Der dunkle Tempel – Teil 2

Der dunkle Tempel – der Verbleib der beiden Bücher (Teil 2)

„der dunkle Tempel“ (der Verbleib des güldenen Buches des BDSM – Fortsetzung)

Kapitel 4

Ungefähr auf der Mitte des Weges zum „Dunklen Tempel“ mußte ich notgedrungen anhalten: ein Baum lag quer über der Straße.
Ich stieg aus, um mir die Sache näher anzusehen. Chamaelita, Kerstin und Weitwinkel stiegen ebenfalls aus.
Der Baum war nicht sonderlich groß, aber wohl doch zu schwer – selbst für uns vier.
Weitwinkel setzte sich mit einem tiefen, seufzenden „Mümpf!“ auf den Baumstamm und begann nachzudenken. „Vielleicht will der liebe Gott gar nicht, daß ich mitkomme. Oder das wir uns überhaupt zu diesem „dunklen Tempel“ mit diesen ganzen Perversen Mneschen begeben, seufzenmümpf?!“
Chamaelita setzte sich neben ihn, und nahm ihn in den Arm. „Ach, ach, ach… Herr Weitwinkel… es ist doch nur ein Baum…“
„Können wir nicht einfach drüber springen?“ fragte Kerstin genervt.
Ich sah sie an: „Und was machen wir mit dem Auto?…Wenn wir Johanna mit hätten, die würde unter lauten afrikaansen Flüchen das gemüse hier wegschieben…!“
„Aber die steckt ja noch in Vietnam.“ Kerstin rollte mit den Augen.
„Eben. Und darum brauchen wir hier eine andere Lösung!“ ich hatte mir die Wiese neben dem Weg angesehen – etwas sumpfig, aber das konnte gehen.
Wartet ihr hier mal… oder besser: ihr klettert mal über den Baum. ich probier was.“
„Martin, was hast du vor?“
„Rheinische Lösung…wart mal ab!“
Ich sprang in Weitwinkels antiquierten blauen Mercedes, und fuhr im ersten Gang, Halbgas gebend mehr schlitternd als rollend den Wagen um das Hindernis herum.
Die „Lösung“ war so einfach. Kerstin stieg wortlos wieder neben mir ein, und Chamaelita half Weitwinkel über den Baum zu hoppeln. Er konnte nicht umhin, sich mit einem „Tschöö lieber Baum!“ von dem umgefallenen Gehölz zu verabschieden – wohl weil dieser für ihn ein Grund zum innehalten gewesen war.
Die Fahrt konnte also weitergehen.
Das „güldene Buch des BDSM“ – das eigentlich nicht existiert – lag immer noch bei uns im Wagen. Ich wollte es endlich loswerden – und dafür sorgen, daß es nicht inn falsche Hände geriet.

 

Kapitel 5

Jeder hat seinen eigenen Zufahrtsweg. Jeder nähert sich dem Tempel anders. Imaginäre Orte sind aus vielen Richtungen zu erreichen.
Aber nicht für alle.
Das hier, das sollte ein Tempel für die guten, die echten und wahrhaftigen sein. Nicht für die Dummdoms und Möchtegerns. Und nicht für die bösen. Sondern die verantwortungsvollen.
Und es war ja nicht nur eine teilüberdachte große Spielwiese mit Spezialräumen für jeglich denkbare Spielart, nicht nur vollständig gekachelt, oder vollständig mit Gummi ausgekleidet. Oder die offenen Gruben in und um die „Ruine“, die mit Gittern verschlossen werden konnten, und bei Bedarf mit Wasser fast gefüllt werden konnten.
Nein, der dunkle Tempel sollte auch ein „Zentrum“ sein, um sich auszutauschen. Um miteinander zu reden. Außerhalb des Spiels einfach mal nett zusammen zu sitzen und zu grillen.
Warum der dunkle Tempel und sein Außengelände in einem Wald vornehmlich aus Blautannen stand, steht #ausGruenden auf einem anderen Blatt.

