Blog-Interview durch neediesBlog

Die liebe needie hat auf ihrem Blog ein paar Fragen an interessierte gerichtet, die ich gerne für sie beantworten möchte 🙂 Die Fragen sind ihre, die Antworten meine.

Hier kommen die Fragen

1. Dein Twittername (falls vorhanden). Bitte nur angeben, wenn ihr ihn veröffentlicht haben wollt

  • @ChefleGrand // @derMannvomFluss

2. Deine Neigung (Dominant, Submessiv, Switcher, devot, masochistisch, sadistisch. Gerne auch weitere Punkte)

  • Ich bin sadistisch-dominant. Trotz das gerade in der Szene „switch“ in zu sein scheint, verspüre ich immer noch keine devot-masochistischen Neigungen.

3. Aktueller Beziehungsstatus (Single, Spielbeziehung, D/S, Poly, verheiratet..)

  • Ich bin derzeit alleinstehend.

4. Wann wurde dir klar, daß du diese Neigung hast? Oder bist du dir nicht sicher, daß du sie hast?

  • 2014, im Januar/Februar. Sicher bin ich mir schon, nur habe ich diese Neigung nicht immer rund um die Uhr.

5. Hast du schon Erfahrung gemacht? Oder bist du unsicher /hast Angst?

  • Oh ja! Unsicherheit habe ich jedesmal wieder. Bis es losgeht. Dann nicht mehr. Sobald der erste Augenkontakt, die erste Berührung geschehen ist.

6. Hast du Vanilla Beziehungen gehabt?

  • ja natürlich. Das waren zT. auch schöne, gute Beziehungen.

7. Was ist dein ganz spezieller kink? Der dich sofort feucht /hart werden lässt?

  • Das ist von Spielpartnerin zu Spielpartnerin unterschiedlich- je nachdem auf welcher Art von gemeinsamer Kopfkinowelle man reitet. Grundsätzlich würde ich aber sagen: „Selbstbewußter Masochismus.“

8. Würdest du dich auf Wunsch piercen/ tätowieren lassen? Würdest du es von Sub /Sklavin erwarten?

  • Nein. Jeder Mensch sollte in seiner äußeren Erscheinung selbstbestimmt sein, was dauerhafte Merkmale angeht.

9. Hast du schon schlechte Erfahrungen gemacht?

  • Nicht viele, jottseidank. Und auch die eher im „Vorfeld“, nicht im Spiel selbst. Wenn man sein Gegenüber mit Anstand, Würde und Respekt behandelt, dann minimiert das schon von vorneherein die Möglichkeiten für schlechte Erfahrungen.

10. Gibt es Dinge, die sich geändert haben? Also was Tabu war, würdest du jetzt tun.

  • Ich hatte Respekt vor „fest an die Kehle packen“, so komisch das klingen mag. Aber nach guten Erfahrungen (übrigens nicht im bdsm-Kontext im engeren Sinne!) traue ich mir das nun zu.

11. Was wären Dinge, die du niemals tun würdest.

  • Mit Messern am Hals hantieren, Haken oder Nägel durch Brüste schlagen oder stechen, Atemkontrolle mit Plastiktüten. Das ist mir einfach zu gefährlich und zu körperverletzend.

12. Wie sehr unterscheidet sich dein Kopfkino von der Realität?

  • Manchmal meilenweit, manchmal gar nicht so sehr. Es kommt halt auf den Inhalt des Kopfkinos und die betreffende Person an. Wenn das Kopfkino nicht personenspezifisch ist, dann kann das natürlich sehr surreal sein.

13. Wie wichtig sind dir Symbole?

  • Symbole sind mir bedingt wichtig. Ich brauche sie nicht, um mich selbst damit zu identifizieren. Wenn ich sie nutze, dann aus meiner Überzeugung/Neigung heraus.

JoyClub – Vorstellung,

Sehr geehrte Damen (und Herren…)

Wie Sie sicherlich selbst wissen, befinden wir uns hier auf JoyClub – eine Seite, auf der man erstmal seine mehr oder wenige vorhandenen Sexualpräferenzen darlegen muß. Also ist es müßig, im eigenen Profil lang und breit zu beschreiben, wie der/die“ideale Partner/in“ auszusehen hat. Niemand ist perfekt.
Auch ich nicht. Als 1,74m großer Raucher falle ich eh schon durch so manches Raster – hoffentlich auch durch das derjenigen, bei denen ein Mann mindestens 1,80 groß sein muß. Ein Mann muß gar nichts. Frau übrigens auch nicht. Ich könnte mir auch eine „Traumfrau“ gedanklich zusammenbasteln – die aber hier finden zu wollen, wäre dann doch etwas vermessen.
Die „Chemie“ muß stimmen, die Wellenlänge. Nicht die Körbchengröße oder Penislänge. (Beides gibt es im Idealfall als Bonbon noch obendrein.)
Ob Sie gerne mit einer Harley fahren, reiten, exessiv joggen, oder aber gerne ins Theater, auf Konzerte gehen: Denken Sie an den ersten Satz oben. Sollten wir uns mal wirklich live in die Augen blicken, werden wir beide nervös sein, und (man verzeihe mir das vulgäre Wort) eigentlich gern FICKEN wollen. Und uns bei einem überteuerten Cappuccino möglichst intelligente Gesprächsbausteine einfallen lassen, die so peinlich sind, das sie jedem Teenager gut zu Gesicht stünden. Entweder wollen wir sofort nur noch weg, oder „zur Tat schreiten“. Eins von beiden.
Ob es dazu kommt bzw. kommen kann: Entnehmen Sie bitte der Vorlieben/Abneigungsliste unten.
(Hierzu sei übrigens gesagt: Alles kann nichts muß. Nur weil mir etwas grundsätzlich gefällt, werd ich es tunlichst unterlassen, das von einer Partnerin auf Teufelkommraus zu verlangen. Wer bin ich denn?! Im übrigen respektiere ich no-gos. Punkt.)
Außerdem: Eine längergehende erotische Romanze ohne jeglichen perversen Kink wiegt mehr, als ein total mißglücktes bdsm-ONS-Date.

bdsm: Es gibt Menscheninnen, die behaupten, ich hätte eine dominante Ader, und wäre auch ein „guter“ Sadist. Tja nun? Was soll ich sagen? Ich selbst würde am ehesten über mich sagen: Ich mache Frühstück und bring es ggf. sogar ans Bett. Das ist das mindeste an Anstand, das man(n) einer Frau entgegen bringen sollte, wenn man sie zuvor (und danach) fesselt, schlägt und in alle ihre drei Löcher fickt. (überspitzt ausgedrückt). Will ich nur ficken? Nö. Aber ich erinnere an den ersten Satz. Wir sind hier nicht in einem romantischen Bergdoktor-Roman, sondern im JoyClub. Und da wir alle hier Erwachsene sind (Zumindest dem Gesetze nach; DU bist ein großes Mädchen und ich bin ein großer Junge), wissen wir, daß man im Leben auch manchmal One-Night-Stands hat. Die gut oder schlecht sind. Oder längere Affären. Die gut oder schlecht sind – bishin man womöglich eine/n Lebenspartnerin findet – das KANN alles passieren.

Ich kann Frauen zum lachen bringen. Improvisiere 4zeilige humoristische Reime aus dem Stehgreif. Massiere den Rücken. Ich kann stundenlang über so etwas langweiliges wie Geschichte sprechen (ich bin nebenbei, studierter Historiker), ohne das es langweilig dabei wird. Auch wenn Geschichte Dein schlechtestes Fach in der Schule war.
Ich kann Dich aber auch auspeitschen. Dir den Rücken/Hintern in allen (vorher einvernehmlich abgesprochenen) Farbschattierungen mit diversem Werkzeug marmorieren. Dich fesseln. Dich eine Stunde auf dem Boden liegen lassen. Dich erniedrigen. Anpissen.
(wie gesagt: das kann, muß aber nicht so sein). Das ist keine Beliebigkeit – sondern: Ein auf den Gegenüber eingehen. Und was der/die Gegenüber braucht/nicht braucht (ungeachtet aller Vorlieben-Listen), das sieht man am ehesten im live-Augenkontakt. Bei dem überteuerten Cappuccino. Weglaufen können wir dann beide immer noch.

Gnä‘ Frau: Wenn Sie bisher durchgehalten haben:


Was mag ich?

  • Bodenständigkeit. Seien Sie Sie selbst.
  • Das „rrrr“ in den Augen. Wenn ich sehe, daß Du ein „böses Mädchen“ bist, bin ich auch ein „böser Junge“. (Gott, war das grad kitschig…?!^^)
  • kinky. dreckig. böse.
  • schöne Augen. Die mir was erzählen. Ohne das auch nur ein Wort gesprochen wird.(ok, das war besser…)
  • wenn „Sie“ von selbst merkt, das mir in der Kuschelhaltung der Arm einschläft, und ich diesen dann wieder wach rütteln kann
  • Nagellack. Und sehnige, schmale Füße. Ich bin kein(!) 100%iger Fußfetischist, aber, selbst wenn Gnä‘ Frau „Fuß“ nix abgewinnen kann: Sind die schmal, (sehnig) und gepflegt, ist das schon mal ein (optionales) Plus. (aber bitte gewaschen. Ich hab vielleicht dreckige perverse Kinks, aber so schlimm isses dann auch nicht!)
  • wenn frau bockig ist – und sich (weil kink) gerne eine runterhauen läßt. „um zu spuren“. (das ist eine schöne Phanatsie, für die, die das mögen. Aber wie gesagt – ich kann auch ohne das. Ist ja nur ne Aufzählung, was ich mag, nicht was ich muß)
  • Schamhaare?! Hm ja. (das wird jetzt eine blödesten Sätze, die sie je auf JC gelesen haben, Achtung räusper… „je schlanker die Frau, desto mehr (gut getrimmt/gepflegten Bewuchs (kein Theresa-Orlowsy-Urwald! Bitte, wir sind nicht mehr in den 80ern!) find ich anregend – umgekehrt: je runder die Dame, destoweniger dessen.) Ich mache nicht zwangsläufig Konzessionen an die Figur. Wenn unsere Chemie stimmt, wir unser „Hirn ficken“, dann ist die Figur erstmal zweitrangig!. (Wenn Sie allerdings gertenschlank und blank rasiert sind, wäre ich der letzte, der sich beschweren würde!)
  • ich mag es, frau zu lecken. (mal ausgenommen, das steht auf der „geht gar nicht Liste“. Abdr grundsätzlich – und das muß ich einfach der Pflicht und Schuldigkeit -sowie meinem eigenen Willen nach- in Kauf nehmen: ich lecke gern. EGAL wie sehr ich mir davon einen steifen Hals hole. Aber wenn ich mirmir einen Blowjob wünsche/erhoffe/erwarten darf, dann wird auch zurückgeleckt. Eine Frau ohne Orgasmus ist Driss(wie wir im Rheinland sagen). (Ausgenommen davon Spielkonstellationen,wo „sie“ drauf verzichtet, kommen zu wollen/müssen. Ok. Das geht auch. Aber vom Grundsatz her- es soll beiden Spaß machen.

Was mag ich nicht?

  • frivoles Gehabe und nix dahinter
  • Dschungelcamp/Lets Dance und (meistens) die Zuschauer*innen dieser Sendungen/Sender.(Ausnahmen möglich – wie war das: magst du anal?)
  • Menschen, die nur Kulturradio und arte konsumieren. (ein bißchen bis viel Bildung ist ja ok, aber im Zweifelsfalle bin ich eher der Typ Eintopfgericht statt Schicki-Micki-Nobel-Restaurants. Wenn Sie also zufälligerweise Kunstgeschichte studiert haben sollten: Mädchen, dann mußt du schon verdammt gut blasen können…!)
  • „auch nur ein ONS zu sein“. (Ja, auch ich hab Gefühle. Also nicht „Gefühle“, sondern „Gefühle“. Dieses „nur einmal und niemehr wieder“ find ich doof. Wenns uns beiden Spaß gemacht hat, dann kann man das gerne auch mal wiederholen/ausbauen!)
  • militante Tanten. Ich rauche, und esse Fleisch. Ich verzichte gern auf beides während eines „Zusammenseins“ – und gehe auch notfalls in einen anderen Raum/auf den Balkon (ja genau, um eine Fleischwurst zu rauchen). Ich organisiere sogar laktosefreie Sojamilch, wenn es nötig ist. Aber versuche mich nicht zu bekehren. Wir sind keine Missionare. Und wegen der Missionarsstellung sind wir beide nicht hier, oder? ODER?
  • „Fernwartung“: was nützt es mir, wenn ich dir über 300km per WhatsApp die Anweisung gebe, daß du dich nackend hinknieest? Da hab ich nüscht von.

Ich bin ein Typ von „Live. Augenkontakt. DU und ICH. HIER.“
Ich bin nicht 1,80 groß und auch nicht reich.
Aber ich habe eine Männerschulter, in die ein „Mädchen“ paßt. Für eine Nacht, für eine Affäre oder (tja nun…mal sehen was sich ergibt).
Wenns paßt mach ich „aua“ UND Frühstück.
Ich habe vielleicht „nur“ einen deutschen Durchschnittspenis, aber dem Vernehmen nach eine „Stahlbetonlatte“. (Hier könnte ich eine Userin als Referenz angeben! – nach Absprache leite ich das gerne weiter, sofern frau sich einstweilen nicht selbst davon überzeugen möchte.) Einmal kommen reicht mir nicht.
Andere Userin… moment? Ähm..?
Ja, das hätte ich beinahe vergessen: Ich bin NICHT verheiratet, und habe KEINE Kinder. Versprochen!
Ich bin so ungebunden und „frei“ wie man(n) diesbezüglich nur sein kann.
Im Gegenzug respektiere ich aber, wenn eine Frau verheiratet ist und/oder Kinder hat. Das ist ok. Wer bin ich, das als Ausschlußkriterium zu benutzen. Aber wenn Du Interesse an mir haben solltest, dann mach bitte kurz vor knapp nicht noch nen Rückzieher.

Ich verspreche hoch und heilig! das ich „50 shades of Dingenskirchen“ weder gelesen noch als Film geschaut habe! Alles, was ich (bei gegenseitigem Einverständnis(!)) mache, mache ich nach Gefühl und aus dem Handgelenk.
Verschonen Sie mich bitte auch mit „der Herr leitet mich und gestattet es mir zu atmen“ – Gehabe. Du atmest, wenn dir die Luft dazu fehlt. Selbst wenn Du mir zu Füßen knieen solltest – wer bin ich denn, daß ich Dir ein Formular überreiche, das du in dreifachr Ausfertigung abzuzeichnen hast?!
Atme selbst! Und wenn du mich „Herr“ nennen sollen würdest, dann wirst du das von selbst merken, wenns soweit ist. Bis dahin hab ich einen Vornamen (den erfahren wir dann gegenseitig beim Cappuccino).
Spätestens, wenn du beimdeepthroat würgen mußt, wirst du mich von selbst „Herr“ nennen – wenn du das möchtest. Wenn das absolut nicht dein Ding ist, dann lassen wir das – und ich werd dir keinen Strick draus drehen. (Es sei denn, du stehst aus Strangulation – aber auch das ist eben „nur“ Verhandlungssache).

