Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 5

Fortsetzung von Teil 4

Vorsichtig überquerten sie die Brücke. Johanna fuhr im Schrittempo über die knarrenden Holzbohlen, und Weitwinkel hielt sich seine langen Ohren mit den Pfoten vor die Augen, um nicht in die Tiefe schauen zu müssen.
Auf der anderen Seite der Brücke stand ein reichlich verrostetes Schild, auf dem mit Mühe noch die Aufschrift zu entziffern war:
„Welcome to the Jungle“.

„Weitwinkel…ich glaube hier sind wir am Arsch der Welt!“ brummte Johanna.
„Sagen Sie doch nicht immer so häßliche Worte…mümpf!“
„Oh holy crap…
This is the end, beautiful friend
This is the end, my only friend, the end
Of our elaborate plans, the end
Of everything that stands, the end
No safety or surprise, the end
I’ll never look into your eyes, again“
Erschrocken richtete sich Weitwinkel auf dem Sozius auf. „wwa..wwa..was? mümpf? Frau deClerk…Sie machen mir Angst… warum sagen sie sowas?“

Johanna war gedanklich ganz woanders gewesen, und kehrte wieder in die Gegenwart zurück.
„Keine Ahnung…mir war einfach danach… liegt vielleicht an der Gegend hier…ich will endlich ankommen.“
Seit sie die Brücke überquert hatten, hatte sich die Landschaft stark gewandelt: Sie fuhren nun am Seitenhang eines Dschungeltales – die „Bahntrasse“, dersie immer noch folgten, war nurmehr als grasbewachsener Trampelpfad zu erkennen.

Nach einiger Zeit begegneten sie einem Mann, der auf einem Baumstumpf saß.
„Weitwinkel…den Typ da fragen wir, wie weit es noch bis Dôm-Phắc-Sừb-Gãg-Bôl ist.“
Sie hielten an. Offenbar handelte es sich um einen US-amerikanischen Marineinfanteristen. Er saß auf seinem Baumstumpf und hustete unentwegt.
Weitwinkel, ganz Menschenfreund, trat an ihn heran, und hielt ihm eine Bonbondose hin: „Try an Eucalyptus.Now!“
Doch der US-Soldat sah Weitwinkel nur mit glasigen Augen an. „Ich muß ihn finden… Ich muß ihn finden!“
Weitwinkel war sichtlich irritiert: „Äh…wie meinen?…eigentlich suchen wir jemanden, der…“
„Ich muß ihn finden!“ – Der US-Soldat stand langsam von seinem Baumstumpf auf, und wandte sich zum gehen. Verwundert sah ihm Weitwinkel hinterher und wollte ihm nach.
Doch Johanna hielt ihn auf: „Lassen Sie ihn, Weitwinkel…das war Martin Sheen…der hat bestimmt vor seinem geistigen Auge die traurigen Sitcoms seines Sohnes gesehen, so breit wie der war…“
„Sucht der auch den alten Mann?“
„Nee…der sucht wen anders. Der sucht Kurtz…“
„Nie gehört…Körtz…hümpfenmümpf… jetzt haben wir uns gar nicht nach dem Weg erkundigt?!“
„Macht nichts, Weitwinkel…ich glaube diese Begegnung war ein Zeichen. Wir sind auf dem richtigen Weg!“
„Jetzt hat der arme Mann gar kein Eucalyptus.Now-Bonbon genommen…mümpf!“
Johanna seufzte nur, und sie fuhren weiter.

Die Sonne senkte sich schon langsam in Richtung Horizont, als sie nach einiger Zeit wieder anhielten, ob einer weiteren Begegnung:
Am Wegesrand war ein Wasserloch, offenbar eine Viehtränke. Und in diesem Wasserloch stand ein Mann, offenbar auch ein US-Soldat, der Karate-Übungen, genauer gesagt Roundhousekicks, gegen einen imaginären Gegner vollführte. Nur um dann für einige Sekunden ganz unter Wasser zu tauchen, und dann triefend naß wieder aus dem Wasser aufzutauchen, so das seine langen Haare, sein Stirnband und sein Bart genauso naß waren, wie der Rest von ihm auch.
„Frau deClerk… ich glaube hier sind alle Menschen etwas verrückt….mümpf“ hummelte Weitwinkel ängstlich.
„Das glaube ich allerdings auch… und das wir bald da sind.“
Sie hielten wieder an. Weitwinkel nahm seinen Mut zusammen, wartete, bis der Mann wieder aus dem Wasser aufgetaucht war, und fragte: „Huhu…hallo…darf ich fragen, was Sie da machen, werter Herr?“
Der angesprochene hielt kurz inne, und starrte Weitwinkel an. Er starrte ihn so lange an, bis Athanasius Weitwinkel, ganz ein hypnotisiert-paralysiertes Kaninchen, auf seine eigene Frage von selbst antwortete: „…Sie können Feuer machen. Mit einem Brennglas. Nachts. Und unter Wasser!“
Nun war es an Johanna, die erschrak. Sie rüttelte Weitwinkel am Kragen, auf das er wieder zu sich kam.
„Kommen Sie! Das letzte was ich jetzt brauchen kann, ist ein hypnotisiertes Kaninchen!“
Mit diesen Worten hiefte sie ihn wieder auf das Mototrrad, und startete wieder.
Weitwinkel war wirklich wieder zu sich gekommen, und fragte sichtlich verwirrt: „Wer war denn das nun schon wieder?“
„Das war Braddock, Weitwinkel, das war Braddock…“
„Hmpf…ich kannte mal einen General Edward Braddock…leider ist der anno 1755 am Monongahela-River für König und Vaterland gefallen…seufzenmümpf!“
„Verschonen Sie mich mit ihrer Lebensgeschichte…ich glaube, wir sind da. Sehen Sie: da ist das Dorf Dôm-Phắc-Sừb-Gãg-Bôl“
Sie hatte ein Hochplateau erreicht. Hier war kein Dschungel mehr, hier waren überall Plantagenfelder. Und in der Mitte dieser Felder bildeten ein paar Hütten das Dorf Dôm-Phắc-Sừb-Gãg-Bôl.
Und in der Mitte des Dorfes erhob sich ein Gebäude deutlich über die landestypischen Hütten: ein steinernes Haus europäischen Zuschnitts. Ein französisches Maison. Mit farbblätternden Fensterläden und schmiede-eisernen Gittern und Geländern.
In der untergehenden Abendsonne fuhren sie durch die Hütten auf dieses Haus zu.
Und als im Hintergrund (oh welch Ironie!) Jefferson Airplane „White Rabbit“ performte, der aufgewirbelte Staub sich dramatisch in die Strahlen der untergehenden Sonne mischte, fing Weitwinkel ein letztes mal an: „Oh sehen Sie, Frau deClerk…überall Plantagen! Kautschuk und Kaffee! Wußten Sie, daß die DDR als sozialistische Bruderhilfe den Kaffeeanbau in Vietnam erst…“
„Weitwinkel! Sie nerven mich!“

Sie waren bei dem französischen Maison angekommen. Auf der Veranda stand, in Breecheshosen, Lederstiefeln eindeutig ein Europäer.
Endlich hatten Sie ihn gefunden: den alten weisen Mann, mitten im ostasiatischen Dschungel. Pierre Carrelet-Turm.

…to be continued…

2 Gedanken zu “Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 5

  1. Pingback: Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 4 | senior525's Blog

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