Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 7 (Ende)

Fortsetzung von Teil 6

Ich muß diese Geschichte endlich zu Ende bringen.
Die Luft, der Erzähl-Flow, ist zwar weg. Aber ich ich will es doch wenigstens der Form halber abschließen, damit die Geschichte nicht so eine „Ruine“ bleibt.

Mit meinem letzten Blogeintrag „die Dominanzfalle“ habe ich mir thematisch auch vollends den Wind aus den Segeln genommen. Ich habe dort in Teilen das verbraten, was im letzten Teil von „Rubber, Rabbits and the MagicWand“ hätte kommen sollen.
Daher werde ich versuchen, die Handlung stichpunktartig zuEnde zu führen, da ich ohnehin im vorletzten Teil der Handlung schon etwas vorgegriffen habe. Daher schließt dieser Teil inhaltlich an Teil 5 an.

Johanna und Weitwinkel waren ja auf ihrer Suche nach dem „alten weisen Mann“ und ihrer abenteuerlichen Reise durch Vietnam endlich im Dorf Dôm-Phắc-Sừb-Gãg-Bôl angekommen, und hatten Pierre Carrelet-Turm gefunden.
Dieser alte Mann, ein Europäer der früher mal beim Fernsehen gearbeitet hat, nun Besitzer einer Kautschuk-Plantage, hätte in den Dialogen eingentlich nur unverständlich gegrummelt. Man hätte nur ein „grummel…grummel…Indochina…nichwa…grummel..grummel…Vietcong….Franzosen…grummel…Kalashnikov…nichwa..grummel“ von ihm gehört.
Der alte Mann hätte ferner Weitwinkel und Johanna zum Essen eingeladen. Während des Abendessens hätte er den beiden einen Vortrag über „Herrschaft“ und Kolonialismus gehalten.
Der Geschäftsabschluß wäre vollzogen worden: Johanna hätte ihr Kautschuk bekommen, um die MagicWands zu bauen. Weitwinkel hätte immer noch gegrübelt, wo er so ein Ding schonmal gesehen hätte – und sich ein Teil des Kautschuks für Snookertischbanden und Schnuller für Säuglinge abgezwackt.

Und während des weiteren Gesprächs im abendlichen Kerzenschein im Hochland Vietnams, als Pierre Carrelet-Turm eben jenen Vortrag über Herrschaft und Unterwerfung gehalten hat, begann Weitwinkel sich zu langweilen.
Er wäre unterdessen durch die Bibliothek des alten Mannes gestreift, und hätte dort drei Schriften entdeckt: eine Zeitung „der Sklavenhalter“, die ihn nur verwirrt hätte, und zwei Bücher. Das eine Buch: „Das ultimative Lösungsbuch“. Es beinhaltet alle Maßnahmen, um alle Probleme der Welt zu lösen: Überbevölkerung, Hunger, Armut, Konflikte.
Leider basiert es auf den nüchternen Analysen eines Großrechners, so das die dort enthaltenen „Lösungen“ mitunter menschenverachtend sind. Weitwinkel erkennt die Brisanz des Inhalts, und bekommt das Buch von Pierre Carrelt-Turm als Geschenk für mich („ihren Chef“) geschenkt.
Außerdem schenkt er ihm ein zweites Buch: Es ist goldfarben. Aber da es sieben Siegel hat, kann Weitwinkel es nicht öffnen. Auch dieses soll er mir als Geschenk überbringen.
Im Verlauf des Abends lernen Weitwinkel und Johanna auch die Haushaltshilfe des alten Mannes kennen: eine junge Vietnamesin namens Phắc-Tôi. Und entegegen ihrer latenten Ressentiments gegen nicht-Europäer verliebt sich Johanna sofort in Phắc-Tôi.
Sie beschließt, noch eine Weile in dem Dorf Dôm-Phắc-Sừb-Gãg-Bôl bei Pierre Carrelet-Turm und Phắc-Tôi zu bleiben, um sich in fernöstlicher Kampfkunst zu bilden, die Kautschuk Produktion für die MagicWands zu überwachen und ihr Wissen über Kolonialsmus/Macht/Herrschaft zu vertiefen.
Weitwinkel kehrt mit einer kleinen Motordraisine auf den Schienen der stillgelegten Bahnline zurück nach Saigon – mit den beiden Büchern und der Zeitung „der Sklavenhalter“ im Gepäck.
Als er dann wieder mit dem „Khediven“ in die Heimat gefahren ist, setzt dann die nachfolgende Handlung aus Teil 6 ein.

Ende der Geschichte „Rubber Rabbits and the MagicWand“. Es tut mir leid, das ich die Gedanken nicht weiter ausformulieren konnte, aber besser so telegrammartig, als gar nicht.

Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 6

Dieser Teil der Erzählung handelt eigentlich nach dem Abenteuer Weitwinkels und Johannas in Vietnam, ist aber ein kleiner Vorgriff, um die anderen Handlungsstränge der Gesamtgeschichte wieder aufzugreifen.

Fortsetzung von Teil 5

„Martin Hermannowitsch…wir müssen reden!“
wie die Anrede es vermuten läßt:
Ich hatte Besuch von Nikita Sergejewitsch Pavlov, dem russischen Botschafter in meinem kleinen Land.
Sein Alter war unschätzbar – aber er war alt.
Auf seinem kantigen, leicht breschnewskischem Kopf thronte eine Haartolle, die sich ob der Einbetonierung in Pomade seit den frühen 50er Jahren nicht mehr bewegt hatte.
Diese grau-strähnige Pomadenfrisur war die leninsche Einbalsamierung im friseuristischen Kleinformat.
Und wie sich das für undefinierbar alte Russen gehört, trug er eine etwas abgewetzte Uniform, die über und über mit Orden behangen war.
„Held der Sowjetunion“, „Held der Arbeit“, „Rotbanner-Orden“, „Lenin-Orden“, „Held der russichen Föderation“, allerdings auch ein „ZA-Freundschaftsabzeichen“ und den snöffischen „Blumenorden 2. Klasse“ , um nur die wichtigsten zu nennen.
Im Mund hatte er eine Reihe schöner Goldzähne – ein alter Russe halt. Wann immer ich ihn traf, und das Gespräch auf russische, respektive sowjetische Geschichte kam,
sprach er mit verklärendem Blick vom „großen Genossen Stalin“, und wurde dann trotz seines durch das Alter gebeugten Körperhaltung um ein paar Zentimeter größer.
Aber alles in allem war er eigentlich ein netter Mensch – denn er brachte mir stets russische Zigaretten mit. „Belamorkanal“ – eine Marke, wirklich nur was für Kenner.
Mit zu knickendem Pappröhrechen als Filter. (wers nicht glaubt, der frage bitte meinen Russischlehrer von der Universität, Herrn Dr. Rammelmeier (nicht lachen, der hieß wirklich so!) – der hat in einer ersten Unterrichtsstunden Zigaretten an uns Studenten verteilt.)