Ich hielt auf dem Parkplatz an. Es waren offenbar schon einige da – die Autos oder zumindest ein paar der Autonummern kannte ich.
Wir stiegen aus, und ich wies meine BegleiterInnen ein: „Also: Chamaelita, Kerstin. Ihr kommt mit mir. Ich brauch euch als Ablenkung.“
„Martin, was hast du vor?“ fragte Chamaelita.
„Die Baufirma, die diesen dunklen Tempel als BDSM-Vereinsheim gebaut hat, hat sich an Kirchenarchitektur orientiert. Und in jeder Kirche gibt es im Altar eine Stelle, in der Reliquien des jeweiligen Patrons eingemauert sind….“
ich sah Chamaelitas skeptischen Blick. „…also bei den rechtgläubigen“ seufzte ich „…wie das bei den Herätikern aussieht, weiß ich nicht.“
„Eyyy… immer dieses Protestantenbashing!“ Chamaelita gab mir einen kräftigen Stups in die Seite.
„Und in dieses Reliquintabernakel unter dem BDSM-Altar willst du dieses Buch verstecken…“ Kerstin rollte mit den Augen…Alter!“
„Was denn? Das war deine Idee, wenn ich dich erinnern darf?!“
„Ja, aber so wortwörtlich… Ach was solls…gehen wir. Ich nehme an, wir sollen aufpassen, daß dich niemand dabei entdeckt?“
„So ist es!“
Ich wandtem mich an meinen Kassenwart: „Und Sie, Weitwinkel“ ich deutete extra mit dem Finger auf ihn, „Sie bleiben hier und bewachen das Auto! Ich werde mein möglichstes machen, um Ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen. Versprechen kann ich aber nichts. Bleiben Sie aber bitte hier. Da sind nur perverse Menschen in dem Gebäude, das ist kein Tummelplatz für kleine weiße Kaninchen – auch nicht, wenn sie im höheren Staatsdienst sind, verstanden?“
„Mümpf!“ antwortete Weitwinkel trocken.
„Gut. Wir sind bald wieder zurück, dann können Sie mit Chamaelita weiter nach Wien reisen.“
Innerlich mußte ich seufzen. Da war die Eröffnungs-Orgien-Session des dunklen Tempels, und ich würde mich nach kurzer Zeit empfehlen müssen. Einmal, ein einziges mal, ein großes Event. Das wärs. So dicht vor der Nase, so dicht vor der Teilnahme. Stattdessen mußte ich mich mit dem „güldenen Buch“ unhd Karnickeln auseinandersetzen. Gnaaarffff!!!

 

Kapitel 6

Ich betrat mit Chamaelita und Kerstin den „dunklen Tempel“. Ich lenkte meine Schritte direkt in Richtung der Apsis (in einer Kirche würde man vom Altarraum sprechen), wo der „Altar“ stand.
„Ihr beide, als Blüte der niedersächsischen Jurisprudenz, haltet mir bitte den Rücken frei. Lenkt alles und jeden ab, verstanden?“
Um diese Zeit, so hoffte ich, würde noch niemand hier umhergeistern. Ich kniete mich vor den Altar hin, und begann, die Steine genau zu untersuchen: als jemand, der mal christliche Archäologie studiert hat, hoffte ich, das „Geheimfach“ schnell zu finden, in das ich das „güldene Buch des BDSM“ (trotz seiner eigentlichen Nicht-Existenz) für alle Zeiten verstecken.

 

#Szenenwechsel: Kamera-Umschnitt auf das Kellergeschoß des „dunklen Tempel“ zur gleichen Zeit:

