemen aufm Rücken an den Fußboden gekettet war!“
„Ja und? Ich kann ja nicht nur Modelleisenbahnen und snooker-Bilder twittern! Aber wenn ich das nächste mal wieder in Bonn bin, komm ich mal vorbei, und dann kannst du mir gerne eine Moralpredigt halten. Ich hab hier ne Sache, wegen der ich dich eigentich gesprochen haben wollte…“
„Was denn?“
„Zimbo…ich hab hier einen außer Kontrolle geratenen Golem. Dr. Heimlich wollte ne Wunderwaffe bauen, und das Ding läßt sich nicht mehr abschalten! Das Problem ist: Der Rabbi, der den konstruiert hat, ist auf der Flucht!“
„Mundorf, Alter! Was hast du geraucht?“
„Zimbo! Ich meine es ernst!“
„Oh Mann….Äh…ja also…ohne Rabbi ist das schwer…“
„Deswegen ruf ich dich an, mein Freund!“
„Also…ich brauche zwei Gehilfen – mit denen müßte ich mich im Kreis um den schlafenden Golem aufstellen und die Beschwörungsformel umgekehrt aufsagen.“
Sowas hatte ich befürchtet: „Verstehe…nur schläft der momentan nicht.“
„Hm..ja…bei „the Witcher“ wird der Golem glaub ich unter Strom gesetzt. Mit 3 Pylonen – und dann ein elektrischer Kreis!“
„Das ist alles?“
„Alles? Alter, weißt du was das für ein Aufwand ist? Das muß an einem abgelegenen Ort passieren, am besten in eine Burgruine oder so…“
Ich seufzte. „Wie schnell kannst du hier sein?“
„Das ist bei mmir im Moment alles echt knapp. Ich sitz hier noch an ner Monografie über Blutspritzer in italo-western Hornos der 70er Jahre. Morgen hätt ich vielleicht Zeit…“
Auch wenn mir in diesem Augenblick mehr daran gelegen war, Zimbo dazu zu bewegen, den Golem auszuschalten, wollte ich denn doch wissen: „Was bitte ist ein Horno?“
„Ein Horror-Porno. Ganz interessantes Filmgenre…erinnert mich fast daran, wenn ich an dich und die Immenburg denke…“
„Orrrr… fängst du schon wieder an?“
„Ich stell mir das so vor..:“ Zimbo hatte wieder diese dreckige Lache in der Stimme „Der Chef schlendert da einfach so durch…Begutachtet alles…“
„Erinner mich jetzt nicht an den Gestank von billigem Nuttenparfum.“
„Och Mundorf… das wär das ideale Weihnachtsgeschenk für dich!“
Ich seufzte – „Wie du meinst, Zimbo. Ich laß dich morgen Nachmittag von einer Eskorte abholen. Vielleicht sehen wir uns dann ja… ach ja: Eh ich es vergesse: Schönen Gruß von Kerstin!“
„Ah…Danke – Gruß zurück!“

Wir beendeten das Telefonat. Dr. Heimlich hatte die ganze Zeit daneben gesessen, und zugehört.
„Also Heimlich, Sie haben es gehört. Bitte organisieren Sie eine Eskorte für den Herrn Dr. Zomberg! Ich will diesen Golem endlich loswerden….“
und mehr zu mir selbst fügte ich hinzu: „Und dann möchte ich endlich machen, was ich schon die ganze Zeit schon vorhabe!“

to be continued…