Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil1

hongkong

Funkspruch des ZA an die Geheimdienstzentrale: „Der Magic Wand ist alle. ZA-1 in Hongkong inhaftiert.“

Naturkautschuk wird meist in Südostasien aus Latex gewonnen, dem Milchsaft des ursprünglich aus Brasilien stammenden Kautschukbaumes (hevea brasiliensis). Er dient hauptsächlich der Herstellung von Gummi (Elastomere) mittels Vulkanisation.

In der deutschen Sprache sind Eigennamen von Schiffen grundsätzlich weiblich. Ob „Gorch Fock“, ob „Bismarck“, ob „Goethe“ oder „Drachenfels“: wird der Name eines Schiffes genannt, so ist der dazu gehörige Artikel „die“.
Nun ist die snöffische Marine ein in der Summe recht überschaubarer Verein – es gibt neben vielen kleinen hölzernen Flußkähnen und Schaluppen lediglich zwei große Überwassereinheiten: Die dem geneigten Leser vielleicht schon bekannte „Senkholzschraube“, einem Hochseeraddampfer mit zwei Geschützen und… dann ist da noch das andere Schiff: der „Khedive“.
Als im Star-Wars Universum dem dortigen Imperium bei einem Zwischenfall ein kleiner Sternenkreuzer abhanden gekommen war (eines von den lang gezogenen spitzen Dreiecken), und darauf hin kurze Zeit später der Rumpf dieses Fahrzeuges unweit der snöffischen Küste im Meer trieb, dauerte es nicht lange bis der Küstenschutz das Wrack entdeckte.
Zu den Eigenheiten des snöffischen Volkes, das ja in der Hauptsache aus Hasen, Igeln, Bärchen, Murmeltieren und sonstigen friedfertigen Gesellen besteht, gehört eines sicher nicht: Die Weltraumfahrt. So kletterten denn die dem Leser vielleicht ebenso schon bekannten Marine-Hasen auf dem Wrack herum, und es dauerte nicht lange, bis dieses Wrack als Überwasserschiff genutzt wurde. Völlig seiner futuristischen Technik und Inneneinrichtung beraubt, mit zwei großen MAN-Dieseln und sechs 88mm-See-Geschützen versehen, war der „Khedive“ seitdem der geheime Stolz der snöffischen Marine. Äußerlich, durch seine dreieckige Erscheinungsform einem hypermodernen Stealth-Schiff ähnelnd, innerlich ein schwerfälliger Koloß auf dem technischen Stand der 40er Jahre, setzte das snöffische House of Lords den „Khedive“ nur sehr, sehr selten, für äußerst wichtige Missionen ein.
Selbst Athanasius Weitwinkel, mußte sich die Benutzung dieses Schiffes auf einem extra hierfür einberufenen außerordentlichen snöffischen Weinfest genehmigen lassen.
Meine eigene Marine war, um ehrlich zu sagen, doch recht neidisch auf den Pott, und Kerstin hätte ihn gerne als unsere eigene neue Geheimwaffe in unsere Dienste überführt – aber ich war mit dem snöffischen House of Lords übereingekommen, das Snöfland den „Khedive“ behalten könne, dafür aber von einem weiteren Ausbau ihrer Seestrreitkräfte (von besagten kleinen Booten einmal abgesehen) Abstand nahm.
Der Name „Khedive“ kommt aus dem ägyptisch-osmanischem Kontext, und bedeutet soviel wie „Vizekönig“. Warum Snöfland dieses Schiff so taufte – who knows. Sie bestanden aber auch auf dem männlichen Artikel.

Zurück in die reale Welt: Polizeipräfektur Hongkong. In einer menschenunwürdigen warmen, stickigen Einzelzelle starrte eine junge Frau gelangweilt die Decke an. Außer ihren Flecktarnhosen und dem verschwitzen beige-farbenen tank-Top hatte sie nichts. Vor zwei Tagen hatte die Polizei der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong versucht, die junge Frau in einer üblichen Mehrpersonenzelle unterzubrinegn – was aber in einem Tumult und einer Schlägerei unter den inhaftierten Frauen geführt hatte. Meist noch minderjährige Nutten, Laden- und Garküchenbesitzerinnen, die es gewagt hatten, ihre Schutzgelder nicht fristgerecht zu bezahlen, und allerlei zwielichtige Gestaltinnen mehr.
Johanna de Clerk hatte es schlichtweg für unter ihrer Würde gehalten, mit 25 dieser Chinesinnen in einer Zelle zubringen zu müssen, die von ihren britischen Erbauern ursprünglich einmal für 4 Personen gedacht war. Also hatte sie sich auf ihre Art „ein Einzelzimmer bestellt“, und eine Schlägerei angefangen. Die chinesischen Polizisten hatten es dann auch ihrem Wunsch gemäß für klüger befunden, die renitente Europäerin in eine Einzelzelle zu verfrachten.
Leider hatte Johanna in diesem Tumult auch noch ihre Flipflops verloren, so daß sie nun barfuß war. Das war aber nicht weiter tragisch gewesen, sie hatte in ihrer Kindheit in Südafrika auch selten Schuhe getragen.
Aber diese Einzelzelle – so sehr sie hier ihre Ruhe hatte, war entsetzlich dreckig. Im Boden war ein offenes, stinkendes Loch, in dem mannigfache Reste von Exkrementen und vertrocknetem Monatsblut an der zersplitterten Keramikeinfassung klebten – außerdem Reste von Reis und einer undefinierbaren Masse, die zu leben schien.
Einen Ventilator gab es nicht, und die Klimaanlage die am vergitterten Fenster angebracht war, war augenscheinlich defekt. Man hörte den Lärm der asiatischen Megacity, ein ständiges surren und summen und hupen. Die Luft in der Zelle war an sich schon schlecht, aber besser war sie außerhalb sicherlich auch nicht – der Smog lag wie eine Glocke über Hongkong.
Was Johanna aber in ihrer Lage nicht verzweifeln ließ, war die Tatsache, das sie kurz vor ihrer Festnahme noch einen Notruf hatte absetzen können. Sie wußte, irgendjemand würde sie hier rausholen kommen. Sie wußte nicht, wer das sein würde, oder wann und wie – aber sie blieb gelassen.