Um seinen Ungehorsam in schillernden Worten zu beschreiben: Zu Ophelia dem goethezitierenden Fickstück schlich Athanasius, die Rüge im Gewande.
Aber wo keine Häscher oder Jäger, da sind sie auch nicht des Hasen Tod: Es kam, wie es kommen mußte: Durch die nur mit Pechfackeln erleuchteten Katakomben schlich der arme kleine verängstigte Herr Weitwinkel, und suchte die richtige „VIP“-Garderobe. Immer wieder kam er in diesem Keller-Labyrinth an halb offenen Türen vorbei, hinter denen sich die geladenen Gäste der Eröffnungs-BDSM-Orgien-Session vorbereiteten. An der ersten Tür blieb er vorsichtig stehen, und lugte vorsichtig hinein. Da stand eine Frau mit rötlichen Haaren, lediglich mit Strapsen und Korsett bekleidet, die gerade eine volle Whisky-Flasche an den Mund setzte, und mehrere kräftige Schlucke trank.
Verwundert rieb sich Weitwinkel die Augen, und schüttelte irritiert den Kopf.
„brrrr…mümpf!…hier bin ich falsch…“ seufzte er still und leise und schlich weiter hoppelnd den Gang entlang.

Die dunklen Mauern, die Pechfackeln – das alles wirkte auf den auf ihn sehr bedrohlich. Er fühlte sich fremd und unwohl.
Bei der nächsten Tür lugte er wieder vorsichtig, seine Hasennase schnuppernd vorschiebend, hinein. Dort stand eine anscheinend recht kleine aber dafür sehr korpulente Frau, die völlig nackt war. Weitwinkel hatte ja schon viel gesehen, was ihn aber hier schaudernd-schockiert zurückweichen ließ: Die kleine, dicke nackte Frau trug lediglich ein stählernes Halsband und eine Gasmaske.
„ohGottohGottohGott“ – sich die weit aufgerissenen Augen schnell mit Ohren und Pfoten zu haltend wich er zurück.
„Da war ich wohl auch falsch…mümpf… was es nicht so alles gibt… mümpfenseufz…“
Wieder hoppelte er ängstlich den Gang entlang.

 

#Szenenwechsel: Kamera-Umschnitt in die Apsis des „dunklen Tempel“ zur gleichen Zeit:

Kaum hatte ich mich hinter den „Altar“(den basaltenen Bock zum drüberspannen der Sub) gekniet – hörte ich Schritte hinter mir.
Erschrocken drehte ich mich um. Ein mir bekannter Dom.
„Dunkelaua? Du hier?!“
Ich war froh, das er es war, und niemand anderes. Ihm konnte ich vertrauen, und wußte um seine Abneigung gegen das „güldene Buch“. Er hob eien Augenbraue, als er sah, was ich gerade versuchte zu verstecken. Denn die kleine Reliquinkammer hatte ich gerade gefunden – das „güldene Buch“ würde gerade so hineinpassen.
Bist du wahnsinnig? Tu das Ding weg! Ich bekomm Juckreiz!“ angewidert sah er das „güldene Buch“ an.
„Ja meinst du denn, ich nicht? Deswegen will ichs ja verstecken. Das darf nicht in die falschen Hände geraten!“

Ihm konnte ich vertrauen. Aber wo waren meine beiden Ablenkungsmanöver abgeblieben? Was, wenn mich hier noch jemand entdecken würde? Geheim sieht anders aus – kaum hatte ich das gedacht, hörte ich abermals Schritte.
Noch ein Dom. Und wieder einer, den ich jottseidank kannte. Ich mußte mein Unterfangen wohl oder übel abbrechen, und stand auf, denn ich hatte bis jetzt noch hinter dem „Altar“ gekniet.