So – genug der vielen Worte. Wenn Du/Sie, Gnä‘ Frau gerade denkst: „Der Typ hat doch nen Sprung in der Schüssel?!“ – dann sind Sie hier genau richtig. Laß mich in Deine Augen schaun, Mädchen!

(einen Hinweis in noch (fast) eigener Sache: Als „Solo-Mann“ ist man auf diversen Portalen im Internet ohnehin das Geschmeiß dieser Erde. Ich möchte mich stellvertretend für meine Geschlechtsgenossen für die ganzen plumpen Sprüche, Kommentare, Anmachversuche und private Nachrichten entschuldigen. Diese „Heimwichser“ (zu denen ich rein technisch gesehen auch zähle) – wissen nicht, was sie tun. Aber es ist unwürdig.
Von daher werde ich mir persönliche Nachrichten wohl überlegen, und möglichst gut formulieren, bevor ich sie abschicke. Einzelne Rechtschreibfehler sind keine Dummheit, sondern der Aufregung geschuldet! (Als Mann zahlt man 79 € für 6 Monate! – Da ist man schon mal nervös, wenn man(n) frau anschreibt!).

So – jetzt aber. Ich bin ein Mensch. Mit Fehlern. Mit Erfahrung(en). Mit Höhen und Tiefen. Und „Mann“ bin ich nebenbei auch noch. Bei beiderseitigem Wohlgefallen sogar einer, bei dem man Spaß haben kann, und gut behandelt wird. Egal, wie lang es hält.
Ich bin ich.

M.

O.N.S. – oder: die Geister, die ich schlief.

ONS:

1.: Bezeichnung innerhalb des Konvoi-Geleitzugsystems der Alliierten während des zweiten Weltlkrieges im Nordatlantik für Geleitzüge langsamer Geschwindigkeit von Großbritannien nach Nordamerika. „Outbound from the British Isles to North America. Slowly.“

Orrr…Martin…schnarch. Verschone uns mit Seefahrtsgeschichte!
(mürrisches Augenrollen meinerseits)

2.: afrikaans für „wir“.
Schnarch! Verschone uns mit Sprachunterricht.
(unwirsches Papier-beiseite-gelege meinerseits. seufzen.)
Na schön. Da habt ihr doch drauf gewartet:

(das folgende bezieht sich nicht nur auf einmalige Treffen, sondern auch a) auf lange Antextungs-Prozesse vie WA oder telegram, die nie einen physischen Abschluß gefunden haben, als auch b) auf Treffen, die sich einige wenige Male wiederholten, dann aber „eingeschlafen“ sind).

3.: One-Night-Stand.
eine im Prinzip einmalige sexuelle Begegnung„. Soweit das Lexikon.

Wenn ich zu einer Frau sage, „Mädchen, du bist einmalig!“, dann sehr vereehrte Damenwelt, is it not intended to be an One-Night-Stand, its more or less a compliment. An apprecitaion of your very personality, for gods sake! My choice of words may sometimes seem to be over-classical – aber verfickt und zugenäht: Eben weil ich wohl dem feedbäckischen Vernehmen nach so gut mit Worten umgehen kann (oben wie untenrum), schauen wir uns jetzt in die Augen. Apropos meine Augen: Die hab ich „nur“ genetisch so geerbt, aber es freut mich, wenn sie euch gefallen. Nur aber eben dazu muß man mir auch in die selbigen schauen. Live. Face to face.

Wo bleibt die Wertschätzung des einzelnen menschlichen Sexualkontakts?
Ist es nicht so, als umgäbe jedes Paar, das miteinander schläft, eine kleine (zärtliche) „Aura des Heiligen“?
Aber vielleicht ist es eben diese Zerbrechlichkeit. Vielleicht bin ich als Historiker zu sehr eine Persönlichkeit, die sich mit vergangenen Momenten beschäftigt.
Aber als guter Historiker möchte ich vergangenen Momenten nicht nur gedenken – eingedenk guter Museumsdidaktik möchte ich vielleicht die Momente bewahren, das Feuer am brennen erhalten – wieder erlebbar zu machen. Und vielleicht scheitert mein gut gemeinter geistiger Anspruch an den liderlichen, flüchtigen Realitäten; who knows -.-

Wieviele Ehemänner habe ich schon gehörnt, in dem ich ihre Frau gefickt habe?
Wievielen (kleinen) Kindern habe ich die Mama für eine oder mehr Nächte „entführt“, in dem ich sie festgebunden, geschlagen und in den Arsch gefickt habe?
Wie oft steckte hinter der „Freundin, die ich besuche, Papa/Oma/Opa/[andere Freundin] passen heut auf dich auf“ meine Wenigkeit?
Und was ist mit den Unabhängigen? Den Frauen, die es sich, ohne Rücksicht auf irgendjemand nehmen zu müssen, leisten konnten?

Alle sie haben gegen das oberste Gebot der Vernunft (und des güldenen Buches, aber das nur nebenbei) verstoßen:
das erste(!) (Blinddate) Treffen mit dem Kerl.
Bei ihm zu Hause.
Mit Aussicht auf sexuelle Handlungen.
Und zwar solchen, die das bürgerliche Normalmaß überschreiten.
SOWAS TUT FRAU NICHT.
(Ophelia und die anderen Erklärbärchen haben mit den, diese Umstände betreffenden, Warnhinweisen absolut recht. Nur: Ausgerechnet ich „ernähre“ mich von diesen seltenen, ungehorsamen Ausnahmen. Ich kann nämlich nicht von meiner kleinen Insel hier raus. Ich bin auf mutige Frauen angewiesen.) ( I know, thats deep)

Und dennoch: sie waren hier. Übernachtung mit Frühstück.
ES GIBT KEINE VIELFICKER-BONUSMEILEN. Hinter meinen was auch immer-bei-Frauen-auslösendenen Augen sitzt nämlich ein reichlich ernster Geist, der jeden einzelnen Menschen, jede einzelne Frau, die ich „kennenlerne“ (in Schlafzimmer-hafter Bedeutung des Wortes) als einzele, wertzuschätzende Person wahrnimmt.
Wir haben uns doch geschrieben. Ich weiß leidlich um Deine Lebensumstände bescheid. Wir haben vielleicht sogar telefoniert. Uns Bilder geschickt. Ich weiß, wie du aussiehst, was du machst, was dich umtreibt. Weil ich dich als Mensch wertschätze – und ja. Auch: Weil ich dich attraktiv finde, und mit dir schlafen möchte/wollte.
Niemand, NIIIEEEMAND wird, hier in meinem Kopf als „abzuhakender Fick“ betrachtet. Das wäre unmenschlich, barbarisch, und unter meiner – und vor allem: Unter Deiner Würde.
Denn es wohnt dem Beischlaf zweier Menschen eine unveräußerliche Würde inne. Sie ist nicht revidierbar (rückgängig zu machen), nicht negierbar (zu verneinen) und nicht verhandelbar.
Sie ist wahrhaftig.
Weil sie aber „wahrhaftig“ ist, also wahr, und haftend, unsauslöschbar:
WARUM ZUM GEIER habe ich das Gefühl, als ich betrachte alte schwarz-weiß Fotos, die vor meinen Augen immer mehr verbleichen und zu Staub zerfallen?

Und die, die nicht hier waren: Wir haben uns geschrieben. Uns ausgetauscht. Uns angenähert. Sind intim geworden, soweit es Worte und Bildnachrichten zulassen. Wir leben im 21. Jahrhundert – da ist eben vieles digital und nicht analog real. Aber dennoch. Wir waren uns nahe. Du warst feucht und er war hart. Weißt du noch???
Warum ist das nun alles weg? Allein aus der Angst heraus, selbst keine austauschbare Nummer zu sein, bist du es für mich auch nicht. Aus Respekt, Anstand und Würde.
Aber warum ist es dann so still geworden?

Was ich akzeptieren kann, ist, wenn Du Dein Glück gefunden hast. No problem with that. Da bin ich der erste, der aus Achtung und Anstand heraus wieder artig zurück ins Glied tritt.
Ich möchte, das es Dir gut geht. Eben, weil ich Dich wertschätze.

Was ich aber nicht verstehen kann, was mich schmerzt, ist dieses Gefühl, einem Geist begegnet zu sein.
Wie zwei Schiffe, die sich (in mitten eines Sturmes) auf dem Ozean angenähert haben. Auf Funkkontakt, oder gar auf Sichtkontakt. Und sich dann einfach wieder aus den Augen verloren haben.
Dieses…. „wieder verschwinden“… einfach so. Es erinnert an einen tragischen Schiffuntergang. Ohne Überlebenden.
Herrgottnochmal – wir haben miteinander geschlafen!
Wir haben mit einander geschrieben. Bilder ausgetauscht. Obenrum und untenrum.
Und nun sinkt das ganze stumm unter Wasser. Als wäre nie etwas gewesen.
Bildlich gesprochen suche ich die Wasseroberfläche ab. „Was war das denn? Einfach so weg? Verschwunden? Spurlos? War das eine Fata Morgana?“

„DREI WOCHEN MITEINANDER SCHREIBEN – du kommst zu mir – wir verbringen eine Nacht miteinander – und dann: Schwupps. Aus. Nichts mehr.“
Man gestatte mir an dieser Stelle ein vulgäres Wort:
Das ist doch Scheiße?!

Ich dachte immer Mädchen seien emotionaler reifer als Jungs.
Tatsache ist, das die Mädchen erwachsene Frauen sind und ich bin ein erwachsener Mann.
Und trotzdem: ich bin verbittert, traurig und enttäuscht. Und allein.
Ich hasse es.
In meinem Inneren gibt es eine Art „Ablagesystem“. Es nennt sich „die Straße nach Capua.“
Im im ditten Teil „Caius“-Trilogie wird die antike Straße von Rom nach Capua beschrieben: Ein Mausoleum reiht sich links und rechts an das nächste.
Und in meinem Inneren gibt es eine ebensolche Straße. Doch hier werden keine toten Menschen begraben. Eher Erinnerungen aufbewahrt.
Für jede Frau eines. Mit all den Textnachrichten, Sprachnachrichten, den Bildern, den gemeinsamen Nächten. Jede einzelne bekommt ihr eigenes Mausoleum.
Zur Aufbewahrung, nicht zur Bestattung.
Ich begrabe nicht.
Sowas begräbt sich leider von selber.

Ich möchte Dich (wieder) sehen. Einmal (resp. nur mal heftig miteinander schreiben) ist mir zu billig.
Verzeihe mir, wenn ich nicht die Kraft hatte, mich „schnell genug“ wieder von selbst zu melden.
Aber vergessen habe ich Dich nicht.

Vielleicht spricht so vieles gegen mich – aber, wenn es etwas gibt, das ich auszeichnet, so möchte ich behaupten, so ist es mein Gedächtnis und meine Wahrhaftigkeit.
Beliebigkeit ist mir fremd.

Das heißt nicht, das ich dich heiraten möchte. Das heißt auch nicht, das ich mir ein Leben mit dir vorstelle. Aber diese ungezwungene Art unseres Zusammenseins – dieses kleine Fünkchen Leichtigkeit, das fehlt mir.
Und ich habe Angst, das es dir nicht fehlt.

Ich möchte nicht jeden One-Night-Stand meines Lebens wiederholen.
Aber für die meisten gilt:

Warum war das nur einmal? Hätten wir uns nicht noch ein klein wenig mehr zu geben gehabt?
Wahrscheinlich bin ich ein Romantiker. Denn es beschleicht mich die Angst, du hast mich längst vergessen.

[Nachtrag-Block zur selbstkritischen Ergänzung:
Mir fehlt bisweilen die schiere Kraft, das Selbstvertrauen und die Zuversicht, mich von mir aus wieder zu melden. Denn um keinen Preis der Welt möchte oich als ein Typ dastehen, der „um einen Fick bettelt“. Das ist mir zuwider, und ungeachtet sämtlicher gemeinsam vorhandener Phantasien: Das ist nicht meine Art. Ich mag einfach aus Anstand heraus nicht stören wollen. Und manchmal, da fehlt mir einfach auch die Kraft dazu. Weil auch ich nur ein Mensch bin, mit seinen eigenen Sorgen und Nöten. Aber weißt du… unser gemeinsames „Bild“ – so schwarz-weiß und verblichen es auch sein mag… ich habs noch. Ich bewahre es auf. Es ist nicht vergessen. Denn ich bin Martin, der Historiker. Ich lege selbst so emotionale Dinge wie diese unter einem Aktenzeichen ab – nicht um zu vergessen, sondern um dich wiederfinden zu können.
Aber während ich so stumm und nachdenklich die Aktenzeichen meines WA-Nachrichten rauf und runterscrolle, habe ich so große Angst, du seiest nur ein Geist, den ich mir eingebildet habe.
Und ich sei nicht mehr als ein Geist, den du schon längst vergessen hast.]

Martin.

Jens und die zwei Kreuze am Wegesrand

Jens fuhr mit seinem Leihwagen die Landstraße entlang, die aus dem Dorf Wiezethal in Richtung der Kreisstadt Müssen führte. Das ständige wubbeln des Kopfsteinpflasters erinnerte ihn an seine Jugend in der DDR – wie so vieles hier in diesem Scheißland. Die vorsintflutliche Telefontechnik, das formelle Gehabe, die Uniformen im Straßenbild – er begann seine Entscheidung zu bereuen, mit seiner Familie hier für ein Jahr zu wohnen. Aber nun war es nicht mehr rückgängig zu machen. Jens hatte Heimweh in das 21. Jahrhundert im vollvernetzten Smarthome im Berliner Speckgürtel.
Und dann immer wieder dieses scheiß Kopfsteinpflaster, das ihn daran erninnerte, wo er gerade war….
*wubbel wubbel wubbel wubbel…*

Dann entdeckte er etwas am Wegesrand, das es in der DDR so nicht gegeben hatte, allenfalls im Eichsfeld kurz vor der Wende: Ein geschmücktes Wegekreuz.
Jens fuhr nicht extra langsamer deswegen, aber die Straßenbiegung und zwei, drei Schlaglöcher erlaubten ihm ohnehin nicht schnell zu fahren. So konnte er erkennen, das auf dem Kreuz in Frakturschrift geschrieben stand: „Jesus! Maria! Josef! Bittet für uns Sünder!“.
Vor dem Kreuz brannte eine kleine rote Kerze, wie sie sonst auf Friedhöfen zu finden sind, und offensichtlich hatte auch jemand frisch gepflückte Blumen an dem Kreuz niedergelegt.
„Dreckskatholiken.“ brummte Jens nur. Es war ihm unverständlich wie diese Leute hier, wie überhaupt ein denkender Mensch, an Gott glauben konnte oder gar sich religiösen Praktiken hingeben konnte.
Aber nach allem, was er bisher in diesem Land erlebt hatte, stand er mit dieser Ansicht allein auf weiter Flur.

