Sequel zu „da lief etwas schief“. Teil1. Resurrection.

Dies ist die Fortsetzung (erster Teil) von „da lief etwas schief“.
[dieser Teil sollte etwas länger werden. Aber ich werde ihn doch unterteilen müssen.]

Der Kampf gegen das Böse geht weiter. Doch auch Helden müssen hin und wieder in die Reha. Oder sich zurückziehen. Sich neu sammeln und formieren.
Denn wenn auch das Böse in einer ersten Schlacht gesiegt haben mag, die kleinen plataiaischen Kräfte des Guten lassen sich nicht unterkriegen.

„Sie wird wach.“
„Und was machen wir jetzt mit unserem prominenten Gast?“
„Gute Frage…!“

Wochen waren vergangen. Ärzte, keine Globulisten sondern Internisten, Dentisten und Chirurgen hatten wundersames vollbracht. So zerbrechlich und sterblich der menschliche Körper doch ist, so faszinierend ist es doch auch, was moderne Medizin zu leisten vermag.
Auf der Intensivstation des nicht näher zu benennenden Krankenhauses wurden Schläuche ausgesteckt, und Maschinen abgestellt – aus einem erfreulichen Grunde.
Die schwer verletzte junge Frau, wochenlang im Koma und Betätigungsfeld der oben erwähnten Mediziner war körperlich wieder hergestellt. Aber sie schlief. Noch.
Doch das sollte sich bald ändern – und das führte dazu, das sich zwei Frauen vor dem Zimmer nun darüber unterhielten.
„Wenn du das schon für eine gute Frage hälst… woher soll ich dann die Antwort wissen, Kerstin?“
„Ach Johanna…Weitwinkel meint, wir sollten sie am besten in ein bewachtes Sanatorium bringen. Aber ich fürchte, da wird sie mit ihrem Temperament binnen kürzester Zeit das ganze Mobiliar zerschlagen. So wie ich sie einschätze, wird sie bald wieder kämpfen wollen.“ Kerstin sah Johanna an. Diese hob fragend die gepiercte Augenbraue.
„Du meinst….“
„Jep. Wir bringen Sie nach Gut Synderhof. Und ich erteile Dir hiermit den offiziellen Auftrag und Befehl: Du wirst sie ausbilden. In allen Kampftechniken, an allen Waffen und mit allen Tricks. Ihre Geheimdienstakte lasse ich dir nach Gut Synderhof schicken.“ Kerstin deutete mit dem Zeigefinger auf Johanna: „Aber ich warne Dich: Sie diskutiert gerne und viel und hat ganz schön was auf dem Kasten. Laß dich davon nicht ablenken. Ich vertraue Dir stellvertretend für unsere ganze Regierung das Mädel an, du wirst sie hüten wie deinen Augapfel. Und nebenbei ausbilden!“

Johanna salutierte: „Sehr wohl Frau Minister!“ – um danach locker flapsig zu fragen: „Apropos Regierung… wie gehts Martin eigentlich?“
Kerstin zuckte stumm die Schultern. „Unverändert. Die Ärzte wissen nicht, was es ist. Er bleibt nach wie vor außer Gefecht…… aber wo du grade fragst: ich bin die nächste Zeit nicht da – wenn was sein sollte, auch mit unserem Gast, dann wende dich an Weitwinkel.“
„Oh scheiße!“ Johanna rollte mit den Augen. „Wo bist du denn?“
„Auf Gran Canaria. Vier Wochen.“
„Urlaub?“
„Internationaler Juristenkongreß.“
Johanna glaubte ihr kein Wort, aber beließ es bei stummen Zweifeln.
„Und wenn du mich jetzt bitte entschuldigst – ich muß zum Flughafen!“ mit diesen Worten ließ Kerstin sie vor dem Krankenzimmer stehen.
„Ey Moment – und wer erklärt unserem VIP, wo sie ist und wie sie hier hingekommen ist?“ rief Johanna ihr hinterher.
Kerstin drehte sich noch einmal um. „Sie mag mich nicht besonders – besser du erklärst ihr alles auf Gut Synderhof. Du rockst das schon….!“
mit diesen Worten entschwand sie winkend in einen Aufzug aus Johannas Sichtfeld.
„Na suuuper!“ -sie bließ die Backen auf. „pffff… toll, wirklich toll. Jetzt kann ich auch noch Babysitter spielen!“