„Sei mir gegrüßt, werter Namensvetter“ – der zweite Dom kam lachend auf mich zu und gab mir die Hand.
„Ich bin sehr beeindruckt von der Anlage, mein lieber. Der Herr weiß, einen würdigen Rahmen zu schaffen!“
Ich mußte notgedrungen schmunzeln. „Ach, laß mal stecken… ich hab sogar extra für dich einen offenen Kamin einbauen lassen. Dann kannst du deine Abende hier veranstalten.“
„Sehr aufmerksam von dir.“ Sein Blick fiel auf das Buch. „oh…das güldene Buch des BDSM!“
„Äh…ja…“ eilig nahm ich es wieder an mich. „Ich wollte es hier in diesem pseudoklerikalen Rahmen verschwinden lassen…“ mir wurde ganz heiß – es fühlte sich an, als bekäme ich einen roten Kopf.
„Auch dafür ist dies hier ein würdiger Ort! Nahezu kirchengleich…!“ grinste der Dom.
Ich sah mich verlegen um: „Drei rheinische Katholiken stehen hier beisammen, wenn ich das richtig sehe?“ ich überlegte, ob das Versteck auch noch mit zwei Mitwissern sicher genug sei.
„So siehts wohl aus, der Herr!“
„Dann isset ja nur „würdig und recht“, wenn wir drei auch dafür sorjen, dat der „heilige Gral“ auf nimmer wiedersehen verschwindet.“ (mir fiel nichts besseres als Antwort ein.)
„Dem schließe ich mich vollumfänglich an.“ grinste mein Namensvetter.
„Ich mein… irjendjemand muß dat ja erfunden haben …von wejen Erlösung und Befreiung durch Erleiden und Erdulden von Schmerz. Und dat knieen in Demut. Von nix kütt nix. BDSM is‘ sozusagen praktisch anjewandter Katholizismus.“
Nun mußte er lachen.
„Geißelung nicht zu verjessen!“ ergränzte ich – und versuchte ihn durch das Thema etwas abzulenken.
„Der Herr ist mit der Gnade einer reichhaltigen Perversion gesegnet…Du solltest dir das patentieren lassen!“
„Von wejen… wat dat betriff, verzichten mir bitte jern auf einen Papst… und diese „Bibel“ hier, die lassen wir verschwinden. Faß mal mit an.“
Der Herr Dunkelaua, etwas müde um die Augen, hob skeptisch süffisant eine Augenbraue, und grinste nun auch: „Ihr seid doch allebeits jeck!“
„Ja natürlich sind wir das. Sonst wären wir ja nicht hier.“
Der müde Herr schüttelte resigniert-amüsiert den Kopf. „Ich laß euch mal hier alleine…!“ er wandte sich grinsend und kopfschüttelnd zum gehen.
Ich war mit meinem Namensvetter allein.
„Du willst das „güldene Buch“ in die Reliquienkammer stecken?“ fragte er mich.
„Das war der ursprüngliche Plan.“ mußte ich gestehen. „Wieso, willst du vorher noch einen Choral anstimmen?“
„Nein, ich singe nicht mehr. Aber du könntest ja ein bdsm-Gebet sprechen.“
Ich war mir für einen Moment unsicher, ob er das ernst meinte – ich seufzte kurz, und fing dann an: „Jejrüßet zeiste Maria, voll der Jnade, du bis jebenedeit unger…. ach wat sollet: Kölle Alaaf!“ mit dieser etwas unwirschen Abkürzung eines Gebetes wollte ich das güldene Buch gerade packen, und in die Rerliquienkammer stecken.
Als…

 

Kapitel 7

#Szenenwechsel: Kamera-Umschnitt auf das Kellergeschoß des „dunklen Tempel“ zur gleichen Zeit:

Wieder war Weitwinkel an einer Tür angekommen, die halb offen stand. Im Innenraum kniete eine nackte Frau auf dem Boden und schien zu medietieren. Daher schien sie Weitwinkel nicht zu bemerken, denn dieser erschrak doch sehr, als die Frau ihn ansprach ohne den Kopf zu bewegen oder gar die Augen zu öffnen.
„Kaninchen…Was willst du hier?“
„Äh…ich…äh…mümpf…“
„Kaninchen, bei mir bist du falsch!“
„Oh… woher…wissen Sie, wen ich… äh…“
„Dit is Berlin, Kaninchen!“ sprach die knieende Frau – sie hatte immer noch die Augen geschlossen.
„Verzeihung…mümpf!“ reichlich verwirrt zog sich Weiteinkel aus der Tür wieder zurück.
Als er verschwunden war, legte sich ein leichtes Lächeln um den Mund der Frau, sie öffnete langsam die Augen und blickte zur leeren Tür.
„krass…!“ schmunzelte sie.

