Archäologie ist Drecksarbeit – Einleitung und Kapitel 1

Das folgende aus dem Englischen übersetzt, und nur an wenigen Stellen sinnwahrend (Regionalbezug GB/D) abgeändert. Original: by Tony Robinson and Professor Mick Aston.

Ich übersetze dies, um das Werk der beiden vorgenannten Autoren zu würdigen und es einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Die hier gemachten Beobachtungen und Beschreibungen lassen sich im Grundsatz auch auf den deutschen Kulturraum anwenden, allerdings nicht zu 100%. Um aber möglichst nahe am Originaltext zu bleiben, habe ich es unterlassen, Beispiele aus der britischen Geschichte durch solche aus der deutschen Geschichte zu ersetzen. Die Grundzüge der geschichtlichen Abläufe, der Behördlichkeiten sowie der praktischen archäologischen Grabungsarbeit sind in beiden Ländern vergleichbar.

Danksagungen

Dieses Buch ist an erster Stelle Phil Harding gewidmet, einem großen Mann, guten Freund und einem hervorragenden Archäologen. Es ist aber auch gewidmet den Heerscharen an hochqualifizierten, unterbezahlten Grabungshelfern, die sich zu hohen Standards verpflichten, und damit helfen, das die britische Archäologie zu den besten der Welt gehört.
Vielen Dank für ihre Hilfe an: Prof. Margaret Cox, Bob Croft, Kerry Ely, Dr. Helen Geake, Dr. Chris Gaffney, Phil Harding, Andrew Jackson und David Neal, besonders an Guy de la Bédoyère, der uns durch die haarigen Probleme in Kapitel 13 sicher geleitet hat.
Jede aufschlußreiche Bemerkung ist ihre. Jeder Fehler ist uns anzurechnen.
Wie gewöhnlich, schulden wir tiefen Dank Teresa Hall und Heledd Mathias für ihre Hilfe, Unterstützung und Ermutigung – natürlich auch für die Niederschrift und das Korrekturlesen.
Schlußendlich ein großes Dank an Prof. Philip Rahtz, dessen Lehrmethoden und archäologische Kompetenz eine stetige Inspiration für uns war.

