Fiona – Teil 4

Die liebe Provokrokant hat ein kleines Twitterprojekt gestartet: Wir schreiben zusammen Geschichte. Eine Fortsetzungsgeschichte, um genau zu sein. Das Prinzip ist dabei schnell erklärt: Sie denkt sich die Grundpfeiler einer Geschichte aus, und einjeder schreibe dort weiter, wo der Vorherschreibende aufgehört hat. Was am Ende dabei herauskommen wird, wissen wir selbst noch nicht und genau das macht es so spannend. Die Teile 1-3 findet ihr hier:

Teil 1: Provokrokant

Teil 2: Madame X

Teil 3: TamyStinson

TEIL 4

Alles, was in den vorigen Episoden bisher um und über Fiona erzählt wurde, ist auch so geschehen. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Daher ist diese, meine Fortsetzung etwas länger ausgefallen.

[Intro]
„Vergessen Sie den Klimawandel … Ich habe eine bessere Story für Sie!“
-das waren fürs erste die letzten Worte, die Chris sprechen sollte. Denn ein harter Schlag traf in am Hinterkopf. Es wäre auch unwahrscheinlich gewesen, wenn Chris` Chef, Herr Meier, auch nur ein Wort von der Story mit der unsichtbaren Studentin geglaubt hätte. Chris fiel in Ohnmacht. Verantwortlich waren dafür zwei Männer. Südländischer Typen, schwarze Maßanzüge, schwarze Sonnenbrillen. Während der eine Schmiere stand, durchwühlte der andere mit stummer, wortloser Coolness Chris‘ Taschen und nahm ihm nur sein Smartphone und seine Kamera ab. Sie ließen ihn liegen – das er nur bewußtlos und nicht tödlich getroffen war, lag an ihrer professionellen Ausbildung. Zu Chris‘ Glück war der Vorgang nicht unbeobachtet geblieben: Es war, als versteckten sich um diese Uhrzeit hinter jedem Busch des botanischen Gartens noch mehr Personen. Eine Frau, breitschultrig, mit kurzen pinken Haaren (mit silbernen Strähnen), in Tarnhose und Biker-Jacke, zwängte sich durch das Gestrüpp. Ihr folgte ein ziemlich großes Kaninchen. Sie kniete bei Chris nieder, fühlte seinen Puls. „Ach … was ist das wieder für eine Scheiße?!“ seufzte sie.
„Ist der junge Mann tot?“ fragte das Kaninchen.
„Nein. Nur bewußtlos …“ antwortete sie, als sie Chris‘ Puls gefühlt hatte. Dann sah sie sich um. „Sehen Sie irgendwo das Mädchen?“
Das Kaninchen lugte vorsichtig nach allen Seiten, schnupperte in jede Himmelsrichtung: „Nein. Sie ist verschwunden. Nichts zu sehen. Mümpf!“
„Na schön …“ seufzte die Frau. „Bringen sie den Jungen hier ins Krankenhaus. Ich habe noch etwas zu erledigen …“
„Aya aye!“ murmelte das Kaninchen, als die Frau sich ihre Motorradjacke wieder zuzog.

Es passierte noch allerhand in dieser Nacht in und um Kiel:

Unweit des Hafens, auf halber Strecke zwischen der Innenstadt und dem Marineehrenmal Laboe, auf dem Ostufer der Kieler Förde, gab es eine Gasexplosion in einem Chinarestaurant. Drei Tote Chinesen. Wenn es diese Explosion in die Schlagzeilen geschafft hätte, hätte es viel Spekulation um einen „ausländerfeindlichen Anschlag“ gegeben. Aber weder die Polizei, noch das Landeskriminalamt, noch der Bundesnachrichtendienst und auch nicht das Konsulat der Volksrepublik China hatten ein gesteigertes Interesse, die Tragödie publik zu machen: Das fragliche Restaurant war die Zentrale und der gewöhnliche Aufenthaltsort des chinesischen Geheimdienstes in Schleswig Holstein. Die drei Toten waren Agenten, die normalerweise die Schiffe der deutschen Bundesmarine im Hafen überwachten. Normalerweise. So aber stieg mitten in der Nacht eine Person auf ein Motorrad, und fuhr davon. Kurze Zeit später gab es den großen Knall. Für die chinesische Militärspionage war hier nicht Neujahr, sondern erstmal Aschermittwoch.