„Mein lieber Nikita Sergejewitsch… was verschafft mir denn die Ehre, ihres Besuchs?“
„Nun…ihr Geheimdienstchef…“
„Dr. Heimlich?“
„Ja…Dr. Heimlich. Er hat sich letztes Jahr und auch in diesem Jahr längere Zeit in der Volksrepublik Korea aufgehalten…“
„Das stimmt allerdings. Er war auf Fortbildung.“
„Nun…“ …er sprach zögerlich, so wie man das von Diplomaten sowjetischer Prägung ja gewohnt ist „…in Moskau ist man besorgt, wenn sich ihr Geheimdienstchef dort aufhält!“
„Nikita Sergejewitsch… ich bin ein langzeitarbeitsloser Althistoriker. Ich glaube, die russische Föderation hat andere Probleme, als sich mit dem
Aufenthaltsort eines fiktiven Geheimdienstchefs zu befassen.“
„Das mag sein, Martin Hermannowitsch, das mag sein…aber die Sache ändert sich, wenn ihr Geheimdienstchef einen Golem erschafft, und danach weltweit nach einem verschwundenen Rabbiner sucht, der ihm dabei geholfen hat.
Advents/Weihnachtsfolge 2016 Teil 1
Und wenn dieser Golem außer Kontrolle gerät, könnte das eine Art neuer Bedrohung sein. Und das, mein lieber, interessiert Moskau sehr wohl.“
Ich rollte mit den Augen.
„Wir haben den Golem letztes Jahr mit Hilfe eines Spezialisten wieder einfangen und „abschalten“ können. Er stellt keine Bedrohung für sie dar, glauben sie mir das!“
Advents/Weihnachtsfolge 2016 Teil 3
(ich hoffte inständig, das ich meinen eigenen Worten würde glauben können, denn ich hatte nun längere Zeit nichts mehr von Dr. Heimlich oder der Suche nach dem Rabbiner gehört.
Es wunderte mich auch nicht wirklich, daß ich auf diese ganze, eigentlich geheime Angelegenheit vom russischen Botschafter angesprochen wurde. Der FSB schien tatsächlich doch
recht genau über die Umtriebe meines Dr. Heimlich bescheid zu wissen.)
„Sie brauchen aber den Rabbiner, um den Golem endgültig deaktivieren zu können. Ich kann ihnen versichern, daß die russische Regierung alles tun wird, um Ihnen bei der Suche nach Rabbi Löw zu helfen.“
„Das freut mich zu hören…“ antwortete ich. Ich blickte Pavlov an. Irgendwas hatte er noch.
„Der Präsident hat mich nicht nur zu Ihnen geschickt, weil sie ihren eigenen Geheimdienstchef oder den Rabbiner nicht finden können…“
Ich zog die Augenbrauen hoch – ich wußte ja nichtmal, das ich meinen Dr. Heimlich „verloren“ hatte.
„Vor einiger Zeit ist ein Stealth-Schiff ihrer Marine im südchinesischen Meer aufgetaucht.“
Damit konnte er nur den „Khedive“ meinen, das Schiff, das sich Weitwinkel ausgeborgt hatte, um Johanna zu retten – und was auch immer die beiden dann noch in Asien zun tun hatten.
Rubber, Rabbits and the MagicWand Teil 1
„Ich hab keine Ahnung wovon sie reden, Nikita Sergejewitsch.“
Er lächelte mich an :“Uns ist es im Prinzip egal, wenn sie die Chinesen ärgern, Martin Hermannowitsch, aber wenn eins ihrer Schiffe in Ostasien Unruhe stiftet, ihr Geheimdienstchef in Nordkorea unterwegs ist – während gleichzeitig sich der amerikanische Präsident mit Kim Jong-Un einen Atompoker liefert, dann berührt diese Angelegenheit unsere pazifische Interessenssphäre.“
„So…tut sie das?“
Pavlov machte eine übertrieben freundliche Geste:
„Der Präsident möchte Ihnen einen freundschaftlich gemeinten Rat geben, Martin Hermannowitsch. Wirbeln sie nicht so viel im fernen Osten herum. Das würde sich gegebenenfalls negativ auf unsere Freundschaft auswirken. Und das wollen wir ja beide nicht, oder?“
Das war eine unverhohlene Drohung.
Ich atmete tief ein und aus, bevor ich antwortete: „Bestellen Sie dem Wladimir Wladimirowitsch einen schönen Gruß von mir, Herr Botschafter. Rußland braucht sich keine Sorgen zumachen!“
„Das ist schön!“ lächelte Pavlov mich diplomatisch an.
Als er mein Büro verlassen hatte, riß ich die Tür zum Nebenzimmer auf, in dem sich Kerstin aufhielt. Sie pflegt meine Gespräche mit dem russischen Botschafter immer höchst persönlich abzuhören.
„Kerstin! Wo steckt Heimlich? Und was hats mit dem „Khedive“ auf sich?“
„Martin – ich bin genauso schlau wie du. Was Weitwinkel und Johanna da in Asien angestellt haben, sollten sie uns am besten selber sagen.“
„Johanna ist aber nicht wieder mit zurück gekommen, wenn ich das richtig mitbekommen habe…“
„Also fragen wir Weitwinkel!“ schlug sie vor.
„Der steckt auf seiner Gurkenplantage.“
„Also los, fahren wir!“ rief sie entschieden, und warf mir ihren Autoschlüssel zu.

Eigentlich – gaaaanz eigentlich – hatte ich auf all das keine Lust. Ich war mit meinen Gedanken gaaaanz woanders.

(Umschnitt Kamera: Kerstin und ich im Auto)

„Martin… komm schon… wer ist die Frau?“
„Wie kommst du drauf, das es eine Frau ist?“
„Orrr….ich kenn dich jetzt lang genug. Du twitterst kaum noch, du bist stiller…abwesender…“
„Soso“
„Und einsilbiger!“
„Wenn du meinst!“
„Du machst kaum noch #NTL und so…“
„…“
Kerstin hat die Gabe, in meinen Kopf zu gucken. Auch wenn ich das nicht mag. Meine einzige Chance ist, nichts zu sagen, mir nichts anmerken zu lassen.
Aber sie ließ auch diesmal nicht locker.
„Es ist nicht wegen Pavlov. AUch nicht wegen dem Golem oder Weitwinkel. Es ist bestimmt ne Frau. Ich bekomm das schon noch raus!“
Seufz – den Satz hatte ich schon ein paar mal gehört – nicht nur von ihr.

Kerstin läßt mich zu gaaanz seltenen Anlässen mal ihr Auto fahren. Wann komm ich sonst zu der Gelegenheit, ein schwarzes Mercedes-Cabrio zu fahren?
Da sie mir offenbar Details entlocken wollte, und nicht locker ließ, schaute ich sie an.
„Martin, guck auf die Straße!…und sag mir endlich, wer die Frau ist. Wenn sich dein Verhalten so radikal ändert, dann tangiert das Dinge, über die ich als deine
Außenministerin und beste Freundin vielleicht bescheid wissen sollte!“
„Vielleicht…vielleicht auch nicht!“
„Orrr!“
„Kerstin… laß es gut sein. Das geht nur mich und mein Herz was an!“
„Ha! Also doch eine Frau! Wußt ichs doch!“
Mist – ich hatte mich dezent verraten. Trotzdem: mauern, mauern, mauern!
„Kerstin…wußtest du, das es in Itzehoe eine überstark geschminkte unfreundliche Eisvertkäuferin gibt?“
„Was???“
Meine Gedanken glitten etwas ab. Ich achtete nicht mehr auf das Auto, nicht mehr auf Kerstin. Erst als sie mich anschrie: „Martin! Paß auf!“
holte sie mich wieder ins hier und jetzt zurück. ich war in meinen Gedanken wohl soweit weg gewesen, daß ich beinahe uns mit 100 Sachen in den Straßengraben befördert hätte.
„Man! Chef! mein Auto! Wenn du da auch nur einen Kratzer reinmachst!…“ sie hielt sich am Amaturenbrett und der Tür fest… „Warum laß ich dich eigentlich meinen Benz fahren?“
„Weil du mich lieb hast, Kerstin!“ antwortete ich spitz.
„Apropos: Weiß Chama…“
„Kerstin – jetzt reichts! Das ist alles meine Sache! Im übrigen sind wir gleich da.“