Einführung

Lara Croft schlägt sich ihren Weg frei in das Innere einer antiken Pyramide, die gespickt ist mit Skeletten, glitzernen Schätzen und mechanischen Falltüren aller Art. Sie greift nach einer Liane und schwingt mühelos über ein von Cobras nur so wimmelndes unterirdisches Gewölbe, reißt einen goldenen Kelch von einem bröckelnden steinernen Altar und dann, tellergroße Spinnen abwehrend, flüchtet sie zurück in die Tiefe des Urwaldes – während das gesamte Bauwerk um sie herum tosend zusammenbricht.
Das ist Archäologie, wie sie auf der ganzen Welt durch Hollywood und die Computerspiele-Industrie bekannt ist. Aber solch Hochglanzbilder von Diebstahl und Zerstörung haben nur wenig gemein mit den windigen Feldern, voll von wertlosem Geröll, in denen echte britische Archäologen ihren Lebensunterhalt verdienen. Für sie gibt es keine goldenen Kelche. Wenn sie Glück haben, finden sie ein paar zerstörte Keramikgefäße, eine zerbrochene Spange [Fibel, Anm.d.Übs.], einen verbogenen Dolchgriff oder ein Stück von verbranntem Türrahmen.
Ja, Archäologie ist nicht glamourös, es ist Drecksarbeit! Irgendwann in der Vorzeit, haben unsere Vorfahren diese kaputten und zerstörten Gegenstände weggeworfen. Die Grundsubstanz dessen, mit dem sich Archäologen auseinandersetzen, ist der Abfall einer langen Reihe von steinzeitlichen Handwerkern, römischen Hausfrauen, normannischen Töpfern, Zimmerleuten der Tudor-Zeit, Pfeifenmachern der Stuart-Ära und viktorianischen Fabrikarbeitern. Britische Archäologie ist die Geschichte der Abfallentsorgung unseres Landes.
Aber warum wurde dieser Abfall nie beseitigt? Warum ist so viel von Großbritannien meterdick bedeckt mit dem verrottenden Müll von hunderten von Generationen an unbedarften Müllwegwerfern?
Eines der größten Probleme im Leben unserer Vorfahren war die Frage, wie Dinge zu entsorgen waren, die sie nicht mehr benötigten. Vor 1900 gab es keine kommunale Abfallentsorgung. Müll loszuwerden, war Ihr eigenes Problem – und nur Ihres. Recycling war kein gutmenschlich-motivierter Luxus der Mittelklasse: jeder tat es. Wenn Ihr Abfall eßbar war, so gaben Sie es Ihren Schweinen. Wenn er aus Metall war, so haben Sie es engeschmolzen. Aber was tun mit der großen Masse an komplett nicht mehr zu gebrauchendem taglichem Abfall?
Die Landbevölkerung warf den Müll auf den Misthaufen, von wo aus er später mit Pferdeäpfeln und Kuhmist als Dünger auf den Feldern landete.
Der Stadtbewohner hingegen vergrub seinen Unrat in einem Loch im Garten – und wenn das Loch voll war, wurde ein neues gegraben. Das ist der Grund, warum man heutzutage über nahezu jedes Feld in Großbritannien laufen kann, und dabei Glasscherben, Keramikscherben und zerbrochene Tonpfeifen findet.
Wenn Sie aber nun in einer alten Stadt graben, dann werden Sie Schicht über Schicht von dunkler Erde finden, voll von alten Bruchstücken und Teilen – der Beweis für Jahrhunderte an vergrabenen städtischen Abfall.
Aber nicht nur der im Haushalt anfallende Müll war das Problem. Auch der von „menschlicher Natur“. Die frühesten Abwasserkanäle sind erst 150 Jahre alt. Davor erledigten die meisten Menschen ihr Geschäft über ein Loch im Boden – und wenn sie es gefüllt hatten, nahmen sie sich ihren Spaten und sahen sich nach einer neuen passenden Stelle um. Diese alten Senkgruben liefern heute den Archäologen eine reiche Beute an verlorengegangenen Funden. Wenn Tantchen ihren Haferbrei-Löffel im Plumpsklo verloren hatte, so sah sie sich wohl nicht bemüßigt, sich die Ärmel hochzukrempeln, um das Ding wieder zu finden. Egal wie wertvoll er gewesen sein mochte, es gibt ein paar Sorten von Goldtöpfen, in die man dann doch lieber nicht greifen möchte.
Menschliche Hinterlassenschaften wurden allerdings auch oft transportiert. Jeden Morgen erreichten Karrenfuhrwerke eine jede englische Stadt, beladen mit Obst und Gemüse, um sie ein paar Stunden später, randvoll beladen mit sogenannter „Erde der Nacht“, wieder zu verlassen. So mag auch Tantchens Haferbrei-Löffel auf einem 5 Meilen entfernten Feld gelandet sein – zusammen mit dem Rest des Düngers.

Aber wenn nun Archäologie sich nur um Müll dreht, warum dann die Mühe ihn auszugraben, Bücher darüber zu schreiben und ein Vermögen dafür ausgeben, ihn zu erhalten?
Auf den ersten Blick ist es sicherlich ein recht bizarr anmutender Vorgang: Der zerbrochene Nachttopf, den ein Bauer aus der Tudor-Zeit sorglos auf seinen Misthaufen geschmissen hat, ist nun minutiös über mehrere Tage hinweg ausgegraben worden, die Teile wurden gewaschen, etikettiert, katalogisiert, fotografiert und für einen wissenschaftlichen Bericht gezeichnet, bevor sie in ein Labor für Konservierung und Restaurierung gebracht wurden, um endlich in einer Glasvitrine zu landen. Oder schlimmer noch: Sie verschwinden für hunderte Jahre in einem Pappkarton, eingelagert in einer speziellen Temperatur/Luftfeuchtigkeitsumgebung im Archiv eines Museums – einzig um in dem unwahrscheinlichen Falle geöffnet zu werden, wenn ein trauriger Archäologiestudent seine Hausarbeit über „ländliche Schlafzimmer-Keramiken der Tudor-Zeit“ schreiben möchte.
Es ist etwas schwer zu verstehen, warum jemand, der noch bei Verstand ist, durch diesen langen Prozeß von Ausgrabung, Restaurierung und Lagerung gehen sollte, geschweige denn das ganze zu finanzieren.
Aber es ist nun mal so, daß dieses Füllhorn an Abfall uns weit aus mehr darüber erzählen kann, was in der Vergangenheit vor sich ging, als tausend goldene Kelche, die die man von mit tausend Spinnen bevölkerten Temeplaltären genommen hätte.
Natürlich ist es aufregend, ein juwelenbesetztes Teil eines Schatzes aus der Erde zu ziehen. Aber solche Funde sind nicht dazu geeignet, mehr über die Person zu erfahren, die es einst mal getragen oder angefertigt hat. Und die endlosen Probleme, die ein wertvoller Fund aufwirft, sind eindeutig abschreckend: Wie finden Sie heraus, wem es rechtmäßig gehört? Möchten Sie wirklich in der Gerichtsmedizin landen oder in einen komplizierten Rechtsstreit verwickelt werden? Wer übernimmt die Versicherung? Wer wird sich um diesen Fund kümmern und wo kann er sicher gelagert werden?
Die meisten echten Indiana Jones‘ da draußen würden lieber eine antike kanaanitische Bauernhütte finden wollen, anstatt Noahs Arche – es wäre genauso interessant und würde weitaus weniger Ärger machen.