Die Straße machte eine Biegung, und er gerade mal 300 Meter weiter gefahren, als er abermals ein Kreuz am Wegesrand sah.
Aber das hier war definitiv anders. Der Anblick ließ ihn erst stutzen, und um dann schockiert in die Eisen zu steigen, und seinen Wagen anzuhalten.
Denn dieses Kreuz hier war nicht klein und aus Stein, sondern groß und aus Holz.
Und offenbar war ein nackter Menschenkörper an ihn gefesselt. Eine nackte Frau, um genau zu sein.
„What-the-fuck?!“ fluchte Jens, als er aus dem Auto stieg.
Die nackte Frau am Kreuz war mit dem Rücken zur Straße an beiden Handgelenken an den Querbalken des Kreuzes gefesselt, die Fußgelenke waren mit einer Spreizstange fixiert.
Jens hastete über die Straße, und eiligen Schrittes erklomm er die 4 gemauerten Stufen der Böschung hoch zu dem Kreuz. Die vier Quadratmeter um das Kreuz herum waren sauber gepflastert, und der senkrechte Balken war in einer akkuraten Halterung im Boden verankert. Es schien sich als um eine dauerhafte Einrichtung zu handeln.
Wie Jens nun erkennen konnte, war der Rücken und der Hintern der Frau über und über mit blauen Flecken und roten Striemen übersäht, zu dem war mit schwarzem Filzstift das Wort „Fickvieh“ auf die Steißregion geschrieben. Und -Jens wollte gar nicht so genau hinsehen- offensichtlich steckte der Frau ein Plug um Anus.

Trotz seiner atheistischen Überzeugung entwich Jens ein „um Gottes Willen!“. Die Frau schien sich nicht zu regen, er befürchtete schon, sie sei tot. Er beugte sich zu ihrem Gesicht, und rüttelte an ihr. Jetzt erst sah er, das sie auch einen Gagball im Mund hatte. Sofort griff er nach dem Riemen, um diesen zu lösen, so das die Frau -seiner Meinung nach- frei atmen und sprechen konnte.
Die Frau, Jens schätzte sie auf Mitte dreißig, erwachte aus ihrem Dösen, und öffnete die Augen.
„Hey..hallo!…Alles in Ordnung? Warten Sie, ich mache sie los!“ sprach er hastig, und machte sich nun an den Karabinerhaken an den Handgelenken der Frau zu schaffen.
„Benutzen Sie mich, mein Herr!“ wisperte sie, und senkte demütig ihren Kopf.
„Was?!“ Jens begriff nicht. „Hören Sie, ich mache sie los und dann rufe ich die Polizei! Und einen Krankenwagen!“
Jetzt wurde die Frau stutzig. „Nein! Benutzen Sie mich, mein Herr oder fahren Sie weiter!“
„Hören Sie, ihr Rücken ist voll mit blauen Flecken und Striemen. Sie müssen zu einem Arzt! Sie haben doch sicher Schmerzen!“
„Ja…. die habe ich!“ hauchte die Frau – allerdings mit einem grundzufriedenen Lächeln im Gesicht, das Jens nicht zu deuten wußte.
Er werkelte weiter an dem Karabinerhaken am linken Handgelenk herum, und endlich hatte er ihn auf.
„Lassen Sie das!“ schrie die Frau. „Ich will nicht. Und ich darf nicht!“
„Was?!“
„Mein Herr hat mich hier heute zur öffentlichen Benutzung ausgestellt. Sechs Stunden soll ich hier für Herren zur Verfügung stehen!“
Jens wich erschreckt einen Schritt zurück.
„Außerdem sind Sie ganz nackt! Ich werde ihnen solange eine Decke aus meinem Auto holen!“
„Unterstehen Sie sich! Meine Kleider liegen da vorn in einer Sporttasche, und da bleiben Sie auch! Ich bleibe nackt!“
Jens sah die Sporttasche unweit des Kreuzes im Gras liegen.
„Was?! Hier an einer öffentlichen Straße, am hellichten Tag? Das ist doch krank!“
„Nein. Mein Herr will es, und ich will es auch. Ich bin sein Fickvieh, und ich lasse mich benutzen, von jedem, der hier vorbei kommt.“
Angeekelt wich Jens noch einen Schritt zurück. Er sah nun, das die Spreizstange mittels einem Vorhängeschloß fest an einem Bodenring verankert war, ebenso die Fesseln der Fußgelenke mit der Spreizstange. Ohne einen Bolzenschneider -den er nicht dabei hatte- würde er die Frau nicht befreien können.
„Aber…aber…Es kann Sie doch kein Mann hier einfach so öffentlich für sexuelle Handlungen ausstellen?! Das ist Mißbrauch! Ich hole die Polizei!“
Jetzt wurde die Frau richtig zornig. „Ich bin eine erwachsene selbstbestimmte Frau und möchte wieder an das Kreuz gefesselt werden, verfickt und zugenäht!“ fluchte sie. „Wenn mein Herr mich hier ungefesselt antrifft, dann bekomme ich Ärger! Und jetzt haken Sie meine Arme gefälligst wieder fest!“
„Ich werde dafür sorgen, das ihr „Herr“ Ärger bekommt! Ich hole die Polizei!“
Jens war es leid, weitermit dieser -für ihn offensichtlich irren- Frau zu diskutieren, und sprintete zurück zum Auto. Da es in diesem Land noch kein ausgebautes Handynetz gab -zu diesem Zweck war er ja schließlich hier- blieb ihm nichts anderes übrig, als zur nächsten Polizeiwache zu fahren, und den Vorfall zu melden.
Er achtete auch nicht darauf, das die Frau hinter ihm her rief: „Machen Sie mich wieder fest! Verfickte Scheiße!“

Eine Viertelstunde später, Kreisstadt Müssen.
Jens parkte den Wagen am Bahnhof. Er war den Schildern „Reichsbahnhof“ und „Polizeiinspektion“ gefolgt, und hatte sich bei jedem Schild knurrend über dieses Land und seine scheiß Schilder aufgeregt.
Hinter dem Bahnhof sah Jens aus dem Augenwinkel einen Zug den Bahnhof in Richtung Wiezethal verlassen. Mit immer schnellerem „wuff-wuff-wuff“ blies die Lokomotive grau-schwarze Wolken in den Himmel, vier grüne Personenwagen hinter sich herziehend.
Das Polizeirevier lag gegenüber des Bahnhofs, und Jens eilte im Laufschritt darauf zu.
Drinnen angekommen, war nix mit Sicherheitsglas und Sprechschleuse: Er stand direkt in einem großen Büro mit Tresen. Hinter diesem saßen uniformierte Polizisten (Uniformmodell wie man es in Ost und West bis in die 60er Jahre noch kannte: „Reichswehr-light mit Tschako“) an Schreibmaschinen und hämmerten dienstbeflissen in die Tasten.
Der Polizist, der sich erhob, um nach Jens begehr zu fragen, erinnerte diesen vom Aussehen eher unfreiwillig an den SS-Offizier Vogel aus dem Indiana-Jones Film Teil 3.
Jens schilderte, was er soeben erlebt hatte. Der Polizist hörte ihm ruhig zu, und meinte, als Jens geendet hatte: „Tja. Und was sollen wir jetzt ihrer Meinung nach tun?“
„Äh…wie bitte?! Da ist eine nackte Frau mit deutlichen Mißbrauchspuren am hellichten Tag an einer öffentlichen Straße festgekettet, und Sie fragen mich allen Ernstes, was Sie nun tun sollen? Die Frau befreien, natürlich!“
Jens war fassungslos.
Der Polizist hingegen seufzte. „Sie sind Ausländer, wie ich vermute?“
„Ja, ich bin aus Deutschland.“
„Dachte ich mir. Dann hören Sie gut zu, guter Mann: Das, was sie eben gesehen haben, ist eine von mehreren öffentlichen Prangern in unserem Landkreis. Diese Plätze sind extra für solche Zwecke ausgewiesen und behördlich zugelassen. Anstatt panisch zur Polizei zu laufen, hätten Sie die Frau einfach ficken können.“
Der Polizist hatte dies so furztrocken ausgesprochen, das es Jens die Sprache verschlug.
Er stand mit offenem Mund da. „Das…das darf doch wohl nicht wahr sein.“ stammelte er endlich. „Das heißt, sie unternehmen jetzt gar nichts?!“
Der Polizist rollte mit den Augen und seufzte. „Wenn Sie drauf bestehen, schicken wir eine Streife vorbei, und schauen nach dem rechten.“
„Das ist ja wohl das mindeste!“ flüsterte Jens mehr in sich selbst hinein, und setzte ein „Ich bitte darum!“ dem Polizisten als Antwort hinterher.
Reichlich verstört verließ er das Polizeirevier.

Kurze Zeit später am Prangerkreuz:
Ein Streifenwagen hielt am Straßenrand, und zwei Polizisten stiegen aus. Sie gingen gemächlich die Stufen zu der gefesselten Sub hinauf, die noch immer mit ihrem freien linken Handgelenk haderte. Das rechte hatte sie sich selbst wieder am Querbalken des Kreuzes einklinken können, aber logischerweise blieb dann das linke ungefesselt. „Das gibt Ärger, wenn ER wiederkommt.“ hatte sie mehrfach in sich hinein geseufzt und gehofft, das, bevor ER wiederkommen würde, noch Rettung nahte. Den Gagball hatte sie sich selbst wieder in den Mund stopfen können, leider saß er nicht mehr so fest wie zuvor.
Und diese Rettung kam nun in Gestalt der beiden Wachtmeister.
„Guten Tag, gnä‘ Frau. Die Polizei!“
„Orrr.“ die Frau rollte mit den Augen, und drehte den Kopf in Richtung der beiden Gesetzeshüter. Genervt nahm sie den lockeren Gagball wieder mit ihrer freien linken Hand aus dem Mund.
„Bevor Sie fragen, mir gehts gut, danke! Der Spinner hat sie geschickt, oder?“
Mit einem leichten Lächeln im Gesicht antwortete einer der beiden Polizisten: „äh…ganz recht, gnädige Frau, wir sind gerufen worden, um hier nach dem rechten zu sehen.“
„Wie ich schon sagte – mir gehts gut. Ich benötige keine Hilfe!“
Die Polizisten sahen sich schulterzuckend an. „Tja dann… fahren wir wieder.“
„Ach… eins wäre da doch noch, meine Herren: Wenn Sie bitte die Güte hätten, und mein linkes Handgelenk wieder einklinken würden? Und den Gagball wieder festziehen könnten? Ich bekome sonst Ärger mit meinem Herrn, wenn er mich so ungefesselt hier vorfindet.“
„Aaaber selbstverständlich gerne, gnä‘ Frau!“ einer der beiden Polizisten trat an sie heran, und klinkte ihr linkes Handgelenk wieder am Querbalken ein.
„Die Polizei, dein Freund und Helfer…die Herren Wachtmeister dürften mich auch gerne benutzen, wenn Sie wollen.“
Nun mußte der andere Polizist kurz auflachen. „Ansonsten gerne, gnä‘ Frau, aber wir sind leider im Dienst!“
Und mit den Worten „…aber wir helfen wo wir können!“ stopfte er ihr den Gagball wieder in den Mund und zog den Riemen fest.
Beide Polizisten knallten zum Abscheid die Hacken zusammen, salutierten freundlich, stiegen wieder in ihr Fahrzeug und fuhren von dannen.

Es vergingen noch anderthalb Stunden, bevor ein schwarzer BMW am Prangerkreuz hielt. Ein Mann stieg aus, ging die Stufen hoch zum Prangerkreuz. Mit einem Lächeln im Gesicht trat er langsam an die Frau heran. Mit einem festen Schlag der der rechten Handfläche auf ihre linke Pobacke holte er sie aus ihrer Trance.
Sie wußte sofort: Das war ER, der sie abholte.
Er genoß es sichtlich, ihr ganz langsam die Fesseln zu lösen, die Schlösser zu öffnen, und ihr zu guter letzt den Gagball aus dem Mund zu nehmen. Demütig wagte sie es nicht zu ihm aufzublicken, bevor er sie nicht angesprochen hatte.
Sie zitterte am ganzen Leib – nicht vor Kälte sondern vor Ergebung und Hingabe.
„Na, kleines…. wie war dein Tag?“ fragte er sie, als er sie in die Arme schloß.
„Mein Herr…“ hauchte sie erst. „Ich durfte heute vier Herren zur Verfügung stehen, mein Herr!“ seufzte sie demütig und zufrieden.
„Gut gemacht, Mädchen. Ich bin stolz auf dich!“ er küßte sie auf die Stirn, und sog den Geruch ihrer Haare ein.
Doch dann reckte sie ganz selbstbewußt den Kopf nach oben, und sprach: „Und da war noch ein Idiot der mich losmachen und befreien wollte! Stell dir vor, der hat sogar die Polizei gerufen. Die Wachtmeister mußte meine linke Hand und den Gagball wieder festzurren!“ demütig senkte sie wieder ihren Blick.
„Was? Du warst ungefesselt?“
„Nur kurz. Ich konnte nichts dafür. Meine rechte Hand und den Gagball habe ich versucht so gut es ging wieder festzumachen. Verzeihung, Herr!“
„War das ein Snöfländer?“ fragte er sie mit zweifelndem Blick.
„Nein, ein Ausländer. Er dachte wohl ernsthaft, ich sei gegen meinen Willen hier.“
„Hm…dann war es nicht deine Schuld. Aber vier Herren hast du dienen können können, sagst du?“
„Ja Herr.“
„Gut gut…“ lächelte er. „Das freut mich und erfüllt mich mit Stolz. Zur Belohnung darfst du heute Nacht neben meinem Bett schlafen!“ Abermals küßte er sie auf die Stirn.
Überglücklich antwortete sie mit einem „Danke, mein Herr!“
„Ich liebe dich, kleines!“
„Ich liebe dich auch!“ sagte sie nun, auf die Anrede Herr verzichtend.
Die beiden glücklichen Herzen stiegen in den Wagen – sie verzichtete sogar darauf, sich anzuziehen. Sie genoß es, nackt neben IHM im wagen zu sitzen.
Auf dem Rückweg hielt er noch kurz an dem anderen Wegkreuz – während sie im Auto wartete, sprach er ein kurzes Gebet, zündete eine neue Kerze an – und dann fuhren sie nach Hause, wo er seine Sub als zusätzliche Belohnung für den Tag zu bekochen gedachte.

