die Marquesa Ortiz

Es war in der Zeit, als der @ChefleGrand so krank und still war. Er selbst hat an den folgenden beiden kurzen Episoden keinen aktiven Anteil.
die zweite: „die Marquesa Ortiz“

Sex! Gewalt! Action! BDSM! Maschinengewehre! Kampflesben!
Penis!

Hab ich eure geschätzte Aufmerksamkeit? Nun denn – bevor es spannend wird, der kleine Hinweis, das es in jedem „Thriller“ ansatzweise erstmal ruhige gediegene Szenen gibt, in denen sich die Situationen aufbauen.

[orrr Mundorf…schon wieder Hasen? – ja. Aber nicht nur. Brutal wirds dann im nächsten Teil. Aber das hier war mir auch ein Anliegen]

In einer kleinen niedlichen Schrebergartenkolonie lag, versteckt hinter großen Hecken, ein kleines altes Schloß. Die kalte Märzsonne senkte sich müde zum westlichen Horizont, der kalte Wind pfiff um das kleine Schloß hinter den großen Hecken.
Doch in dem Schloß war es muggelich warm. Die snöffischen Lords feierten hier ihr „Spätwinterfest“.
Der Ballsaal war festlich erleuchtet, und unter den großen Kronleuchtern tanzten Hasen, Igel, Kaninchen, Murmeltiere in sehr vornehmer Abendgarderobe zu der Musik eines Streicherquartetts Menuette und Quadrillen. Alles was in Snöfland an schnuffeliger und flauschiger Prominenz zu finden war, gab sich hier die Ehre.
Neben der Tanzfläche stand eine Gruppe vornehmer Capybaras, allesamt in Frack und Zylinder, und diskutierten über die Weltmarktpreise von Rosenöl, Bergamotten und Baumwolle.
Daneben saß Lord Hetschhogk von und zu Bembel-Woi, der vornehme hessische Igel, der seine prächtigste Perücke für diesen Anlaß ausgesucht hatte, an einem Tisch mit Lord Baal, einem Storch. Lord Baal trug ein Monokel, und ebenso wie Lord Hetschhogk, eine alte rote englische Uniform mit goldenen Tressen. Der dritte in dieser Runde war Udo von Bödefeld – Sie kennen ihn vielleicht noch aus der Sesamstraße. Die drei spielten „Whist“ – ein englisches Kartenspiel, das die beiden ersteren im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg oft gespielt hatten, als sie leider erfolglos versuchten, die Rebellion von Mel Gibson zu unterdrücken. „Uffbasse…Karo Acht!“ hummelte Lord Hetschhogk.
Im Hintergrund spielten die Streicher Motive aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“.
Athanasius Weitwinkel schritt in dem großen erleuchteten Ballsaal mit einem Zeremonienmeisterstab umher. Der Schein der Kerzen brach such tausendfach in den geschliffenen venezianischen Glasperlen der Kronleuchter. Die blattgoldverzierten Bilderrahmen der großen Ölgemälde schienen fast wie von selbst zu leuchten. Wohlig zufrieden streichelte er über seinen dicken Kaninchenbauch. Mit dem Generaldirektor der Reichsbahn hatte er soeben über die Anschaffung umweltfreundlicher Dampflokomotiven diskutiert – und auch sonst war zumindest hier die Welt in Ordnung.
Das der Chef so lange krank war, betrübte ihn zwar, aber hier und jetzt mochte er nicht daran denken.

