Der dunkle Tempel – Teil 1

Der dunkle Tempel – der Verbleib der beiden Bücher (Teil 2)

Kapitel 1

Ich stand also vor einem riesigen Berg von Zucchini – und Weitwinkel reichte mir die zwei Bücher, die er als Geschenk für mich von dem „alten Mann in den Bergen“ mitbekommen hatte.
Das eine Buch war lediglich als „Lösungsbuch“ betitelt. Ich schlug es auf, und mußte schon nach den ersten Zeilen feststellen, das ich hier etwas sehr gefährliches in den Händen hielt. Zur Lösung der Probleme der Welt standen da Dinge wie: „Atomschlag auf Peking, Shanghai, Singapur, Bombai und Jakarta“. Zweck: Reduktion der dortigen Bevölkerung und Destabilisierung der staatlichen Ordnung.“
Oder an anderer Stelle: bewußte wirtschaftliche Abkanzelung islamischer Staaten. Flüchtlingsströme mit Waffengewalt eindämmen. Der Islam ist ökonomisch wertlos. Die Menschen in arabischen Ländern sind charakterlich zu impulsiv und daher nicht zu Intellektualität fähig…“
Ich klappte diese „Analyse“ umgehend zu, und reichte es Kerstin. „Guck du mal rein. Und sag mir, was du davon hälst.“
Das war menschenverachtender rassistischer Mist. Mochte ja sein, daß das von rationalen volkswirtschaftlichen Parametern her gesehen… aber nein, nein nein! Weg damit!
(Wo dieses Buch dann schließlich gelandet ist, steht ja im zweiten Teil der Pentalogie)

Dann wandte ich mich wieder an Weitwinkel. „Und das andere Buch? Was hats damit auf sich?“
„Ähm..das..mümpf…konte ich nicht öffnen…es hat sieben Siegel…aber es ist goldfarben. Mümpfennämlich!“
Oha! Er reichte mir einen goldfarbenen Wälzer. Unweigerlich riß ich meine Augen auf: Da stand in schwarzen Lettern auf güldenem Grund: „Die verbindlichen Regeln des BDSM. So und nicht anders wirds gemacht!“
Ich ersparte mir, in dieses Buch einen Blick zu werfen. „Weitwinkel!“ brauste ich auf. „Wissen Sie, was Sie mir da geben?“
Erschrocken für mein Reichskassenwart zusammen, und legte ängstlich seine langen Löffelohren an.
„Äh…nein…mümpf…“
„Dieses Buch hier..“ ich hielt es ihm eindringlich unter seine Stupsnase „…dieses Buch existiert nicht! Verstehen Sie? Es gibt dieses Buch nicht!“
Verwirrt folgte sein Blick meiner Hand und dem güldenen Buch, das ich mit ihr festhielt.
„Aber…aber… mümpf…sie halten es doch in der Hand, Chef… mümpfenhää?“
Ich seufzte.
„Das Buch hier, muß verschwinden. Dafür werde ich sorgen. Es darf nicht in die falschen Hände gelangen!“
„Hab ich etwas falsch gemacht? Mümpf?“ Weitwinkel legte seinen Kopf in die Schräge.
„Nein, mein lieber Weitwinkel. Eigentlich haben Sie alles richtig gemacht. Gut, das dieses Buch hier ist, und nicht woanders!“ versuchte ich ihn zu beruhigen.
Untersdessen hatte Kerstin das „Lösungsbuch“ überflogen.
„Du…Martin… das Teil hier sollte auf jeden Fall ebenso verschwinden und nicht in falsche Hände geraten. Das ist menschenverachtend!“
„Das war mir nach den ersten Zeilen klar. Wer denk sich bloß son Schwachsinn aus?“
„Das ists ja eben. Das ist nicht ausgedacht. Laut der Inhaltsangabe haben das Großcomputer errechnet. Zielparameter Weltfrieden und eine gesunde Natur.“
„Zu erreichen, in dem man Atombomben wirft, und Millionen von Menschen tötet?“
„Und den Papst.“
„Was ?“
„Hier steht, das nicht nur der Islam sondern generell sämtliche Religionen unlogisch sind. Daher seien sie abzuschaffen.“ sie sah mich betroffen an.
„Das Ding muß weg, Kerstin. Wenn das einer in die Finger bekommt, der die nötigen Mittel und Wege hat…“
„Dann herrscht nicht Frieden sondern Grabesruhe und eine brave-new-world aus digital gläsernen westlichen Konsumenten bevölkert die Welt.“
Ich sah sie ratlos an. „Was nu?“
„Ich werds in den Sumpf verfrachten lassen. Da kommt keiner mehr dran.“
„Gut. Dann werd ich mich um dieses Buch hier kümmern!“ ich wippte das güldene Buch mit der rechten Hand in Weitwinkels Richtung.
„Was für ein Buch? Mümpf?!“
„Ich sehe, Sie verstehen mich, Weitwinkel. Was gedenken Sie jetzt zu tun – neben all diesen Zucchini wieder in die Remise zu räumen?“