Der dunkle Tempel – Teil 1

Der dunkle Tempel – der Verbleib der beiden Bücher (Teil 2)

Kapitel 1

Ich stand also vor einem riesigen Berg von Zucchini – und Weitwinkel reichte mir die zwei Bücher, die er als Geschenk für mich von dem „alten Mann in den Bergen“ mitbekommen hatte.
Das eine Buch war lediglich als „Lösungsbuch“ betitelt. Ich schlug es auf, und mußte schon nach den ersten Zeilen feststellen, das ich hier etwas sehr gefährliches in den Händen hielt. Zur Lösung der Probleme der Welt standen da Dinge wie: „Atomschlag auf Peking, Shanghai, Singapur, Bombai und Jakarta“. Zweck: Reduktion der dortigen Bevölkerung und Destabilisierung der staatlichen Ordnung.“
Oder an anderer Stelle: bewußte wirtschaftliche Abkanzelung islamischer Staaten. Flüchtlingsströme mit Waffengewalt eindämmen. Der Islam ist ökonomisch wertlos. Die Menschen in arabischen Ländern sind charakterlich zu impulsiv und daher nicht zu Intellektualität fähig…“
Ich klappte diese „Analyse“ umgehend zu, und reichte es Kerstin. „Guck du mal rein. Und sag mir, was du davon hälst.“
Das war menschenverachtender rassistischer Mist. Mochte ja sein, daß das von rationalen volkswirtschaftlichen Parametern her gesehen… aber nein, nein nein! Weg damit!
(Wo dieses Buch dann schließlich gelandet ist, steht ja im zweiten Teil der Pentalogie)

Dann wandte ich mich wieder an Weitwinkel. „Und das andere Buch? Was hats damit auf sich?“
„Ähm..das..mümpf…konte ich nicht öffnen…es hat sieben Siegel…aber es ist goldfarben. Mümpfennämlich!“
Oha! Er reichte mir einen goldfarbenen Wälzer. Unweigerlich riß ich meine Augen auf: Da stand in schwarzen Lettern auf güldenem Grund: „Die verbindlichen Regeln des BDSM. So und nicht anders wirds gemacht!“
Ich ersparte mir, in dieses Buch einen Blick zu werfen. „Weitwinkel!“ brauste ich auf. „Wissen Sie, was Sie mir da geben?“
Erschrocken für mein Reichskassenwart zusammen, und legte ängstlich seine langen Löffelohren an.
„Äh…nein…mümpf…“
„Dieses Buch hier..“ ich hielt es ihm eindringlich unter seine Stupsnase „…dieses Buch existiert nicht! Verstehen Sie? Es gibt dieses Buch nicht!“
Verwirrt folgte sein Blick meiner Hand und dem güldenen Buch, das ich mit ihr festhielt.
„Aber…aber… mümpf…sie halten es doch in der Hand, Chef… mümpfenhää?“
Ich seufzte.
„Das Buch hier, muß verschwinden. Dafür werde ich sorgen. Es darf nicht in die falschen Hände gelangen!“
„Hab ich etwas falsch gemacht? Mümpf?“ Weitwinkel legte seinen Kopf in die Schräge.
„Nein, mein lieber Weitwinkel. Eigentlich haben Sie alles richtig gemacht. Gut, das dieses Buch hier ist, und nicht woanders!“ versuchte ich ihn zu beruhigen.
Untersdessen hatte Kerstin das „Lösungsbuch“ überflogen.
„Du…Martin… das Teil hier sollte auf jeden Fall ebenso verschwinden und nicht in falsche Hände geraten. Das ist menschenverachtend!“
„Das war mir nach den ersten Zeilen klar. Wer denk sich bloß son Schwachsinn aus?“
„Das ists ja eben. Das ist nicht ausgedacht. Laut der Inhaltsangabe haben das Großcomputer errechnet. Zielparameter Weltfrieden und eine gesunde Natur.“
„Zu erreichen, in dem man Atombomben wirft, und Millionen von Menschen tötet?“
„Und den Papst.“
„Was ?“
„Hier steht, das nicht nur der Islam sondern generell sämtliche Religionen unlogisch sind. Daher seien sie abzuschaffen.“ sie sah mich betroffen an.
„Das Ding muß weg, Kerstin. Wenn das einer in die Finger bekommt, der die nötigen Mittel und Wege hat…“
„Dann herrscht nicht Frieden sondern Grabesruhe und eine brave-new-world aus digital gläsernen westlichen Konsumenten bevölkert die Welt.“
Ich sah sie ratlos an. „Was nu?“
„Ich werds in den Sumpf verfrachten lassen. Da kommt keiner mehr dran.“
„Gut. Dann werd ich mich um dieses Buch hier kümmern!“ ich wippte das güldene Buch mit der rechten Hand in Weitwinkels Richtung.
„Was für ein Buch? Mümpf?!“
„Ich sehe, Sie verstehen mich, Weitwinkel. Was gedenken Sie jetzt zu tun – neben all diesen Zucchini wieder in die Remise zu räumen?“

„Ich wollte eigentlich mit Frau Chamäleon nach Wien fahren. Herr Seyffenstein hält demnächst ein Fortbildungsseminar ab: „Wie regiere ich als rechte Hand meines Souverän denselben, ohne das er es merkt?“. Da wollten wir hin. Fortbildung ist sehr wichtig, nämlich!“
Kerstin bekam im Hintergrund einen Lachflash.
„Rrrrrichtig! Wäätwinkl… Wir ham erst dies güldene Bichl zum verstecken!“
„Äh…mümpf…ja.. hm.“
„N oisdann, Wäätwinkl… gebns uns an Rratschlog!“
Der Gefragte kam nicht zum antworten.
„Martin..warum näselst du so wienerisch?“ Kerstin wischte sich die Lachtränen aus den Augen.
Ich war irritiert. „Was? ist mir gar nicht aufgefallen. War wohl ein Reflex.“
„Was ist mit Reflexen?“ wir drehte uns um – da kam Chamaelita um die Ecke der Remise gegangen.
„Hi Chamaelita“ begrüßte Kerstin sie. „Martin war grad größenwahnsinnig vernäselt.“
„Das ist ja nichts neues…!“
Und zu Weitwinkel gewandt sagte sie: „Hier, Ihre Karotten, lieber Herr Weitwinkel!“
Mit einem „Ohh dankepfön!“ nahm er ein Bündel Möhren aus Chamaelitas Händen in Empfang.

„Arbeitest du jetzt hierbei Weitwinkel als Gärtnerin?“ fragte ich.
„Öh nee…ich helf dem lieben Herrn Weitwinkel nur etwas aus. Wir wollen nach Wien fahren, zu einer staatsrechtlichen Fortbildung.“
„Ich habs gehört.“ brummte ich.

Kapitel 2

Ich hatte vor einiger Zeit eine Spam-Nachricht auf Instagram erhalten „Join the Illuminati and become rich & famous“ etc. – und den entsprechenden Screenshot auf twitter gepostet.
Darunter entbrannte dann eine, durch mich auch mit befeuerte, Diskussion, die Subkultur des BDSM doch in eine Art freimaurerischen Loge zu übertragen. Es wurden verschiedene Namen im Scherz hin und her überlegt – mein Vorschlag „der dunkle Tempel“ konnte sich nicht recht durchsetzen, wohl aber das Motto, der Wahlspruch. Inspiriert durch die großartige KAOZtaco und ihre „we trust“-tweets, kam ich auf den simplen Satz „in kink we trust“. Na wenn das kein Motto ist?!
Und die Idee wurde weiter gesponnen: Warum denn nicht ein (genossenschaftlich) finanziertes Open-Air-Spielgelände für uns? Kein Club, für den man Eintritt bezahlt. Sondern eine Art Grundstück, auf das alle BDSM-interessierten twitterer können, wenn sie nur hinkommen. Zum Selbstkostenbeitrag. Ein Vereinsheim für den „Freundeskreis alternativer Kellernutzungskonzepte e.V.“

Meine Planungsstellen hatten offenbar zu viel Zeit und Phantasie, denn sie nahmen sich der Idee an.
In besagtem Twitter-Thread war auch die Standortfrage überlegt worden: Ich konnte immerhin mein Dorf, nahe der A61, anpreisen. relativ gut zu erreichen. Nur halt für Besucher aus dem anderen Ende der Republik sehr weit weg – aber das hat man ja bei twitter öfters.
Und da ich ja mal was studiert habe, erschien mir der Grundriß einer konstantinischen Umgangsbasilika als der passendste. Allerdings miit großen, dunklen Sandsteinquadern in der äußerlichen Optik der Porta Nigra.
Soviel Zeit muß sein. Wenn schon ein Mundorf ist am gestalten, dann tut er auch aus dem vollen walten. Gedacht, gesagt, getan. Es dauerte keine zwei Monate, da hatte unsere Baugesellschaft „Bausteine & Geerden“ ein entsprechendes Bauwerk hochgezogen. Eine künstlich angelegte Ruine einer Umgangsbasilika.

Natürlich mit allem pi-pa-po und Schnickschnack. Eine Art „Vereinsheim“ für die BDSM-twitterer. „Inklusive Schlechtwetterraum“ samt Bühne, sanitäre Anlagen (Dusche und WC), Grillplatz und Wasser und Stromanschluß. Das betreffende Nebengebäude versprühte den architektonischen Charme eines katholischen Pfarrgemeinschaftshaus in der Eifel – funktional, aber mit einer gewissen brutalen Liebe zur Behaglichkeit gesegnet.
Im wahrsten Sinne: Denn im „Hauptgebäude“, der Basilika-Ruine, gab es vorne auch eine Art von „Altar“. Ein aus schwarzem Basalt gemauerten Block. Genau genommen ein Bock: denn er sollte zukünftig dazu dienen, eine Sub drüber zu binden. Und so war er auch geformt, d.h. oben abgerundet und an den Seiten mit Befestigungsschlaufen versehen. Der Altar des BDSM.
Ich bekam ehrlicherweise etwas Muffensausen, vor so viel Mysthizismus. Aber andererseits: Man kann ja nicht aus seiner Haut. Ich auch nicht.
(nun könnte man klugscheißenderweise einwenden, das Umgangsbasiliken als überbaute Nekropolen eigentlich keinen Altar hatten, aber ich will die Architekturgeschichte des frühchristlichen Kirchenbaus nicht überstrapazieren).
Jedenfalls: vorne in der Apsis stand der schwarze Bock. Aus Basalt. Und wartete darauf, das die erste Sub drüber gebunden wurde.
Die große Einweihungsfeiersession stand an.

Während der große „Innenraum“ eigentlich nur ein nach oben offener Hof war, so waren in den Mauerfundamenten aus Basaltquadern halbrunde vergitterte Nischen gebaut worden, ca. 3x 4 m groß. Wie Gefängniszellen in amerikanischen Filmen – nach vorne, d.h. zum Innenhof nur durch das Gitter getrennt. Als mehr oder weniger private Separees oder Verliese zum halböffentlichen Spiel.

Überhaupt war das angedachte Grundkonzept: Hier sollte man sich frei fühlen können. Doms und Subs. Auf dem ganzen Gelände sollte Ungezwungenheit, Narrenfreiheit – und in letzter Konsequenz auch Geilheit herrschen.
Von mir bekam der Komplex dann doch noch den Namen „Der dunkle Tempel“ verpaßt.

Im eigentlichen Keller des Gebäudes gab es natürlich auch ein paar dieser „Verliese“ – aber die hatte ich mir als „Privatkammern“ auserbeten. Quasi als private Garderobe für die jeweiligen Gäste.
Was aber nichts daran änderte, das es sich hier um Katakomben aus dunklem Mauerwerk handelte, die des Spaßes halber mit Pechfackeln beleuchtet wurden.
(ich bin ja ansonsten ein Freund ausgeklügelter LED-Beleuchtungstechnik, aber um des Klischees willen…*seufz*)

Es war wohl ein dummer Zufall der Geschichte, daß ausgerechnet am Tag der Eröffnungs-Orgien-Session mir Weitwinkel das „güldene Buch des BDSM“ in die Hand drückte.
Selbstredent wollte ich das Ding loswerden – und gleichzeitig dafür sorgen, das es nicht in die falschen oder irgend welche anderen Hände geraten würde. Ich habe in meinem Blogartikel „die Dominanzfalle“ lang und breit darüber geschrieben, was ich von diesem güldenen Buch halte, und das es nicht existiert.
Das ich nun dieses Ding in den Händen hielt – vielleicht eine Prüfung des Schicksals.
Bloß weg damit.
Nur: Wo versteckt man sowas?

Kapitel 3

Ich hatte mit Kerstin das „böse Lösungsbuch“ in ihr Auto verfrachtet. Dafür hatten wir einen Ort. Es wäre zu gefährlich gewesen, beide Bücher am gleichen Ort vor derWelt zu verstecken. Wohin mit dem „güldenen Buch“?

Ich fragte Kerstin: „Wo verteckt man etwas, wenn man nicht will, das der suchende oder nur der neugierige drauf stößt?“
Irritiert sah sie mich an. „Ich weiß zwar nicht genau, was du meinst… aber wenn ich eine Bombe oder so platzieren müßte… dann wäre der sicherste Ort der Welt: Direkt unter dem Arsch des jenigen welchen. Da sucht man zuletzt. Warum?“
Mir gingen buchstäblich die Augen auf. „Kerstin…du bist genial!“
„Ich weiß. Aber warum diesmal?“
„Weil du mich drauf gebracht hast, wo wir dieses güldene Buch verstecken können.“
„Im dunklen Tempel?“
„Jain. dort allein wäre es zu einfach. Es einfach dort zu deponieren hieße es wie eine Monstranz im Hochaltar zu exponieren. Mir fällt noch was viel besseres ein. Dazu brauche ich aber deine Hilfe. Und am besten auch die von Chamaelita. Komm mal mit…“

Wir gingen wieder zurück zur Remise. Weitwinkel und Chamaelita hatten in der zwischenzeit die Zucchini wieder eingeräumt und gestapelt.
„Mein lieber Herr Weitwinkel, ich muß Ihnen die Frau Chamaelita heute Abend leider entführen…“
„Aha… warum das?“ wunderte sich Chamaelita.
„Das güldene Buch… es muß weg. Und Kerstin und du – ihr werdet mir helfen, es verschwinden zu lassen. Ich brauch euch beide als Ablenkungsmanöver.“
„Ähm…Martin.“ unterbrach mich Kerstin. „In meinem Auto sind aber nur zwei Plätze. Wir sind drei.“
Mist. Sie hatte recht. „Scheiße..dann müssen wir nochmal in die Stadt zurück meinen Astra holen… den muß ich aber erstmal frei räumen. Hab da immer noch Steine und Plakate von der Ausstellung drin.“ ich seufzte.
„Ich habe ein Auto für vier Personen! mümpf!“
Wir drehten uns alle zu Weitwinkel um.
„Sie haben ein Auto?“ fragte ich verwundert.

„Jawohl! Nämlich! Es steht gleich hier in der Remise. Aber ich benutze es nicht so oft. Um hier in den Gärten umherzufahren, nutze ich lieber die Gartenbahn. Mümpfennämlich! Folgen Sie mir unauffällig!“
Vorsichtig stiegen die beiden Damen und ich an dem riesigen Berg von Zucchini vorbei, um ihn nicht durch eine Erschütterung wieder aus dem Tor poltern zu lassen. Weitwinkel stand vor einem großen grauen etwas, das sich als Sammelsurium alter Decken entpuppte. Infernalische Staubwolken lösend, hob er die Decken beiseite. Sein Auto kam zum Vorschein. Ein dunkelblauer Mercedes. Ein V170. Vorkriegsproduktion.
„Ach du Heimatland…!“ kicherte Kerstin und Chamaelita entwich ähnliches giggeln.
„Warum zum Kuckuck fahren hier eigentlich alle Mercedes, nur ich nicht?“ grunzte ich.
„Na wenigstens ist der Wagen standesgemäß!“ bemerkte Kerstin.
„Herr Weitwinkel, Sie haben wirklich ein sehr schönes Auto!“ schmunzelte Chamaelita.
„Fährt der auch?“ wollte ich wissen.
„Oh ja. Der Schlüssel liegt auf dem Armaturenbrett und aufgetankt ist er auch. Nämlich!“
„Jut…“
„Aber ich komme mit! Nämlich! Ich möchte nicht, daß meinem Auto was passiert. Mümpf!“
„Äh… Herr Weitwinkel… da wo wir hinfahren..da ist kein Platz für humanoide Kaninchen. Da sind alles nur so erwachsene Menschen. Sie wissen schon…so Perverse. Und dunkel ist es da auch!“
„Oh…mümpf.“ Sein Gesicht wurde zusehends weinerlich und ängstlich, seine Ohren fielen schlapp zur Seite.
„Aber…aber… das sind doch diese komischen Menschen…die da wo mit den Schwarzweißbildern auf twitter, oder?“
„Ja, das stimmt, Weitwinkel.“
„Hm hm hm… ich fahre dennoch mit. Und bleibe aber im Auto. So! Ich möchte Sie allein durch meine Anwesenheit daran erinnern, das ich im Namen des snöffischen House of Lords eine Protestnote als Beschwerde vorzubringen habe! Nämlich! Sie erinnern sich doch, mein Chef?“
„Ja, ich erinnere mich…“ ich rollte mit den Augen.

