Archäologie ist Drecksarbeit – Kapitel 2

Das folgende aus dem Englischen übersetzt, und nur an wenigen Stellen sinnwahrend (Regionalbezug GB/D) abgeändert. Original: by Tony Robinson and Professor Mick Aston.

Ich übersetze dies, um das Werk der beiden vorgenannten Autoren zu würdigen und es einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Die hier gemachten Beobachtungen und Beschreibungen lassen sich im Grundsatz auch auf den deutschen Kulturraum anwenden, allerdings nicht zu 100%. Um aber möglichst nahe am Originaltext zu bleiben, habe ich es unterlassen, Beispiele aus der britischen Geschichte durch solche aus der deutschen Geschichte zu ersetzen. Die Grundzüge der geschichtlichen Abläufe, der Behördlichkeiten sowie der praktischen archäologischen Grabungsarbeit sind in beiden Ländern vergleichbar.

Kapitel 2

[Das folgende schildert die Situation in Großbritannien.]

Wie begann nun die Archäologie?
Ab dem Zeitpunkt, da die erste Pyramide fertiggestellt war, gab es Leute, die versuchten einen Weg hinein zu graben. Sobald der Vulkan, der Pompeii verschüttet hatte, begann sich abzukühlen, gab es reichlich Volk das sich daran machte zu buddeln, um Beute zu machen.
Schatzsuche hat immer schon eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Archäologie gespielt, genauso wie Recycling. Steine-klau gibt es wahrscheinlich, seitdem das allererste von Menschenhand gebaute Gebäude in der Menschheitsgeschichte zusammengefallen ist.

In den Sommertagen des 12. Jahrhunderts mochten die Mönche von St. Albans auf ihren Kirchturm gestiegen sein – was sie sahen, waren Linien trockenen Grases in ihren Feldern, die die Fundamente der römischen Stadt Verulamium markierten, die immer noch unter der Oberfäche schlummerten.
Nun waren die Mönche allerdings nicht aus einem akademischen Interesse heraus auf ihren Kirchturm gestiegen. Sie suchten billiges Baumaterial mit niedrigen Transportkosten. Aber wer sagt schon, das, wenn sie nach frei verfügbaren Ziegeln und Steinen gruben, sie nicht ebenso fasziniert waren von dem, was sie denn da zutage förderten?


Dies war sicherlich der Fall in Much Wenlock in Shropshire. Im Jahre 1101 zerfiel die Kirche in ihre Einzelteile – als zwei Jungen durch ein Loch im Boden fielen und in diesem ein Skelett fanden. Die örtlichen Mönche wußten dank alter Dokumente, das ihre Kirchenpatronin, die heilige Milburga, irgendwo in der Nähe eines längst verschwundenen Altars begraben worden war. Um nun zu beweisen, daß dieses Skelett das der Milburga war, taten sie, was seitdem zahllose Archäologen immer wieder taten: Sie gruben in alle Richtungen.
Und dann, als sie den verschwundenen Altar gefunden hatten, reinigten sie ihren „Fund“ – das soeben zur heiligen Milburga erklärte Skelett – bevor sie es in einem brandneuen Schrein ausstellten. Auch dies ist kein Fall einer rein akademischen Untersuchung, aber was heißt das schon in der Archäologie?


Im Jahre 1191, hundert Meilen entfernt in Glastonbury, fand eine weitere Grabung statt. Die dortigen Mönche legten zwei Skelette frei. Ziemlich schnell waren sie sich sicher, daß es sich um die Überreste von König Arthur [Artus] und seiner zweiten Frau, Guinevere, handelte. Woher wußten sie das? Weil sie neben den Knochen ein Bleikreuz fanden, auf dem geschrieben stand: „Hier liegt der berühmte König Arthur mit Guinevere, seiner zweiten Frau.“ Was für ein Volltreffer!
Diese neuen Reliquien würden Pilger und Geld anziehen – zumal Abtei erst kürzlich bei einem Feuer abgebrannt war.
Auch bei Hofe war der König sehr erfreut, denn die Körper zweier international so berühmter Persönlichkeiten in seinem Besitz zu haben, verlieh auch ihm einiges an Glaubwürdigkeit. Mit einem Mal schien die Zukunft von Glastonbury Abbey eine rosige zu sein.
War dies ein Beispiel von göttlicher Fügung? Nein.
Die Inschrift wurde später als Fälschung entlarvt. Nichtsdestotrotz sicherten sich die Mönche von Glastonbury Abbey damit einen wohlverdienten Platz in den Geschichtsbüchern: nämlich den ersten bekannten Fall von Betrug in der Geschichte der Archäologie.