Ich war mit Kerstin auf dem Weg zu Weitwinkel, der wohl Johanna in Hongkong aus dem Gefängnis befreit hatte, aber ohne diese aus Asien zurückgekehrt war. Wir wollten von ihm wissen, wo Johanna nun abgeblieben war, und was es mit der ganzen Sache auf sich hatte.
Weitwinkel, oder besser gesagt, das snöffische House of Lords, hatten große Ländereien. Gemüseplantagen, Baumschulen, botanische Gärten. Wenn man diese Volksgruppe aus humanoiden Kaninchen, Bären, Murmeltieren, Igeln usw. in meinem Land mit zwei Dingen charakterisieren sollte, so wäre es die Vernarrtheit in Eisenbahnen und Gartenbau.
Und da Weitwinkel sich offensichtlich nicht im Aerarium (unserer chronisch leeren Staatskasse(siehe Weihnachtsfolge 2016 teil3, link oben) befand, lag es nahe, ihn auf der Plantage „Gurki Park“ zu suchen. Offiziell trug sie den Namen „königlich bodelschwingsche Gartenbauanlage“ –
god knows wer sich den Namen ausgedacht hatte. Jedenfalls hatte Weitwinkel (wie könnte es anders sein) hier sogar eine Parkeisenbahn bauen lassen, die zum Abtransport der angebauten Gemüsesorten diente.

Das „Hauptgebäude“ des riesigen Areals war lediglich eine kleine Remise, auf die ich nun zusteuerte.
Mir war danach, Kerstin noch etwas zu erschrecken, daher stieg ich voll in die Eisen, um den Wagen anzuhalten. Der weiße Kies und Schotter staubte auf, und der Wagen drehte sich um 180 grad, bevor er zum stehen kam.
Kerstin sahn mich wütend fauchend an. „Ein Kratzer, Martin! Nur ein Kratzer in dem Benz…ich sags dir!“
Ich blickte sie nur an. „Komm…laß uns unser Karnickel suchen!“

Wir stiegen aus. Das Tor der Remise stand einen Spalt weit offen. Ich klopfte vorsichtig. „Weitwinkel? Sind sie hier?“
Auch Kerstin rief nach unserem lieben Reichskassenwart Athanasius Weitwinkel. „Weeeitwinkel?!“
Da hörte ich es auf einmal im Inneren der Remise rumpeln. Ich öffnete die Tür vorsichtig – oder vielmehr, ich versuchte, sie vorsichtig zu öffnen.
Aber die Tür wurde offenbar von innen aufgedrückt, denn im nächsten Moment sprang sie auf, und ich wurde von einer großen grünen Welle überrollt und zu Boden geworfen.
Die Welle bestand aus: Zucchini.
Die ganze Remise war offenbar angefüllt mit Zucchini.
Und auf einmal tauchten in diesem Berg von Gemüse „plöp-plöp“ zwei lange Ohren auf. Und ein ächzen war zu hören.
„Äähh.. ähh.. mümpf?…mümpf!“ Dann tauchte Weitwinkels Hasenkopf zwischen den Zucchini auf.
Kerstin hatte mir mitlerweile geholfen wieder aufzustehen.
„Huuhuuu!…hallo Chef! Hallo Frau Maier!“ nuschel-wuschelte Weitwinkel, als er sich ebenfalls aus dem grünen Berg befreite.
„Huhu!“ antwortete ich recht kurz und irritiert.
„Weitwinkel…was zum Kuckuck ist das?“
„Ähh…das sind Zucchini, mein Chef!“
„Das sehe ich! Aber in solchen Mengen?“
„Ja…äh…die Ernte ist dieses Jahr überraschend gut ausgefallen…mümpfennämlich!“
(*mein geneigter twitter-Follower wird sich vielleicht erinnern, das meine Ernte im letzten Sommer tatsächlich recht gut war.)

„Das ist ja alles sehr erfreulich, Weitwinkel“, sprach nun Kerstin
„…aber wir sind hier, um von ihnen zu erfahren, wo Johanna abgeblieben ist, warum sie in Hongkong festgenommen wurde, und was sie mit diesem Gerät hier zu tun haben.“
Mit diesen Worten hielt sie ihm einen MagicWand, bzw. einen Nachbau davon unter die Hasennase.
„Ja äh…hm..diese Massagestäbe…darum gehts ja…“ Weitwinkel war sichtlich verwirrt. „Seitdem ich Frau deClerk in Hongkong befreit habe, und mit ihr in Vietnam war, überlege ich die ganze Zeit, wo ich sowas schonmal gesehen habe. Mümpf!“

„Wieso Vietnam? Und wieso haben sie so ein Ding schion mal gesehen?“ fragte Kerstin.
Ich konnte mir allerdings auch nicht vorstellen, das Weitwinkel sich heimlich mit Sexspielzeugen beschäftigte.
„hmmmm…“ Weitwinkel kratzte sich am Hinterkopf. Dann nahm er den MagicWand in die eine Pfote, und hob mit der anderen eine der auf dem Boden herum liegenden Zucchinis auf. Nun betrachtete er abwechselnd den MagicWand in der einen Pfote, dann die Zucchini in der anderen.
Dabei machte er nachdenklich brummende Geräusche.
Das dauerte ein paar Augenblicke, und Kerstin verlor die Geduld.
„Weitwinkel… wir haben nicht den ganzen Tag…“
„Laß ihn, Kerstin“ unterbrach ich sie. „Er macht eine Denkpause… das dauert bei ihm immer etwas.“
Kerstin rollte nur seufzend mit den Augen.

Nach einer Weile sah ich, wie sich Weitwinkels herabhängende Langohren mit einem mal aufrichteten, und er mit einem „ha!“ kurz in die Luft sprang.
„Jetzt hab ichs!“ reif er freudig aus. „jetzt weiß ich, wo und vor allem wann ich so ein Ding schonmal gesehen habe!“
„Na da sind wir ja mal gespannt!“ brummte Kerstin.
„Und? sagen Sie uns das auch, lieber Herr Weitwinkel?“ fragte ich.