Die Dunkelheit hatte sich über das Schloß gesenkt, und die Luft war nun klirrend kalt.
Da näherte sich eine kleine geschlossene schwarze Kutsche dem Schloß. Zwei schwarze Rappen zogen sie eilig über den weißen Kiesweg. Auf dem Kutschbock saß eine vermummte Gestalt, dick eingehüllt in einen schweren Mantel, das Gesicht aus Schutz vor der Kälte bis zu den Augen hinter einem Schal versteckt und mit Dreispitz-Hut auf dem Kopf. Als die Kutsche vor dem Eingang des Schlosses hielt, trat sofort ein Murmeltier im Livree, in der linken einen Kerzenleuchter haltend, an die Kutsche heran, um dem Fahrgast die Tür zu öffnen.
Als das Murmeltier ebenso die kleine Klapptreppe unter der Kutschentür ausgeklappt hatte, zeigte sich erst ein Damenlacklederstiefel der aber alsbald unter einem Rock verschwand.
Es war eine Frau, die da ausstieg, und sich von dem Murmeltierdiener die Hand halten ließ.
„Sagen Sie Weitwinkel, das ich hier bin!“ sagte sie nur in einem leicht genervten Ton.
Das Murmeltier verbeugte sich höflich. „Folgen Sie mir bitte in die Bibliothek, euer Gnaden! Ich hole seine Exellenz!“
Die Frau folgte ihm. Sie mochte so um die 30 sein, war ausgesprochen schlank – allerdings trug sie ein schwarz-silbernes Rüschen-Rokkoko-Kleid, dazu eine eine schwarz-silberne venezianische Maske, die ihre Figur und Gesicht unkenntlich machen. Im übrigen wedelte sie mit einem schwarzen Fächer, so daß es nahezu unmöglich war, sie zu identifizieren.
Während der Diener verschwand, um Weitinkel zu holen, hörte sie die gedämpft die Streicher aus dem Ballsaal. Sie sah sich in der schwach erleuchteten Bibliothek um: Grüne Samttapeten, Ölgemälde und natürlich uralte Bücherregale aus Sumpfeichenholz. Im Kamin brannte kein Feuer. Dafür stand auf seinem Sims ein vergoldeter Samowar, der offensichtlich ruhig vor sich hin brodelte.
Im Ballsaal stand Herr Weitwinkel gerade zusammen mit Dr. Hummelmann (ja genau, der Nachbar von Jens) zusammen, und sprach über die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten von kleinen Duftkugeln. Der Murmeltierdiener im Livree näherte sich Weitwinkel, und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
Weitwinkel seufzte. „Ach seufz…. Sie entschuldigen mich, Herr Doktor? Meine Pflichten verlangen nach mir…. mümpf!“
Er folgte dem Diener in die Bibliothek. „Ich möchte nicht gestört werden!“ hummelte er dem Diener zu.
„Sehr wohl, Exzellenz!“ der Diener verbeugte sich, dann trat Weitwinkel ein. Die Türe schloß sich hinter ihm.