Aber waren die Menschen des Mittelalters an Ruinen nur als Quelle für Baumaterial und ggf. Prestige interessiert? Kam es ihnen nicht in den Sinn, das die antiken Monumente ihnen zahllose faszinierende Geschichten über ihre eigenen Vorfahren hätten erzählen können?
Sicherlich die meisten, sogar die ungebildeten und armen, hatten eine vage Vorstellung davon, das die Römer Britannien für gut vier Jahrhunderte besetzt und ein massives, zerbröckeltes Erbe zurückgelassen hatten.
Aber sonst schien kaum irgendeine Form von antiker Architektur als solche verstanden – oder gar als solche erkannt worden zu sein. Der große Historiker Beda, er schrieb im 8. Jahrhundert, unternahm den Versuch einer Chronik der Geschichte der Menschen in Britannien – Stonehenge erwähnte er mit keinem Wort.
Bis ins 16. Jahrhundert dachten die Menschen, die diese massiven Steine in der Salisbury Plain überhaupt kannten, es handele sich um ein afrikanisches Monument, das von Giganten über das Mittelmeer gehievt und dann in Irland abgesetzt worden war, um als Wandkonstruktion für ein enormes Badehaus zu dienen. Dann seien die Steine magischerweise von Merlin „entführt“ worden, der sie auf der Salisbury Plain als Denkmal für den Sieg König Arthurs über die Sachsen neu platzierte.
Es dauerte weitere 350 Jahre, bevor die Wissenschaftler anfingen genauer zu verstehen, wie alt Stonehenge überhaupt ist. Aber selbst heute wissen wir nicht wirklich, welchen Zweck die Anlage hatte. Vielleicht erscheinen die heutigen Theorien zukünftigen Generationen genauso unglaubwürdig wie das Seemansgarn über die „Waschgelegenheiten der Giganten“.


Wenn sie also so lange ignoriert wurden, wie begannen die Menschen sich Wissen über die antiken Monumente in Britannien anzueignen?
Die erste Person, von der wir wissen, das sie ausreichend an alten Ruinen interessiert war, um sie im Detail zu beschreiben, war ein Priester namens Gerald, der im späten 12. Jahrhundert lebte.
Er befand sich auf einer Rundreise mit seinem Bischof durch Wales, um die Bevölkerung für die Teilnahme an den Kreuzzügen zu gewinnen. Dabei fertigte er einen Reisebericht an, in dem er die Monumente beschrieb, die er sah. Er hatte ein wirklich gutes Auge für Architektur und notierte sich Dinge, die anderen Leuten entgehen: So beschrieb er beispielsweise die Ruinen des [röm., Anm. d. Ü.] Forts in Caerleon folgendermaßen:
Viele Spuren seiner ehemaligen Pracht sind immer noch zu sehen. Große Paläste, verziert mit goldenen Dächern, in Nachahmung römischer Größe. Man findet sie innerhalb wie außerhalb, zu beider Seiten des Mauerrings; unterirdische Bauten und Durchgänge, Wasserleitungen und – was ich wert finde zu bemerken – kunstfertig ausgeführte Öfen, die ohne erkennbaren Sinn, ihre Hitze durch schmale Röhren in den Wänden ableiten.
Mit anderen Worten: Gerald hatte eine römische Hypocausten-Heizung entdeckt!

Heutzutage ist es für uns nahezu unmöglich, sich eine Zeit vorzustellen, in der unsere Monumente weder beschrieben noch katalogartig erfaßt sind. Aber das erste Beispiel das wir von jemandem haben, der eine detaillierte Liste alter Ruinen aufzeichnet, geht ins Jahr 1478 zurück. William Worcester verbrachte sein Arbeitsleben als Sekretär von Sir John Fastolf (die Inspiration für Shakespeare, als er den lüsternen, betrunkenen Falstaff in „Henry IV“ entwarf).
Als er sich ins Privatleben zurückzog, seinen geizigen Arbeitsgeber endlich losgeworden, unternahm William eine zweijährige Wanderung von Norfolk nach Cornwall, auf der er sämtliche Kirchen, Burguinen, Stadtmauern, ja sogar die großen Hügelbilder, bis ins Detail beschrieb, die ihm unterkamen.