Weitwinkel hatte im Namen aller Hasen und Kaninchen mir eine offizielle Beschwerde vorgetragen, mit dem Inhalt, daß ich doch dafür sorgen möge, die bildliche Darstellung von Hasen und Kaninchen im BDSM-Kontext zu verbannen.
(Als ob ich das könnte?!).
Das snöffische House of Lords „fühle sich emotional beleidigt und bemümpft in Zusammenhang mit menschlicher Perversion gebracht zu werden. Es widerspräche der allgemeinen Verschnuffelung und laufe der gottgewollten Flauschhaftigkeit zuwider.“
Tja. Was sollte ich machen? Ich hab ja mal getwittert, das es nicht einfach ist, einen Vielvölkerstaat zu regieren. Und wenn es eine Volksgruppe aus Hasen, Igeln Bärchen und sonstigem pussierlichem humanoiden Getier emotional sooo zart besaitet ist und eine Petition einreicht – dann muß ich mich halt darum kümmern. Ich wußte nur nicht wie. Das Weitwinkel Chmaelita auf seiner Seite hatte war klar. Kerstin hatte mit der ganzen Sache nicht viel am Hut, würde aber auch nicht nein sagen. Ich sowieso nicht.
Aber genauso wenig, wie es ein güldenes Buch gibt, genausowenig kann ich von anderen verlangen, etwas zu tun oder nicht zu tun.
Es ist vielleicht die Erkenntnis, das was dem einen einen Kick gibt, für den anderen einen negativen Trigger darstellt.
Ich konnte also Weitwinkel und seinem Anliegen nicht viel Hoffnung machen, lediglich versuchen, für gegenseitige Toleranz zu werben.

„Und außerdem…“ fuhr Weitwinkel fort, „möchte ich mich vergewissern, wie unsere Lazitröl-Pflegeprodukte bei der Zielgruppe ankommen. Mümpfennämlich!“
Da war er dann plötzlich nicht mehr ganz so emotional mümpfig sondern ganz Reichskassenwart(Finanzminister), dem es darum ging, Gewinne einzufahren.
(Ich erinnere an dieser Stelle nur dezent an seine Okkupation einer unschuldigen Insel im Mittelmeer, nur weil er etwas von meinem leichten Fußfetisch, Hautpflege für rrrr-Zwecke am Rande aufgeschnappt hatte. Sein Latschenkiefer-Zitrusöl hatte er ja schließlich auch Johanna zu ihren Magic-Wands angedreht.)

Wir holten also den historischen Mercedes aus der Garage, und stiegen ein. In Gedanken schon bei der Eröffnungs-Orgie, dachte ich nicht nur nach, wie ich denn das güldene Buch am besten verstecken könnte, sondern auch über ein paar themenbezogene Fragen und die Menschen/innen die ich am Abend dort treffen würde.
Eigentlich hatte ich noch einen kurzen Aufsatz über ein gewissen Thema schreiben wollen, war aber nicht mehr dazu gekommen.
Wir fuhren los.

„Was ist eine Schlampe?“ – so sinnierte ich vor ich hin. Die liebe Ophelia hatte da mal einen tweet losgelassen, mit der Frage, wie denn diese Frage zu beantworten sei.
Offenbar hatte ich nicht nur gedacht – sondern auch laut gedacht. Denn Kerstin sah mich mit gerunzelter Stirn von der Seite an: „Brauchst du da wirklich noch ne Definition für?“
„Äh…was ? Ich nicht, nein…aber die Frage kam neulich auf twitter auf… Es gibt, soweit ich weiß, keine klare Antwort darauf…“
„Ach…Ophelias Tweet..“ kicherte Chamaelita vom Rücksitz.
„Ich versteh nur Bahnhof!“ brummte Kerstin. „Aber guck doch mal in dem güldenen Buch nach, vielleicht stehts da ja drin..!“
„`n Teufel werd ich tun..!“ grunzte ich.

Nach etwa fünf Minuten(!) schweigender Fahrt (!) meldete sich Weitwinkel vom anderen Sitz der Rückbank:
„Vielleicht ist es eine Frau, die im Schlamm steckt. Mümpfennämlich?!“

Ich mußte sofort eine Vollbremsung hinlegen. Quietschend kam Weitwinkels alter Mercedes zu stehen.
Chamaelita brach in laut schallendes Gelächter aus. Kerstin drehte sich nur fassungslos erst zu Weitwinkel um, sah dann zu Chamaelita, dann zu mir, rollte sodann nur mit den Augen und schüttelte entgeistert den Kopf. Ich war derweil mit meiner Stirn auf das Lenkrad gesunken.
Mit möglichst gefaßter Stimme versuchte ich zu bemerken: „Das schlimme ist: er könnte damit Recht haben?!“
Nur Kerstin hörte mich, denn Chamaelita lachte immer noch laut.
„Warum lachen Sie denn, liebe Frau Chamäleon? Habe ich etwas falsches gesagt? mümpf?“
„Nein…lieber Herr Weitwinkel…“ Chamaelita rang nach Luft: „..Sie haben einfach so eine pragmatische Art!“ ..sie mußte wieder kichern. Da Weitwinkel sichtlich verunsichert war, flauschte sie ihm seine langen Ohren, was er mit einem tiefen, langen „Mümpf“ quittierte.
„Können wir dann weiterfahren?“ fragte Kerstin, die nun auch grinsen mußte.
Ich legte tief Luft holend den ersten Gang ein, löste die Handbremse und fuhr an.
„Er hat trotzdem nicht ganz unrecht…!“ sprach ich zu mir selbst.

TO BE CONTINUED…

Die Dominanz-Falle

Hinweis 1
Der folgende Blogeintrag beschäftigt sich mit „abnormen Sexualpraktiken“. Wenn das Thema nichts für Sie ist: zur populärwissenschaftlichen oder fiktiven Unterhaltungsliteratur bitte weiter scrollen!

Hinweis 2
(Wenn ich im folgenden die Rollenverteilung Frau=Sub, Mann=Dom verwende, geschieht das der Einfachheit halber. Es ist mir durchaus bewußt, das es auch andere Konstellationen gibt!)

Hinweis 3
Bei der abschließenden Lektüre dieses Textes ist mir aufgefallen, daß ich gerne Klammern verwende. Ich möchte diese Aussage gerne so stehen lassen.

Hinweis 4
Ich wollte mein eigenes „Problem“ schildern. Weiterhin wollte ich vielleicht auch gegen das güldene Buch schreiben, das meiner Meinung nach nicht existiert. Und diese Auffassung möchte ich auch gern bis zum bitteren Ende aus tiefster Überzeugung verteidigen: Doch – es säuselt mir eine innere Stimme ins Ohr:
„Mundorf, Mundorf…dein Versuch, wider das güldene Buch zu streiten hat darin gemündet, das du selber eines geschrieben hast.“
Ich könnt kotzen.
Aber andererseits: 1.) wollte ich das nachstehende schon länger mal loswerden und 2.) distanziere ich mich hiermit in aller Form (und #ausgruenden) von dem Anspruch es besser zu wissen.

Praeludium

Ich möchte gern mal was zu „dem“ Thema beitragen – wenngleich ich befürchte, meine Ausführungen werden ungefähr so trocken, wie die Masse von (Haus-)Frauen vor der Welle der 50 grauer Schatten war. Ich komm vielleicht gegen Ende etwas näher auf die Schilderung der „abnormen Praktiken“.
Nun denn. Erst etwas graue Theorie. Ich bin nunmal ein Buchgelehrter. Bitte nicht überlesen – wie in jeder Lebensprüfung gibts auch hier einen theoretischen und einen praktischen Teil. Isso.

In letzter Zeit habe ich auf twitter immer öfter gelesen, „was“ bdsm ist. „Wie“ eine Sub zu sein hat, „was“ ein Dom zu tun und zu lassen hat etc.

Eigenlob stinkt. Aber da wir uns hier ja ohnehin mit schmutzigen Sachen beschäftigen, ist das grad mal zu vernachlässigen.
Seitdem ich mich mit bdsm beschäftige das einfach mache*, bekomme ich von meinen Spielgefährtinnen attestiert, ich sei „gut“. Aha.

(* ich habe bis heute so gut wie keine Ahnung von Fachbegriffen der „Szene“, weiß nicht wie man all die Instrumente und Praktiken so nennt, oder wofür die ganzen Abkürzungen so stehen. Ich mach einfach.)

Ich habe eine „natürliche Dominanz“, die sich sogar aus meinen geschriebenen Worten [sic!] herauslesen lasse, aus meiner Stimme, aus meinem Blick.
Das habe ich nicht nur von Spielgefährtinnen gehört und gelesen, sondern auch von Subs, denen ich außerhalb des Spiels begegnet bin.
Subs mit langjähriger Erfahrung (und wir reden hier nicht von „Hausfrauen-bdsm“, sondern von „cluberfahrenen Nutzviechern“) bescheinigten mir mit schmerzverzerrtem aber sexuell hochbefriedigtem Gesicht, ich hätte eine „gute Handschrift“.
Soso. Das ging sogar so weit, daß mir abgeraten wurde, mit „Anfängerinnen“ zu spielen: ich sei „verdammt gut aber zu hart“. (Zitat!)
Das hat mich natürlich mit einer gewissen inneren Genugtuung und Stolz erfüllt – andererseits war ich auch peinlich berührt, sah (und sehe ich mich teilweise immernoch) selbst als Anfänger.
Selbst jetzt noch bekomme ich hin und wieder zu hören, das wunderbare devote Masochistinnen (mit Erfahrung!) mit denen ich sehr gerne spielen würde, zögern, aus Angst, „mir nicht standhalten zu können“.
Andererseits gehört es im schlechten wie im guten zu meinen Eigenschaften, mich manchmal über Ratschläge hinweg zu setzen.
Ich habe sehr wohl Erstbesteigungen, pardon, -bespielungen „vorgenommen“, d.h. mit Anfängerinnen gespielt.
Und dem Vernehmen nach gereichte es den betreffenden Damen auch zur Freude und Befriedigung.
Man liest ja auch hin und wieder von Erstbespielungen, die gründlich schief gelaufen sind.
Meiner Meinung nach hat das aber was damit zu tun, das der betreffende „Dom“ in dem Moment seine Grenzen, bzw. die der Sub (noch) nicht er-/gekannt hat. Natürlich gibt es diese Grenzen. Aber die müssen definitiv in einer Art von „Vertrag“ beiden Seiten auch bekannt sein.* Dazu aber im folgenden mehr.

(* und natürlich sollte der „Dom“ kein Dumm-Dom Haudrauf gewesen sein und/oder die „Sub“ kein Fräulein Wunschzettel-Möchtegern) **
** oh gott wie sich das anhört. Wie ein Paragraph aus dem g***** B***. herrjeh ist mir das peinlich. Aber gut, weiter im Text.

de Imperio

über die Dominanz

Für mich(!) ist das Sub-Dom Verhältnis, wie das einer Kolonialmacht zu einer Kolonie. Da gibt es natürlich verschiedene Ausformungen, wie die Geschichte gezeigt hat – dazu unten später mehr – aber ich bin ein Verfechter des Prinzips vom „gütigen Diktator“.
Nicht von Raubsucht und Rücksichtslosigkeit geprägt sein, sondern eingedenk seiner unzweifelhaften Stellung an der Spitze der Macht stehend, immer noch den lieben Gott über sich wissend, d.h. den guten Sitten, dem Anstand und der Fürsorge für die ihm untergebenen Untertanen verpflichtet.
Das heißt für mich aber auch, Autonomie walten zu lassen. Gewisse Dinge auch mal an der langen Leine laufen zu lassen. (Wobei das an der Leine führen ja auch was schönes ist, aber wem sag ich das…)
Das hat auch etwas von „Lehnsherr“. (Nein, ich meine jetzt nicht den twitterer. Sondern das mittelalterliche Prinzip. Kann sein, daß jener sich nach jenem benannte, aber das entzieht sich meiner Kenntnis).
Will sagen: Ich, als „Dom“, als hochherrschaftlicher Landesherr, lasse die „Sub“ „ihre Felder bewirtschaften“ – aber wann immer, oder besser wenn ich sage: „Jetzt brauch ich dich – du leistet mir jetzt Hand- und Spanndienste!“ dann erwarte ich Gehrosam und keinen Widerspruch. Im Gegenzug habe ich für Sicherheit, Ruhe und Ordnung zu sorgen – und, wie bereits erwähnt, darf es mit meiner Machtausübung auch nicht übertreiben.
Für mich liegt der Reiz im Dom-Sub-Verhältnis im „jederzeit alles können“, aber mit mit Bedacht(!) von der Macht Gebrauch zu machen.
Das hat für die Sub den Effekt, das jederzeit aus „heiterem Himmel“ etwas über sie hereinbrechen kann, unterbrochenen von langen „friedlichen“ Phasen.
Sprich: Wir können uns stundenlang unterhalten, Kaffee trinken, und irgendwas ansehen, unternehmen – aber wenn ich sage: Rock hoch! Ich will dich in deinen Arsch ficken! Dann wird dein Arsch gefickt. Punkt. Ende der Diskussion.
Und danach wird sich weiter unterhalten als wenn nichts gewesen wäre.
Und diese scheinbare „Unsicherheit der Sub“, dieser Schwebezustand mir ausgeliefert zu sein, ist aber genau dieses Vetrauen, das sie mir schenkt, und eben auch die Verantwortung, die man als „Dom“ eben trägt.
(Zumindest meiner Auffassung nach. Denn diese Unschärfe – die mangelnde Abgrenzung zwischen „Session“ und „Normal“, ist a) meinerseits so gewollt und b) meine, d.h. nicht allgemein verbindliche Auslegung. Dazu gleich mehr.
Außerdem: wenn ich vorher sage, was ich vorhabe, und es damit nicht mehr überraschend ist, geht ja das Kopfkino flöten. Das ist ja eigentlich das, was fickt. Die anschließende Tat soll ja Erfüllung sein, nicht vorhersehbares abspulbares Programm.)