Weitwinkel sah erst nur die Silhouette der Besucherin, es dauerte, bis sich seine Augen an das Dunkel der Bibliothek gewöhnt hatten. Aber er wußte, wen er da vor sich hatte.
„Marquesa Ortiz!…Ich hatte nicht mit ihrem Besuch gerechnet!“
„Sie haben mir doch eine Nachricht zukommen lassen, Weitwinkel, das Sie um ein Treffen bitten. Aber machen Sie schnell, ich habe heute Abend noch eine Verabredung mit mehreren Herren…“
Etwas angesäuert verzog Weitwinkel das Gesicht. „Ich bin über die Natur Ihrer abendlichen Verabredungen mit Herren durchaus im Bilde, verehrte Marquesa…. mümpfenseufz.“
Weitwinkel schritt an ihr vorüber zu dem Samowar auf dem Kaminsims.
„Möchten Sie einen Kakao?“ fragte er, als er eine zierliche vergoldete Porzellantasse aus dem Samowar mit Kakao füllte.
„Nein.“ antwortete die Marquesa genervt.
„Nun gut… kommen wir zum Geschäft…mümpfenseufz…“ hob Weitwinkel an. „Wie Sie wissen, sind wir ein sehr kleines und sehr armes Land. Und dennoch finanzieren wir Ihren Kampf gegen das Böse mit.“
„Ich weiß. Und ich bin Martin da, wie jedem anderen auch, sehr dankbar für.“
Weitwinkel schlürfte etwas von dem heißen Kakao aus seiner Tasse. Als er sie wieder absetzte, fuhr er fort: „Und ich habe Ihnen, genau wie der Chef, versprochen, Ihnen im Kampf gegen das Böse beizustehen, mümpfennämlich! Als ich Ihnen damals im Kellergewölbe sagte, „we will raise regiments of horse and foot to charge the evil“, war das durchaus ernst gemeint, verehrte Marquesa!“ doch er setzte in Gedanken, ohne es auszusprechen, hinzu: „Sie hätten wenigstens mal fragen können, wie es dem Chef geht, mümpf!“
„Das weiß ich, und ist auch sehr aufmerksam von Ihnen, Weitwinkel.“
Weitwinkel machte eine kleine Pause – es war ihm etwas peinlich, dies ansprechen zu müssen: „nun… wissen Sie, verehrte Marquesa… Sie wissen ja, das hier diese kleine Provinz Snöfland nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Landes unseres Chefs ist.“
„Das weiß ich.“
„Und ich freue mich, das Sie die Reisebeschreibung damals gelesen haben. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Ehrlich. Aber der Punkt ist: Obwohl wir Ihren kampf mitfinazieren und nach Kräften unterstützen wollen, hören wir sehr wenig von Ihnen. Wir erfahren gewissermaßen aus der Presse, was vor sich geht… und…nunja… als Kassenwart des Chefs bin ich zu Kassendisziplin gezwungen, und muß Rechenschaft ablegen, wofür wir unseren ohnehin schon kleinen Etat ausgeben…“
„Sie wollen nicht mehr spenden?“
„Äh nein…also doch, schon… nur… etwas mehr an…hmmm…wie soll ich es sagen…“ Weitwinkel druckste herum „…etwas mehr an Kontaktpflege wäre vielleicht nicht schlecht. Wenn ich unseren Gläubigern exklusive Ergebnisse vorzeigen kann, werden sich die Zweifel unserer Unterstützung für Sie rasch wieder zerstreuen.“
Und dann setzte er hinzu: „Und wenn es dem Chef irgendwann wieder besser gehen sollte, dann bin ich fest überzeugt, wird auch er sich nach allen Kräften für die gute Sache einsetzen.“
Mit einer gewissen Noblesse bemerkte die Marquesa spitz: „Wo ist denn Ihr Chef? Alles was man von ihmm mitbekommt, sind bloß Sie und ihre schnuffeligen Kaninchen!“
Weitwinkel versuchte sich nichts anmerken zu lassen und möglichst sachlich zu antworten: „Es geht ihm derzeit nicht besonders gut. Darum hat er sich zurückgezogen. Um ehrlich zu sein geht es ihm sehr schlecht…mümpf.“ er holte Luft. „Aber darf ich Sie daran erinnern, wer Ihnen Mut zu gesprochen hat, hinter den twitteraccounts die echten Menschen zu sehen? Und wer ebenfalls die Idee hatte, das gewisse Frauen sich in separaten Gesprächszirkeln austauschen sollen?“
„Reklamiert Martin die Idee ewta für sich? pfff..“
„Nein, natürlich nicht. Ich würde eher sagen, „zwei Doofe ein Gedanke“. Und sie setzen den Gedanken um, was wir sehr wohlwollend mitverfolgen. Aber bei Ihnen beiden von Doofen Menschen zu sprechen ist eine weite Untertreibung. Sie sind sich ja schließlich nicht primär wegen unterleiblicher Interessen über den Weg gelaufen, sondern aufgrund Ihrer beider ähnlichen akademischen Natur.“
„Ich habe sechseinhalbtausend follower, bald sind es siebentausend – ich kann mich nicht bei jedem einzelnen bedanken, Weitwinkel!“
„Denken Sie daran, das wir schon da waren, als kaum noch jemand anders ihnen gefolgt ist, Marquesa. Und in echter Loyalität stehen wir auch weiter zu Ihnen. Sowohl der Chef als auch ich haben mit ihnen per DM korresponidert – soweit möchte ich ja gar nicht gehen, aber eine öffentliche Mention ab und an oder eine reply…das ist wirklich nicht zu viel verlangt.“ Weitwinkel schwitzte. Die Situation war ihm sehr unangenehm. „Ansonsten sähe es nämlich so aus, als ob Sie uns vergessen hätten…und dann..nunja… unsere Gläubiger…“
„So groß ist Martins Beitrag nicht, als das ich nicht drauf verzichten könnte.“ antwortete die Marquesa gelassen. „Wars das?“