Zur gleichen Zeit, in der Kieler Innenstadt, trank eine Frau Wodka mit einem Mann. Hotelzimmer. Knisternde Erotik. Laszive Blicke. „Was genau machst du in Deutschland, Sergej?“ fragte die Frau.
„Ich bin geschäftlich unterwegs …Import/Export.“ grinste der Mann mit russischem Akzent.
Sergej Sukawitsch Trachadromow dachte nicht im Traum daran, dieser deutschen Luxusmuschi zu erzählen, das er im Auftrag des FSB in Kiel war. Das Mädchen war auch nicht mehr ganz taufrisch, schon Mitte 30. Anwältin. Aber sie war intelligent, willig und verfügbar. Und schlank. Nicht so eine mopsige Matka wie zu Hause in Jekaterinenburg. Und deutsche Frauen haben bessere Zähne. Geben sogar Blowjobs. Und wenn man richtig viel Glück hat, lassen sie sich sogar in den Arsch ficken. Das macht zwar Spaß, ist aber ein Beweis für die Verweichlichung des Westens. Alles Arschficker. Wie die Amerikaner, diese Schwuchteln.
Sergej sah die Frau an – sie zog ihren BH aus. Sie hatte nur noch den schwarzen Slip und halterlose Strümpfe an. Ein russisches Mädchen wäre nie so unanständig. Sie räkelte sich über das Bett zum Nachttisch. Eilig schnupfte die Frau weißes Pulver von einem kleinen Tablett.
„Komm …fick mich, Sergej!“ Der russische Agent lockerte sein breites Kreuz, trat an das Bett und beugte sich zur Frau herunter. Gerade, als er ihr die Beine auseinander drücken wollte, um dieser deutschen Gelegenheitsmöse zu zeigen, was ein richtiger Mann ist, spürte er ein Stechen in der rechten Seite. Wenn der FSB noch der KGB wäre, wäre die Ausbildung der russischen Auslandsagenten besser gewesen. So aber war Sergej das silberne Stilett entgangen, daß die Frau in der Bettwäsche versteckt hatte. Es war ihm auch nicht aufgefallen, daß diese Frau ihn absichtlich in der Hotelbar angesprochen hatte. Die Spitze steckte tief in seiner Leber. Das austretende Blut war fast schwarz. Das letzte was Sergej sah, war das entnervte, gelangweilte Gesicht der Frau. „Mach schon … stirb endlich!“ seufzte sie. Während er langsam verblutete, wälzte sie sich unter dem sterbenden Koloß hervor.
„…ich hoffe, das wars wert!“ fluchte sie in sich hinein.
Da stand sie nun. Blutbefleckt, halbnackt, zugekokst und auch etwas geil.

„Ich hasse Studentenwohnheime!“ seufzte ein Mann, als er durch ein Studentenwohnheim in einem Außenbezirk Kiels tappste. Das richtige Zimmer suchend. „Amerikanische Studenten. Saufen Tequila und Jägermeister bis zum umfallen. Wissen aber nicht, daß Alaska mal zu Rußland gehört hat …“ grummelte er in sich hinein, als er den endlosen Korridor entlang ging. Hinter der einen Tür hörte man ein Skype-Gespräch auf arabisch. Hinter der anderen kochten wohl zwei Asiaten. Hinter der nächsten lebte ein kiffender Informatikstudent. Dann hatte er das richtige Zimmer gefunden. „Meredith Zimmerman“ stand an dem Namensschild neben der Tür. Er klopfte. Die US-amerikanische Biologiestudentin öffnete tatsächlich die Tür.
„Miss Zimmerman?“ fragte der Mann höflich.
„Yes …?“ die junge Amerikanerin war verwirrt und müde. Anscheinend hatte sie schon im Bett gelegen.
Der Mann antwortete nicht. Eine schallgedämpfte Walther-PPK, Kaliber 7,65mm, war die Antwort. Es machte „zumm-zumm“. Ein Schuß ging mitten in die Stirn, der andere in Merediths rechtes Auge. Ihr Hinterkopf zerplatzte – blutige Gehirnmasse, Schädelteile und Haare flogen an die Wand des kleinen 1-Zimmerappartements, noch ehe ihr zuckender Körper dumpf zu Boden gefallen war. Der Mann drehte sich wortlos um, und verließ das Studentenwohnheim genauso still, wie er es betreten hatte. „Ficken wäre jetzt geil!“ war alles, was er dachte.

[Kamera Umschnitt]
„Einen Tag später“ [Kamera-Einstellung: langsamer Helikopterflug über Kiel]
(aus dem Off hört man die Stimme eines Mannes und einer Frau. Mann spricht(mit rheinischem Akzent) )

„Warum können wir nicht irgendwas mit Marzipan machen?“
„Das ist Lübeck! Wir sind aber in Kiel!“
„Und das Stadttor?“
„Das ist aber in Lübeck!“
„Und was mit Seefahrtsgeschichte, der Werft auf der Lastadie?“
„Die ist in LÜBECK!“ „Und warum sind wir dann in dieser Landeshauptstadt von Hedwig-Holzbein, die nichts zu bieten hat? Außerdem reden hier alle wie in einem Werner-Film?!“
„Orrr!“
„Is doch wahr ….jeden Moment kann Meister Röhrich hier um die Ecke getüddelt kommen …?! Hier gibts bloß Handball und die Marine?!“
„Orrrrrr! Das Komitee hat nun mal Kiel als Handlungsort festgelegt! Die Kleine studiert nun mal hier, und nirgendwo sonst!“
„Driss! …Hast du den Russen erledigt?“
„Orr … erinnere mich nicht dran! Mundgeruch und Haare überall. Als ich fertig war, mußte ich mich abreagieren. Hab die Barkeeperin vernascht.“
„Du bringst jemanden um, und hast noch Zeit zu vögeln?“
„Was denn? Ich hatte gekokst und war rattig. Wie liefs mit der Amerikanerin?“
„Kurz und schmerzlos. Und nein, ich hab mich nicht abreagiert!“

[Kamera-Umschnitt: Fußgängerzone Kiel. Es ist der Vormittag nach den soeben geschilderten Ereignissen. Es hat geregnet. Über das nasse Pflaster der Innenstadt klackert ein Paar Stiefeletten. Es ist Fiona. In einem schwarzen Regenmantel.]

