Das 104. Kamel – Bäder Lesben und Delphine Teil 8

Etwas später ereilten mich noch zwei Hiobsbotschaften.
Ich war gerade im Bugtorpedoraum, unsere Passagiere mal besuchen – es ging sehr dichtgedrängt zu. Obwohl wir keine Topredos gebunkert hatten (lediglich zwei in insgesamt vier Rohren vorne und einen in einem der beiden achterlichen Rohre), ging es hier dicht gedrängt zu. Die Kampflesben vom ZA lagen mehr oder weniger übereinander auf der Steuerbordseite, die Marine-Infanterie-Hasen mehr oder weniger backbords. Da nicht alle von ihnen hier Platz gefunden hatten, hatten sich einige sogar ganz hinten, im E-Maschinenraum einquartiert. Jedenfalls besah ich mir diese dichtgedrängte Szenerie, als hinter mir Kerstin durch das Luk stieg.
„Martin, ich hab hier nen Funkspruch – du glaubst nicht von wem!“ sie reichte mir nen Zettel hin:
Ludmilla ist 19. Ich weiß es einfach. Kim Jong-Un.“ Ich seufzte.
Wenn das so weiter ging, das würde diese Ludmilla noch der Star der nächsten UN-Vollversammlung werden. „Und das ist dem lieben Jong-un eine extra Nachricht wert? Ich glaube…“ ich wollte noch weiter sprechen, aber aus Richtung der Zentrale des Bootes hörte ich ein hektisches Getrappel, das immer näher kam.
„Weg da…weg da Mensch!“ Kerstin wurde unsanft beiseite gestoßen, und Johanna kletterte durch das Luk. „Ruhe im Puff!“ bellte sie.
„Johanna…was um Himmels Willen ist passiert?“
„Schlechte Nachrichten, Martin:“ sie wurde ganz ernst.
„ja nu sprich endlich!“
„…der Effzeh hat verloren!“
Auch das noch! Mir entwich ein „aaargh! Scheiße!“
„Das wars dann mit der Herbstmeisterschaft…“ seufzte Johanna.
Kerstin rollte nur kopfschüttelnd mit den Augen.

Am nächsten Morgen lag die Ostküste der arabischen Halbinsel vor uns. Mal steil aufragende Felsenküsten, mal endlose Sandstrände, mit gelegentlichen winzigen Siedlungen wechselten sich ab. Die Sonne ging langsam über dem Land auf, und tauchte alles in ein diffuses rotes Licht. Hinter uns lag das rote Meer, das noch im Dunkeln der Nacht lag.
Da ich zuvor 12 Stunden geschlafen hatte, hatte ich mich für diese Nacht zur Nachtwache bereiterklärt. Johanna und der Obersteuermann hatten uns an den vereinbarten Landungspunkt, die Mündung des Wali al-Bakr heran navigiert, und nun lagen wir in einer kleinen felsigen Bucht mit abgeschalteten Maschinen und warteten auf mehr Tageslicht. In den dortigen Breiten kommt und geht die Dämmerung recht schnell.
Auf dem Turm des Uboot waren nur der Obersteuermann Johanna und ich.
Zu meiner Überraschung hatte ich feststellen müssen, das wir an Bord unseres Ubootes sogar Wlan hatten – und so nutzte ich die Wartezeit, mich den gefühlten drölfzig Millionen Mitteilungen zu widmen.
Ich scrollte die twitter-Timeline durch. @Chamaelita und @theWildflower72 machten sich mal wieder gegenseitig scharf, @pseudoRolf hatte mal wieder einen möglichst sinnlosen Snooker-Faceswap gepostet und @RhinusH0 lieferte sich mit @doomotto eine Modelleisenbahnbilderpostingbattle. Also alles wie immer.
Johanna hatte den Obersteuermann wieder mit der Nachricht zum Aufbruch unter Deck geschickt. Dumpf klangen die Kommandos durch die offene Luke von unten herauf „Backen und banken! Es fassen – es gibt Frühstück!“ Neben den Uboot-üblichen Mief aus Schweiß, Salzwasser, Diesel mischte sich auch ein Hauch von Kaffee in die die Luft. Es dauerte auch nicht lange, bis Kerstin auf dem Turm erschien, mitsamt zwei großen Alubechern und einer Thermoskanne, um auch Johanna und mich am Kaffee teilhaben zu lassen.
Unterdessen öffnete sich auf dem Oberdeck eine der beiden Ladekuken, und Weitwinkel stieg mit zwei seiner Marine-Infanteristen aus, und begannen eines unserer Schlauchboote mit Druckluft zu befüllen.
„Die Genossen Langohren machen sich jetzt auf die Suche nach unseren Transportkamelen.“ Brummte Johanna.
„Kabelbaum hat versprochen, das er mit den Viechern da ist, er wird auch da sein!“ entegegnete Kerstin. „Auf solche Leute kann man sich verlassen!“
„Euer Wort in Jottes Ohr“ seufzte ich, und nahm einen weiteren Schluck Kaffee.
Weitwinkel war mit seinen beiden Begleitern gerade einmal zehn Minuten an Land gewesen, als er wieder hinter einem großen Felsblock sichtbar wurde, und uns mit beiden Armen zuwinkte. Offenbar hatte er Teutel Kabelaum mit den Kamelen gefunden.
„Na schön… auf geht’s! Kerstin, du bleibst solange hier oben, Johanna und ich überwachen das ausbooten vom Oberdeck aus.“