Er lächelte über die ganze Breite seines Kaninchengesichtes.
„Ich habe solche Geräte schon mal gesehen. In Berlin. Im dritten Reich! Mümpfennämlich!“
„Was??? What the fuck???“ entfuhr es Kerstin.
Auch ich war einigermaßen konsterniert.
„Weitwinkel, ich weiß ja, das sie sehr alt sind…aber was bitteschön haben sie im dritten Reich gemacht? Mümpf Heil gerufen???“
„…oder Sieg Mümpf?…ahahahahaha“ ergänzte Kerstin – um danach sofort einen Lachflash zu bekommen.
„Was…äh…nein..mümpf! Nazis sind doof. Sehr sogar!“ er war sichtlich verwirrt, da er das Gefühl hatte, wir würden uns über ihn lustig machen (was ja auch etwas zutreffend war).
Daher legte ich meine Hand beruhigend auf seine Schulter.
„nu´ erzählen sie mal..!“
„Also…mümpf… Sie wissen ja, das ich so alt bin, und das das nur so ist, weil ich manchmal mehrere Jahrzehnte am Stück schlafe. Mümpf.“
„Ja, das ist mir bekannt.“
„So…und dann wache ich hin und wieder auf, und weiß nicht, wo ich gerade bin und in welcher Zeit ich gerade wach geworden bin. So war es auch damals. Ich bin durch einen lauten Knall wachgeworden. Sie wissen ja, das ich Angst vor lauten Geräuschen habe…“
„Auch das weiß ich..“
„Nun…ich höre also diesen Knall, und finde mich im Berlin im Jahre 1945 wieder. Um mich herum nur Ruinen, und überall wurde geschossen. Mümpf. Das war sehr schlimm.
Jedenfalls wollte ich diesen garstigen Ort verlassen. Also schnappte ich mir den nächstbesten Militärmantel, und einen Helm dazu, und bin auf der Suche nach einem Weg raus aus Berlinmitten durch die Straßenkämpfe zwischen Roter Armee und Wehrmacht und SS gehoppelt. Ich hatte richtige Todesangst. Mümpfennämlich!“
Seine Miene wurde weinerlich. Daher suchte ich ihn zu trösten.
„Aber sie haben es ja geschafft, lieber Weitwinkel.“
„ja… nämlich… weil ich dann per Zufall in einen Bunker gestolpert bin…“
„Doch nicht etwa in den Führerbunker unter der Reichskanzlei?“ fragte Kerstin sehr skeptisch.
„Nein…der war es nicht. Ich war in einem geheimen Waffenlaboratorium gelandet. Dort standen verschiedene Aparate herum. Unter anderem auch solche Geräte.
Ich erinnere mich jetzt genau: Die Aufschrift lautete „Reichsvibrator / Freudenführer für die deutsche Frau“.
Dabei hatte ich eigentlich nach etwas Eßbarem gesucht. Aber die Möhren und Bananen dort waren alle elektrisch und vibrierten. Mümpf.“

Kerstin hatte sich mitlerweile wieder eingekriegt, und fragte:
„Warum um alles in der Welt sollen die Nazis im Krieg Vibratoren entwickelt haben? Gibts irgendwas, was die nicht entwickelt haben?“
„Naja… vielleicht.. als Trost – wenn alle Männer an der Front sind..damit die Frauen daheim nicht so einsam sind…was weiß ich?!“ mutmaßte ich.
„Und wie sind sie dann aus Berlin herausgekommen?“ fragte ich ihn dann weiter.
„Nun… ich habe in der Nähe des Laboratoriums in einem Unterstand eine Luftwaffenpilotin gefunden, die eines der letzten Flugzeuge raus aus der umkämpften Stadt fliegen wollte. Da ich kein Geld hatte, habe ich so ein vibrierendes Gerät gegen einen Sitzplatz und etwas zu Essen eingetauscht. Dann sind wir im Tiefflug über Berlin und die norddeutsche Tiefebene nach Schleswig-Holstein geflogen.
Beim Abschied meinte die Pilotin, diese vibrierenden Geräte würden sie auf eine Geschäftsidee für nach dem Krieg bringen. Und dann bin ich wieder eingeschlafen, bis kurz vor ihrer Geburt, mein Chef! Mümpfennämlich!“
Ich seufzte.
Kerstin stand unbeweglich da. „Eine.deutsche.Luftwaffenpilotin?“ fragte sie nur konsterniert.
„Jawohl. Mümpf!“ betonte Weitwinkel.
Ich mußte mir unweigerlich die Hände vors Gesicht halten. Das war einfach zu abenteuerlich.
„Weitwinkel…sie erzählen mir gerade ernsthaft, das sie Beate Uhse getroffen haben, und ihr mit Hilfe geheimer deutscher Vibratorentwicklung die Idee vom ersten Erotikversand gesteckt haben??“
„So wird es wohl gewesen sein. Den Namen der Pilotin hab ich nie erfahren…“
Kerstin sah zu mir herüber und schüttelte nur den Kopf…:“ Ich stell mir grad vor, wie Wernher von Braun in Peenemünde anstatt Raketen riesige Dildos in den Himmel gejagt hat!“ – dann bekam sie wieder einen Lachflash.

Abermals seufzte ich.
„Weitwinkel…das ist eine sehr schöne Geschichte.das erklärtaber immer noch nicht, wo Johanna ist, und was da in Asien passiert ist….das ist der Grund warum wir hier sind!“
„Achso…ja..mümpf! Aaaalso…dann erzähle ich Ihnen das mal:…“

Und dann begann er, uns von seinem und Johannas Abenteuer in Hongkong und Vietnam in aller Ausführlichkeit zu berichten.

to be continued…
Letzter Teil -HIER

Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 4

Fortsetzung von Teil 3b

Sie folgten mit dem Motorrad der alten französischen Bahnlinie. Den Dunstkreis Saigons hinter sich gelassen, wurde die Gegend schnell ländlicher. Das Land des Mekong-Delta, früher Cochin-China genannt, ist relativ flach. In den Siedlungen nahe der Strecke standen kleine Bahnhofsgebäude, die ihren französischen Ursprung nicht verleugnen konnten.
Es waren kleine Nester wie Pleị-Sụb-Plũg oder Lễt-Sdự-Găng-Bậng, die Johanna und Weitwinkel eilig durchrasten, und mit dem Motorrad dürre Hühner und spielende Kinder von der Strecke scheuchten.

Gegen Mittag hatten sie, wie schon eingangs erwähnt, den Ort Phãc-Pệt-Pleị erreicht. In dem Ort hatte sich wohl ein Eisenbahndepot befunden – hier waren mehrere Rosthaufen abgestellt, die zu frührerer Zeit wohl Lokomotiven und Waggons gewesen sein mochten.
„Oh schauen Sie mal… ein Bahnbetriebswerk!“ rief Weitwinkel, in der leisen Hoffnung, Johanna für das ostasiatische Eisenbahnwesen vergangener Tage begeistern zu können.
Johanna ließ sich aber nicht zum anhalten bewegen.
Trocken konterte sie nur: „Sehen Sie mal da, Weitwinkel… da liegt ein amerikanischer Hubschrauber!“
„Ui…“
„Und noch einer…!“
Johanna gab nochmals kräftig Gas, und das Motorrad knatterte weiter die alte Bahnlinie entlang…immer weiter hinauf ins Hochland. Mööööm-möm-möm-möm-möööm-möööööm.
Der Ritt führte die beiden weiter über die verrosteten Schienen und zugewucherten Schwellen der Bahnlinie.
Vorbei an unzähligen Reisfelder, Wasserbüffeln die im Wasser den Eingeborenen als Zugtiere dienten.