Weitwinkel war unterdessen so ähngstlich, fast schon panisch, daß er sich verlaufen würde, und nicht die Person finden würde, die er hoffte zu finden. Doch dann kam endlich er an eine Kammer, in der eine Frau, in Korsett und HighHeels gekleidet vor einem Spiegel saß, und sich offensichtlich schminkte.
Sie saß mit dem Rücken zur Tür, bemerkte ihn aber dennoch nicht, als er seinem Bauchgefühl folgend sich durch die Tür zwängte. Es war ein recht kleines Kellergemach – aber wenigstens durch elektrisches Licht erleuchtet, und nicht wie der Gang durch die albernen Pechfackeln.
Rechts neben der Tür war eine Art Sitzbank aus Stein gehauen in die Wand eingelassen. Mit einem kleinen Hopser hatte er darauf Platz genommen, und beobachtete stumm, wie die Frau sich schminkte.
Als sie fertig zu sein schien, wagte er es, sich kurz zu räuspern und zu sprechen:
„Huhu… Sie… Sind Sie die Frau Ophelia?“
Erschrocken drehte sich die Frau um. Als sie Weitwinkel da so friedlich auf der steinernen Sitzbank sitzen sah, schrie sie laut auf.
Und weil Ophelia aufschrie, schrie auch Weitwinkel kurz erschrocken auf. Slapstick-Komik.*
(*Mir fällt jetzt erst das Wort Slap-Stick auf…gnihihi Anm. d. R.)

Nach dem ersten Schrecken funkelte es in Ophelias Augen:
„Du bist ein Abgesandter von Luzifer! Weiche von mir, weißes Kaninchen! Ich bin dir schon lange genug gefolgt, du Satan!“
„Luzifer? Satan? Was wie wo?“ Weitwinkel geriet in Panik, und sah sich hektisch um, um sich dann panisch um Ophelias linkes Bein zu klammern.
„Mümpf!“
„Geh von mir runter, du…“ sie schüttelte ihr Bein, so daß Weitwinkel los ließ.
Schützend hielt er seine Pfoten über den Kopf und seine langen Ohren hingen schlapp herunter.
„Ich bin einer von den guten! Mümpfennämlich! Bitte nicht weh tun! Mümpf!“

„Was und wer zur Hölle bist du?“ fragte Ophelia mit einer gehörigen Portion Vorsicht.
„Mein Name ist Athanasius Weitwinkel, ehemals 2nd Lieutenant der „King´s Hare Dragoons“, Royal Rabbit Fuseliers, Vorweiner und Zeremonienmeister des snöffischen House of Lords, und zur Zeit Reichskassenwart von ChefleGrand.“
„Weitwinkel?…Sie sind Weitwinkel, Martins Kaninchen?“ Ophelia war mehr als skeptisch.
„Ganz Recht. Weitwinkel. Athanasius Weitwinkel. Ich bin sein Kassenwart und Hüter seines Portemonnaies.“
„Was wollen Sie hier?“
„Ich bin hier, weil sie etwas mit Kaninchen zu tun haben. Nämlich!“
Ophelia legte den Kopf etwas schräg, und hörte, zuerst noch mit skeptischer Miene, zu, was das humanoide Kaninchen ihr gegenüber zu sagen hatte.
„Geh zurück auf die Sitzbank!“ sie deutete ihm mit dem Arm sich zu setzen, denn sie traute dem Hasenbraten nicht.
„In meine Garderobe darf eigentlich niemand eintreten. Nichteinmal der Chef!“

„Also…ich höre!?“ sprach Ophelia.
„Also erstens habe ich Sie gesucht, weil sie in Ihrem Blog und auf twitter was von weißen Kaninchen schreiben. Und ich nicht möchte, das meine Gattung durch eine Verbindung mit Perversionen der Menschen in Verruf gebracht wird. Mümpfennämlich! Ich hatte zwar den Chef gebeten, sich für diese Sache zu verwenden, aber manchmal muß man Dinge eben selbst erledigen, nämlich!