In unendlich vielen Gedanken versunken lief Fiona schon seit einer Stunde durch die Kieler Innenstadt. Unsichtbarwerden bei Wut. Unsichtbarwerden beim Orgasmus. Ihre Großmutter, die ihre Fähigkeiten bemerkt hatte – über 600 Kilometer hinweg. Und Chris war über Nacht nicht nach Hause gekehrt. Marleen hatte nur schulterzuckend gemeint, das könne bei ihm hin und wieder vorkommen, wenn er auf Motivsuche in der Stadt unterwegs war. Aber etwas verunsichert war auch sie. Fiona fühlte sich irgendwie unbehaglich, also ging sie in der Altstadt Kiels spazieren. Sie war so tief in ihre Gedanken versunken, das sie nicht merkte, wie eine andere Frau ihr erst heimlich folgte, um dann eiligen Schrittes zu ihr aufzuschließen. Als sie neben ihr war, sprach sie Fiona an: „Entschuldigung: Bist du Fiona?“
Erschrocken drehte diese sich um. „Ähh …jaa?“
Fiona musterte die Frau. Sie war Mitte 30, trug schwarze Lederstiefel, Bluse, Rock und Regenmantel. Schulterlanges dunkels Haar, das von einer Haarspange auf Seitenscheitel gehalten wurde. Albern, wie mit 12. Dafür saß aber auf einer spitzen Nase eine randlose Brille mit rechteckigen Gläsern.
„Wer Sind sie?“ fragte Fiona noch immer verwirrt. Sie hatte noch nicht einmal Angst.
„Ich bin „die Rechtsanwältin.“ Das muß erst einmal genügen. Vertrau mir bitte, ich möchte dir jemand vorstellen …“
Unmerklich nahm sie Fionas Arm, und wollte sie mit sich ziehen.
„Was wollen Sie denn?“ fragte nun Fiona mit schärferem Ton – langsam bekam sie es mit der Angst zu tun. Sie merkte, wie das Kribbeln der Invisibilität wieder in ihr hochkam.
Die Anwältin holte einmal tief Luft: „Fiona. Ich weiß um deine besondere Fähigkeit. Genau darum geht es! Im übrigen weiß ich, wo dein Mitbewohner Chris ist.“ „Sie wissen …“ Fiona sah die Anwältin ungläubig an. Sie hatte diese Frau noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen.
„Ja genau! Und eben darum möcht ich Dir jemanden vorstellen. Hab bitte keine Angst!“
„Was ist mit Chris?“
„Gleich. Komm erstmal mit!“

Wenn Fiona richtig Angst gehabt hätte, wäre sie wahrscheinlich unsichtbar geworden. Aber „hey … du wirst unsichtbar, wenn du wütend bist, wenns dir kommt – deine Oma kann Gedanken lesen, Chris ist verschwunden und eine fremde Frau weiß davon?! Schlimmer kanns ja nicht mehr werden!“ schoß ihr durch den Kopf. So ließ sie sich denn mehr oder weniger freiwillig von der Anwältin um ein paar Straßenecken ziehen.
„Wohin gehen wir?“ wollte Fiona wissen.
„In ein Café…wir sind gleich da!“ antwortete die „Anwältin“ hastig.
„Und warum rennen wir so?“ frug Fiona.
„Weil zwei äußerst heiß aussehende südländische Männer in sündhaft teuren Maßanzügen uns seit einer Weile verfolgen …..NICHT umdrehen!“ zischte die Anwältin. „Wir haben eine Häuserecke Vorsprung. Aber wir sind da. Hier ist es.“
Sie waren vor einem Szenecafé angekommen, einem dieser „Kaffeehäuser“, die mehr hoch und lang als breit sind. Wo man 147 verschiedene Kaffee und Espresso-Sorten bekommen kann, die aber gleichzeitig so schlecht geheizt und zuzgig sind, das man schon ziemlich verhipstert sein muß, um sich freiwillig die 100 Jahre alten blechernen Absinth-Werbeplakate an den Wänden anzugucken.

Sie traten durch die gläserne Tür ein. [„Kling-Klong-Klang-Klong“]
Erst jetzt bemerkte Fiona, daß hinter der Tür jemand gestanden hatte: Eine Frau – mit kurzen, pink gefärbten Haaren (mit silbernen Strähnen).
Sie trug diesmal eine graue Uniform. Fiona wunderte sich nur, aber da diese Frau sie nur stumm süffisant anlächelte, folgte sie weiter der Anwältin. Die „Türsteherin“ hingegen blickte wieder durch die Tür nach draußen, und drehte das „Open“-Schild auf die Rückseite. „Closed“. Sie würde die Straße weiter im Auge behalten. Das Café war leer. Und nicht beleuchtet. Nur in einer hinteren Sitzecke glimmte schwach eine Tischlampe. Ein Mann saß an dem Tisch in der Nische. Fiona wurde von der Anwältin in die Sitzecke geführt. Sie nahm Platz. Dem Mann gegen über. Erst jetzt bemerkte sie, das neben dem Mann offenbar ein schlafendes großes Kaninchen saß. Die Anwältin setzte sich neben sie.