Also wenn Sie nur an Archäologie interessiert sind, weil Sie denken, es sei ein aufregender Weg um unersetzliche (und folglich wertvolle) Artefakte in die Finger zu bekommen, so schließen Sie dieses Buch unverzüglich, und schauen sich stattdessen lieber „die Jäger des verlorenen Schatzes“ auf DVD an.
Wenn Sie sich aber möglichst elegant durch einen Morast von altem Müll und Abfall schleppen möchten, um mehr über die Geschichte Ihrer Vorfahren zu erfahren, dann ziehen Sie sich Mantel, Filzhut und Gummistiefel an, gehen raus in Ihren Garten und graben ein Loch.

Kapitel 1

Aber graben Sie nicht einfach drauf los: Das erste, was zu tun ist, ist: Sich umschauen. Wenn Sie den Garten eines beliebigen Hauses einer beliebigen Stadt in Großbritannien erforschen, werden Sie eine Fülle an archäologischem Müll allein in der obersten Bodenschicht antreffen.
Was haben Sie in Ihrem Garten? Da sind ein paar Krümelchen von Kohle und Holzkohle. Asche von alten Grillfeuern und verbrannten Gartenabfällen. Sie können kleine Teile glasierter weißer Keramik ausmachen, die Überbleibsel von Tassen, Tellern, Untertassen und Saucieren. Das mag nicht nach viel aussehen. Es könnte sogar bis in die jüngste Vergangenheit in Benutzung gewesen sein. Vielleicht sehen Sie diese Reste jedesmal, wenn Sie Ihre Blumenbeete umgraben, und für gewöhnlich ignorieren Sie sie. Aber das ist die oberste Schicht der Archäologie in Ihrem Garten!
Schauen Sie mal unter den Rosenstrauch. Da liegt ein Stück blau-weißer Keramik. Ist das von Woolworth? Könnte es von einem Kaffeeservice aus dem 19. Jahrhundert stammen? Es könnte aber auch aus Holland importiertes Delfter Porzellan aus dem 16. oder 17. Jahrhundert sein. Oder aber es könnte sich sogar um chinesisches Porzellan handeln – die Vorlage für später massenhaft produzierte Weidenmuster Tee-Service. Tun Sie das Stück in eine Schachtel, und machen Sie eine Notiz, daß Sie den Inhalt auf der Oberfläche ihres Gartens gefunden haben. Später wird es noch nötig sein, es richtig zu beschriften.
Überall sind Stücke von rot gebranntem Ton. Einige von ihnen sind Bruchstücke von Blumentöpfen, aber Sie finden auch Bruchstücke von Ziegelsteinen, den Trümmern abgerissener Gebäude. Bevor Mr. Marley seinen Dachzeigel erfand und Mr. Breeze seinen neuartigen Baustein [in Dtl würde man vom Ytongstein sprechen, Anm. d.Übs.], waren Ziegelsteine 200 Jahre lang das gewöhnliche Standard Baumaterial im ganzen Land.
Da sind dutzende kleiner Stücke von purpur-blauem Schiefer, meilenweit weg von ihrem ursprünglichen Vorkommen. Im 18. Jahrhundert, zur Blüte des Netzes an Wassertransportkanälen in Großbritannien, hatte das ganze Land Zugang zu billigem Material für standardisierte Dachbedeckungen – Schiefer aus den Steinbrüchen in Nord-Wales. Wenn Sie wirklich Glück haben, dann stammt ein Stück des Schiefers von einer alten Schul-Schreibtafel. Aber das können Sie jetzt noch nicht mit Bestimmtheit sagen, solange Sie nicht den dazugehörigen Griffel finden. Er sähe ungefähr so aus wie eine Stricknadel. Sie stochern ein paar Minuten herum. Alles was Sie finden, ist eine Walnußschale, aber keinen Griffel.
Dann fangen die Dinge an, interessant zu werden. Sie drehen ein paar Stücke dickerer, mehr rauere Keramik herum. Eines ist orange-rötlich, die anderen sind mehr bräunlich-gelb und glasiert auf der Innenseite, nicht aber der Außenseite. Das geschah, um die Gefäße möglichst billig zu produzieren. Die Innenseiten wurden glasiert, damit sie wasserundurchlässig waren. Aber die Außenseiten brauchten nicht wasserfest zu sein – so ließ man sie unbehandelt. Diese Scherben sind das Produkt alter ländlicher Töpferei. Die Leute kauften so etwas nicht in einem Laden – Töpferwaren wurden von Dorf zu Dorf mit einem Karren gefahren. Diese Fragmente in Ihren Händen sind die letzten erhaltenen Beweise einer ländlichen „Industrie“, die jahrhundertelang das Land mit Keramik versorgte, bevor sie von billiger Massenware aus den Tongruben in Stoke-on-Trent abgelöst wurde.
Sie finden auch Bruchstücken von Steinzeug, grau auf der Innenseite und glänzend auf der Außenseite. Da ist sogar ein Stückchen mit eingestempelten Buchstaben. Es ist ein Fragment eines Vorratsgefäßes, ein Vorläufer der großen Plastikkanister, die wir für Frostschutzmittel oder billigen Wein verwenden.