Zum Zweiten möchte ich mich aber auch bei Ihnen im Namen aller rechtschaffenden Kaninchen entschuldigen. Wir sind an und für sich eine sehr freundliche, friedliche schnuffelige und parapfnumselige Gesellschaft. Wenn Sie also durch ein Kaninchen schlechte Erfahrungen gemacht haben sollten, tut mir das sehr leid, nämlich!“

„Sie haben also meinen Blog gelesen? Ich denke, sowas ist nicht für …äh…Ihresgleichen?“
„Ist es auch nicht..mümpf…aber ich bin ja nicht nur einen Kaninchen, sondern auch Staatsdiener, und als solcher gehört es zu meinen Pflichten, mich umfassend zu informieren. Auch wenn mir das inhaltlich nicht immer gefallen mag. Und es tut mir aufrichtig leid, was Sie und die „kleine Dame“, die Sie erwähnten, haben erdulden müssen, nämlich!“
„Also…für die Sache mit dem Kaninchen… was mich betrifft..so ist das eine Allegorie aus „Alice im Wunderland“..es eignet sich wunderbar als Metapher, wenn man jemandem oder etwas folgt, um in eine verschlossene Welt aufzubrechen… das bot sich halt so an…Und danke. Ich komm schon klar.“
Weitwinkel mußte seufzen… „Ach mümpf. Ich habe das Buch nie gelesen, kenne aber den Herrn Kollegen Hase. Er wartet in unserem Land die Bahnhofsuhren…“
„Na sehen Sie…und das es da vielleicht User auf twitter gibt, die sich an diesem Hasen orientieren… weniger an der Zeitmessung, mehr an der lockenden Gestalt an sich… dafür kann ich nichts! Da müssen Sie sich an die betreffenden wenden, nicht an mich.“

„Hm..hm..hm…“ brummte Weitwinkel „Mümpf. Ja. Da können Sie natürlich nichts für.“
„Und darum sind Sie hier zu mir gekommen, Weitwinkel?“ fragte Ophelia neugierig.
Naja…nicht nur… Der Chef und Frau Chamäleon und….“
„Martin? und Chamaelita? Sie sind hier?“ fragte sie unsicher.
„Ja. Weil der Chef nämlich ein Buch verstecken muß, das es nicht gibt.“ Weitwinkel kratzte sich hinter seinen langen Ohren. „Und weil das Buch Unheil anrichten würde – noch viel mehr Unheil und Böses, als das was ohnehin schon passiert ist, so wie ich das verstanden habe…
Und das ist eigentlich der dritte Punkt, über den ich mit Ihnen sprechen wollte, mümpfennämlich“
Weitwinkel hopste ächzend von der Steinbank wieder hinunter und trat einen Schritt freundlich lächelnd näher an Ophelia heran.

„Sie setzen sich für Frauen ein, denen schlimmes widerfahren ist, richtig? Sie kämpfen gegen das Böse – also ich meine in Bezug auf ihre komischen Praktiken, die Sie ausüben?“ Weitwinkel sah sich um.
„Ja, das tue ich allerdings…“
„Hm..hm..hm… das ist sehr löblich und ehrenwert. Ich möchte Ihnen unsere Hilfe anbieten, mümpfennämnlich!“
„Unsere? Wen meinen Sie?“
„Na den Chef, meine Wenigkeit, Frau Chamäleon und Frau Maier.“
Ophelia verzog äußerst skeptisch ihr Gesicht. „Ich traue Martin nicht so recht….“
„Das macht nichts. Er traut Ihnen. Und ich glaube auch, das man Ihnen trauen kann. Und das helfen hat bei uns lange Tradition.
Der Chef hat schon als Schuljunge lieber den Mädchen geholfen, als mit dern anderen Jungen Fußball zu spielen, nämlich!“

„Mein lieber Weitwinkel. Erstens: Ich weiß nicht, ob ich Ihre Hilfe überhaupt will. Martin will mich ficken. Aber das wollen hunderte andere Männer und Frauen auch. Und auch da weiß ich nicht, ob ich das überhaupt noch will. Und zweitens: Ich bin alt und groß genug, um auf mich selbst aufzupassen. Ich habe eine mächtige Feder. Und mit der schreibe ich gegen das Böse.“
Weitwinkel hatte kurz schlucken müssen – so derbe Worte fielen nicht oft in seiner Gegenwart.