Fiona musterte den Mann. Etwas verschlafener Blick, mitte 30, markantes kräftiges Kinn, vielleicht etwas asymmetrisch. Dunkelblondes Haar und Geheimratsecken. Aber die Augen! Der Mann hatte grau-blau-grüne Augen. Fast hypnotisch. Müde Augen, aber faszinierend. Sie wußte nicht, ob sie den typ heiß oder bedrohlich finden sollte. Wahrscheinlich beides.

„Sie sind Fiona, die Biologiestudentin …?“ hob der Mann an.
„Äh ja … “ Fiona war irritiert. Sie fühlte sich unwohl – aber nicht wütend. Und da alle Augen auf ihr ruhten, konnte sie sicher sein, das sie noch sichtbar war.
„Wer sind Sie?“ wollte sie wissen.
„Das werde ich Ihnen vielleicht nachher noch sagen. Bitte haben Sie keine Angst, Fiona. Ich tu` Ihnen nichts. Versprochen! Aber ich muß Ihnen erst ein paar Fragen stellen.“
„Okee …“ Fiona war unsicher und verwirrt. Was wollten diese Leute von ihr?

„Meine Leute und ich haben wegen Ihnen, Fräulein, einige Arbeit!“ hob der Mann wieder an. „Aber der Reihe nach. Sie werden sich sicher fragen, wer wir sind, und was wir von Ihnen wollen. Ich mache es kurz: Es geht um drei Punkte: ihre Sexualität, ihre besondere Fähigkeit unsichtbar zu werden – und leider auch um etwas internationale Sicherheitspolitik.“
„Was ist mit Chris, meinem Mitbewohner?“ – Fiona fiel ein, das es noch etwas wichtigeres gab.
„Dem geht es gut. Er ist im Krankenhaus …“
„Im Krankenhaus?“ schrak Fiona auf.
„Unsere Sicherheitsexpertin“ -der Mann deutete auf die Frau an der Eingangstüre- “ und unser Kaninchen hier, haben ihn gestern Abend bewußtlos im botanischen Garten gefunden und ins Krankenhaus verfrachtet. Er ist niedergeschlagen worden.“
„Im botanischen Garten …“ Fiona stockte. Ihr Gesicht wurde rot – hatte Chris sie beobachtet? Doch dann besann sie sich.
„Niedergeschlagen? Von wem? Warum? Geht es ihm gut?“

Der Mann sah Fiona an. „Haben sie bitte, bitte keine Angst!“ er hob beschwichtigend die Hand. „Trotz seiner albernen Erscheinung mit Skinny-Jeans und …wie heißen die Dinger?“
„Chucks!“ ergänzte die Anwältin.
„Ach ja richtig …“ grummelte der Mann weiter „…und seiner unzivilisierten Frisur: geht es ihm gut. Er ist von zwei Agenten niedergeschlagen worden. Wahrscheinlich, weil er beobachtet hat, wie sie im botanischen Garten masturbiert haben und unsichtbar geworden sind.“
„Was für Agenten?“ fraget Fiona fassungslos. „Die gleichen zwei Männer, die uns eben verfolgt haben -“ setzte die Anwältin ein „Die sind wahrscheinlich zwei Dominikaner oder Jesuiten. Päpstlicher Geheimdienst.“
„Aber … was wollen die denn von mir?“
„Die wollen Sie aufgrund ihrer übernatürlichen Eigenschaften gründlich unter die Lupe nehmen. Niemand legt übernatürliche Fähigkeiten an den Tag, ohne das es Rom nicht mitbekommt.“ fuhr der Mann fort. „Ich erkläre Ihnen auch, wie das alles zusammenhängt. Aber vorher werden Sie mir ein paar Fragen beantworten, verstanden?“
Fiona wußte immer noch nicht, wie ihr geschah: „okee … „

„Was halten Sie von Donald Trump?“
„Ähhm … bitte was?“ „Was halten Sie von dem?“
„Ein Arschloch?!“
„Jut … Und was halten Sie von Wladimir Putin?“
„Auch ein Arschloch?!“ Der Mann nickte nur stumm.
„Nur noch zwei Fragen … Was halten Sie von Xi Jinping?“
„Wer?“ fragte Fiona. „Kenn ich nicht.“
Diese Antwort hatte der Mann offenbar erwartet. „Das ist der Ober-Macker von China. Aber ich verrate Ihnen was, Fiona: Das ist auch ein Arschloch. Und was halten Sie vom Papst?“
„Ich äh … ich glaube nicht an Gott.“
„Nobody is perfect …“ seufzte der Mann augenrollend, und konnte seine Enttäuschung nur schwer verbergen. „Das war ja auch nicht die Frage …Na schön …ich verrate Ihnen was: im Vergleich zu den drei anderen ist der heilige Vater nicht ganz so ein großes Arschloch, wie die anderen drei. Aber alle diese Männer hatten ihre Agenten auf Sie angesetzt, Fräulein.“
„Was zur Hölle hat das alles mit mir zu tun?“ fragte Fiona kopfschüttelnd. „Und mit meiner Sexualität? Meiner Begabung? Und woher wissen Sie das? Für wen arbeiten Sie? Das FBI?“