Und natürlich ist Ihr Garten durchsiebt mit Glasscherben. Die flachen dünnen Teile stammen von Fenstern, die gekrümmten von Flaschen. Der klar durchsichtige Teil ist mehrheitlich aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Aber Sie haben auch ein paar Stückchen, die ziemlich exotisch anmuten, da sie in allen möglichen Farben schimmern wie eine Pfauenfeder. Diese stammen wahrscheinlich aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Das lebendige Farbenspiel wird durch die Korrosion des Materials in der Erde verursacht. Ob das Glas durchsichtig ist oder nicht, hängt von den verschiedenen Herstellungsmethoden früherer Zeiten ab. Als Faustregel gilt: römisches Glas ist durchsichtig, welches aus dem Mittelalter bis zum 18. Jahrhundert ist durch Korrosion bunt schimmernd und modernes Glas ist wieder durchsichtig.
Bis ins 16. Jahrhundert war Glas so wertvoll, das, wenn Sie von einem Haus in ein anderes umgezogen wären, Sie Ihre Fensterscheiben mitgenommen hätten. Glasflaschen als Behälter für Flüssigkeiten kamen erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf, aber selbst zu dieser Zeit waren sie noch recht wertvoll. Wenn Sie wohlhabend genug gewesen wären, hätten Sie sich ein Faß Wein gekauft, und diesen zum Verzehr in Flaschen abgefüllt. Aber die leeren Flaschen hätten Sie nicht einfach weggeworfen, sondern ausgespült wieder befüllt. Und für den Fall, das Ihre Gäste so dreist gewesen wären, sie als teueres Souvenir unter ihrer Kleidung nach Hause zu schmuggeln, hätten Sie ihren persönlichen Stempel am Flaschenhals anbringen lassen. Erst nach und nach wurden immer mehr Glasflaschen en masse produziert, so daß Bierflaschen, Milchflaschen und Weinflaschen günstig genug wurden, das man sie nach der Benutzung wegwerfen konnte.