„Mümpf!…Auch wenn die Feder bisweilen mächtiger als das Schwert ist – ein paar Schwerter schaden bisweilen nicht. Der Chef und Sie sprechen die gleiche Sprache der Gelehrten. Das Sie darüber hinaus ähnliche bzw. kompatible Unterleibsinteressen haben, kommt noch hinzu. Und weil dem so ist, möchten wir gerne Ihnen im Kampf gegen das Böse bei-stehen. Ob Sie beide dann darüber hinaus auch noch bei-schlafen, das will ich gar nicht wissen. Aber im Kampf gegen das Böse, diese bösen Männer, die Frauen unter Vorspielung erotischer Inhalte Schlimmes antun, haben Sie Verbündete!“
Ophelia seufzte. „Das ist lieb von Ihnen, Weitwinkel…“
„We will raise regiments of horse and foot to charge the evil, mümpfennämlich!“
„Regiments of horse and foot? Wie alt sind Sie?“ fragte Ophelia skeptisch.

„Ach seufz. Nach menschlichen Maßstäben schon sehr alt. Ich habe als junger Hase erlebt, wie der Preußenkönig in Schlesien eingefallen ist, ich war dabei, als Mel Gibson Tee in den Hafen von Boston geworfen hat, und dann die Siedler gegen den König aufgewiegelt hat. Es war mir leider nicht vergönnt, an der Seite von Cornwallis die Rebellion zu unterdrücken, mümpf! Ich war in Paris, als man einander aus Gründen der Vernunft die Köpfe abgehackt hat, und später dann war ich als Seehase dritter Klasse auf seiner Majestät Schiff „Helgoland“ im Skagerrak. Einer der Urgroßväter des Chefs diente ebenfalls auf diesem Schiff.“ Er machte eine kurze nachdenkliche Pause.
„Ich bin eigentlich auf dem Weg, um mit Frau Chamäleon nach Wien fahren, zu einem Kongreß. Herr Seyffenstein gibt einen Kurs, „wie regiere ich mein Staatsoberhaupt als Kammerherr, ohne das er es merkt?“
Das letzte Mal, das ich in Wien war, war, als mir Fürst Metternich „ein Stück von einem großen Kuchen“ versprochen hatte. Leider bekam ich kein Stück Kuchen, sondern die halbe Grafschaft Hohenlohe, die Hansestadt Hattingen und drei Dörfer in der Pfalz zugesprochen. Ich habe diesen „Gewinn“ dann aber gegen eine Tüte Hustenbonbons eingetauscht. Mümpf! Was soll ich mit Territorien in Deutschland?“
Er war in seine Erinnerungen abgebogen, und wurde traurig im Gesicht – seine langen Ohren fielen ihm schlapp links und rechts am Kopf herunter.

Er berappelte sich jedoch schnell wieder: „Sie kennen das Codewort? Den Namen des blauen Buches?“ fuhr er fort.
„Ja…Martin hat es mir mal verraten.“
„Gut. Wenn immer sie dieses Wort senden, wird Hilfe kommen. Wenn Sie es irgendwo lesen oder anderweitig empfangen, werden Sie wissen, das Hilfe unterwegs ist. Selbst wenn Sie dem Chef immer noch nicht vertrauen. Ob sie es verwenden, überlasse ich Ihnen.“
Weitwinkel sah sich ängstlich um, „ich glaube, jetzt muß ich wieder gehen… Der Chef wollte, das ich im Auto bleibe… nämlich!“
„Was für ein Buch ist das denn, das er hier verstecken wollte?“
„Ich weiß es nicht… es ist gülden, und hat sieben Siegel. Der Chef meinte, dieses Buch gibt es gar nicht, obwohl er es in der Hand hielt.“
Ophelia hob die Augenbraue. „etwa das „güldene Buch des BDSM?““
„Ich glaube ja- so hieß es. Ich habe es von einem alten Mann in den Bergen Vietnams als Geschenk für den Chef überreicht bekommen.“

TO BE CONTINUED…

Ein Gedanke zu “Der dunkle Tempel – Teil 2

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