Der Mann und die Anwältin mußten mit den Augen rollen. Diese junge Generation kannte offenbar keine vernünftigen „Bösewichte“ mehr, als das FBI. „Danke Netflix, du Horizontverenger!“ dachte der Mann bei sich. Er seufzte.
„Um ihre Frage zu beantworten: Nein. Meine Leute arbeiten nur für mich. Ich bin Teil eines Komitees, das für eine Weile die Fürsorge für Sie, junges Fräulein, übernommen hat!“
„Fürsorge? Warum das denn?“
„Weil Sie sich unsichtbar machen können?! Wissen Sie, was das bedeutet? Amerikaner, Russen und Chinesen waren hinter Ihnen her. Für die militärische Forschung dieser Länder sind sie von unschätzbarem Wert. Schiffe, Flugzeuge, Panzer – stellen Sie sich mal vor, das ist alles unsichtbar. Nicht nur auf dem Radarschirm, sondern auch für das menschliche Auge. Haben Sie auch nur einen Hauch einer Ahnung, was man mit Ihnen gemacht hätte? Entweder hätte man aus Ihrem Genmaterial versucht, neue Tarnvorrichtungen zu bauen – oder aber …“
„Was?“
„Hätte man versucht, Sie zu töten. Damit sie nicht einem der Konkurrenten in die Hände fallen. Denen könnte ja unter Umständen gelingen, was einem selbst noch nicht gelungen ist. Mit anderen Worten: Sie waren in Lebensgefahr.“
„Wegen meiner Fähigkeit beim Orgasmus unsichtbar zu werden, war ich in Lebensgefahr?“ fragte Fiona. Sie sah den Mann an. Er sah sie an. Sie hatte einen ungläubigen Blick, aber seine Miene war ernst.
„Ja. Die Amerikaner hatten eine Biologie-Studentin, Meredith Zimmerman, auf sie angesetzt, die Russen haben ihren zweitbesten Mann hergeschickt – und die Chinesen waren auch an Ihnen interessiert. Aber die Probleme haben wir…Ich sag mal so… den ausländischen Geheimdienstlern, die auf sie angesetztwaren…ist letzte Nacht etwas „zugestoßen“. Kurz, nachdem Sie sich mal wieder unsichtbar masturbiert haben und Chris Sie dabei beobachtet hat. Lediglich die zwei Schnüffler vomVatikan laufen noch irgendwo rum, aber um die kümmern wir uns auch noch.“ Er machte eine kurze Pause.

„Und damit das alles nicht nochmal passiert, werden wir Ihnen helfen, mit Ihrer Unsichtbarkeit klarzukommen – und: wir werden ihrem Sexualleben etwas auf die Sprünge helfen!“
„Woher wissen Sie das eigentlich?“ fragte Fiona beinahe tonlos.
Der Mann ging nicht darauf ein, sondern zündete sich eine Zigarette an.
„Können Sie die bitte ausmachen?“
„Nein.“ brummte der Mann, sog an seiner Zigarette, und fuhr fort:

„Sagt Ihnen der Name Philomena Weissesbesser etwas?“
„Nein…?“
„Das war Ihre Ur-ur-ur-ur-Urgroßmutter. Sie war 1815 bei der Schlacht von Waterloo Marketenderin und Regimentshure bei den „Braunschweiger Jägern“, die mit Wellington Napoleon besiegt haben. Sie gab einfachen jungen Soldaten den letzten Blowjob vor der Schlacht – für viele wars auch der letzte ihres Lebens. Aber auf den Abendgesellschaften und ausschweifenden Orgien der höheren Offiziere trat sie als Wahrsagerin auf: Sie konnte in die Zukunft sehen, allerdings nur dann, wenn sie squirtete. Sie feierte mit den hohen Herren, masturbierte vor aller Augen, und konnte dann wichtige Ereignisse voraussagen. Auch wenn Wellington davon profitierte, sah er sich doch gezwungen, aus Gründen der Räson ihre Urahnin wegen „Unzucht“ nach den damaligen Gepflogenheiten mit der 9-schwänzigen Katze auspeitschen zu lassen. Allerdings bekam sie davon einen derartigen Orgasmus, daß sich ein Orkan-artiges Unwetter und Donnersturm erhob, der den Briten, Preußen und Braunschweigern beinahe den Sieg über die Franzosen gekostet hätte …!“
„Aber…woher…wieso…wissen Sie das alles?“ Fiona war erstaunt.
Der Mann holte einmal tief Luft. „Weil ich Histo….“
„Wir haben das recherchiert!“ fiel die Anwältin ihm ins Wort.
Der Mann schien seiner Anwältin das einfach so durchgehen zu lassen, denn er fuhr fort:
„…und sagt Ihnen der Name Greta Hunkemöller etwas?“
„Nein …“ antwortete Fiona irritiert.
„Das war ihre Urgroßmutter. Die Mutter ihrer äußerst empathischen Oma. Sie war in den dreißiger Jahren, wie viele Millionen anderer junger Frauen auch, im BDM. Quasi die Hitlerjugend für Mädchen. Das ist nicht weiter tragisch, meine Großutter war auch Mitglied – aber im Gegensatz zu meiner Oma hatte ihre Urgroßmutter eine lesbische Liäson mit ihrer Scharführerin, dh. ihrer direkten Vorgesetzten. Das war ideologisch nicht im Sinne der Nazis, kam aber öfters vor.“
„Moment…meine Uroma war ein Nazi?“ fragte Fiona entsetzt.
Der Mann seufzte. „Nein. Sie war, wie meine Großmutter, ein Kind ihrer Zeit. Während eines Sommer-Zeltlagers im Jahre 1939 hatte ihre Uroma heimlich Sex mit ihrer Scharführerin. Auf was ich hinaus will: Ihre Uroma wurde genau wie Sie unsichtbar, und konnte für eine gewisse Zeitlang gegen alle Regeln der Physik in der Luft schweben – und vor allem: sie konnte Gegenstände bewegen. Durch bloße Gedankenkraft – während ihren Erregungszuständen. Telekinese nennt man das.
Natürlich bekamen die Nazis Wind von der Sache, wollten sich die Kräfte ihrer Urgroßmutter zu Kriegszwecken bemächtigen. Als sie sich jedoch weigerte, steckte man sie mit ihrer Geliebten ins Frauen-KZ Ravensbrück. Dort machten die Nazis Experimente – und heraus kam allerdings nur das hier“
Der Mann stellte ein braunes Apotheker-Fläschen mit Korkverschlußauf den Tisch. Es enthielt 147 weiße Pillen. Auf dem vergilbten Etikett stand „Refortat“.
„Was ist das?“ fragte Fiona.
„Das ist ein Präventivmittel gegen Unsichtbarkeit. Wenn Sie jedesmal, wenn Sie Sex haben, unsichtbar werden, könnte das ihre Sexualparter/innen auf Dauer etwas verunsichern.“ bemerkte der Mann mit einem süffisanten Unterton. „Deshalb nehmen Sie vor jedem Geschlechtsakt eine dieser Pillen, und Sie bleiben sichtbar. Die einzige Nebenwirkung ist, daß das Präparat alkoholbedingte Trunkenheit innerhalb von fünf Minuten eliminiert. Dh. man ist wieder glockennüchtern.“
„Und woher haben Sie das Zeug?“
„Nun… bei diesen Experimenten war jemand unfreiwillig anwesend, der unsichtbare Menschen auch sehen kann, wenn sie für andere Menschen unsichtbar sind.“ mit diesen Worten deutete der Mann auf das Kaninchen, das die ganze Zeit still und leise mit einem Strohhalm Fanta aus einer Flasche genuckelt hatte. Das Langohr, gewahr, das von ihm die Rede war, öffnete die Augen und setze ein naives „So ist es, mümpf!“ hinterher. „Da, wo Menschen unsichtbar werden können, können Kaninchen auch sprechen, und umgekehrt, mümpfennämlich! Ich habe damals ihrer Urgroßmutter und ihrer Freundin zur Flucht aus dem Lager geholfen. Die Nazis waren sehr, sehr böse Menschen, nämlich!“

Die Anwältin fuhr nun fort:
„Sie sind das bislang letzte Glied einer langen matrilinearen Reihe von übernatürlich begabten Menschen. Diese Fähigkeiten werden seit Generationen von Mutter zu Tochter weitergegeben. Und soweit es Unsichtbarkeit betrifft – kann nur unser Langohr hier diese Frauen sehen. Aber das wird dank der Pillen nicht mehr nötig sein.“
„Warum haben sie meiner Mutter nicht diese Pillen gegeben? Oder meiner Großmutter?“
„Weil die Unsichtbarkeit nicht in jeder Generation auftritt. Die besonderen Fähigkeiten variieren von Generation zu Generation.“

„Ich weiß… bzw. ich habe so etwas geahnt….meine Mutter ist eine Schamanin..und meine Großmutter auch..sie können“ hob Fiona an.
„Orrrr hören Sie bloß mit diesem Schamanengefasel auf!“ Fuhr ihr der Mann über den Mund. „Neueheidnischer Mumpitz …nur weil sich im 18-19. Jahrhundert ein paar sexuell verklemmte und versnobbte puderperrückte sklavenhaltende Flachwichser auf pseudo-kelto-druidische Steine einen runtergeholt haben, haben wir heute immer noch immernoch Antisemitismus, Mittelaltermärkte und schwarze Raben geil-findende Triskeloschwachmaten.“
Fiona war war wie vor den Kopf geschlagen. Dies schien der Mann auch zu bemerken, daher ruderte er mit seinen Mitteln zurück: „Das ist jetzt vielleicht salopp ausgedrückt, aber glauben Sie mir. Ich bin Historiker! …das ist alles hineininterpretierte Erfindung. Wissenschaftlich nicht zu halten. Wirkliche Schamanen gibt es nur bei den Tungusen und Ewenken in Sibirien.“
„Aber meine Mutter kann wirklich mit …“
„Ja … mit Toten sprechen. Und Gedanken lesen. Ich weiß, ich weiß. Das konnte Hildegard von Bingen auch …!“ (das war war zwar gelogen, verfehlte aber nicht eine gewisse Wirkung)