Sie entdecken zwei kleine runde Dinger, die aussehen wie einfache Glasmurmeln. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um „Trophäen“ von Schuljungen von vor ca. 100 Jahren: Lange vor der Erfindung der Aluminiumtrinkflasche, zerschlugen die Kinder die Flaschen von kohlesäure-haltigen Getränken, um an die Glaskugel zu kommen, die als Verschluß der Flaschen diente.
Dann raffen Sie eine handvoll kleiner Tonstäbchen auf, die etwas wie weiße Plastikröhrchen aussehen, um die ein moderner Litzendraht gewickelt zu sein scheint. Sie haben keine Ahnung, was das sein könnte. Wenn Sie sich das ganze aber etwas näher betrachten, sehen Sie, das die Röhrchen schwarze Flecken haben. Dann finden Sie aber ein verräterisch passendes rundlichen Ding – und Sie sehen, das es sich um abgebrochene Stengel einer Tonpfeife handelt, geschwärzt durch den Tabakrauch. Quasi die Zigarettenkippen der Geschichte. Sir Walter Raleigh führte den Nikotingenuß schon zu Tudor-Zeiten ein, aber es dauerte bis zum 17. Jahrundert, bis Pfeiferauchen groß in Mode kam.
Im 19. Jahrhundert hatte sich der Geschmack der „besseren Gesellschaft“ weg von der Pfeife hin zur Zigarre verlagert, es waren nun die Armen, die an der Tonpfeife zogen. Aber gebrannter Ton ist brüchig und die Pfeifen brachen ständig. Für gewöhnlich begann die Lebensspanne einer Tonpfeife bei einer Länge von etwa einem halben Meter (sogenannte „Churchwarden-Pipe“), aber jedesmal, wenn ein Stück abbrach, warf der Besitzer das abgebrochene Stück fort und der Pfeifenkopf wanderte ein Stück näher an dessen Nase. Solange, bis es entweder endgültig zerbrach, oder die Nasenhaare des Besitzers derartig versengt wurden, das er den Stumpen endgültig wegwarf.
Der Stil der Pfeifenköpfe änderte sich über die Zeit. Ursprünglich waren sie klein und faßförmig, gerademal groß genug, um die Menge Tabak von der Größe einer Erbse aufzunehmen. Später wurden sie größer und saßen aufrecht auf dem Pfeifenstengel. Viele trugen Stempel, um den Hersteller oder den Ort der Herstellung zu bewerben. So können oftmals Stücke einer Tonpfeife, besonders die des Kopfes, auf ein Jahrzehnt genau einem einzelnen Pfeifenhersteller zugeordnet werden. Das ist ein besonders nützlicher Anhaltspunkt zur Datierung.

Mal abgesehen von diesen Trümmern, finden Sie natürlich auch andere kleine Schätze – eine Plastik-Soldatenfigur aus einer alten Cornflakes-Schachtel, die Karosserie eines Matchbox-Autos und einen Legostein. Weiterhin so eine kleine braune Kugel, die etwas aussieht wie die Glasflaschenkugeln, aber in Wirklichkeit ist es eine richtig alte Murmel aus gebranntem Ton. Die Metallstücke und Fragmente sind (Teile von) Nägeln, Haarnadeln und Spangen, Schnallen von Gürteln, Taschen und Zaumzeug eines Pferdes, Stücke von Blechschildchen und Döschen, sowie Knöpfe und Schrauben.
Außerdem finden Sie kleine Teile einer vor Ewigkeiten weggeschissenen Keramikfigur – einen einzelnen Arm, einen abgetrennten Kopf und ein nicht zuzuordnendes Teil des Torso.

All dieser Abfall ist Archäologie. Er erzählt uns, wie die Menschen hier lebten in den letzten zwei- dreihundert Jahren. Es ist die an Archäologie reichhaltigste Epoche, die unser Planet bis dato kennt.
Mit dem 17. Jahrhundert beginnend gibt es eine schiere Explosion der Anzahl von Teilen und Resten gewöhnlicher Gebrauchsgegenstände für gewöhnliche Leute. Ein Beispiel: Die Knöpfe, die Sie gefunden haben, waren nur im 18. Jahrhundert in Mode, und die Schrauben wurden erst von ungefähr 100 Jahren erfunden. Damals gab es nicht nur mehr Leute, sie konnten sich auch mehr Dinge leisten, die aus neuen Materialien gefertigt wurden, die eben nicht verrotteten oder zerfielen – und so blieben sie erhalten, um von Ihnen, dem furchtlosen Archäologen, in Ihrem Garten wiederentdeckt zu werden.
So viele Funde, so viel an Geschichte – und Sie sind noch nicht einmal ans schwitzen gekommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s