Eine etwas exzentrischere „Forschung“ ereignete sich in den 1530er Jahren. Ein junger Diakon, John Leland, bekam den königlichen Auftrag von Heinrich VIII. die Klosterbibliotheken des Landes nach „wichtigen Texten und Textsammlungen“ zu durchsuchen, damit sie „aus dem Dunkel des Todes wieder ans Licht des Lebens“ hervorgeholt würden. In Wahrheit bedeutete dies nichts anderes, als das, als Heinrich VIII. die Klöster der Reihe nach schließen ließ bzw. konfiszierte, eine umfangreiche Menge der Bücher aus diesen Klöstern in seinem Palast endete. Aber als Leland mit diesem Auftrag das Land bereiste, so verzeichnete er auch gewissenhaft die verschiedenen alten Gebäude, die er sah. Dies war für viele dieser Bauten das erste Mal, das sie als solche erkannt und aufgezeichnet wurden. Für nahezu 200 Jahre verstaubten Lelands Aufzeichnungen im Regal, ignoriert als das Gschwafel eines Sonderlings. Möglicherweise wurden sie im Jahre 1710 einmal veröffentlicht, aber es dauerte bis zum frühen 20. Jahrhhundert, bevor ihr wahrer Wert erkannt wurde. Nun geben diese Aufzeichnungen uns ein einzigartiges Bild des Englands des ausgehenden Mittelalters.
Die Motivation König Heinrichs VIII. scheint ersteinmal reine Plünderung gewesen zu sein, und das ganze Unterfangen trieb Leland anscheinend komplett und unwiderruflich in den Wahnsinn.
Aber beide, John Leland und William Worcester, zeigen, das die Menschen begannen sich für die Vergangenheit, namentlich der Bauwerke und [Kultur-]Landschaften in Großbritanntien zu interessieren.

Diese neue Pseudo-Wissenschaft brauchte alsbald einen Namen: Die Bezeichnung lautete „Antiquarianismus„. Richtig „Anlauf“ nahm diese neue Disziplin, als die ersten Forscher aus dem neuentdeckten Amerika heimkehrten. Sie brachten Erzählungen mit von „Wilden“, die sie Indianer nannten. Die Gelehrten des 16. Jahrhunderts waren regelrecht begeistert von diesen „Wilden“ und ihrer Körperbemalung. Sie schienen die perfekten Beispiele dafür zu sein, wie die Ureinwohner Britanniens in der grauen Vorzeit einst ausgesehen haben mochten. Die Künstler der Tudor-Zeit fertigen lebhafte Zeichnungen von indianischen Holzkreisen an, die an Stonehenge erinnerten, und die darin tanzenden Eingeborenen waren ein perfektes Abziehbild der Figuren aus Disneys „Pocahontas„.
Das Bildnis einer barbusigen, über und über blau tätowierten, schwertfuchtelnden Frau, wie sie vom Forscher und Illustrator John White gezeichnet wurde, mag nicht historisch korrekt sein, aber Sie mögen sich vorstellen können, wie eingehend und langwährend sie von den ernsten Mitgliedern der Royal Society untersucht wurden.
Die Tatsache, das diese primitiven Leute nur Steinwerkzeuge besaßen, faszinierte die Antiquare sehr. Tausende von großen, blank behauenen Steinen waren in Britannien seit dem Mittelalter gefunden worden – aber niemand konnte erklären, um was es sich dabei handelte. Hergestellt durch Feen, oder als das Rasultat von Blitzeinschlägen angesehen, wurden sie als magische Glücksbringer gehandelt und verkauft – um im Dachgiebel aufgehangen Schutz gegen Blitzeinschlag und Feuer zu bieten.
Aber nun, als man sie mit den Werkzeugen der Indianer verglich, wurde es offensichtlich, das diese sonderbaren, schönen und blank polierten Artefakte Äxte aus Feuerstein waren – hergestellt von unseren weit zurückliegenden Vorfahren. Die Kenntnis um unsere prähistorische Geschichte nahm Gestalt an.