„Der eigentliche Punkt ist, mein liebes Fräulein, es hat immer etwas mit Sexualität zu tun. Bei allen Frauen in ihrer Familie.“ Der Mann versuchte die Atmosphäre etwas zu lockern, und lehnte sich entspannt zurück.
„Sie haben einen twitteraccount?“
„äh..ja.“ antwortete Fiona vorsichtig. Der Mann hob abwehrend die Hand. „Nein, ich meine nicht „@seelensternchen123“ …ich meine den anderen Account.“
Er machte eine abwartende Pause. Fionas Pupillen weiteten sich ganz leicht, fast unmerklich vor Entsetzen.
„Ich meine den Account „@Biology_of_Sin_666″. …etwas kitschiger Name.. aber Sie haben sich Mühe gegeben, immerhin.“
„Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen!“
„Doch, das glaube ich schon.“ fuhr der Mann in seinem leichten rheinischen Singsang fort.
„Sie folgen @provokrokant und @TamyStinson, @Needie_, @MadameX, @Crimson_Silk …und natürlich Ophelia_BDSM. Sie lesen brav mit, faven hin und wieder, und halten sich ansonsten zurück.“
„Woher wollen Sie wissen, das ich das bin?“ fragte Fiona trotzig.
„Ihre Augen haben es mir gerade verraten.“ antwortete der Mann mit einem schmunzelnden Lächeln voll von anachronistischer cis-weiß-männer-Sicherheit.
Wieder machte er eine Pause. Fiona war perplex.
„Sehen Sie … solchen Leuten folgt man nicht, weil man unbedingt erpicht darauf ist, sich ellenlange threads zu haarspalterischen dogmatischen Auslegungen von Übergriffigkeit und Feminismus durchzulesen.“ Er sah sie ganz fest an. Starrte ihr in die Augen. Und sie sah in seine Augen. Er spürte ihre Unsicherkeit. Deswegen fuhr er fort:
„Man folgt solchen Leuten, weil man Vorlieben hat. Ein Verlangen hat. Ein Verlangen nach einer Hand ….am Hals. Einer Hand … die an den Haaren zieht …die Ohrfeigen gibt …die Schmerzen und Geborgenheit gleichermaßen gibt …“
„Hören Sie auf!“ zischte Fiona. Sie bemerkte, wie das Gefühl des Unbehagens der Wut wich. „Es“ begann wieder in ihr hochzukribbeln.
„Geben Sie sich keine Mühe. Für uns können Sie vielleicht unsichtbar werden, aber für ihn hier nicht.“ Er deutete wieder auf das Kaninchen.

Fiona schnaubte. Sie fühlte sich „enttarnt“ . Und hoffte, ihre besondere Tarnfähigkeit würde jetzt etwas nützen. aber das Kaninchen legte seine lange Pfote auf ihre linke Hand – sie spürte, wie sie sichtbar blieb.
„Mögen Sie Männer in Uniform?“ fragte der Mann, obwohl er die Antwort bereits kannte.
„Das geht Sie gar nichts an!“ fauchte Fiona.
„Danke für ihre aufschlußreiche Antwort, Fräulein!“ schmunzelte der Mann.
„Bevor Sie ihre summa-cum-laude-Muschi zur nächsten Studentenparty schleifen: Was erhoffen Sie sich da zu angeln? Einen Skinny-Jeans-Studenten? Der dann zu einem trostlosen alt-Hippie an der Seite seiner Schamanen-Frau verkommt, genau wie ihr Vater?“
Fiona war baff. In der Tat – wenn sie es recht bedachte, hatte ihr Vater immer im Schatten ihrer dominanten spirituellen Mutter gestanden. Dann schoß ihr ein anderer Gedanke durch den Kopf:
Dieser Mann, mit seinen faszinierenden Augen, sagte immer „Fräulein“: „Fräulein! KEIN MANN nennt eine junge Frau jemals „Fräulein!“ das ist herabwürdigend, übergriffig, frauenfeindlich und ….scheiße … macht mich das heiß! Wenn der gleich „mein Kind zu mir sagt!“ …dann explodier ich entweder bis in alle Ewigkeit in die Unsichtbarkeit, oder ich muß mir gleich nen neuen trockenen Schlüpper anziehen!“ fluchte Fiona in sich hinein. Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum.

Ihre Unsicherheit wandelte sich urplötzlich in Angriffslust:
„Na schön. Ich interessiere mich für bdsm, und verfolge die #ntl auf twitter. Und ich finde Männer in Uniform attraktiv….und ich habe schon darüber nachgedacht, ob ich mich bei dieser Ophelia_BDSM™ für eine O-Runde anmelde…. aber ich habe mich noch nicht getraut, weil ich noch keinerlei Erfahrung habe.“