„Ich wollte eigentlich mit Frau Chamäleon nach Wien fahren. Herr Seyffenstein hält demnächst ein Fortbildungsseminar ab: „Wie regiere ich als rechte Hand meines Souverän denselben, ohne das er es merkt?“. Da wollten wir hin. Fortbildung ist sehr wichtig, nämlich!“
Kerstin bekam im Hintergrund einen Lachflash.
„Rrrrrichtig! Wäätwinkl… Wir ham erst dies güldene Bichl zum verstecken!“
„Äh…mümpf…ja.. hm.“
„N oisdann, Wäätwinkl… gebns uns an Rratschlog!“
Der Gefragte kam nicht zum antworten.
„Martin..warum näselst du so wienerisch?“ Kerstin wischte sich die Lachtränen aus den Augen.
Ich war irritiert. „Was? ist mir gar nicht aufgefallen. War wohl ein Reflex.“
„Was ist mit Reflexen?“ wir drehte uns um – da kam Chamaelita um die Ecke der Remise gegangen.
„Hi Chamaelita“ begrüßte Kerstin sie. „Martin war grad größenwahnsinnig vernäselt.“
„Das ist ja nichts neues…!“
Und zu Weitwinkel gewandt sagte sie: „Hier, Ihre Karotten, lieber Herr Weitwinkel!“
Mit einem „Ohh dankepfön!“ nahm er ein Bündel Möhren aus Chamaelitas Händen in Empfang.

„Arbeitest du jetzt hierbei Weitwinkel als Gärtnerin?“ fragte ich.
„Öh nee…ich helf dem lieben Herrn Weitwinkel nur etwas aus. Wir wollen nach Wien fahren, zu einer staatsrechtlichen Fortbildung.“
„Ich habs gehört.“ brummte ich.

Kapitel 2

Ich hatte vor einiger Zeit eine Spam-Nachricht auf Instagram erhalten „Join the Illuminati and become rich & famous“ etc. – und den entsprechenden Screenshot auf twitter gepostet.
Darunter entbrannte dann eine, durch mich auch mit befeuerte, Diskussion, die Subkultur des BDSM doch in eine Art freimaurerischen Loge zu übertragen. Es wurden verschiedene Namen im Scherz hin und her überlegt – mein Vorschlag „der dunkle Tempel“ konnte sich nicht recht durchsetzen, wohl aber das Motto, der Wahlspruch. Inspiriert durch die großartige KAOZtaco und ihre „we trust“-tweets, kam ich auf den simplen Satz „in kink we trust“. Na wenn das kein Motto ist?!
Und die Idee wurde weiter gesponnen: Warum denn nicht ein (genossenschaftlich) finanziertes Open-Air-Spielgelände für uns? Kein Club, für den man Eintritt bezahlt. Sondern eine Art Grundstück, auf das alle BDSM-interessierten twitterer können, wenn sie nur hinkommen. Zum Selbstkostenbeitrag. Ein Vereinsheim für den „Freundeskreis alternativer Kellernutzungskonzepte e.V.“