Von offiziell registrierten Anlegeplätzen in Hongkong sprechen zu wollen, wäre wohl etwas zu viel verlangt. Aber irgendwo, mitten in einem maritimen Gewusel aus Küstenmotorschiffen, Dschunken, Fähren und kleinen Fischerbooten, strebte eine Motorbarkasse dem Ufer zu.
Die Motorbarkasse war umseitig geschlossen, so das man nicht sehen konnte, wer die Passagiere waren. Einzig am offenen Ruderstand hätte man einen langen dünnen Hasen in marineuniform erkennen können, der auf den Namen Günther gehört hätte.
Irgendwo in dem Gewusel zwischen Wasser und Land, zwischen all den kleinen anderen Wasserfahrzeugen, verschwand die Barkasse um unentdeckt an einem kleinen Steg festzumachen.

„Seufz…diese Stadt hätte niemals an die Chinesen zurückgegeben werden dürfen…seufz…“
Eine halbe Stunde, nachdem die Barkasse an einem der unzähligen Stege fetsgemacht hatte, tappste Athanasius Weitwinkel unter Hitze und Smog leidend, durch das Straßengewirr Hongkongs.
„Früher hätte ich im Gouverneurspalast diese Angelegenheit aus dem Weg räumen können. Ich hätte mit seiner Exzellenz dem Statthalter auf der Veranda sitzen können, Earl Grey getrunken, Gebäck geknabbert, uns von indischen Dienern im Livree Zitronenlimonade reichen lassen und uns von malayischen Lakaien im Livree Luft zu fächern lassen können….mümpf!“
Weitwinkel seufzte. Auf seinem Weg durch das Gewirr der Straßen und Menschen wurde ihm sehr, sehr schwer ums Herz. Er versuchte sich mit dem summen von „Rule Britannia“ Mut zu machen, und an bessere Zeiten zu denken. Das erste mal war er in Hongkong gewesen, als das zweite Dampfschiff in der Geschichte überhaupt in Hongkong festgemacht hatte. Das letzte Mal war war in dieser Stadt am 30. Juni 1997 gewesen – zur Übergabezeremonie an die Chinesen. Er hatte sich an Bord der „Britannia“, der Yacht der königlichen Familie, als Royal Sea-Hare (königlicher Seehase) eingeschlichen, um Prinz Charles zu trösten. Leider war dieser Versuch königlich gescheitert: Er weinte wesentlich mehr als der Prince of Wales selbst.
Während er so durch die Straßen tappte, vorbei an unzähligen Garküchen, keuchenden Kulis, stinkenden Mopeds und hupenden Taxis, da blickte er in die vielen chinesischen Gesichter. Die vielen Menschen, die ja eigentlich nichts dafür konnten, das sie ja jetzt Chinesen und keine Untertanen ihrer Majestät mehr waren. Und wieder summte er, um sich aufzumuntern, und um nicht total emotional zu vermümpfen. Das Motiv aus „Tochter Zion“, das bei Orchesteraufführungen gerne als Intro zu „Rule Britannia“ gespielt wird.
Nach einiger Zeit hatte der wackere Athanasius Weitwinkel die Poliziepräfektur gefunden, die er gesucht hatte. Glücklicherweise waren die wichtigen Dinge in dieser Stadt immernoch nicht nur auf chinesisch, sondern auch auf englisch ausgeschildert.
„Es ist so furchtbar heiß hier…mümpf…ich fühle mich wie gebraten. Warum kann ich diese Angelegenheit nicht bei einer gekühlten Zitronenlimonade im britischen Gouverneurspalast auf der Veranda erledigen? Mümpfenschwitz!“ seufzte Athanasius Weitwinkel, als er die Stufen zum Büro eines gewissen Herrn Quang, dem zuständigen Beamten, hinaufstapfte. Als Hase hatte er es zum einen schwer, die kleinen Treppenstufen zu benutzen, ohnehin litt er ja unter seinem Pelz unter den Temperaturen und der schlechten Luft. Es stank nach Reis, Chop Suey, chinesischen Zigaretten und undefinierbaren anderen Stoffen.
„Mümpfendreck! Anstatt mit einem Statthalter zu dinieren, muß ich zu einem chinesischen Beamten Treppen hianufsteigen… o tempora, o mores…seufzenmümpf! Schwitz!“
Sicherheitsbeamte und Pförtner, die ihn anhalten wollen, schubste Weitwinkel einfach aus dem Weg – und trat letztendlich mit einem lauten Türknall in das Büro des Herrn Quang.

…to be continued…
Teil 2

2 Gedanken zu “Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil1

  1. Pingback: Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 2 | senior525's Blog

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