„Also, wenn Sie das machen sollten, Fräulein, dann bestellen Sie der Frau Kollegin bitte nen schönen Gruß von mir…“
„Sie kennen Sie?“ fragte Fiona mit leichtem Glanz in den Augen.
„Ja…es gibt sie wirklich. Sie ist ein echter Mensch. Aber Sie werden sich ihrer Sexualität ersteinmal anders bewußt werden, ohne [OpheliasVorname]s Grundausbildung. Denn noch stehen Sie hier unter meiner Kuratel, bevor jemand anderes aus dem Komitee die Fürsorge für Sie übernimmt.“
„Was soll das heißen? Wollen Sie etwa mein Dom sein?“ fragte Fiona mit einem Unterton der Belustigung und des Erschreckens.
„Och …gnädiges Fräulein … ich ficke für mein Leben gern. Sogar so, das es weh tut …“ der Mann kratzte sich süffisant grinsend am Hinterkopf, und sah Fiona wieder fest in die Augen. Und Fiona malte sich gerade aus, wie sich das anfühlen würde, auf analem Wege das Hirn rausgevögelt zu bekommen.
„Aber ich kann nicht jede submissive, devote und masochistisch veranlagte Frau auf der Welt vögeln. So sehr ich es auch wollte. Und in Ihrem Falle, Fiona, werde ich wohl einstweilen auf das Vergnügen verzichten müssen. Ihr Schicksal liegt nicht allein in meinen Händen. Sondern in denen eines Komitees – da bin ich nur ein gleichberechtigtes Mitglied. Und ich möchte die anderen Mitglieder nicht brüskieren. An diesem Punkt endet mein Zuständigkeitsbereich. Sie haben eine einzigartige orgiastische Begabung, Fräulein. In Ihnen wohnt eine besondere Energie. Dieselbe Energie, die sie hin und wieder unsichtbar werden läßt. Da ist etwas in Ihnen – und ich bedauere zu tiefst, das ich es nicht bin, der diese Energie freilegen wird. Sie sind geboren, um zu dienen. Das sehe ich in Ihren Augen. Sie brauchen diese besondere „Führung“.“

„Was soll das heißen?“ fragte Fiona.
Die Anwältin hatte ein tablet hervorgezaubert, und antwortete anstelle des Mannes:
„Wir haben ein Joyclub Profil für dich angelegt. Und auch schon ein paar passende Männer für dich gefunden-“ die Anwältin machte eine abwartende Pause. „Wir denken, daß das das beste für dich ist.“
„Sie haben bitte WAS?“
„Wir haben genug Bilder von deinem Handy, wir kennen deine Interessen und deine Neigungen…. hier ist dein Paßwort.“
Die Anwältin schob Fiona einen Zettel mit Nickname und Paßwort zum ihrem JoyClub-Profil rüber.

„Kiel ist seit über 150 Jahren Marinestützpunkt …. schnappen Sie sich nen jungen Oberleutnant zur See … achnee …das sind alles junge Familienväter … lieber einen geschiedenen Kapitänleutnant zur See …jemand mit Dominanz und Uniform …. und bei Gott … lassen Sie sich ordentlich durchficken, Mädchen!“ brummte der Mann wieder als Antwort.
„Ich bin etwas verwirrt…!“ Fiona schüttelte den Kopf.
Er hatte „Mädchen“ gesagt! Fiona zwang sich, nicht ausfällig zu werden, und gleichzeitig ignorierte sie ihren dezent angefeuchteten Schritt.

„Ich fasse gerne nochmal zusammen, Fräulein: Erstens: Sie waren in Gefahr, weil Sie bei Erregung unsichtbar werden. Diese Gefahr haben wir eliminiert. Zweitens: Sie haben jetzt ein Gegenmittel, das verhindert, das Sie unsichtbar werden. Drittens: Sie wissen nun, daß Sie in ihrer Familienlinie nicht alleine mit dieser Problematik da stehen. Und viertens: Sie müssen Ihre Sexualität erforschen und bewußt leben! Sie müssen ihre Bestimmung finden, Fräulein! …Ich hab schon Frauen gefickt, die waren noch viel unsicherer als du, Mädchen. Und die konnten nichtmal unsichtbar werden! Gehen Sie jetzt, Fiona. Sie haben morgen Abend ein blind-Date. Wir halten Ihnen den Rücken frei, Chris geht es gut, und in ihrer Mitbewohnerin Marleen haben Sie eine Freundin, die Ihnen zuhören wird. Entdecken Sie sich selbst!“

Alle erhoben sich, bis auf das Kaninchen, das wieder zu schlafen schien.

In Fionas Kopf drehte sich alles. Derartigen Input war sie nicht gewohnt. Beim hinausgehen fragte sie den Mann und die Anwältin: „Die da hinten, an der Tür mit den pinken Haaren ….warum sieht ihre Uniform aus wie eine aus Iron Sky?“

„Hey … Grau ist eine schöne Farbe!“ brummte die gemeinte schmunzelnd und warf Fiona einen vielsagenden Blick zu. Fiona verließ das Kaffeehaus. Verwirrt. Mit Mitteln gegen ihre Unsichtbarkeit. Mit einem Joyclubaccount und einem Blindate am nächsten Tag.

„Und nun?“ fragte die Anwältin, als Fiona zur Türe raus war.
„Naja… Ihr kümmert euch noch um die zwei Designer-Agenten aus Rom – und ich sag beim nächsten Komitee-Mitglied bescheid, das wir den Staffelstab Fiona übergeben haben.“ antwortete der Mann.
Vaya con Dios, Fiona…vaya con Dios…“ murmelte er noch, als er @Crimson_Silk eine WhatsApp-Nachricht schrieb.

Teil 5: Crimson_Silk

Teil 6: JoyFull117

Teil 7: PeachBlack

Teil 8: Needie

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