Meine Planungsstellen hatten offenbar zu viel Zeit und Phantasie, denn sie nahmen sich der Idee an.
In besagtem Twitter-Thread war auch die Standortfrage überlegt worden: Ich konnte immerhin mein Dorf, nahe der A61, anpreisen. relativ gut zu erreichen. Nur halt für Besucher aus dem anderen Ende der Republik sehr weit weg – aber das hat man ja bei twitter öfters.
Und da ich ja mal was studiert habe, erschien mir der Grundriß einer konstantinischen Umgangsbasilika als der passendste. Allerdings miit großen, dunklen Sandsteinquadern in der äußerlichen Optik der Porta Nigra.
Soviel Zeit muß sein. Wenn schon ein Mundorf ist am gestalten, dann tut er auch aus dem vollen walten. Gedacht, gesagt, getan. Es dauerte keine zwei Monate, da hatte unsere Baugesellschaft „Bausteine & Geerden“ ein entsprechendes Bauwerk hochgezogen. Eine künstlich angelegte Ruine einer Umgangsbasilika.

Natürlich mit allem pi-pa-po und Schnickschnack. Eine Art „Vereinsheim“ für die BDSM-twitterer. „Inklusive Schlechtwetterraum“ samt Bühne, sanitäre Anlagen (Dusche und WC), Grillplatz und Wasser und Stromanschluß. Das betreffende Nebengebäude versprühte den architektonischen Charme eines katholischen Pfarrgemeinschaftshaus in der Eifel – funktional, aber mit einer gewissen brutalen Liebe zur Behaglichkeit gesegnet.
Im wahrsten Sinne: Denn im „Hauptgebäude“, der Basilika-Ruine, gab es vorne auch eine Art von „Altar“. Ein aus schwarzem Basalt gemauerten Block. Genau genommen ein Bock: denn er sollte zukünftig dazu dienen, eine Sub drüber zu binden. Und so war er auch geformt, d.h. oben abgerundet und an den Seiten mit Befestigungsschlaufen versehen. Der Altar des BDSM.
Ich bekam ehrlicherweise etwas Muffensausen, vor so viel Mysthizismus. Aber andererseits: Man kann ja nicht aus seiner Haut. Ich auch nicht.
(nun könnte man klugscheißenderweise einwenden, das Umgangsbasiliken als überbaute Nekropolen eigentlich keinen Altar hatten, aber ich will die Architekturgeschichte des frühchristlichen Kirchenbaus nicht überstrapazieren).
Jedenfalls: vorne in der Apsis stand der schwarze Bock. Aus Basalt. Und wartete darauf, das die erste Sub drüber gebunden wurde.
Die große Einweihungsfeiersession stand an.

Während der große „Innenraum“ eigentlich nur ein nach oben offener Hof war, so waren in den Mauerfundamenten aus Basaltquadern halbrunde vergitterte Nischen gebaut worden, ca. 3x 4 m groß. Wie Gefängniszellen in amerikanischen Filmen – nach vorne, d.h. zum Innenhof nur durch das Gitter getrennt. Als mehr oder weniger private Separees oder Verliese zum halböffentlichen Spiel.

Überhaupt war das angedachte Grundkonzept: Hier sollte man sich frei fühlen können. Doms und Subs. Auf dem ganzen Gelände sollte Ungezwungenheit, Narrenfreiheit – und in letzter Konsequenz auch Geilheit herrschen.
Von mir bekam der Komplex dann doch noch den Namen „Der dunkle Tempel“ verpaßt.

