Jens und die zwei Kreuze am Wegesrand

Jens fuhr mit seinem Leihwagen die Landstraße entlang, die aus dem Dorf Wiezethal in Richtung der Kreisstadt Müssen führte. Das ständige wubbeln des Kopfsteinpflasters erinnerte ihn an seine Jugend in der DDR – wie so vieles hier in diesem Scheißland. Die vorsintflutliche Telefontechnik, das formelle Gehabe, die Uniformen im Straßenbild – er begann seine Entscheidung zu bereuen, mit seiner Familie hier für ein Jahr zu wohnen. Aber nun war es nicht mehr rückgängig zu machen. Jens hatte Heimweh in das 21. Jahrhundert im vollvernetzten Smarthome im Berliner Speckgürtel.
Und dann immer wieder dieses scheiß Kopfsteinpflaster, das ihn daran erninnerte, wo er gerade war….
*wubbel wubbel wubbel wubbel…*

Dann entdeckte er etwas am Wegesrand, das es in der DDR so nicht gegeben hatte, allenfalls im Eichsfeld kurz vor der Wende: Ein geschmücktes Wegekreuz.
Jens fuhr nicht extra langsamer deswegen, aber die Straßenbiegung und zwei, drei Schlaglöcher erlaubten ihm ohnehin nicht schnell zu fahren. So konnte er erkennen, das auf dem Kreuz in Frakturschrift geschrieben stand: „Jesus! Maria! Josef! Bittet für uns Sünder!“.
Vor dem Kreuz brannte eine kleine rote Kerze, wie sie sonst auf Friedhöfen zu finden sind, und offensichtlich hatte auch jemand frisch gepflückte Blumen an dem Kreuz niedergelegt.
„Dreckskatholiken.“ brummte Jens nur. Es war ihm unverständlich wie diese Leute hier, wie überhaupt ein denkender Mensch, an Gott glauben konnte oder gar sich religiösen Praktiken hingeben konnte.
Aber nach allem, was er bisher in diesem Land erlebt hatte, stand er mit dieser Ansicht allein auf weiter Flur.

Die Straße machte eine Biegung, und er gerade mal 300 Meter weiter gefahren, als er abermals ein Kreuz am Wegesrand sah.
Aber das hier war definitiv anders. Der Anblick ließ ihn erst stutzen, und um dann schockiert in die Eisen zu steigen, und seinen Wagen anzuhalten.
Denn dieses Kreuz hier war nicht klein und aus Stein, sondern groß und aus Holz.
Und offenbar war ein nackter Menschenkörper an ihn gefesselt. Eine nackte Frau, um genau zu sein.
„What-the-fuck?!“ fluchte Jens, als er aus dem Auto stieg.
Die nackte Frau am Kreuz war mit dem Rücken zur Straße an beiden Handgelenken an den Querbalken des Kreuzes gefesselt, die Fußgelenke waren mit einer Spreizstange fixiert.
Jens hastete über die Straße, und eiligen Schrittes erklomm er die 4 gemauerten Stufen der Böschung hoch zu dem Kreuz. Die vier Quadratmeter um das Kreuz herum waren sauber gepflastert, und der senkrechte Balken war in einer akkuraten Halterung im Boden verankert. Es schien sich als um eine dauerhafte Einrichtung zu handeln.
Wie Jens nun erkennen konnte, war der Rücken und der Hintern der Frau über und über mit blauen Flecken und roten Striemen übersäht, zu dem war mit schwarzem Filzstift das Wort „Fickvieh“ auf die Steißregion geschrieben. Und -Jens wollte gar nicht so genau hinsehen- offensichtlich steckte der Frau ein Plug um Anus.