Gesagt, getan. Es dauerte wieder zweieienhalb Stunden, bis wir die ganze Truppe samt Ausrüstung vom Boot geschafft hatten.
Endlich an Land angekommen, sah ich mich um: die Mädels vom ZA und die Marine-Infanterie-Hasen sortierten ihr Gepäck. Nur von Kamelen keine Spur.
Ich ging zu Weitwinkel heran, der mit einem riesigen Säbel hantierte, und ihn offenbar liebevoll putzte.
„Weitwinkel – wo ist dieser Kabelbaum mit den Kamelen?“
„Mein Chef – der liebe Teutel Kabelbaum wartet oben auf dem Plateau mit den Kamelen. Es sind nur drei Minuten Fußweg.“
„Na hoffentlich…sagen Sie mal…was wollen Sie denn mit dem Küchenmesser?“ fragte ich und deutete auf seine Hieb und Stichwaffe.
„Das ist Salamanassar der IV.“
„Was bitte?“
„Salamanassar der IV. So heißt mein Säbel. Wer weiß, was uns erwartet.“ Sprach er freudestrahlend, und fuchtelte mit dem Ding vor meiner Nase herum. Resiegnierend ließ ich ihn stehen, und ging zu Johanna hinüber, die gerade damit beschäftigt war, an jedes ihrer Mädchen aus einer großen Kiste jeweils eine Pistole und drei Magazine auszugeben.
„…Lugers für die Luders!“ feixte sie, ehe ich sie ansprechen konnte. „Martin…I love the smell of Ballistol in the morning!“
Ich seufzte. Wieder einmal. Offenbar waren alle von einer gewissen Euphorie erfaßt – nur bei mir wollte sich dieses Gefühl nicht so recht einstellen.
Auch Kerstin war von einer hektischen, kampffreudigen Trance ergriffen – alles, was sie mich fragte, war, ob ich lieber eine Maschinenpistole oder den 98erKarabiner haben wolle.
„Die sind alle bekloppt. Alle.“ dachte ich nur so bei mir, und nahm wortlos den Karabiner.

Dann begann der Aufteig zum Plateau – und wehe er würde länger als drei Minuten dauern! Es wunderte mich auch gar nicht mehr, daß einer der Marinie-Infanterie-Hasen mit einem Dudelsack „Scotland the brave“ intonierte, als wir uns im Gänsemarsch in Bewegung setzten. Es war zugegebenermaßen ein leidlich imposantes Bild, das unsere Expedition abgab.
Mit der verbleibenden Besatzung auf dem U-Boot war vereinbart worden, daß sie jeweils morgens und abend um Acht Uhr einmal für 5 Minuten auftauchen sollten, um Ausschau auf unsere Rückkehr zu halten. Sollten wir zwischenzeitlich wieder das Ufer erreichen, so sollte eine ins Wasser geworfene Handgranate das akustische Signal zu unserer Rückkehr sein – unter Wasser war das laut und deutlich genug.