Gegen Nachmittag wurde das Gelände gebirgiger. Sie hatten das Dorf Dữm-Dởm-Shlậò-Sứb erreicht. Johanna hielt es nun doch einmal geraten, anzuhalten, und die Karte zu konsultieren. Weitwinkel hatte wieder nur Augen für die Bahnanlagen: „Sehen sie mal dahinten! Da ist wieder ein französischer Bahnhof. Und eine amerikanische Baldwin-Lokomotive steht davor.“
„Das mag sein, Weitwinkel, das mag sein…“ murmelte Johanna. „laut Karte ist hier Endstation. Die französische Bahnlinie endet hier…“
Völlig aneinander vorbei sprach Weitwinkel unentwegt weiter: Ich interessiere mich für die Bahnhöfe weil ich seit diesem Jahr hochoffizieller Bahnhofsbeauftragter bin…“
„Jetzt reichts aber!“ fuhr Johanna ihn an: „Ihre Begeisterung für Dampflokomotiven in allen Ehren, aber mich interssieren im Moment nur meine MagicWands, der Kautschuk dafür, und wie wir zu dem alten Mann kommen!“
„Is ja schon gut…mümpf“ hummelte Athanasius Weitwinkel.
„Sehen Sie dahinten, am Ende des Dorfes? Da geht die Eisenbahnlinie weiter mit einer Brücke über dieses Tal hier – obwohl auf der Karte nichts verzeichnet ist.“
„Vielleicht haben die Japaner die Bahnstrecke im zweiten Weltkrieg verlängert…mümpf?“
„Sieht ganz danach aus. Die kleinen Bunker links und rechts sind eindeutig von den Japanern…. und anscheinend haben die Amerikaner hier im Vietnamkrieg auch kräftig zugeschlagen….“
Sie waren in langsamen Tempo durch das Dorf bis an die Eisenbahnbrücke gerollt. Ein verrostetes Panzerwrack von den Franzosen, zwei Hubschrauberwracks der Amerikaner und die Heckflosse einer abgeschossenen nordvietnamesischen MiG drappierten sich harmonisch links und rechts der Brücke in die Landschaft.

„Und noch ein japanischer Bunker…“ Johanna hielt das Motorrad an. „Auf der anderen Seite muß irgendwo der alte weise Mann leben…!“
Mit einem gewissen Zweifel besah sie sich die Konstruktion der Brücke: eine Hängebrücke, deren verrostete Stahltrossen noch furchteinflößender waren, als die Lücken des Bodenbelags. Stellenweise konnte man durch die Bahnschwellen in die Tiefe schauen – hinab in einen reißenden Fluß.
Weitwinkel war abgestiegen, und besah sich die Brücke näher.
„Ich glaube auch, daß das eine japanische Brücke ist…mümpf…“ – er war an den ersten Stahlträger getreten, der die Stahlseile hielt, an dem die eigentliche Brücke hing.
Mit seiner rechten Pfote strich er ein verrostetes Herstellerschild am Stahlträger frei:
Auf dem Etikett versuchte er etwas zu entziffern. „Moment…hier steht…: „Shibari Ltd., Nagasaki 1942″“
Johanna hob skeptisch ihre gepiercte Augenbraue. „Na Dann hoffen wir mal, daß die Seile gut verknotet sind…“

…to be continued…
https://senior525.wordpress.com/2017/10/15/rubber-rabbits-and-the-magicwand-teil-5/

Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 3b

Fortsetzung von Teil 3a

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Südostasiatische Landschaft. Ein breites Tal zwischen hoch aufragenden Felsen. In der Talsohle ein Reisfeld neben dem anderen. Wasserbüffel. Kleine asiatische Menschen mit großen runden Spitzhüten bei landwirtschaftlicher Tätigkeit. Im Hintergrund dudelt eine Asia-Imbiß-Dauerbeschallungsmusik.
Inmitten des Tales in den Reisfeldern liegt ein kleines Dorf aus Bambushütten, es trägt den schönen vietnamesischen Namen Phãc-Pệt-Pleị.

Das Bild kennen wir alle. Und wir alle erwarten jeden Moment, das mindestens drei amerikanische Hubschrauber durchs Bild donnern.
Is.aba.nich!

Über den schmalen Weg zwischen den Reisfeldern, einer stillgelegten französischen Bahntrasse, rast eine kaukasische lesbische Frau mit kurzen pinken Haaren auf einem Motorrad. Auf dem Sozius klammert sich ein humanoides Kaninchen fest, und fürchtet um sein Leben.
Der Motor knattert. Mööööööm-möm-möm-möm-mööööm-möm-möm-möööööööm….

Rückblende: Johanna hatte mit Weitwinkels Hilfe nun 3000 Elektromotoren für die anlaufende Produktion von MagicWands retten können, aber das nötige Gummi fehlte ihr noch.
Auf der Flucht vor den chinesischen Behörden hatte Weitwinkel in seinem „schlauen Buch“ nachgeschlagen, um herauszufinden, wer ihnen denn nun helfen könne.
Die Lösung bestand in einem „alten weisen Mann irgendwo in den Bergen Süd-Ost-Asiens, der auf alles eine Antwort wüßte“.
Nun mußten die beiden diesen Mann aber erst einmal finden.
Der „Khedive“ hatte nach anderthalb Tagen Fahrt unbeschadet und unentdeckt das Mekong-Delta erreicht, und Weitwinkel und Johanna hatten sich mit der Barkasse bis kurz vor Saigon bringen lassen.
Zuvor hatte Weitwinkel noch einen Funkspruch an die in der fernen Heimat weilende Außenministerin Kerstin Maier abgesetzt: „Oberlesbe ZA aus Haft befreit. Stop. Haben Elektromotoren für Damenmassagestäbe und Modelleisenbahnen. Stop. Suchen jetzt den alten weisen Mann in den Bergen. Stop. gez Weitwinkel, Reichskassenwart mümpfenstop.“

(Da Kerstin mir das Telegramm an dem gleichen Tag noch unter die Nase hielt, weiß ich aus eigener Anschauung, daß sie diese Nachricht einerseits mit einem „gottseidank“ und ansonsten mit einem „What.-The.-Fuck.!!“ quittierte. Ich war in jenen Tagen aber mit weißgott anderen Sachen beschäftigt, um mich näher damit auseinander zu setzen.)