Trotz seiner atheistischen Überzeugung entwich Jens ein „um Gottes Willen!“. Die Frau schien sich nicht zu regen, er befürchtete schon, sie sei tot. Er beugte sich zu ihrem Gesicht, und rüttelte an ihr. Jetzt erst sah er, das sie auch einen Gagball im Mund hatte. Sofort griff er nach dem Riemen, um diesen zu lösen, so das die Frau -seiner Meinung nach- frei atmen und sprechen konnte.
Die Frau, Jens schätzte sie auf Mitte dreißig, erwachte aus ihrem Dösen, und öffnete die Augen.
„Hey..hallo!…Alles in Ordnung? Warten Sie, ich mache sie los!“ sprach er hastig, und machte sich nun an den Karabinerhaken an den Handgelenken der Frau zu schaffen.
„Benutzen Sie mich, mein Herr!“ wisperte sie, und senkte demütig ihren Kopf.
„Was?!“ Jens begriff nicht. „Hören Sie, ich mache sie los und dann rufe ich die Polizei! Und einen Krankenwagen!“
Jetzt wurde die Frau stutzig. „Nein! Benutzen Sie mich, mein Herr oder fahren Sie weiter!“
„Hören Sie, ihr Rücken ist voll mit blauen Flecken und Striemen. Sie müssen zu einem Arzt! Sie haben doch sicher Schmerzen!“
„Ja…. die habe ich!“ hauchte die Frau – allerdings mit einem grundzufriedenen Lächeln im Gesicht, das Jens nicht zu deuten wußte.
Er werkelte weiter an dem Karabinerhaken am linken Handgelenk herum, und endlich hatte er ihn auf.
„Lassen Sie das!“ schrie die Frau. „Ich will nicht. Und ich darf nicht!“
„Was?!“
„Mein Herr hat mich hier heute zur öffentlichen Benutzung ausgestellt. Sechs Stunden soll ich hier für Herren zur Verfügung stehen!“
Jens wich erschreckt einen Schritt zurück.
„Außerdem sind Sie ganz nackt! Ich werde ihnen solange eine Decke aus meinem Auto holen!“
„Unterstehen Sie sich! Meine Kleider liegen da vorn in einer Sporttasche, und da bleiben Sie auch! Ich bleibe nackt!“
Jens sah die Sporttasche unweit des Kreuzes im Gras liegen.
„Was?! Hier an einer öffentlichen Straße, am hellichten Tag? Das ist doch krank!“
„Nein. Mein Herr will es, und ich will es auch. Ich bin sein Fickvieh, und ich lasse mich benutzen, von jedem, der hier vorbei kommt.“
Angeekelt wich Jens noch einen Schritt zurück. Er sah nun, das die Spreizstange mittels einem Vorhängeschloß fest an einem Bodenring verankert war, ebenso die Fesseln der Fußgelenke mit der Spreizstange. Ohne einen Bolzenschneider -den er nicht dabei hatte- würde er die Frau nicht befreien können.
„Aber…aber…Es kann Sie doch kein Mann hier einfach so öffentlich für sexuelle Handlungen ausstellen?! Das ist Mißbrauch! Ich hole die Polizei!“
Jetzt wurde die Frau richtig zornig. „Ich bin eine erwachsene selbstbestimmte Frau und möchte wieder an das Kreuz gefesselt werden, verfickt und zugenäht!“ fluchte sie. „Wenn mein Herr mich hier ungefesselt antrifft, dann bekomme ich Ärger! Und jetzt haken Sie meine Arme gefälligst wieder fest!“
„Ich werde dafür sorgen, das ihr „Herr“ Ärger bekommt! Ich hole die Polizei!“
Jens war es leid, weitermit dieser -für ihn offensichtlich irren- Frau zu diskutieren, und sprintete zurück zum Auto. Da es in diesem Land noch kein ausgebautes Handynetz gab -zu diesem Zweck war er ja schließlich hier- blieb ihm nichts anderes übrig, als zur nächsten Polizeiwache zu fahren, und den Vorfall zu melden.
Er achtete auch nicht darauf, das die Frau hinter ihm her rief: „Machen Sie mich wieder fest! Verfickte Scheiße!“