Man verwechsle dieses Verständnis aber bitte nicht mit der Haltung eines Dumm-Doms, einfach so alles mit seiner Sub machen zu können, was ihm so einfällt.
Um eine weitere bildliche Analogie zu zeichnen: die Briten und ihre Kronkolonie auf dem indischen Sub-kontinent* :
(*voller Selbstironie bin ich ergriffen von meinen eigenen treffenden Wortspielereien)
Sie ließen die lokalen Machtstrukturen (Rajas) im Amt, und bauten Eisenbahnlinien, um den geernteten Tee vom Himalaya in die Häfen zu transportieren.
(Earl Grey, not Christian Grey. We keep these things serious!)
Aber im Gegensatz zu einer erwachsenen submissiven Frau, hat sich Indien nicht nur freiwillig unter die britische Schutzmacht gestellt. In Teilen schon, andere Landesteile mußten die Briten mit Waffengewalt erobern, aber das nur am Rande.

Wenn eine submissive Frau und ein dominanter Mann eine Spielbeziehung eingehen, dann schließen sie meinem Verständnis nach einen beiderseitigen Staatsvertrag zwischen zwei souveränen Staaten ab.*
(* ja, es gibt die Spielform, einen wirklichen Vertrag zwischen Sub und Dom aufzusetzen, ich halt da nicht viel von. Das muß meiner Meinung nach aus dem Vertrauen der Sub und des Verantwortungsbewußtseins des Doms (vor dem ersten Spiel) erwachsen. Aber vielleicht ist das einfach nicht nur mein kink – oder um es mit den bahnfahrenden Engländern in Indien zu sagen: not my cup of tea)

Das heißt, die Sub begibt sich freiwillig unter die Fittiche ihres Herrn. Gleichsam unter den schützenden Schirm des Empire.
Das übrigens, meinem Verständnis nach, mehrere Kolonien haben kann. Sonst ist es kein Empire, sondern eher eine eine bilaterale Freundschaft.
(Mit einem Augenzwinkern ein Beispiel: Im Vergleich zum britischen Empire als BDSM-Analogie ist die „deutsch-französische Freundschaft“ der reinste Vanilla-Blümchensex.)
In der Theorie (!) könnte(!) der Herr nun tun und lassen was er will – aber hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen: es kommt auf die Weisheit des Umgangs mit der Neuerwerbung an.
Eine Kolonie – um im Bild zu bleiben – beutet man nicht aus. Man „bewirtschaftet“ sie, erläßt Gesetze, verwaltet sie, spricht Recht und sorgt für Prosperität zu ihrem eigenen Gedeih.
„Ihr, liebe Inder, seid jetzt Teil des Commonwealth! Ihr könnt eure Sitten und Gebräuche behalten, eure Religion und eure Gewohnheiten. Aber das letzte Wort haben wir. Euer Oberhaupt ist nun Queen Victoria im fernen London.
Aber wenn wir gegen die bösen Deutschen kämpfen, dann stellt ihr gefälligst ein Truppenkontinent, und gehorcht auch sonst unseren Anweisungen. Andernfalls gibts was hinter die Löffel! Ende der Diskussion!“
Aber, und das möcht ich auch anmerken: nachdem man sich einig geworden ist legt der Herr die Regeln fest! Tweets, die sagen: „die Sub legt die Regeln fest“, lassen mich den Kopf schütteln.
Überspitzt gesagt: Wenn die Sub die Regeln macht, ist es kein BDSM.
(Aber auch das ist Ansichtssache, wie ich wider meine eigenen Überzeugung einräumen muß.)

Das ist jetzt sehr theatralisch formuliert. Ich persönlich halte wenig von „Bestrafungen“, auch dazu später mehr.
Wenn ich jetzt das so ungefähr bis hierhin skizziert habe: Eine Analogie aus der Geschichte möchte ich gern noch bringen, bevor es dann wieder spannend wird:

Man könnte die BDSM-Spielbeziehung zwischen Herr/Sub, Britannien/Indien auch mit dem Verhältnis UdSSR/Satellitenstaat im Warschauer Pakt vergleichen.
Dieser Vergleich bietet sich zumal deshalb an, als das man „BDSM“ als gemeinsame verbindende „Ideologie“ des Kommunismus verstehen könnte. Anstatt Hammer und Sichel weht allenthalben die Triskele auf den Fahnen.
Ein Herr – eine oder mehrere Sub(s), aber wenns ernst wird, entscheidet Moskau. Ende der Diskussion. Und bei aufmüpfigen Widerworten marschiert die Rote Armee ein. Sorgt für rote Striemen auf Arsch und Titten.
Ich weiß, der Vergleich hinkt arg. Aber was erwartet ihr von einem Historiker, der sich mit BDSM beschäftigt?
Aber wo wir gerade bei „der Ideologie“ sind (und kommen damit auf die eingangs angesprochenen tweets zurück, was „richtig“ und was „falsch“ ist): Ideologien verleiten zu einem Streit um die Deutungshoheit. Es kommt zu Glaubensfragen darum, was denn nun „die reine Lehre“ sei.
Es kann ja sein, das der Herr China mit einen Subs Korea, Vietnam und Laos einen anderen BDSM praktiziert, als der Herr Moskau mit seinen Subs Bulgarien, Ungarn oder der DDR, dieser alten maso-Streberin…
Und da kommen wir nämlich auf nen interessanten Punkt: Es sind immer nur verschiedene Auslegungen einer ursprünglichen Idee.

Mit BDSM ist es wie mit Karl Marx: jeder hat ihn gelesen, aber keiner hat ihn vollends verstanden.
Was übrigbleibt, sind viele verschiedene, teilweise miteinander konkurrierende Interpretationen und Ausformungen. Es gibt zwar ne große Strömung, der sie alle angehören – Hauptsache die Fahne, pardon, der Arsch ist rot – aber vor Ort, ist das, was geschieht, sehr individuell. Die einen kacken in die Windel, die anderen lassen sich den Arsch wund schlagen und wieder andere knieen eine halbe Stunde lang nackt in demütiger Haltung auf dem Fußboden oder hängen buchstäblich in den Seilen.
In meinem eigenen Größenwahn seh ich mich da als verhältnismäßig liberaler Marschall Tito (Jugoslawien) – ich möcht mich möglichst neutral halten, kann aber auch hart, wenns denn „sein muß“. (Und manchmal muß es hart sein. Du willst und du brauchst das, das seh ich doch!).
Diese Selbstbetrachtung eignet sich wunderbar, um sich von (unfreiwilligen) BDSM-Stalinisten abzugrenzen, die anscheinend die Wahrheit für sich gepachtet haben. Da kanns ja einen manchmal gruseln, was da hin und wieder für tweets abgelassen werden. Da wird der Spielkeller zum ideologischen Gulag.
(Wobei die Vorstellung von nackten Sklavinnen, die in Ketten auf einem Freigelände von Peitschenhieben getrieben hin und herkriechen, ja durchaus reizvoll sein kann, ohne Frage).

de Dolore

über den Schmerz

Was heißt das denn jetzt alles?
Ums vorneweg zu sagen:
Benutzen können, weil benutzt werden wollen. Schmerzen zufügen, weil Schmerzen erlebt werden wollen. Ficken, weil gefickt werden wollen. Kontrollieren, weil Kontrolle abgegeben werden will.
Deepthroaten bis sie kotzt.

Jetzt habe ich solange über „Dominanz“ referiert, kommen wir nun endlich zum Sadismus.
Ich selbst würde mich als dominanten Sadisten bezeichnen, nicht als sadistischen Dom.
Aaaaaber: ich mag die Bezeichnungen nicht sonderlich, denn sie treffen bei mir (und wahrscheinlich auch bei keinem anderen „Kollegen“) 100% richtig zu. Sie spiegeln erstmal eine Gewichtung wider.
Der landläufigen Meinung nach ist ein Sadist ja einer, der zu seinem Vergnügen anderen Schmerzen zufügt.
Und da stolpere ich schon: ich hau ja nicht so oft und feste zu, weil mich das allein geil macht, sondern, weil ich weiß und direkt vor mir sehen kann, daß sie „es braucht“ – und weil sie es so will.
Es ist dieses leichte vibrieren der Nasenflügel unter dem Schmerz, die von der Stirn herablaufenden Schweißperlen und die durch die Zähne zischende Luft beim Versuch nicht laut aufzuschreien, die mir den Ständer verursacht. Und, was mich (gottseidank wie ich finde) vom reinen Sadisten noch unterscheidet: ich will anschließend (oder habe bereits davor) oder während der „Schmerzverabreichung“ von meiner Erektion auch Gebrauch machen. Ich mein – „wozu machen wir das denn sonst“?
„Mein BDSM“ ist wie snooker: Erst spielt man mit viel Fingerspitzengefühl mit Kugeln, aber dann stößt man zu und locht ein.
Und vor der Session (ja, so heißt das auch beim snooker!) sagt der Referee aus dem Hintergrund „Sub to break“. Nun will man die Sub ja nicht „brechen“, sondern ein höheres Punkte-break erzielen, als der Gegenspieler. Das kommt auf einer theoretischen Ebene dem „Grenzen immer weiter nach vorne verschieben“ schon recht nahe, wenn man immer bestrebt ist, mehr Punkte als der andere zu holen.
Aber ich war ja beim einlochen: das gehört für mich dazu.

Ich bin kein Schmerzpurist, der jetzt nur daraus seinen Lustgewinn ziehen könnte. Bei mir läuft BDSM immer noch unter der Generalverwaltung der Fachabteilung „Sex“.
Und jottseidank gibt es, anders als beim snooker, mehr als 147 Punkte bzw. Möglichkeiten, Spielzeuge, Haken und Ösen, um sich gegenseitig Lust zu verschaffen.
Damit das aber möglich ist, braucht man zweifelsohne eine „Dominanz“, damit sich die Dame bei Schlagabsicht auch wirklich nach vorne beugt und einem nicht den Vogel zeigt.
Dominanz ist also platt ausgedrückt die Fähigkeit zu kommandieren (poetischer: „zu führen“) und Sadismus die „Kunst“ lustbereitende Schmerzen zu verursachen.
Das mündet dann im Ideal-Fall dazu, das die Sub sich „fallen lassen kann“, um zu fliegen. Und wenns uns dann beiden kommt, haben wir alles richtig gemacht.

Aus diesem meinem doch sehr haptischen Verständnis heraus erwächst dann auch meine Gewichtung etwas mehr zugunsten den Sadismus als denn der Dominanz: Es gibt Spielkonstellationen, die werden, zumindest in Teilen, über eine (leider große – typisch twitter halt…) räumliche Distanz ausgelebt.
Es mag andere mit Befriedigung erfüllen, wenn der Dom per Telefon etwas „befiehlt“ („anordnet“ gefällt mir besser), und am anderen Ende der Leitung die Devotion dadurch ausgelebt wird, diese Anordnung zu befolgen.
Und wenn eine Anordnung nicht korrekt ausgeführt wurde, gibts dann, entweder auch fernmündlich oder beim (nächsten) Treffen dann eine adäquate Bestrafung in Form von Schmerzen.
Man verstehe mich nicht falsch – ich gönne diese Spielvariante jedem, der sich darin wiederfindet.
Aber da ich nun mal ein „gütiger Diktator“ bin, und kein Scharfrichter und zudem ja auch was mit meinem Ständer anfangen will, der sich dann melden täte, sind „Fernwartung“ und „Bestrafung“ jetzt nicht unbedingt meins.
Man kann das als willkommene Ergänzung sehen, und ich bin auch bereit daran zu wachsen (man lernt ja nie aus), aber nur davon allein wird der Bock nicht fett. Höchstens dauergeil und ein nicht gut tuender Druck baute sich auf.

Aus gleichen Gründen ist für mich persönlich auch das B in BDSM etwas reizlos. Bondage… tja… seufz… das sieht ja ganz nett aus. Aber was nützt mir denn da ein höchst ästhetischer und devoter Rollbraten, der da unter der Decke baumelt, wenn man an keins der drei Löcher zum ficken drankommt? Das ist eine Faszination, die sich mir, auch nach längerer Betrachtung, einfach nicht erschließen will.
Aber auch hier gilt: jedem seins.
Ich bind´ lieber mit rauem Sisalseil (das scheuert so schön wund) die Titten ab und fixiere mein submissives Nutztierchen mit Fesseln und Spreizstangen. Hab ich persönlich mehr von.
(Und da ich mir meine Spielgefährtinnen ja selbst aussuchen kann, such ich mir natürlich eine aus, die in dem Moment auch was davon hat).

Das hat aber auch was damit zu tun, auf welche Art von Devotion ich persönlich anspringe: ein widerwillig gezischtes „benutz mich“ hat für mich mehr Reiz, als eine Sub die nackend vor mir kniet und sich bedankt, das sie in meiner Gegenwart überhaupt atmen darf. Und womöglich vor jedem Atemzug um Erlaubnis fragt.
Ich sags ja: Indien. Autonomie. Atmen könnt ihr auch alleine, dazu muß die Kolonialverwaltung nicht jedesmal eine Dienstanweisung mit drei Durchschlägen schreiben.
Oder anders ausgedrückt: Liebe Eingeborenen: ihr sollt eure Herren nicht als weiße Götter nackt und im Staub kniend anbeten – sondern auf den Plantagen was zu unserem gemeinsamen Wohlstand beisteuern. Ich bau´ auch ne Eisenbahn. Versprochen. (Das ich das wirklich tue, bedarf keines gesonderten Nachweises).
Und wenn ich will, das du nackt vor mir kniest, dann werde ich das zu gegebener Zeit auch kundtun. Verlaß dich drauf. Aber bis dahin verbitte ich mir solche eigenmächtigen Anbetereien. Du bekommst was du brauchst. Das ist ebenso versprochen.

Wie eben erwähnt, suche ich mir meine Spielpartnerinnen aus. Und da jeder Mensch individuell ist, so ist auch wohl jede einzelne Spielpartnerschaft individuell. Das heißt in meinem Falle, ich muß mir vorher darüber klar sein, was geht und was nicht geht. Ich kenne Frauen, mit denen kann ich was anderes machen, als mit anderen. Für die eine ist hier ne Grenze, für die andere da.