Es dauerte tatsächlich nicht viel mehr als drei Minuten, bis wir die Felsenklippen auf einem schmalen Trampelpfad überwunden hatten – und standen mitten in der Wüste.
Und da waren sie dann: Die Kamele. Eine riesig erscheinende Herde an niederkniehenden Kamelen lag stinkend und blökend vor uns.
Inmitten dieser Herde wurde ich vier vermummten beduinesken Gestalten gewahr, von denen eine schon Ausschau nach uns zu halten schien.
Diese eine Gestalt kam dann auch eiligen Schrittes auf mich und Kerstin zu – wir waren an der Spitze unserer mekrwürdigen Prozession gegangen.
Bei uns angelangt, nahm sich die Gestalt den Teil vom Umhang vom Gesicht, der dieses verhüllt hatte, und ich blickte in ein breites, freudig grinsendes groß benastes Gesicht. (ich möchte weder(!) irgendwelche Ressentiments schüren, noch Vorurteile beheizen etc.!: Aber wenn [i]das[/i] Teutel Kabelbaum war, dann entsprach seine Physiognomie genau dem, was meine Großeltern als „ne aale Jüdd“ bezeichnet hätten)

„Shalom alechem. Frau Maier, Herr Mundorf! Im Namen des Mossad und des Weltfriedens heiße ich sie herzlich willkommen in Saudi-Arabien! Es freut mich Sie endlich persönlich kennenzulernen!“
Wir reichten uns die Hände.
„Sie sind also der Herr Kabelbaum! Die Freude ist ganz meinserseits. Weitwinkel hat uns versichert, daß man sich auf Sie verlassen kann.“
„Weitwinkel und ich sind Geschäftspartner – der Mossad und ich helfen selbstverständlich gern, wenn der Weltfrieden im Orient gerettet werden kann. Aber…“ er hob mahnend den Zeigefinder „…der Mossad weiß offiziell gar nchts von dieser Sache. Wir sind gar nicht hier. Ich bin gar nicht hier. Die Kamele sind gar nicht hier. Vestehen Sie, was ich meine?“
„Wir verstehen vollkommen!“ antwortete Kerstin, und unterschrieb die Empfangsbestätigung für 104 Kamele, die ihr Kabelbaum hingehalten hatte.
„Wo sollen wir denn unsere Reittiere wieder abgeben, wenn wir wieder zurückkommen?“ fragte ich, angesichts solch offenbar „nicht vorhandener“ Bürokratie.
„Bringen Sie sie wieder hier hin zurück, und benachrichtigen Sie mich mit einem Funkspruch. Die Kamele sind frisch aufgetankt und gefüttert – Sie brauchen sie eine Woche nicht zu versorgen!“
Er wandte sich zu seinen drei beduinischen Begleitern, und kommandierte etwas auf arabisch, das mit „yallah!“ endete.
„Wir müssen los – Viel Glück, Herr Mundorf! Oder besser: Masseltoff! …Frau Maier!“ – sprachs, und hastete seinen Beduinen hinter. Sie bestiegen eilig ihre eigenen Reitkamele, und suchten das Weite.

Ich war etwas perplex ob dieser schnellen Verabschiedung – verwirrt drehte ich mich um und sah, wie unsere ExpeditionsteilnehmerInnen ihr Gepäck auf ihr jeweiliges Kamel luden. Noch ehe ich mir selbst ein Kamel aussuchen konnte, kam Johanna an Kerstin und mich herangetreten:
„Leute…wir haben ein Problem!“
„Was für ein Problem?“
„Nun… wir haben ein Kamel zu wenig!
„Hä? Ich denke, es ist alles perfekt organisiert?“
„Anscheinend nicht. Fünfzig Marine-Hasen, fünfzig Kampflesben, Weitwinkel und wir drei Schönheiten – das macht einhundertundvier. Es sind aber nur einhundertunddrei Kamele da! Der Kabelbaum hat uns übers Ohr gehauen!“
„Moooment!“ hob Kerstin an „…ich hab doch grade die Empfangsbestätigung unterschrieben – hier ist der Durchschlag. Und da steht: einhundertundvier!“
„Tja“ Johanna zuckte mit den Schultern. „Dann wird er sich wohl verzählt haben… so eine Scheiße… ich guck mal, das ich die zwei kleinsten und leichtesten Mädels auf einem Kamel unterbekomme..!“ sie wandte sich wieder zu ihrer Truppe.
Nun kam Weitwinkel an: „Gibt es ein Problem?“
„Naja, wie mans nimmt: Wir haben offenbar ein Kamel zu wenig!“
„Was? Einhundertundvier Kamele sind einhundertundvier Kamele!“
„Tja… es sind aber nur einhundertunddrei da!“
„Also ich lege für Teutel Kabelbaum meine Hand und meine Ohren ins Feuer!“ bekräftigte Weitwinkel im Brustton der Überzeugung.
„Na dann passen Sie mal auf, das Sie sich nicht die Pfoten und die Löffel ansengen!“ brummte ich nur.
„Wir bekommen das schon hin!“ versuchte Kerstin zu vermitteln.