Eine Viertelstunde später, Kreisstadt Müssen.
Jens parkte den Wagen am Bahnhof. Er war den Schildern „Reichsbahnhof“ und „Polizeiinspektion“ gefolgt, und hatte sich bei jedem Schild knurrend über dieses Land und seine scheiß Schilder aufgeregt.
Hinter dem Bahnhof sah Jens aus dem Augenwinkel einen Zug den Bahnhof in Richtung Wiezethal verlassen. Mit immer schnellerem „wuff-wuff-wuff“ blies die Lokomotive grau-schwarze Wolken in den Himmel, vier grüne Personenwagen hinter sich herziehend.
Das Polizeirevier lag gegenüber des Bahnhofs, und Jens eilte im Laufschritt darauf zu.
Drinnen angekommen, war nix mit Sicherheitsglas und Sprechschleuse: Er stand direkt in einem großen Büro mit Tresen. Hinter diesem saßen uniformierte Polizisten (Uniformmodell wie man es in Ost und West bis in die 60er Jahre noch kannte: „Reichswehr-light mit Tschako“) an Schreibmaschinen und hämmerten dienstbeflissen in die Tasten.
Der Polizist, der sich erhob, um nach Jens begehr zu fragen, erinnerte diesen vom Aussehen eher unfreiwillig an den SS-Offizier Vogel aus dem Indiana-Jones Film Teil 3.
Jens schilderte, was er soeben erlebt hatte. Der Polizist hörte ihm ruhig zu, und meinte, als Jens geendet hatte: „Tja. Und was sollen wir jetzt ihrer Meinung nach tun?“
„Äh…wie bitte?! Da ist eine nackte Frau mit deutlichen Mißbrauchspuren am hellichten Tag an einer öffentlichen Straße festgekettet, und Sie fragen mich allen Ernstes, was Sie nun tun sollen? Die Frau befreien, natürlich!“
Jens war fassungslos.
Der Polizist hingegen seufzte. „Sie sind Ausländer, wie ich vermute?“
„Ja, ich bin aus Deutschland.“
„Dachte ich mir. Dann hören Sie gut zu, guter Mann: Das, was sie eben gesehen haben, ist eine von mehreren öffentlichen Prangern in unserem Landkreis. Diese Plätze sind extra für solche Zwecke ausgewiesen und behördlich zugelassen. Anstatt panisch zur Polizei zu laufen, hätten Sie die Frau einfach ficken können.“
Der Polizist hatte dies so furztrocken ausgesprochen, das es Jens die Sprache verschlug.
Er stand mit offenem Mund da. „Das…das darf doch wohl nicht wahr sein.“ stammelte er endlich. „Das heißt, sie unternehmen jetzt gar nichts?!“
Der Polizist rollte mit den Augen und seufzte. „Wenn Sie drauf bestehen, schicken wir eine Streife vorbei, und schauen nach dem rechten.“
„Das ist ja wohl das mindeste!“ flüsterte Jens mehr in sich selbst hinein, und setzte ein „Ich bitte darum!“ dem Polizisten als Antwort hinterher.
Reichlich verstört verließ er das Polizeirevier.

Kurze Zeit später am Prangerkreuz:
Ein Streifenwagen hielt am Straßenrand, und zwei Polizisten stiegen aus. Sie gingen gemächlich die Stufen zu der gefesselten Sub hinauf, die noch immer mit ihrem freien linken Handgelenk haderte. Das rechte hatte sie sich selbst wieder am Querbalken des Kreuzes einklinken können, aber logischerweise blieb dann das linke ungefesselt. „Das gibt Ärger, wenn ER wiederkommt.“ hatte sie mehrfach in sich hinein geseufzt und gehofft, das, bevor ER wiederkommen würde, noch Rettung nahte. Den Gagball hatte sie sich selbst wieder in den Mund stopfen können, leider saß er nicht mehr so fest wie zuvor.
Und diese Rettung kam nun in Gestalt der beiden Wachtmeister.
„Guten Tag, gnä‘ Frau. Die Polizei!“
„Orrr.“ die Frau rollte mit den Augen, und drehte den Kopf in Richtung der beiden Gesetzeshüter. Genervt nahm sie den lockeren Gagball wieder mit ihrer freien linken Hand aus dem Mund.
„Bevor Sie fragen, mir gehts gut, danke! Der Spinner hat sie geschickt, oder?“
Mit einem leichten Lächeln im Gesicht antwortete einer der beiden Polizisten: „äh…ganz recht, gnädige Frau, wir sind gerufen worden, um hier nach dem rechten zu sehen.“
„Wie ich schon sagte – mir gehts gut. Ich benötige keine Hilfe!“
Die Polizisten sahen sich schulterzuckend an. „Tja dann… fahren wir wieder.“
„Ach… eins wäre da doch noch, meine Herren: Wenn Sie bitte die Güte hätten, und mein linkes Handgelenk wieder einklinken würden? Und den Gagball wieder festziehen könnten? Ich bekome sonst Ärger mit meinem Herrn, wenn er mich so ungefesselt hier vorfindet.“
„Aaaber selbstverständlich gerne, gnä‘ Frau!“ einer der beiden Polizisten trat an sie heran, und klinkte ihr linkes Handgelenk wieder am Querbalken ein.
„Die Polizei, dein Freund und Helfer…die Herren Wachtmeister dürften mich auch gerne benutzen, wenn Sie wollen.“
Nun mußte der andere Polizist kurz auflachen. „Ansonsten gerne, gnä‘ Frau, aber wir sind leider im Dienst!“
Und mit den Worten „…aber wir helfen wo wir können!“ stopfte er ihr den Gagball wieder in den Mund und zog den Riemen fest.
Beide Polizisten knallten zum Abscheid die Hacken zusammen, salutierten freundlich, stiegen wieder in ihr Fahrzeug und fuhren von dannen.