Im eigentlichen Keller des Gebäudes gab es natürlich auch ein paar dieser „Verliese“ – aber die hatte ich mir als „Privatkammern“ auserbeten. Quasi als private Garderobe für die jeweiligen Gäste.
Was aber nichts daran änderte, das es sich hier um Katakomben aus dunklem Mauerwerk handelte, die des Spaßes halber mit Pechfackeln beleuchtet wurden.
(ich bin ja ansonsten ein Freund ausgeklügelter LED-Beleuchtungstechnik, aber um des Klischees willen…*seufz*)

Es war wohl ein dummer Zufall der Geschichte, daß ausgerechnet am Tag der Eröffnungs-Orgien-Session mir Weitwinkel das „güldene Buch des BDSM“ in die Hand drückte.
Selbstredent wollte ich das Ding loswerden – und gleichzeitig dafür sorgen, das es nicht in die falschen oder irgend welche anderen Hände geraten würde. Ich habe in meinem Blogartikel „die Dominanzfalle“ lang und breit darüber geschrieben, was ich von diesem güldenen Buch halte, und das es nicht existiert.
Das ich nun dieses Ding in den Händen hielt – vielleicht eine Prüfung des Schicksals.
Bloß weg damit.
Nur: Wo versteckt man sowas?

Kapitel 3

Ich hatte mit Kerstin das „böse Lösungsbuch“ in ihr Auto verfrachtet. Dafür hatten wir einen Ort. Es wäre zu gefährlich gewesen, beide Bücher am gleichen Ort vor derWelt zu verstecken. Wohin mit dem „güldenen Buch“?

Ich fragte Kerstin: „Wo verteckt man etwas, wenn man nicht will, das der suchende oder nur der neugierige drauf stößt?“
Irritiert sah sie mich an. „Ich weiß zwar nicht genau, was du meinst… aber wenn ich eine Bombe oder so platzieren müßte… dann wäre der sicherste Ort der Welt: Direkt unter dem Arsch des jenigen welchen. Da sucht man zuletzt. Warum?“
Mir gingen buchstäblich die Augen auf. „Kerstin…du bist genial!“
„Ich weiß. Aber warum diesmal?“
„Weil du mich drauf gebracht hast, wo wir dieses güldene Buch verstecken können.“
„Im dunklen Tempel?“
„Jain. dort allein wäre es zu einfach. Es einfach dort zu deponieren hieße es wie eine Monstranz im Hochaltar zu exponieren. Mir fällt noch was viel besseres ein. Dazu brauche ich aber deine Hilfe. Und am besten auch die von Chamaelita. Komm mal mit…“

Wir gingen wieder zurück zur Remise. Weitwinkel und Chamaelita hatten in der zwischenzeit die Zucchini wieder eingeräumt und gestapelt.
„Mein lieber Herr Weitwinkel, ich muß Ihnen die Frau Chamaelita heute Abend leider entführen…“
„Aha… warum das?“ wunderte sich Chamaelita.
„Das güldene Buch… es muß weg. Und Kerstin und du – ihr werdet mir helfen, es verschwinden zu lassen. Ich brauch euch beide als Ablenkungsmanöver.“
„Ähm…Martin.“ unterbrach mich Kerstin. „In meinem Auto sind aber nur zwei Plätze. Wir sind drei.“
Mist. Sie hatte recht. „Scheiße..dann müssen wir nochmal in die Stadt zurück meinen Astra holen… den muß ich aber erstmal frei räumen. Hab da immer noch Steine und Plakate von der Ausstellung drin.“ ich seufzte.
„Ich habe ein Auto für vier Personen! mümpf!“
Wir drehten uns alle zu Weitwinkel um.
„Sie haben ein Auto?“ fragte ich verwundert.