Der große Antiquar John Aubrey (1626-97) war der erste, der die großen Steinkreise Britanniens in vor-römische Zeit datierte, und zwar in die Zeitepoche, in der die Menschen die steinernen Äxte benutzten.
Er erregte damit die Aufmerksamkeit seines Gönners, König Charles II., nach dessen Besuch des Steinkreises von Avebury, einem Ort, der bis dahin wohl komplett übersehen worden war. „Seine Majestät„, so schreibt Aubrey, „ordnete an, das ich bis an den Grund der Steine grübe…auf das ich irgendwelchen menschlichen Knochen fünde, aber ich tat dies nicht.“ Ob er es aus Faulheit unterließ oder dankenswürdigerweise das archäologische Erbe Britanniens schützen wollte, ist nicht überliefert.


Aber das 17. Jahrhundert war nicht nur die Zeit, um die Landschaft auf der Suche nach bis dato unbekannten Fundplätzen auf den Kopf zu stellen. Es war ebenso der Beginn der großen Zeit der Sammlungen. Die begüterte Oberschicht begann, ihre eigenen Sammlungen an interessanten Artefakten anzulegen. Einer der berüchtigsten dieser Sammler war Elias Ashmole, ein Diener des Königs, der von der faszinierenden Sammlung im Besitz des Forschers John Tradescant und seiner Frau Hester hörte, und ihnen anbot, diese zu katalogisieren.
Dann drängte er das Paar dazu, ihm diese Sammlung „aus freien Stücken“ zu überlassen. Doch John änderte seine Meinung später, und vermachte seine Sammlung testamentarisch dem König. Nach seinem Tod hatte Elias nichts eiligeres zu tun, als in das Haus neben Johns Witwe Hester zu ziehen, peinlich darauf bedacht, das sie nichts aus der Sammlung verschenken oder veräußern möge. Neun Jahre später wurde die arme Frau in ihrem eigenen Gartenteich ertränkt aufgefunden. Elias entfernte promt alle Gemälde und Artefakte der Sammlung aus ihrem Haus und Garten, sobald er davon hörte.
Aus diesen schäbigen Anfängen entwickelte sich das erste öffentliche Museum in Britannien: „the Ashmolean“ öffnete im Jahre 1683. Obwohl Elias Name immer noch als der Name des Günders gilt, so sind doch die Eheleute Tradescant nicht komplett vergessen: Während sie nämlich neue botanische Proben in Virginia sammelten, gaben sie einer Pflanze ihren Namen – Tradescantia. Eben jene kleine Zimmerpflanze, die seitdem als Staubfänger auf den Fensterbänken Britanniens sitzt – von Bodmin bis Inverness.

Im 18. Jahrhundert begannen gebildete Männer aus der Mittelschicht, auf der ganzen Welt Dinge zu vermessen und aufzuzeichnen – was auch immer ihnen unter die Augen kam. Diese Beobachtungen mündeten in einer Reihe von Wissenschaften. So war es mit der Archäologie genauso wie mit der Geographie, Geologie und der Naturgeschichte.
William Stukeley (1687-1765), ein Arzt und ehemaliger Vikar, führte minutiöse Vermessungen in Stonehenge durch. Außerdem ergrub er dort Bestattungen – dies sind die ersten Aufzeichnungen einer richtigen archäologischen Grabung, die wir kennen.
Seine Erkenntnisse führten Stukeley zu der Annahme, das diese Begräbnisse nicht, wie vorher vermutet, für die Toten einer bedeutenden Schlacht gewesen waren, sondern vor-römische „Bestattungen von Königen und hohen Persönlichkeiten während einer beträchtlichen Zeitspanne des Friedens“ waren.
Seine Arbeit ist bemerkenswert professionell für diese Zeitperiode, aber als seine Ergebnisse 1740 veröffentlicht wurden, hatte er seine Meinung unglücklicherweise radikal geändert. Er war nun besessen von der Idee, Druiden hätten Stonehenge als auch Avebury errichtet. Ja – er verkleidete sich selbst sogar als druidischer Hohepriester und vollführte druidische Rituale. Während man das noch nachsichtigerweise als „etwas bekloppt“ bezeichnen kann, so manipulierte er traurigerweise ebenso seine Funde, um seine neuen Theorien zu untermauern. Somit ist er der urspünglich Verantwortliche für die bis heute andauernde und falsche Assoziation zwischer Druidentum und den großen Steinkreisen.
Man kann im zugute halten, das er erst die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machte, das die Steinkreise Plünderungen und Mißbrauch ausgesetzt sind. Aber es ist eine Ironie, das seine betrügerische „Wissenschaft“ die Inspiration für das alljährliche Chaos zur Sommersonnenwende, wie wir es heute auf der Salisbury Plain erleben, werden sollte.