Es vergingen noch anderthalb Stunden, bevor ein schwarzer BMW am Prangerkreuz hielt. Ein Mann stieg aus, ging die Stufen hoch zum Prangerkreuz. Mit einem Lächeln im Gesicht trat er langsam an die Frau heran. Mit einem festen Schlag der der rechten Handfläche auf ihre linke Pobacke holte er sie aus ihrer Trance.
Sie wußte sofort: Das war ER, der sie abholte.
Er genoß es sichtlich, ihr ganz langsam die Fesseln zu lösen, die Schlösser zu öffnen, und ihr zu guter letzt den Gagball aus dem Mund zu nehmen. Demütig wagte sie es nicht zu ihm aufzublicken, bevor er sie nicht angesprochen hatte.
Sie zitterte am ganzen Leib – nicht vor Kälte sondern vor Ergebung und Hingabe.
„Na, kleines…. wie war dein Tag?“ fragte er sie, als er sie in die Arme schloß.
„Mein Herr…“ hauchte sie erst. „Ich durfte heute vier Herren zur Verfügung stehen, mein Herr!“ seufzte sie demütig und zufrieden.
„Gut gemacht, Mädchen. Ich bin stolz auf dich!“ er küßte sie auf die Stirn, und sog den Geruch ihrer Haare ein.
Doch dann reckte sie ganz selbstbewußt den Kopf nach oben, und sprach: „Und da war noch ein Idiot der mich losmachen und befreien wollte! Stell dir vor, der hat sogar die Polizei gerufen. Die Wachtmeister mußte meine linke Hand und den Gagball wieder festzurren!“ demütig senkte sie wieder ihren Blick.
„Was? Du warst ungefesselt?“
„Nur kurz. Ich konnte nichts dafür. Meine rechte Hand und den Gagball habe ich versucht so gut es ging wieder festzumachen. Verzeihung, Herr!“
„War das ein Snöfländer?“ fragte er sie mit zweifelndem Blick.
„Nein, ein Ausländer. Er dachte wohl ernsthaft, ich sei gegen meinen Willen hier.“
„Hm…dann war es nicht deine Schuld. Aber vier Herren hast du dienen können können, sagst du?“
„Ja Herr.“
„Gut gut…“ lächelte er. „Das freut mich und erfüllt mich mit Stolz. Zur Belohnung darfst du heute Nacht neben meinem Bett schlafen!“ Abermals küßte er sie auf die Stirn.
Überglücklich antwortete sie mit einem „Danke, mein Herr!“
„Ich liebe dich, kleines!“
„Ich liebe dich auch!“ sagte sie nun, auf die Anrede Herr verzichtend.
Die beiden glücklichen Herzen stiegen in den Wagen – sie verzichtete sogar darauf, sich anzuziehen. Sie genoß es, nackt neben IHM im wagen zu sitzen.
Auf dem Rückweg hielt er noch kurz an dem anderen Wegkreuz – während sie im Auto wartete, sprach er ein kurzes Gebet, zündete eine neue Kerze an – und dann fuhren sie nach Hause, wo er seine Sub als zusätzliche Belohnung für den Tag zu bekochen gedachte.

Ein Gedanke zu “Jens und die zwei Kreuze am Wegesrand

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