„Wo bin ich?“
Mit schwacher, müder Stimme waren dies die ersten Worte seit Wochen, die über die Lippen der jungen Frau kamen.
Sie zuckte erschreckt zusammen, als sie tatsächlich eine Antwort bekam.
„Sie sind im Krankenhaus.“ es war die freundlichklingende Stimme einer sehr großen aber auch recht fülligen Krankenschwester. „Ich bin Schwester Anneliese. Sie werden bald wieder ganz gesund und auf den Beinen sein, junges Fräulein!“
Die junge Frau nahm erst jetzt vorsichtig blinzelnd ihre Umgebung wahr. Alles schien gelblich-beige-weiß zu sein. Mit Ausnahme des lustig-knollennasigen Gesichts von Schwester Anneliese. Alles, was an der Wand hing, war ein kleines schlichtes Kruzifix mit frischem Buxbaumzweig.
Vorsichtig bewegte sie den Kopf nach rechts und links. Auf der einen Seite war das Beistelltischchen mit einer Blumenvase – irgendwas buntes, frisches schien drin zu stehen. Ihr verstand vermoche noch nicht wieder tiefere botanische Analysen durchzuführen.
Auf der anderen Seite war ein Fenster, durch das man den blauen Himmel, Wolken und die Wipfel eines Baumes erkennen konnte.
„Wie…wie…bin ich hierher gekommen?“
„Sie sind mit einem Hubschrauber eingeliefert worden, Fräulein. Und sie wurden mehrfach operiert. Sie hatten großes Glück!“ Schwester Anneliese schien irgendwas am Schrank zu rödeln, was die junge Patientin aber nur halb wahrnahm.
„Aber…aber..“ Nur bruchstückhaft kam ihre Erinnerung zurück. Das letzte, was sie wußte, war, das sie auf der Party im BDSM-Club gewesen war. Und auf einmal hatte sie Schreie gehört. Und danach nichts. Filmriß.
Sie versuchte sich aufzusetzen. „Ich muß telefonieren…!“
Schwester Anneliese schritt ein, und drückte sie wieder aufs Bett. „Hööösch, hööösch [kultiviertes deutsch für „sachte, sachte“, Anm. d.Verf.], Fräulein. Sie haben ein paar Wochen im Koma gelegen!“
„Ein paar Wochen? Koma?“ die junge Frau nach ihren derzeitigen Möglichkeiten in Wallung. „Ich muß unbedingt…“
„Sie müssen unbedingt etwas essen! Hier ist ihr Abendessen!“ schnitt ihr Schwester Anneliese das Wort ab. Die gute Frau schien resolut aber doch freundlich zu sein. Denn sie fuhr fort: „Und morjen dann, wenn der Dokter et erlaubt, werden Sie verlegt. Dann können Sie sich wat erholen!“
Mit diesen Worten stellte sie der Patientin ein kleines Gläschen mit einer braunen Flüssigkeit zu ihrem Abendbrottablett.
„Was ist das?“
„Ihre Medizin. und die nehmen Sie jetzt bitte!“
Noch vollkommen ihrer Orientierung und inneren Ordnung beraubt, griff die Patientin nach dem Gläschen und exte es. Eine halbe Scheibe Brot schaffte sie selbst zu essen. Dann wurde ihr schwummerig.
„Hat sie gerade „morjen“ anstatt „morgen“ gesagt? Und „wennd er Dokter et erlaubt?“ Hatte die Schwester einen rheinischen Akzent? Wo zur Hölle war sie? Und wie war sie hier hin gekommen?“ – das waren ihre letzten Gedanken, bevor sie wieder in Morpheus` Arme fiel, und die Nacht durchschlief.

Als Schwester Anneliese das Zimmer verlassen hatte, wurde sie schon erwartet. Die „Oberlesbe-ZA“ stand in voller Uniform wartend vor der Tür. Johanna hatte sich seit dem Vormittag und Kerstins Abflug schon umgezogen. Eigentlich hätte sie ja Urlaub gehabt – aber nein. Die Pflicht mußte ja rufen.
„Wieviel haben Sie ihr gegeben?“ fragte sie Schwester Anneliese.
„147mg…dat reich für enne Ellefant ömmzohoe.“
Johanna blickte stumm an Schwester Annelieses elefantöser Gestalt auf und ab, und brummte nur „aha….aber morgen früh kann ich sie abholen lassen?“
„Ja sischer dat. Morjen früh isse widder fitt bie enne Turnschuh!“
„Gut. Danke, Schwester!“
Wenigstens könnte in diesem Krankenhaus auf dieser einen Etage die permante Wache vor dem Zimmer eingestellt werden. Eine Etage höher, da wo der Chef lag, würden auch weiterhin ständig zwei Polizisten und Geheimagenten mit Uzi Wache stehen. Aber wenigstens hier würde dies nun nicht mehr nötig sein.
Johanna seufzte. Das war wenigstens etwas.

Am nächsten Morgen stand um Punkt 8.00Uhr ein Krankenwagen vor dem Hintereingang des Krankenhauses. Es war ein in diesem Lande üblicher Krankenwagen. Ein technologisch hoffnungslos veralteter 1952er Mercedes-Benz Sanka. Aber einwandfrei in Schuß, vollgetankt und einsatzbereit.
Eine noch halb schlafende junge Frau wurde auf einer Bahre aus dem Hintereingang in den Wagen verfrachtet. Am Steuer und auf dem Beifahrersitz saßen zwei junge Frauen in grauer Uniform. Schwarze Kragenspiegel, silberne Venuszeichen darauf. Zusätzlich eine Asklepiosschlange.
Die Sirene ging an – und los die Fahrt. Hinter dem Wagen heulte eine Ducati auf – Johanna, ganz in schwarzer Lederkombi, übernahm getreu ihrem befehl höchst persönlich den Motorradgeleitschutz.
Der kleine Konvoi verließ die Hauptstadt. Ziel: Gut Synderhof, zwischen Wiezethal und Müssen.

…to be continued…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s