Weitwinkel seufzte. „Eine Sache wäre da allerdings noch, verehrte Marquesa. Haben Sie in letzter Zeit merkwürdige Zusammentreffen gehabt? Unheimliche Begegnungen, oder sonst etwas merkwürdiges?“
„Nein, warum fragen Sie?“
„Weil unser Geheimdienst nämlich Hinweise auf das Wirken des Bösen hat. In Ihrer Nähe. Wir machen uns Sorgen um Sie…“
„Wir? Martin und Sie? Oder Ihre Kaninchen?“ Die Marquesa klang fast schon herablassend.
„Ich, verehrte Marquesa. Und unser Geheimdienst. Der Chef bekommt leider momentan nicht viel von der Welt mit. Aber wenn, dann würde er sich bestimmt auch Sorgen machen.“
„Ich kann gut auf mich selbst aufpassen, Danke!“
Die Marquesa wandte sich zum gehen.
„Bevor Sie gehen, Marquesa,“ Weitwinkel hielt sie kurz zurück, „Sie kennen dieses Buch hier noch?“. Er hielt ein kleines blaues Buch vor die Nase. „Ja natürlich. Jeder, der Geschichte studiert hat, kennt dieses Buch.“
„Dann darf ich Sie daran erinnern, das, für den Fall, wenn Sie jemals nicht mehr so öffentlich in den sozialen Netzwerken auftreten können, alles dicht machen müssen und so weiter – sie sich mit dem Namen des Autors dieses Buch von jedem Inkognito-Account aus dem Chef oder mir gegenüber identifizieren können. Dann wissen Wir, das Sie es sind, und wir geloben allerhöchste Geheimhaltung, mümpfennämlich!“
Die Marquesa mußte süffisant lächeln bei so viel, in ihren Augen, unnötiger Sorge und Geheimniskrämerei.
„Ich hoffe, daß das nicht nötig sein wird. Und nun entschuldigen Sie mich, Weitwinkel. Meine Kutsche wartet, und ich will die Herren nicht warten lassen.“
mit einem „Schrrrub“ klappte sie den Fächer wieder auf, und wedelte vor ihrem Gesicht.
„Ich geleite Sie noch zur Kutsche, Marquesa!“

Als Weitwinkel der Marquesa in den Fond der Kutsche geholfen hatte, steckte sie noch einmal das Gesicht aus dem Fenster: „Wenn Martin wieder ein Dom geworden ist, werde ich vielleicht mal wieder mit einer reply bedenken…vielleicht…. Kutscher! Losfahren!“
Die schwarze Kutsche mit den angespannten schwarzen Rappen verschwand im Schwarz der Nacht.
Weitwinkel sah ihr hinterher.
„Vielleicht braucht er replies von Frauen wie Ihnen, um wieder das zu werden, was Sie „Dom“ nennen… “ murmelte er leise in sich hinein. „Vaya con Dios, Marquesa, vaya con Dios…mümpfenseufz.“
Als er wieder in den Ballsaal zurückkehrte, trat wieder Doktor Hummelmann, der humanoide Hamstern und Hausarzt, an ihn heran.
„Mein lieber Herr Weitwinkel, Sie sehen so blaß und traurig aus? Was war denn?“
„Ach nichts, Herr Doktor. Politik… wissen Sie, Politik. Seufz.“
Traurig senkte er die Augen.
„Ich bin die Rolle als Reichsverweser langsam leid. Mümpf.“

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