„Jawohl! Nämlich! Es steht gleich hier in der Remise. Aber ich benutze es nicht so oft. Um hier in den Gärten umherzufahren, nutze ich lieber die Gartenbahn. Mümpfennämlich! Folgen Sie mir unauffällig!“
Vorsichtig stiegen die beiden Damen und ich an dem riesigen Berg von Zucchini vorbei, um ihn nicht durch eine Erschütterung wieder aus dem Tor poltern zu lassen. Weitwinkel stand vor einem großen grauen etwas, das sich als Sammelsurium alter Decken entpuppte. Infernalische Staubwolken lösend, hob er die Decken beiseite. Sein Auto kam zum Vorschein. Ein dunkelblauer Mercedes. Ein V170. Vorkriegsproduktion.
„Ach du Heimatland…!“ kicherte Kerstin und Chamaelita entwich ähnliches giggeln.
„Warum zum Kuckuck fahren hier eigentlich alle Mercedes, nur ich nicht?“ grunzte ich.
„Na wenigstens ist der Wagen standesgemäß!“ bemerkte Kerstin.
„Herr Weitwinkel, Sie haben wirklich ein sehr schönes Auto!“ schmunzelte Chamaelita.
„Fährt der auch?“ wollte ich wissen.
„Oh ja. Der Schlüssel liegt auf dem Armaturenbrett und aufgetankt ist er auch. Nämlich!“
„Jut…“
„Aber ich komme mit! Nämlich! Ich möchte nicht, daß meinem Auto was passiert. Mümpf!“
„Äh… Herr Weitwinkel… da wo wir hinfahren..da ist kein Platz für humanoide Kaninchen. Da sind alles nur so erwachsene Menschen. Sie wissen schon…so Perverse. Und dunkel ist es da auch!“
„Oh…mümpf.“ Sein Gesicht wurde zusehends weinerlich und ängstlich, seine Ohren fielen schlapp zur Seite.
„Aber…aber… das sind doch diese komischen Menschen…die da wo mit den Schwarzweißbildern auf twitter, oder?“
„Ja, das stimmt, Weitwinkel.“
„Hm hm hm… ich fahre dennoch mit. Und bleibe aber im Auto. So! Ich möchte Sie allein durch meine Anwesenheit daran erinnern, das ich im Namen des snöffischen House of Lords eine Protestnote als Beschwerde vorzubringen habe! Nämlich! Sie erinnern sich doch, mein Chef?“
„Ja, ich erinnere mich…“ ich rollte mit den Augen.

Weitwinkel hatte im Namen aller Hasen und Kaninchen mir eine offizielle Beschwerde vorgetragen, mit dem Inhalt, daß ich doch dafür sorgen möge, die bildliche Darstellung von Hasen und Kaninchen im BDSM-Kontext zu verbannen.
(Als ob ich das könnte?!).
Das snöffische House of Lords „fühle sich emotional beleidigt und bemümpft in Zusammenhang mit menschlicher Perversion gebracht zu werden. Es widerspräche der allgemeinen Verschnuffelung und laufe der gottgewollten Flauschhaftigkeit zuwider.“
Tja. Was sollte ich machen? Ich hab ja mal getwittert, das es nicht einfach ist, einen Vielvölkerstaat zu regieren. Und wenn es eine Volksgruppe aus Hasen, Igeln Bärchen und sonstigem pussierlichem humanoiden Getier emotional sooo zart besaitet ist und eine Petition einreicht – dann muß ich mich halt darum kümmern. Ich wußte nur nicht wie. Das Weitwinkel Chmaelita auf seiner Seite hatte war klar. Kerstin hatte mit der ganzen Sache nicht viel am Hut, würde aber auch nicht nein sagen. Ich sowieso nicht.
Aber genauso wenig, wie es ein güldenes Buch gibt, genausowenig kann ich von anderen verlangen, etwas zu tun oder nicht zu tun.
Es ist vielleicht die Erkenntnis, das was dem einen einen Kick gibt, für den anderen einen negativen Trigger darstellt.
Ich konnte also Weitwinkel und seinem Anliegen nicht viel Hoffnung machen, lediglich versuchen, für gegenseitige Toleranz zu werben.