Einschub: Im folgenden gilt „Schlampe“ nicht als Beleidigung sondern als Auszeichnung. (Eisernes Kreuz 1. Klasse für besondere Nahkampfleistungen im blasen, schlucken und sonstigem)

Das trifft auch auf die Intensität (oder Qualität aber nicht im wertenden Sinne) des Spiels zu. Ich kenne eine submissive „Schlampe“ bei der sich Devotion und Masochismus in doch begrenzten Bahnen bewegen, dafür aber sehr ausgeglichen sind. Und soll ich euch was sagen: Es macht einfach Spaß und Lust mit dieser Frau zu ficken. Richtig hart zu ficken. Das ist aber streng genommen kein „hartes Spiel“ im Sinne der BDSM-Paragraphen. (und bevor wir uns jetzt wieder ereifern, daß es diese Paragraphen gar nicht gibt – besagte Schlampe ist es, die streng genommen werden muß. Soll. Will.)
Ich kenne weiterhin Masochistinnen, die allein beim Wort „verdreschen“ feucht werden. Und auch da macht es unwahrscheinlich viel Spaß und Lust mit zu „spielen“. Da kann man sich richtig austoben, wenn man die entsprechende komplimentäre Ader hat, versteht sich. Aber meiner Erfahrung nach genügt da „Gehorsam“, es bedarf keiner totalen 24/7 Unterwerfung.
Und da ich eh eher für Atemkontrolle als denn für Atemerlaubnis bin: richtig mehrheitlich devote Frauen ohne ausgeprägten Masochismus habe ich bislang nicht wirklich kennengelernt – sie würden mich auch nicht sonderlich reizen, vermute ich.
Ich hab nichts davon, wenn du nur da kniest. Atmest, dich bewegst und mir einen bläst wenn ich es „gestatte“. Ein bißchen Leidensfähigkeit und Eigenverantwortung darfs schon sein.
Uuuund: ich kenn eine Frau, bei der hat es wie bei der „Schlampe“ recht ähnlich angefangen, sich aber in eine gänzlich andere Richtung entwickelt.
Das hat etwas mit den Ebenen zu tun, auf denen wir uns bewegen. All das, was ich bis hierher geschrieben habe, betrifft ja die zwischenmenschlichen Beziehungen „untenrum“ UND „obenrum“. Und das muß meiner Erfahrung nach in Einklang sein, damit ein „Spiel“ zustande kommt.
(Weswegen ich mit mir total unbekannten Frauen, etwa im Rahmen einer Vorführung, (noch) nicht spielen könnte – dazu dann aber weiter im Schlußteil).
Aber wenn sich auf der zwischennmenschlichen Ebene „obenrum“ so viel tut – antweder zum schlechten oder wie in diesem Fall zum guten, wenn da eine besondere Form der innigen Zuneigung (Seelenfreundschaft, nochmal etwas anderes als Liebe) entsteht, dann kippt „das Untenrum“ irgendwie weg. Dies ist eine Erkenntnis, die tut nicht nur der Dame, sondern mir auf der Seele weh, aber es ist wohl nicht so ohne weiteres zu ändern.
In meiner Selbstbetrachtung möchte ich die These aufstellen, daß ich nur dann „spielen“ kann, wenn mein Gegenüber nicht zuuu unbekannt und nicht zuuu emotional/seelenfreundschaftlich verbandelt ist. Weil letzteres sich in gänzlich anderen Ebenen abspielt, als im Kellergeschoß mit seinen Haken, Ösen und Ketten.
Von beiden Fällen nochmal zu trennen ist: Liebe. Das ist was gaaaaaanz anderes. Wenn Sex „Liebe machen“ ist, brauch ich kein diesen ganzen BDSM-Kram nicht dafür. Das ist nochmal eine eigene Liga. Aber da „sie“ meine Liebe zwar erwiedert, aber fortan zugunsten ihres….ach was reg ich mich auf. Das Thema ist wirklich privat, und hat hier nichts zu suchen.
*durchatmen. Ommmmmmm*
Jedenfalls: wenn die Sub nicht „böse“ ist, d.h. ich auf der Obenrum-Ebene nicht oder nicht mehr dieses „rrrr“ spüre, dann spiel ich auch nicht mit ihr. Wenn sie dieses betreffende rrrr nicht in den Augen hat, dann mache ich auch keine rrrr-Dinge.
Das ist zwar sehr subjektiv, aber ich glaube mein Gegenüber zu „erspüren“. Ich bilde mir ein, das richtige Maß an „Behandlung“ aber auch an generellem Auftreten und Verhalten aus den Augen der Sub ablesen zu können.
Meister Yoda würde sagen: „Das rrrr groß in ihr ist.“ (oder halt nicht(mehr)).
Das ist aber keine Entscheidung aus Bösartigkeit, psychischem Sadismus,* heraus, sondern eine zwischenmenschliche Entwicklung.

* ja, mir wurde auch schon mal „emotionaler Mißbrauch“ [sic!] vorgeworfen, weil ich mit einer Sub nicht mehr gespielt habe. Gemeinhin empfindet es unsere Gesellschaft ja als Mißbrauch, wenn man eine Frau schlägt. Jetzt isses schon Mißbrauch, wenn man sie nicht (mehr) schlägt. Allein angesichts solch verquarster Gehirnpirouetten, möcht ich mich liebend gern als möglichst neutraler Marschall Tito aus den großen was-ist-richtig-was-ist-falsch-Diskussionen raushalten und lieber „mein Ding“ machen.

Man kann Kolonien auch in ihre Freiheit entlassen, um danach weiterhin als Freunde und Partner gedeihlich miteinander umzugehen. Die Schläge sind weg, aber die Eisenbahn fährt noch. Und der Tee wird immer noch in England getrunken. Das heißt, die gegenseitige Prägung und Bereicherung ist immer noch da. Die Herrschaft ist weg, aber die Freiheit ist da.
Es gibt natürlich auch den Fall (und so war es hier auch etwas), daß sich die „Spielbeziehung“ für meinen Geschmack zu sehr richtung Devotion und Fixierung auf mich zu verschieben drohte. Das soll aber den vorherigen Sätzen keinen Abbruch tun – im Gegenteil: Das Empire in seiner alten Form ist weg, dafür ist das Commonwealth an seine Stelle getreten. Ich hab ja immerhin auch auf „Macht“ verzichtet, d.h. muß mich umstellen.

Ich würde also behaupten, das eigentliche Spiel – das bekomm ich hin. Ohne je ein Fachbuch gelesen zu haben(gibts sowas übrhaupt?), ohne je ein BDSM-Coaching besucht zu haben (aka Parteihochschule der sadomasochistischen Internationale in Moskau).
Vielleicht hab ich auch eine naturgegebene gottgewollte „dominante Ader“. Und das ich auch sonst ein eigentlich recht umgänglicher Mensch bin – ich denk, das bekomm ich einigermaßen hin und ich arbeite permanent daran, daß das auch so bleibt.

Aber wo ich grad in Wallung kam mich aufzuregen: Kommen wir nun zu meinem Problem mit der ganzen Sache. Der Grund, warum ich das ganze hier hinschreibe.

Notwendiger Einschub: Wir können uns doch drauf einigen das „Dom“ als Oberbegriff für sowohl dominante Sadisten als auch sadistische („eigentliche“) Doms steht?
Und wir können auch mal festhalten das diese unterschiedlichen beiden Gewichtungen auf der Gegenseite, in Form von Devotion und Masochismus auftauchen. (jetzt mal so grob. ich schreib hier nicht die verbindliche Bibel. Jaaaa, ich hätt auch von Anfang an von Bottom und Top schreiben können, aber die Begriffe mag ich irgendwie nicht)

Aber ich seh mich (leider) viel zu selten als „Dom“:

laqueus imperio

Die Dominanzfalle.

Der Papst: kann sich nicht irren. Banken: können nicht bankrott gehen.
Auf die unfreiwillige oder auch selbsternannte „Stalinisten des BDSM“ trifft beides zu.

too big to fail. too big to fall. too good to play with.

Des Schicksals unerforschlichem Ratschlusse zufolge hab ich ausgerechnet den dritten englischen Satz zugelost bekommen. Gesäßtableau. zu deutsch: Arschkarte.

Ob ich jetzt wirklich so „gut“ bin, liegt im vor Lustschmerzen tränenden Auge der Betrachterin – wobei: wir sind hier ja nicht beim Eiskunstlauf wo es Haltungsnoten in Pflicht und Kür gibt. Aber ihr wißt was ich meine: manchmal eilt einem ein Ruf voraus, der mit der Realität nur bedingt was zu tun hat.
Ich koche ja auch nur mit Wasser – die Amerikaner haben die Verteidigungsbereitschaft der Sowjets auch völlig zu hoch eingeschätzt; die Marschälle der Roten Armee wären in Freudentränen ausgebrochen, hätten sie nur ein Bruchteil dessen gehabt, was man ihnen zu haben unterstellte.

Betreffs der allermeisten BDSM-affinen Blogs muß ich ein Geständnis machen:
Ich lese viele einschlägige Blogartikel erst gar nicht, oder zumindest nicht zu Ende: Die dort geschilderten Erlebnisse (ich beschränke mich hier auf real erlebtes und nicht fiktive/ficktiefe Phantasien) machen mich einfach zu neidisch.

Ich war noch nie in einem Swinger/SM- Club, und kann und möchte deshalb auch nicht mitreden, oder mir den Mund wässrig machen lassen, ohne das ich meine Neugier, die ich diesbezüglich habe, irgendwie befridigen kann (geschweige denn meine Libido).
Ich möchte da schon gerne mal hin – aber nicht alleine. Dazu brauch ich aber eine Begleitung – vorzugsweise eine Sub – die ich so gut kenne, und mit der ich so gut vertraut bin, das ich unter den Eindrücken, von denen ich hoffe das sie die Erwartungen übertreffen, nicht zusammenbreche und sie auch noch ein paar Tage danach mit mir zusammen wieder auf den Boden kommt. Eine alle-paar-Monate mal miteinander spielen-Sub (womöglich noch mit großer räumlicher Entfernung) kann das nicht wirklich leisten.
Dabei würde ich meinen Horizont gerne dahingehend erweitern.

Aber da sind noch zwei andere Sachen, die mich bedrücken:
Die (aus meiner Sicht) etwas fehlplatzierte Sub-Solidarität, und noch viel schlimmer: das liebe Geld.

Es fällt sehr schwer, sich „dominant“ zu fühlen, wenn man nur noch 2,17€ im Portemonnaie hat. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, wenn man es gleichzeitig fortwährend „unterstellt“ bekommt, es in diesem Moment auch zu sein.
Selbst dann noch, wenn man aus diesen ökonomischen Gründen in eine Depression fällt, und man auf nahezu gar nichts Lust hat. Nichteinmal BDSM oder überhaupt Sex.

Das ist eine sehr, sehr merkwürdige Belastung – meinem Empfinden nach.

Zur Außenwirkung bleibt mir nur twitter. Als HartzIV Empfänger sehe ich es partout nicht ein, für JoyClub oder Sklavenzentrale auch noch Geld zu bezahlen, um jemanden kennen zu lernen (entweder als Spielpartnerin, oder einen „kollegialen Austausch“ mit anderen Doms (hier gerne auch beiderlei Geschlechts) – man möcht sich ja gerne weiterbilden).
Twitter hat in sofern den Vorteil, und das schrieb ich bereits in anderen Blogeinträgen, das hier Worte zählen, das man mit Worten tiefer in die Seele schaut und schauen läßt. Worte ficken tiefer.
Die NTL-Bilder die ich poste, waren auf dem ersten Programm ja in den letzten Monaten doch recht gesittet und auf dem zweiten Programm (Zweitaccount) etwas „härter“ bzw. anschaulicher. Sie sind, wie ebenfalls an anderer Stelle bereits beschrieben, Illustration des Kopfkinos und damit letztendlich immer auch ein bißchen Balzgehabe. Und eben weil das in den letzten Monaten doch sehr moderat war, habe ich mich manchesmal gefragt: „Wie kommt es nur?“
Wie kommt es nur, das da so kleine stille feminine Sub-Zweitaccounts aus dem Boden sprießen, noch keine 10 tweets alt – die aber erstmal den „üblichen Verdächtigen“ folgen. So eine liquide Gruppe von ca 15-35 BDSM-affinen Accounts, die, wenn sie wirklich mal alle miteinander zur gleichen Zeit am gleichen Ort spielen würden, wohl die geilste deutschsprachige SM-Orgie aller Zeiten durchziehen könnten.
Mitten drin in dem erlauchten Kreis: Meine Wenigkeit.

Also nicht, das ich mich nicht geschmeichelt fühlte, im Gegenteil. Irgendwie ist man ja auch stolz zu erlauchten Kreisen dazuzugehören.
Nur: meine wenigen aber „glorreichen“ (summa cum grani salis) Erfahrungen liegen in der Vergangenheit. Momentan häng ich als Mensch derartig zwischen Baum und Borke, zum „Dom sein“ komm oder kam ich in den letzten Monaten sehr, sehr selten.
Höchstens mal in meinem eigenen Kopfkino.
Also ich würd schon gern wieder aktiver sein – aber im Moment häng ich irgendwie in den Seilen. Und es hat nichts mit Shibari zu tun.

„Großbritannien – ein Land, das sich von seiner Größe nicht mehr erholt.“ – so lautete mal Anfang der 90er Jahre die Überschrift über einen Zeitungsartikel, die britische Geschichte und Großbritannien zur Gegenwart betreffend (1993).

Mich beschlich der Verdacht: ich gehöre einem Club der „Großen“ an, obwohl ich mich selbst als alles andere als zugehörig sehe. Bei Lichte betrachtet bin ich eher so ne sozialistische Mangelwirtschaft, anstatt Moskau.
Wenn man kein Geld für eine Edelstahlgerte hat, muß man eben ein altes Elektrokabel nehmen. Das sieht nach außen hin zwar schön kreativ aus, und zwirbelt auch derbst im Sinne des rrrr – ist aber meiner Kassenlage geschuldet.
Immer diese Schau nach „Größe“ und „Bedeutung“: kann sein, daß das so ein Männerding ist.
Denn es ist eben kein Wettkampf – und es kommt auch eher auf die individuelle Paßgenauigkeit auf die jeweilige Spielpartnerin an.
Zumindest versuche ich mir das beruhigend immer selbst einzureden, wenn ich lese, wenn zumindest finanz-potente „Doms“ mit ihren teuren Autos, reichhaltiger Club-Erfahrung und einem riesen Koffer an Spielzeug* durch die Republik düsen, um Hotelzimmerspieldates zu vergeigen.
(*ich nenn´ den Kram ja „Werkzeug“, aber was weiß ich schon).
In diesen (Zeuginnenaussagen nach unbegründeten) Penisneid freud´schen Ausmaßes verfalle ich aber auch – jetzt kommts: bei den mehr oder weniger „prominenten twitter Subs“. Eine blöde Umschreibung, zugegeben. Aber die geneigte Leserschaft wird sich einen Reim darauf machen können.
Es tröstet mich dann auch nicht sonderlich, das ich mit einigen dieser „Promis“ selbst schon gespielt und geschlafen habe – angesichts der Frage ob ich mir Brot, Tabak und Benzin für die nächste Woche leisten kann, oder ob ich als „großer Dom“ mit meinen 34 Lenzen meine Eltern um ein paar Scheiben Wurst und eine Flasche Bier anschnorren muß. Weild as geld einfach hinten und vorn nicht langt und ich keinen bezahlten Job finde.
Diese Diskrepanz zwischen teils selbst geschaffenem, teils mysteriös aufgetauchtem Image und der bitteren Wirklichkeit zerreißt mich manchmal.
Jedenfalls werde ich aus der mir selbst verordneten Demut vor Gott, dem Jobcenter, meiner eigenen mangelnden Erfahrung und dem Selbstanspruch kein BDSM-Stalinist zu sein, einen Teufel tun und mich von selbst aus als „Dom“ extra zu prodizieren oder präsentieren.
Das überlasse ich gerne anderen Accounts. Ich will mit dem Thema BDSM auch nicht so „hausieren“ gehen – die heutige „Abhandlung“ darüber ist eine seltene Ausnahme.
Richtig schlimm wäre es nämlich, wenn ich mit Weisheiten und Wahrheiten und einem Ego auftreten würde, für das es in der TL genug Beispiele gibt.