Im frühen 19. Jahrhundert wurde das Ausgraben von alten Artefakten zum Hobby für gebildete Gentlemen. Ihre Ehefrauen und Töchter machten derweil ein Picknick, und sahen ihren unerschrockenen Männern und Vätern dabei zu, wie diese die gedungenen Landarbeiter bei der Plünderung von Britanniens Hügelgräber überwachten. Die hierbei gefundenen Urnen und Pfeilspitzen endeten in der Regel im nächstgelegenen Herrenhaus, im dortigen Kuriositätenkabinett einträchtig vereint mit ähnlichen Funden aus der Türkei, Griechenland und Ägypten.

Aber wie alt genau waren diese Trophäen?
Im 17. Jahrhundert hatte der Erzbischof James Ussher (1581-1656) anhand seiner Bibelstudien ausgerechnet, das die Welt im Jahre 4004 vor Christi Geburt erschaffen worden war. Dieses Datum war sogar auf den Umschlag der offiziellen King James Bibel [wegweisend f d. engl. Sprache, vgl. Lutherbibel f. d. dt. Spr, Anm. d. Übrs.] gedruckt.
Aber die Wissenschaft den 19. Jahrhunderts hatte ernsthafte Zweifel an dieser Berechnung. In ganz Europa erkannten die Geologen, das die Prozesse, die Felsschichten, Fossilien und Flußablagerungen formten, weit mehr Zeit benötigten, als es der Zeitrahmen von Bischof Ussher zuließ. Zusätzlich enthielten einige der sehr alten Schichten menschengemachte Werkzeuge, so das es offensichtlich wurde, daß die Menscheit länger auf diesem Planeten lebte, als bisher angenommen.
Im Jahre 1859 veröffentliche Charles Darwin sein Werk „über die Entstehung der Arten“ und bewies damit, das nicht nur Pflanzen und Tiere sich über Jahrtausende entwickelt hatten, sondern auch die Menschen und ihre Werkzeuge über einen ebenso langen Zeitraum.
Die Kuratoren der Museen saßen zwar förmlich auf Bergen alter Werkzeuge, wußten diese aber nicht nach den Zeitperioden zu kategorisieren, in denen sie hergestellt worden waren. Schließlich war es ein Däne, Christian Thomsen (er starb 1865), der beschloß, sie nach dem Material zu benennen, aus dem sie gemacht worden waren: Stein, Bronze und Eisen.
Die tiefsten Funde waren aus Stein, die am nächsten der Oberfläche gefundenen aus Eisen – so schien es für geboten, dies als die richtige chronologische Reihenfolge anzusehen. Die Einteilung in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit war geboren.
Dann – im Jahre 1880 – revolutionierte ein Mann die Welt der Archäologie vollkommen. Ein kränklicher ehemaliger Armee-Landvermesser namens Augustus Lane-Fox, der bereits Antiquitäten in der ganzen Welt gesammelt hatte. Er erbte ein großes Gestüt an der Grenze zwischen Wiltshire und Dorset, unter der Bedingung, das er seinen Namen zu dem des Erblassers abänderte: Pitt-Rivers. Er willigte ein, und begann daraufhin das komplette Gelände seines neuen Besitzes umzugraben. Es erwies sich als picke-packe-voll mit steinzeitlichen, bronzezeitlichen und römischen Funden – und er hatte das Geld, die Zeit und die Arbeitskraft um die Sache gründlich zu machen. Seine Arbeit ist die Blaupause einer wissenschaftlichen Grabung: Er grub, er zeichnete auf und er publizierte gewissenhaft. Er schrieb alles nieder. Er unterstellte jedem einzelnen Fund, den er ausgrub, das dieser wichtig für das Verständnis des gesamten Grabungsareals sei.

Grundsätzlich„, so schrieb er, „zeichnen Ausgräber nur das auf, was im Moment wichtig erscheint. Aber neue Fragestellungen werden auftauchen, und schwerlich werden sie zu lösen sein, wenn ihre Anhaltspunkte der Aufmerksamkeit entgangen sind…. beim zurückblättern nach Beweisen in älteren Aufzeichnungen; die Dinge, die den meisten Wert besitzen, wird man übersehen haben, da man dachte, das sie zu diesem Zeitpunkt uninteressant seien. Demnach sollte jedes einzelne Detail aufgezeichnet werden.
Augustus Pitt-Rivers umschrieb damit die Grundregel, die als Basis der modernen Archäologie gilt.

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