Im Hintergrund sah und hörte man auch, wie Johanna durch die Reihen schritt, und kommandierte: „Sani-Dani! Du und Franziska ihr zwei seid die kleinsten und die leichtesten – ihr geht auf ein Kamel!“
Sani-Dani war die Sanitäterin bei der Kampflesbentruppe. Eigentlich hieß sie Daniela, aber des Spaßes halber hatte sich der Spitzname „Sani-Dani“ etabliert. Mit ihren 1,57 Metern war sie nun wirklich nicht groß, und wirkte allgemein sehr zierlich. Andererseits war von der Zierlichkeit, wie bei den anderen Frauen der Truppe auch, aufgrund der Uniform und dem Arafat-Tuch um Hals und Kopf nicht mehr viel zu sehen. Vollends konterkarriert wurde sie durch die im Koppel eingehangenen Patronentaschen, Handgranaten, den Stahlhelm, den Klappspaten und die Feldflasche.
Das unsere Marine-Infanterie-Hasen allein aufgrund ihrer langen Ohren und rabbitoiden Gesichtsform auffällig wirkten, brauche ich nicht mehr zu erwähnen. Der der trenchcoatartige Uniformmantel und die Waffen machten das auch nicht mehr wett.

Es war soweit, das wir alle unser Gepäck auf den Kamelsätteln befestigt hatten.
Ein Kamel wirft den Reiter, so es denn aufsteigt, erst nach hinten, dann nach vorn, und dann wieder nach hinten. Wenn man das weiß, und die Bewegungen entsprechend abfangen kann, ist man tatsächlich noch im Sattel, wenn sich das Viech vollends erhoben hat. Es gelang uns auch tatsächlich allen, ohne Zwischenfall aufzusitzen, und uns startklar zu machen.
Johanna, da sie sie genaue Karte hatte, ritt an der Spitze, ich ritt mit Weitwinkel und Kerstin am Schluß der Karawane. Zum Schutz gegen Hitze und Staub hatte ich mir ebenfalls einen Umhang umgeworfen – was Weitwinkel dazu bemüßigte, mir mitzuteilen, daß ich „wie ein osmanischer General“ aussähe. „Doch wirklich, mein Chef – sie sehen aus wie ein wahrhafter Martün Mündürf Pascha Effendi!“
„Soooso… meinen Sie…“
„Ja! …aber entschuldigen Sie mich – ich reite vor zu Frau deClerk, ich möchte navigieren helfen!“
„Denn machen Sie das mal!“
Weitwinkel zog seinen Säbel aus seinem Sisalseilgürtel, reckte ihn nach oben und rief laut „Salamanassar der Vierte!“ und galloppierte mit seinem Kamel die Karawane entlang nach vorne.
Kopschüttelnd meinte ich zu Kerstin, die weiter neben mit ritt: „Da rast er hin… unser Kara ben Hasi…“
Mit einem lachen antwortete sie: „Ich finds trotzdem gut, das er und seine Leute mitkommen – wer weiß was uns noch erwartet!…aber du siehst echt aus wie so´n Wüsteheld!“
„Ja klar. Darf ich mich vorstellen, gnädige Frau: neben Ihnen reitet der wahrhaftige „Martin el kebir ben Hermann el ali ibn Hanns el agus ibn Hermann el tichin!““
Sie lachte nun laut auf, denn sie war – mehr noch als ich – dem arabischen mächtig, und hatte verstanden, wie ich meinen Namen arabisiert hatte: Martin der Große, Sohn von Hermann dem Lauten, Sohn von Hanns dem Alten, Sohn von Hermann dem Fetten.

So trottete denn unsere Karawane immer weiter in die Wüste hinein…

…to be continued…WEITERLESEN https://senior525.wordpress.com/2016/11/01/das-104-kamel-baeder-lesben-und-delphine-teil-9/

Ein Gedanke zu “Das 104. Kamel – Bäder Lesben und Delphine Teil 8

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