Johanna und Weitwinkel tappten also durch Saigon, auf der Suche nach einem geeigneten Fortbewegungsmittel.
„Sagen Sie mal, Frau deClerk, wenn Sie doch Damenhygiene-Massagegeräte herstellen wollen…hätten Sie da auch Verwendung für duftende Öle?“ fragt Weitwinkel, während sie sich durch den Wust an Rikschas, Motorrollern, Garküchen und Kleintransportern quälten.
„Natürlich…. es muß ja auch flutschen…!“
„Flutsch…was?“
„Orrr….Weitwinkel, Sie haben wirklich keine Ahnung, was?“
„Ähh…wahrscheinlich nicht, nein. Ich dachte an pflegende Öle… wohlriechend…ich denke Frauen mögen so etwas? Mümpf!“
„Ja, das stimmt. Können Sie sowas organisieren?“
„Aber sicher. ich habe vor einiger Zeit eine Insel im Mittelmeer… nunja…sagen wir, „befreit“, und dort eine Produktion für Lazitröl ins Leben gerufen.“
[„wir berichteten“ Anm.d. Red.]
„Lazi-was?“
„Lazitröl. Latschenkiefer-Zitrus-Öl. Ich habe auf der Insel sogar einen Gouverneur eingesetzt, der dort übert alles wacht.“
„Einen Gouverneur?“
„Ja… den ehr und flauschwürdigen Aljoscha von Wietzethal…der Berner Sennenhund von Frau Chamäleon!“
Johanna blieb konsterniert stehen. „Sie haben WAS zu WEM gemacht? Einen Hund? Als Gouverneur einer Insel? Ich dachte, als sie mir letztes Jahr in der Wüste von ihrem komischen Weinfest erzählt haben, da hätte ich schon alles gehört…aber einen Hund? Ernsthaft?“
„Was denn? mümpf…“ hummelte Weitwinkel etwas deprimiert „Darf ich Sie dran erinnern, daß ich ein humanoides Kaninchen bin und die Besatzung des „Khedive“ aus Hasen, Igeln, Bibern und einem Capybara besteht?!“
Johanna schüttelte nur resignierend den Kopf. „Schon gut Weitwinkel, schon gut… Sie sagen, sie haben Öl. Gut. Ich nehm ihr komisches Öl. Dann können die Mädels in Martins #NTL gleich das ganze komplette Set kaufen. Den MagicWand samt Pflegeöl.“
„Hmpf… gut..ich hätte aber noch eine kleine Bedingung! Mümpfennämlich!“
„Und die wäre?“ fragte Johanna skeptisch – gesppannt was nun noch kommen würde.
„Nun, wenn wir tatsächlich Kautschuk auftreiben, dann hätte ich bitte einen Anteil davon!“
„Wofür das denn? Sie haben doch schon 10% von meinen Elektromotoren? Wofür brauchen Sie bitte denn Kautschuk?“
„Nun… Unser lieber Chef beschäftigt sich ja nicht nur mit irgendwelchen Erotica zur nachtschlafenen Zeit… Die Tischbanden eines Snookertisches sind doch auch aus Kautschuk. Dann haben die Snookerfreunde auf twitter auch etwas davon. Und außerdem: Man kann damit Schnuller für kleine Kinder herstellen. Das ist doch ein ehrwür….“
Johanna unterbrach Weitwinkel mit einer ruckhaften Handbewegung.
„Äh???“ zuckte Weitwinkel erschrocken, als ihn Johanna dicht an eine Hauswand preßte.
„Nicht bewegen, Weitwinkel.“
„Aber…“
„Pssst! Seit fünf Minuten verfolgen uns zwei komische Schlitzaugen auf Schritt und Tritt!“
„Aber…aber…wir sind mitten in Saigon, hier sind alle Menschen Asiaten. Mümpf!“
„Mag sein… aber die beiden sind entweder Polizisten in Zivil oder vom chinesischen Geheimdienst.“
„Wir sind doch in Vietnam…woher wollen Sie denn…äh wissen…“
„Die haben alle den gleichen bescheuerten Haarschnitt!“ zischte Johanna. „kommen Sie!“ mit diesen Worten packte sie Weitwinkel am Kragen, und zog ihn um die nächste Hausecke.

Und dann ging sie los, die wilde Jagd: Johanna blickte sich suchend um. Mitten im Gewühl der südostasiatischen Metropole. Überall laut knarrende Motorroller, Motorrikschas und kleine überladene Daihatsu-Transporter. Da kam ein friedfertiger Vietnamese auf einem etwas größeren Motorrad daher. Johanna zögerte nicht lange, und mit einem Chuck-Norris-würdigen Karate-Kick trat sie den armen Mann während der Fahrt vom Sitz seines Kraftrades. (übrigens eine Raubkopie eines Lizenznachbaus eines Plagiats einer ostdeutschen MZ).
Das Motorrad und Fahrer flogen auf die Straße, aber noch ehe der abgeworfene Fahrer sich mit seinen Blessuren vom Boden erhoben hatte, saß sie schon auf dem Vehikel.
Weitwinkel stand verwirrt daneben. „Aber…aber..sie können doch nicht…“
„Kommen sie, man!“ schrie sie. „Wir müssen hier weg!“
„Aber der arme Mann…!“
In der Zwischenzeit hatte sich der Vietnamese mit blutiger Nase erhoben, und bedrängte Johanna, ihm sein Motorrad wieder zu geben. Kurzerhand packte sie ihn sich, verpaßte ihm erst eine Kopfnuß und noch einen Schlag – zwei oder drei Zähne flogen durch die Gegend – und dann drehte sie sich wieder um:“ Weitwinkel! Nun machen sie schon!“
Mitlerweile waren die vermeintlichen chinesischen Agenten und uniformierte Polizisten trillerpfeifend herbeigetrabt, und eine Menschentraube hatte sich um die Szenerie gebildet.
Weitwinkel hielt es nun doch für geraten, aufzusitzen, und sprang mit einem ängstlich-aufgeregten „Mümpf!“ auf den Sozius. Darauf hatte Johanna nur gewartet, und gab Gas – so stark, daß sich das Vorderrad vom Boden hob, und sie nur auf dem Hinterrad durch die Menschenmenge bretterten.

Johanna ist eine begeisterte und begnadete Motorradfahrerin. Sie raste durch das durch das chaotische Verkehrsgewirr Saigons, und der arme Weitwinkel hielt sich fest so gut er konnte.
Nach einer Stunde hatten sie wohl sämtliche Verfolger abgeschüttelt, und hielten an einer großen Ausfallstraße an. Daihatsu und Toyota-Transporter rasten an ihnen vorbei, aber auch rumpelnde Ochsenkarren zogen gemächlich die stadtein -und auswärts.

„Wo müssen wir hin?“ fragte Weitwinkel sich umblickend, in steter Sorge, chinesische Geheimdienstagenten könntem jeden Moment hinter ihm stehen.
Johanna hatte sich in die Karte vergraben.
„Hier…ich habs…Das Kaff heißt Dôm-Phắc-Sừb-Gãg-Bôl…da müssen wir hin…!“
Weitwinkel steckte nun auch seine Stupsnase in die Karte: „…oh..da führt ja eine Eisenbahnlinie hin! Wir können den Zug nehmen!“
Genervt ließ Johanna die Karte sinken.
„Weitwinkel..“ seufzte sie, „…diese Karte ist 70 Jahre alt! Sehen Sie hier: Alles, was nicht auf vietnamesisch ist, ist auf französisch… Es würde mich nicht wundern, wenn diese Eisenbahnlinie seit dem Indochinakrieg nicht mehr benutzt wird. Ich glaub, die letzten, die hier mit nem Zug gefahren sind, waren die Japsen im 2. Weltkrieg!“
„Oh…wie traurig…. mümpf..“
„Was denn?“
„Stillgelegte Eisenbahnstrecken machen mich traurig…mümpfenseufz!“
Johanna verdrehte die Augen „Orrr…Weitwinkel! Wenn es sie tröstet: Wenn wir der Bahnlinie folgen, dann sind es nur 147 km bis zu unserem Ziel. Vorausgesetzt, wir finden die Bahnlinie, und dann dort auch den alten Mann.“
„Und der kann uns vielleicht mit Kautschuk aushelfen…mümpf!“ Weitwinkels Miene hellte sich wieder etwas auf. „Dann können wir auch Schnuller für Kleinkinder und Snookertischbanden herstellen…juhumümpf!“
Sichtlich entnervt faltete Johanna die Karte wieder zusammen: „Whatever, Weitwinkel..whatever…!“

…to be continued…

TEIL 4

Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 3a

Fortsetzung von Teil 2

Irgendwo im südchinesischen Meer: Der „Khedive“, ein wahrer Leviathan der Meere, rauscht mit Höchstgeschwindigkeit Richtung Süden, um möglichst schnell großen Abstand zum chinesischen Festland zu bekommen.
Was ehemals ein Sternenkreuzer des Imperiums war, pflügt nun angetrieben durch 2 MAN Schiffsdiesel durch die Wogen.