„Und außerdem…“ fuhr Weitwinkel fort, „möchte ich mich vergewissern, wie unsere Lazitröl-Pflegeprodukte bei der Zielgruppe ankommen. Mümpfennämlich!“
Da war er dann plötzlich nicht mehr ganz so emotional mümpfig sondern ganz Reichskassenwart(Finanzminister), dem es darum ging, Gewinne einzufahren.
(Ich erinnere an dieser Stelle nur dezent an seine Okkupation einer unschuldigen Insel im Mittelmeer, nur weil er etwas von meinem leichten Fußfetisch, Hautpflege für rrrr-Zwecke am Rande aufgeschnappt hatte. Sein Latschenkiefer-Zitrusöl hatte er ja schließlich auch Johanna zu ihren Magic-Wands angedreht.)

Wir holten also den historischen Mercedes aus der Garage, und stiegen ein. In Gedanken schon bei der Eröffnungs-Orgie, dachte ich nicht nur nach, wie ich denn das güldene Buch am besten verstecken könnte, sondern auch über ein paar themenbezogene Fragen und die Menschen/innen die ich am Abend dort treffen würde.
Eigentlich hatte ich noch einen kurzen Aufsatz über ein gewissen Thema schreiben wollen, war aber nicht mehr dazu gekommen.
Wir fuhren los.

„Was ist eine Schlampe?“ – so sinnierte ich vor ich hin. Die liebe Ophelia hatte da mal einen tweet losgelassen, mit der Frage, wie denn diese Frage zu beantworten sei.
Offenbar hatte ich nicht nur gedacht – sondern auch laut gedacht. Denn Kerstin sah mich mit gerunzelter Stirn von der Seite an: „Brauchst du da wirklich noch ne Definition für?“
„Äh…was ? Ich nicht, nein…aber die Frage kam neulich auf twitter auf… Es gibt, soweit ich weiß, keine klare Antwort darauf…“
„Ach…Ophelias Tweet..“ kicherte Chamaelita vom Rücksitz.
„Ich versteh nur Bahnhof!“ brummte Kerstin. „Aber guck doch mal in dem güldenen Buch nach, vielleicht stehts da ja drin..!“
„`n Teufel werd ich tun..!“ grunzte ich.

Nach etwa fünf Minuten(!) schweigender Fahrt (!) meldete sich Weitwinkel vom anderen Sitz der Rückbank:
„Vielleicht ist es eine Frau, die im Schlamm steckt. Mümpfennämlich?!“

Ich mußte sofort eine Vollbremsung hinlegen. Quietschend kam Weitwinkels alter Mercedes zu stehen.
Chamaelita brach in laut schallendes Gelächter aus. Kerstin drehte sich nur fassungslos erst zu Weitwinkel um, sah dann zu Chamaelita, dann zu mir, rollte sodann nur mit den Augen und schüttelte entgeistert den Kopf. Ich war derweil mit meiner Stirn auf das Lenkrad gesunken.
Mit möglichst gefaßter Stimme versuchte ich zu bemerken: „Das schlimme ist: er könnte damit Recht haben?!“
Nur Kerstin hörte mich, denn Chamaelita lachte immer noch laut.
„Warum lachen Sie denn, liebe Frau Chamäleon? Habe ich etwas falsches gesagt? mümpf?“
„Nein…lieber Herr Weitwinkel…“ Chamaelita rang nach Luft: „..Sie haben einfach so eine pragmatische Art!“ ..sie mußte wieder kichern. Da Weitwinkel sichtlich verunsichert war, flauschte sie ihm seine langen Ohren, was er mit einem tiefen, langen „Mümpf“ quittierte.
„Können wir dann weiterfahren?“ fragte Kerstin, die nun auch grinsen mußte.
Ich legte tief Luft holend den ersten Gang ein, löste die Handbremse und fuhr an.
„Er hat trotzdem nicht ganz unrecht…!“ sprach ich zu mir selbst.

TO BE CONTINUED…

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