Es gibt ja dieses allgemeine Bild der Kompensation. D.h. der erfolgreiche Staatsanwalt/Geschäftsmann braucht es, sich von der Domina auspeitschen zu lassen, und die erfolgreiche Geschäftsfrau/Managerin braucht es, sich wie ein Stück Fickvieh von 15 fremden Männern besteigen zu lassen, wenn ihr Herr ihr das befiehlt.
Das dieses Schema ebensowenig wie alles hier keine Allgemeingültigkeit hat, ist mir bekannt, aber wir alle kennen das Schema. Und ich falle da raus.
Richtig „Dom sein“ („mit mir eins sein“???) kann ich nur dann, wenn auch die anderen Lebensumstände zumindest etwas besser sind als in meiner jüngeren Vergangenheit. ich bin kein Kompensations-Spieler.
Also: mich ehrt es, wenn man mich „dazu zählt“, noch lieber aber möchte ich tatsächlich ein „Teil davon sein“.
Aber noch hänge ich in dieser dummen Dominanzfalle fest. Und das tut weh. Es ist sehr schemrzhaft. Nicht untenrum, sondern obenrum.

Ich will es dann auch sein, und nicht als Oberchecker und Makker es bloß spielen. So ich diesen Anspruch erhöbe, bräuchte ich mich nicht wundern, sondern sollte mich eher schämen.

Apropos Scham und Demut: (und das ist dann auch wirklich der Schlußabschnitt!).
Ich habe auf dem zweiten Programm ein paar tweets geschrieben, die von fremdgehenden, fremdgegangenen verheirateten Subs mißverständlich interpretiert worden sind. Ich möchte das an dieser Stelle noch einmal klar stellen:

Ich bin weißgott der letzte, der Einspruch gegen promiskuitive Umtriebe und Hiebe erheben würde!
Wenn wir die mit einem Vanilla-Ehemann verheirateten Sub-Accounts aus der NTL/rrrr/bdsm – TL streichen würden, könnten wir gut und gerne 2/3 der TL streichen. Das will wirklich niemand!
Im Gegenteil: wer hart gefickt werden will, der soll auch die Möglichkeit dazu bekommen.

Ich habe aber zwei Beobachtungen gemacht, die mich doch etwas verwundert haben: zum einen: „Du spielst zu hart. Ich weiß nicht, ob ich das kann.“ (oder so ähnlich. Einmal auch einer Dame quasi als „Reisehinweis“ zu mir mitgegeben: „Fahr zu ihm, aber Vorsicht, der spielt hart!“ – ausgesprochen von Leuten, die mich noch nie live haben spielen sehen. Und wir haben uns dann eigentlich recht vanillig verlustiert, aber wurscht. War geil.) Aber die andere Aussage – das man schon gern wollte, wenn man nicht Angst hätte: ja Gott, das ist eine Frage des Vertrauens. Aber meistens kam das zu einem Stadium des Gesprächs, wo noch größeres Vertrauen schon gar nicht mehr aufzubauen möglich gewesen wäre. Also Rückzieher in letzter Minute. Sollte ich an mir zweifeln? Ich komme durch sowas stets ins grübeln. Die ganze Zeit will sie, aber dann im letzten Moment… äh…? hmpf!
Und die andere Beobachtung: „Ich würd schon, aber du hast ja schon eine Sub. Da will ich mich nicht dazwischen drängen.“
(Zum Verständnis: betreffende Sub war/ist auch verheiratet und kann nur alle Monate hier mal vorbeikommen. Ich kann ja wegen der Kassenlage keine großen Fahrten unternehmen)
Da möchte man doch vor seufzen und Verzweiflung den Kopf auf den Tisch knallen.
„Liebe Frau mögliche neue Spielpartnerin: Dein Ehemann weiß nicht, was du für Gelüste hast, oder findet sie abartig. Also suchst du dir einen „Dom“ um mit dem das auszuleben. Jut. Du möchtest das mit mir machen. Auch jut.
Aber dann bekommst du Angst vor der eigenen Courage – und willst einer anderen Sub „nicht ins Gehege kommen“?

Zum mitschreiben: So lange ich sowieso keine solide bürgerliche Existenz im Sinne von Familiengründung bewerkstelligen kann, da es an den wirtschaftlichen Voraussetzungen mangelt, möchte ich wenigstens die dadurch entstandene Freiheit und Ungebundenheit untenrum auch nutzen können.
Das heißt im Klartext: wenn wir zwei uns sympathisch sind, und miteinander in die Kiste gehen wollen, dann können wir das auch tun. Punkt. Ohne Rücksicht auf irgend jemanden!
Ich kann mir – im Gegensatz zu vielen, vielen anderen – meine Sexual/Spielpartnerinnen frei und ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen aussuchen.
Die „Sub“, der du nicht ins Gehege kommen möchtest, die ist nur alle paar Monate hier. Und die ist – genau wie du – verheiratet. Und nach dem Prinzip: ein Herrscher kann viele Untertanen haben, die Untertanen aber nur einen Herrscher, wär das alles kein Problem gewesen.
Du bist eh schon bereit deinen Mann zu betrügen, aber aus Solidarität einer anderen Sub gegenüber läßt du es dann bleiben, oder was?
Orrrrr!
Um es kurz zu machen: Der einzige, der monatelang dumm aus der Wäsche in die Röhre guckend UNGEFICKT geblieben ist: war ich.
Als hätte ich nen Teflon-Anzug an. Die Anziehungskraft ist wohl da, der Ruf auch, die Erfahrung – naja geht so, machen wir durch Improvisation schon wett. Sogar die Bereitschaft zu mir zu kommen (anstatt Hotelzimmer ) – alles da. Und dann scheiterts an der reichlich vorhandenen Solidarität der sozialistischen Bru… äh..Schwesterländer. Es war und ist bisweilen zum kirre werden.

Auf der einen Seite ehrt das alle Beteiligten – aber ich bin auch „meiner Größe sitzen geblieben“, für die ich mir nichts kaufen kann. Höchstens einsam einne runterholen, wenn die Damen bei ihren Vanillamännern liegen. Weil sie sich nicht hertrauen.

Auch das ist etwas, das ich als Teil der „Dominanzfalle“ bezeichnen möchte.

Soviel habe ich heute nun verfaßt. Ich folgte dem Trieb zum Schrieb – über den Hieb.
Manch Thema ich ausließ oder nur knapp gefaßt.
Allgemeine Gültigkeit ich nicht erhebe – lieber wärs mir, eine Sub vor Schmerzensgeilheit vor mir schwöbe.
ich will diesen Text nun auf sich bewenden lassen,
und in Gedanken deinen Hals umfassen.

auch ein „Dom“ ist nervös

„Was mach ich eigentlich hier?“

Oh mann, wieder so eine Aktion. Fern der Heimat. Mit einer unbekannten Frau.
Es regnet.
Wie haben uns auf twitter kennengelernt. Wo denn sonst. Ich bin zu faul für Dating-Seiten. Und auf twitter lernt man sich durch Worte kennen.
Das ist wichtig, wie ich finde. In den Worten verbirgt sich der Esprit, der Geist, die Persönlichkeit.
Bei alle Liebe zu Hiebe&Triebe, aber es ist immer ein Mensch.
In den Wochen vor so einem Treffen schreibt man eben auch über Arbeit(-ssuche), Kinder, Ehemänner, unerfüllte Sehnsüchte, und vieles mehr…
…und irgendwann schreibt man über das Treffen.
Sucht sich ein Hotel aus. Wir teilen uns die Kosten.
Ich armer Schlucker hab einiges an Sparsamkeit, Schwarzarbeit und Mühen gesteckt, um mir das finanziell überhaupt erlauben zu können.
benzin wächst leider nicht in meinem Garten.

Und nun sitz ich hier in der Hotel-Lobby und warte. Mein einziger Freund und Halt in meiner jetzigen Nervosität ist der lauwarme Kakao aus dem Automaten.

Sie hatte schon mal eine Affäre – auch in einem Hotelzimmer. Aber der war dem Vernehmen nach eher ein Reinfall. Allerdings ein finanziell unabhängiger Dienstwagenfahrer. Verheirateter Ehemann. Schwafelte viel von Dominanz und Erfüllung durch BDSM. So ein Audi-Raser, die mich auf der Landstraße und auf der Autobahn gnadenlos in meinem
alten Opel Astra abziehen. Na gut – der hats also im Bett nicht gebracht.
Madame – es kann nur besser werden.
Ich hab mein „Werkzeug“ schon hoch ins Zimmer gebracht. Aber nicht mit einem Rollkoffer, und auch nicht in einem Alukoffer. So wie es dem Vernehmen „alle anderen“ machen. Oh Gott bewahre, nein so mach ich das nicht.

Wenns sein muß bring ich mein Werkzeug einzeln ins Hotelzimmer. Und wenn ich dafür zehnmal vom Hotelparkplatz bis ins Zimmer und zurück laufen muß.
Naja, ich nehm den Fahrstuhl.
Wenn der nen Spiegel hat, mach ich mal einen auf Lehnsherr und poste ein Fahrstuhlfoto.
Das gibt dann bestimmt wieder ein fav von meiner Haupt-Sub.
Hab ich auch auch alles dabei? Werkzeug? jaaa – hab ich. Gestern Abend hab ich all die schönen Spielsachen ins Auto verfrachtet. Auch wenn ich genau weiß, das ich so gut wie nichts davon benutzen werde. Die ganze Aktion ist generalstabsmäßig geplant. Sogar das gottverdammte Auto ist geputzt.
Wenns zur Sache geht, reichen meine bloßen Hände und mein Blick. Erfahrungswerte.
Ausnahmen gibt es immer – aber meistens reicht ein Blick in die Augen der Frau, um zu wissen, „was sie braucht“. Und wie hart.
Himmel – ich bin aufgeregt.

Im Geiste geh ich die Liste der römischen Kaiser durch. Um mich abzulenken. Um mir selbst einen Anstrich von intekllektueller Größe zu geben (ich hab ja mal was studiert), wenn ich mich gleich als HartzIV Empfänger mit einer verheirateten Frau zum Sex mit harten Bandagen einlasse. Auch wenn hier niemand meine Gedanken hören kann.

Was, wenn anstatt ihr der gehörnte Ehemann hier aufkreuzt?
Ok, die Luger liegt im Handschuhfach… bzw. jetzt unter dem Bett. Ist ne Luftpistole. Und nicht geladen. Scheiße, tu das Schießeisen weg! Andererseits – was wenn es sie geil macht?
Mal abgesehen davon, daß das hier formal auch nicht ganz so legal ist – aber das hier ist ein BDSM-Hotelzimmer-Date. Hier soll gleich einvernehmliche Körperverletzung stattfinden.

Ob sie gut blasen kann? Ob sie anal mag?
Hab ich die Hand und Fußfesseln schon an den Stellen im Zimmer positioniert, an denen ich sie zu brauchen gedenke?
raucht sie eigentlich? Ach nee…sie hatte geschrieben, das sie selbst nicht raucht. Hm… Qualmgestank geht nie ganz weg, aber ich muß mir unbedingt noch den Mund ausspülen. Sie soll keinen Aschenbnecher küssen müssen. Ich schaue auf die Uhr. T -15 Minuten. Das reicht für eine letzte Zigarette und einmal mit der Zahnpasta gurgeln.
Warum ist das Wasser in den Hotelzimmern eigentlich immer lauwarm?
Liegt das lange Lineal unterm Kopfkissen? ja -tut es. ich habs bei T-35 Minuten dahingelegt, und danach zweimal überprüft. Oh mann, bin ich aufgeregt.

Wir haben vereinbart: keine Kostüme. Ich brauche keine Rollenspielklamotten. Sie soll mich beim Vornamen nennen, so wie ich sie beim Vornamen nenne. Wenn sie will, darf sie auch Herr sagen. Aber das überlasse ich ihr. Sie darf Rock und Stiefel tragen, wenn sie mag. ich laß mich überraschen.
Vielleicht sagt sie es, wenn sie vor mir kniet. Aber ich ich brauche keine knieende Frau vor mir. Außer zum Blowjob. Das der auch zum Deepthroat ausarten kann, wenn sich mein Schwanz in ihrem Mund wohlfühlt, das habe ich ihr schon angedroht. Und auch, das ich keine Rücksicht auf Reflexe nehme. Sie klang am Telefon, als ich ihr das sagte, verunsichert.
Aber ich hab gesagt: „Du schaffst das schon!“.
Und nach dem Blowjob/Deepthroat darf sie mich gerne mal „Herr“ nennen.

Aaaach…Mist… T-8 Minuten. Ich muß nochmal pinkeln. Aufpassen – Hose nicht versauen! Das untergräbt die „Autorität“. Was auch immer das ist.
Es kommt nix. War nur die Aufregung.
Über NS haben wir nicht wirklich gesprochen – das ließe sich hier im Hotelzimmer eh schlecht bewerkstelligen. Vielleicht kommt sie ja auch mal zu mir nach Hause. Aber das wird nicht heute entschieden. Und auch nicht von mir.

Wird sie sich wohl mit mir fühlen? Wird sie es genießen, wenn ich sie hart rannehme, wie wir das in unseren DM-Gesprächen und am Telefon ausgemalt haben?

Ich denk grad an „die anderen“ aus unserer gemeinsamen Timeline. An die, die heute Abend in einen SM-Club fahren. An die, die heut mal wieder Zirkel spielen. An die, die heut nichts vorhaben. An die, die in vielleicht einer Mischung aus Neid und Gönnerfreude uns viel Spaß gewünscht haben. Ich denk auch an die anderen Frauen, die mich interessieren. Ich denk einfach an die ganze „Truppe“.

Das hier ist also die Wirklichkeit. Anders als auf den NTL Bildern. Hier ist niemand schlank, hier ist auch nichts schwarz-weiß. Hier wird sich auch nicht elegant geräkelt.
Und ich werd auch nen Teufel tun, mir nen schwarzen Anzug anzuziehen, um mir den dann mit Champagner, Sperma und Mösensaft zu versauen. Wie gesagt, ich brauch keine Klischeekleidung.

Oooohh Herr, der du bist über den Himmeln.. wat bin ich opjeräch!
Meine Schuhe glänzen. Hemd – frisch gebügelt. Man sieht sogar noch die Bügelkante. Hose und Unterhose: vor 40 Minuten frisch angezogen.
Ich rieche, wie eine lebendige Nivea-men Werbung. Aber nicht zu aufdringlich. Sondern dezent.

Orrrr Mädchen… komm endlich an.. ich halts nicht mehr aus!
T-2 Minuten.

Und dann biegt ein Wagen auf den Hotelparkplatz.
Das ist sie. Ich weiß es.
Und nun entscheidet sich viel.
Sie steigt aus.
Ich stehe auf, und gehe aus der Lobby. Wir treffen uns kurz vor dem Hoteleingang.

Als sie mich sieht, lächelt sie.
Ich seh ihr in die Augen. Ihr Blick verrät mir alles.

Wenn man einer bis dato unbekannten Frau gegenübertritt, und sie ficken, ihr den Arsch versohlen, sie fesseln und vor allem: befriedigen will, dann sollte man den Soundtrack der Sopranos im Ohr haben („woke up this morning“) – und nicht lange nachdenken.

Meine Nervosität ist weg.