Auf der Brücke standen Weitwinkel und Johanna bei einer Tasse Kaffe zusammen.
Weiterhin stand ein Capybara (Wasserschwein) in Marineuniform. Der erste Wachoffizier namens José-Antonio. Am Ruder: Günther der Hase. Ebenfalls in Marineuniform.
José-Antonio betrachtete durch sein Fernglas den weiten Ozean.
Johanna nahm Weitwinkel etwas beiseite:
„Ich glaube, ich sollte mich nun endlich mal bei Ihnen bedanken, daß sie mich da heraus geholt haben, Weitwinkel.“
„Keine Ursache. Gern geschehen.“
„Ich habe da allerdings noch ein kleines Problem…“
„Und das wäre?“
„Nun…wissen Sie…diese MagicWands.“
„…Die Damenmassagestäbe?“
„Genau… Wir haben keinen Lieferanten für Kautschuk. Sie haben doch die Abbildung gesehen. Oben der Knubbel. Der ist ist aus Gummi. Der Hautverträglichkeit halber aus Naturkautschuk. Den Lieferant, den Sally damals an Land gezogen hatte, ist abgesprungen. Wir haben jetzt zwar die Elektromotoren…aber uns fehlt das Gummi.“
Johanna hatte nochmal den Flyer aus der Tasche gezogen, auf dem der MagicWand abgebildet war.
Weitwinkel besah sich das Bild nochmals… „hümpfenmümpf…ich werde den Verdacht nicht los, das ich so etwas schon mal gesehen habe… ich frage mich nur wo…und wann…“ er kratzte sich am Hinterkopf.
„Sie brauchen Kautschuk, sagen Sie?“
„Ja… am besten einen exklusiven Hersteller.“ antwortete Johanna.
„Hmmm…da bin ich auch überfragt…mümpf…aber ich werde mal in mein schlaues Buch schauen, da steht…“
Weitwinkel wurde von José-Antonio, dem Capybara und Wachoffizier unterbrochen: „Ayayay…Senor Weitwinkel…los Chinos…nos están atacando!“ er deutete zum Horizont, wo sich zwei chinesische Düsenjäger mit großer Geschwindigkeit tief über dem Wasser schnell näherten.

„What the fuck..?!“ entfuhr es Johanna „Ist der Polizeipräfekt von Hongkong etwa sauer auf Sie, weil sie mich aus dem Knast geholt haben?“
„Nunja… mümpf…ich glaube eher, er ist sauer, weil ich ihn als rotchinesischen Agenten enttarnt habe… und außerdem ein Tarnkappenschiff direkt inn der Bucht von Hongkong..das kann die Volkrepublik ja schlecht auf sich sitzen lassen!“
„Weitwinkel – schalten sie die Tarnvorrichtung ein! Ich werd mir meine 3000 MagicWand Motoren nicht unterm Arsch wegbomben lassen!“
„Aber dann verlieren wir Motorenleistung! Mümpf!“
„Denken Sie an den Chef und seine #NTL! Und meinetwegen an ihre Modelleisenbahnen! Wir brauchen diese Motoren von Hitachi!“
„Gesundheit!“
Johanna überhörte das geflissentlich, und meinte nur: „Ich meld mich ab zu den Dieseln, mal sehen, ob ich ihren Maschinisten helfen kann!“

Weitwinkel schaltete also mit José-Antonio die Tarnvorrichtung ein, und die beiden chinesischen Düsenjäger verloren mit einem Schlag ihr Ziel vom Radar.
Um es kurz zu machen: Nach einer halben Stunde erfolglosen suchens kehrten die beiden Flieger wieder um in Richtung Festland.
Während Johanna im Maschinenraum aus den Dieseln noch mehr Leistung zu saugen suchte, hatte Weitwinkel Muße gefunden, in seinem „schlauen Buch“ nachzuschlagen.
So stand er dann etwas später im Maschinenraum, und versuchte gegen den Lärm der MAN-Schiffsdiesel anfuchtelnd, Johanna auf das Ergebnis seiner Recherche aufmerksam zu machen.
Als sie ihm gewahr wurde, streifte sie die Ohrschützer ab, und sie gingen vor die Tür.
„Haben sie Kautschuk gefunden?“
„Ähm…das nicht, nein. Aber vielleicht jemanden, der uns helfen kann!“
Johanna guckte skeptisch. „So…und wer soll das sein?“
„Das weiß ich auch nicht genau, aber in meinem schlauen Buch steht, das es in Süd-Ost-Asien einen alten, weisen Mann gibt, der auf alles eine Antwort hat.
Hier sehen, sie…es war sogar eine Karte dabei…“
Johanna, noch immer zweifelnd, blickte auf die Karte. „Das ist Vietnam… wir fahren also nach Ho-Chi-Minh-Stadt?!“
„Saigon, so ist es…mümpf!“
Wieder auf der Brücke, gab er dem Steuermann, dem Hasen namens Günther, den Befehl: „Neuer Kurs Süd-Süd-West, Zielhafen: Saigon!“
Und Günther bestätigte lispelnd und sehr leise: „Neuer Kurf, Füd-Füd-Weft, Pfielhafen Faigon, wie ef euf gefällt, euer Gnaden! Mümpf!“ – und drehte das Steuerrad auf den neuen Kurs ein.

…to be continued..

Teil 3b

Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 2

(Fortsetzung von Teil 1)

„Weitwinkel…“ Johanna rieb sich mit beiden Händen durchs Gesicht.
„Wissen Sie, was ein MagicWand ist?“
„Ein was…?“
Johanna seufzte.

Rückblende: eine halbe Stunde zuvor war Athanasius Weitwinkel in das Büro des Polizeipräfekten von Hongkong getreten:

„Wer sind Sie?“
„Sind Sie Herr Quang?“
„Wer Sie sind, habe ich gefragt! Ich rufe die Sicherheit!“
Beschwichtigend hob Weitwinkel seine Pfote „Sparen Sie sich die Mühe! Mein Name ist Athanasius Weitwinkel – und ich habe ein Anliegen, dem Sie gerne nachkommen wollen!“
Quang lachte so laut auf, so daß sein schlechtes Gebiß deutlich schwarz-gelb-braun leuchtend zum Vorschein kam.
„Ein sprechendes Kaninchen kommt hier herein, und ich soll ihm einen Gefallen tun!“ sein Gesicht verfinsterte sich. „Ich weiß zwar nicht, wer oder was Sie sind, aber ich werde Ihnen ganz bestimmt keinen Gefallen tun, sondern jetzt die Sicherheitsleute rufen!“
„Dann werde ich Ihnen etwas auf die Sprünge helfen!“ fuhr Weitwinkel in ruhigem Ton fort.
„Mein Name ist Athanasius Weitwinkel, ehemals 2nd Lieutenant der „King´s Hare Dragoons“, Royal Rabbit Fuseliers, Vorweiner und Zeremonienmeister des snöffischen House of Lords, und zur Zeit Reichskassenwart von ChefleGra…“
„Das interessiert mich alles nicht! Ihre britischen Titel kümmern mich nicht! Hongkong gehört jetzt uns! …Ihr Biten habt uns lange genug…“
jetzt war es an Weitwinkel, der seinem Gegenüber ins Wort fiel: „Erstens: bin ich kein Brite, sondern ein snöffischer Kaninchenhase! Zweitens: Dieses „uns“ von dem sie da sprachen? Meinen sie damit etwa Peking? Ich dachte, Hongkong wäre eine unabhängige Sonderverwaltungszone? Und drittens: Wenn Sie mir noch einmal ins Wort fallen, werde ich „ihrem Peking“ melden, das Sie, Herr Quang, nach wie vor nachrichtendienstliche Geheimnisse an die Briten und Amerikaner weiterleiten! Mümpfennämlich!“ mit diesen Worten hatte Weitwinkel zwar etwas auf den Busch geklopft, aber gleichzeitig auch umständlich eine Pistole aus seinen Talartaschen geangelt, die er nun auf Herrn Quang richtete.
Dieser war in seinem Sessel zusammen gesunken, und starrte Weitwinkel mit wütenden Augen an.
„Was wollen Sie von mir?“
„Sie halten eine gebürtige Südafrikanierin mit niederländischem Paß fest. Sie werden sie freilassen, und mir übergeben! Mümpf!“
„Sie meinen diese renitente Frau mit den pink gefärbten Haaren? Warum sollte ich sie freilassen? Sie wurde bei einem Einbruch in ein Lagerhaus festgenommen, und hat Widerstand gegen die Polizisten geleistet!“
„Renitent und pinke Haare… ja, Frau Johanna deClerk, die meine ich!“
„Und was, wenn ich diese Frau nicht frei lasse, und nicht Ihnen übergebe? Werden Sie mich dann erschießen?“
„Was…äh…nein!“ Weitwinkel war kurzzeitig verwirrt. „Dann …also dann…also sehen sie mal aus dem Fenster in die Bucht!“
Quang drehte sich um: „Was soll ich da sehen? Die Bucht von Hongkong. Ja und?!“
„Achso ja..moment… „ Weitwinkel begann wieder in den Taschen seines Talars zu wühlen, bis er eine kleine Funkfernsteuerung gefunden hatte. Er zog sie aus der Tasche, und mit theatralischer Miene drückte er auf den einzigen, einen roten, Knopf.
Innerhalb wurde in der Bucht vor Hongkong der „Khedive“ sichtbar. Wie bereits erwähnt, ehemals ein Sternenkreuzer des Imperiums aus Star Wars. Nun das Glanzstück der snöffischen Marine. Quang sprang auf, und brüllte etwas auf chinesisch, um seinem Schreck Ausdruck zu verleihen.
„Sehen Sie, Herr Quang, wenn sie nicht binnen 5 Minuten Frau deClerk freilassen, wird dieses Schiff mit seinen Superkräften ganz Hongkong ausradieren!“

(Von wegen Superkräfte: wie bereits beschrieben, waren gerade mal zwei MAN-Schiffsdiesel und zwei 88mm Seezielgeschütze auf dem Pott – aber das wußte Quang ja nicht)

Angsterfüllt und zornig sah Quang Weitwinkel an.
„Das werden Sie bitter bereuen!“
„Das wage ich zu bezweifeln. Mümpfennämlich! Und wenn Sie jetzt bitte die Güte hätten, mich zu Frau deClerk zu bringen! Sonst überlege ich mir das mit der Schußwaffe in meiner Hand nochmal! Nämlich!“
Ein paar Minuten später im Zellentrakt der Polizeipräfektur von Hongkong: Hu Wäng-lang Jäng.
Dicke, schwüle Luft, Gerüche, die nicht zu beschreiben sind.
Ein Gefängniswärter, und Herr Quang stapfen mißmutig und schlüsselrasselnd den den langen Gang entlang. Weitwinkel folgt ihnen mit vorgehaltener Pistole.
Letzte Zelle, auf der rechten Seite. Der Gefängniswärter blickte fragend zu Quang.
„Das dauert mir etwas zu lange! Mümpf!“ brummte Weitwinkel, und hielt die Pistole an Quangs Kopf.

*zellenöffnungsgeräusch*

Johanna lag auf ihrer Pritsche, und staunte nicht schlecht, als die Tür aufging:
„Weitwinkel…? Sie?!“ Johanna blickte konsterniert in die offene Tür ihrer Gefängniszelle – wo ein humanoides großes Kaninchen names Athanasius Weitwinkel dem Polizeipräfekten von Hongkong eine Pistole an den Kopf hielt.
„Ach du scheiße… Ich hatte ja mit Kerstin oder Martin gerechnet. Oder meinetwegen Dr. Heimlich?!“
„Herr Dr. Heimlich ist leider wieder in Nordkorea, den verschwundenen Rabbi suchen. Frau Maier hat mit ihren Mandanten zu tun. Und der Chef hatte am Wochenende Damenbesuch…oder war er in einem Hotel?..oder …nein…ich glaube er mußte eine Terasse einweihen…“ Weitwinkel sinnierte kurz. „Naja, jedenfalls, ich war derjenige der Ihren Funkspruch ausgeschnappt hat, und nun hier ist um sie zu befreien! Mümpfennämlich!“

„Na dann: lets go!“ – Johanna sprang auf, griff sich den Gefängsniswärter, trat ihm in die Kronjuwelen, und war dann blitzschnell bei Quang, dem sie mit der Stirn eine Kopfnuß verpaßte.
Beide lagen wimmernd am Boden. Sie riß den zellenschlüssel an sich, trat den beiden Chinesen sehr brutal in die Seite, so daß sie in der Zelle landeten- kurz um: sie warf die Tür zu, und schloß ab.
Weitwinkel hatte dem ganzen konsterniert zugeschaut.
„Äähhhh..das…ist aber nicht…äh..die feine….“
Ehe er seine verwirrten Gedanken zu Ende formulieren konnte, hatte ihm Johanna die Pistole abgenommen, und wandte sich zum gehen.
Die Waffe kontrollierend durchladend sagte sie nur: „Gehen wir!“
Weitwinkel blickte noch einmal kurz in die Zelle, wo Quang und der Wärter langsam wieder zu sich kamen.
„Äh…ja…mümpf!“ und dann hoppelte er Johanna hinterher.

Eine halbe Stunde später in einer der vielen kleinen Garküchen Hongkongs:
Es gab tatsächlich einen Tisch und zwei Sitze. Johanna hatte ein pißwarmes Binding-Lager erhaschen können, und wartete auf ihre Frühlingsrollen.
Weitwinkel hatte auf der Speisekarte „hasi goreng“ entdeckt – doch als ihm gewahr wurde, das es sich dabei um gebratenen Hasen handelte, mit säuerlicher Miene auf Essen verzichtet, so daß er sich nun laut strohhalmschlürfend mit einer Fanta zufrieden gab.
„Mümpf… Frau deClerk… nun sagen Sie mir bitte, warum Sie hier gefangen genommen wurden, und ich sie habe retten müssen?“

„Weitwinkel…“ Johanna rieb sich mit beiden Händen durchs Gesicht. „Wissen Sie, was ein MagicWand ist?“
„Ein was…?“
Johanna seufzte.
„Ein MagicWand, Weitwinkel. Sehen sie die Abbildung hier?“ sie deutete auf einen kleinen Flyer, den sie aus der Hosentasche zog.
Weitwinkel kam mit seiner Stupsnase ganz nah heran, betrachtete das Bild genau.
„Hmpf… ein Gerät mit einem Knubbel dran…“
„Ja, genau, Weitwinkel.“ Johanna rollte mit den Augen.
„Und wozu dient es?“
„Das ist ein Massagegerät. Ein Massage-Stab für Frauen.“
„Also ein medizinisches Gerät zur Frauenhygiene?“ fragte Weitwinkel sichtlich verwirrt und ahnungslos.
„Orrr Weitwinkel… Sie folgen doch Martin auf twitter. haben Sie da nie was von #NTL gelesen?“
„Ach Gott nein..da blicke ich immer drüber hinweg.. immer diese armen nackten gefesselten Frauen…mümpf!“
„Wie dem auch sei – es geht um diese Geräte. Unsere liebe Sally, Gott hab sie selig, hatte eine eigene Produktlinie für „Damenhygiene-Artikel“, wie sie so schön sagen, ins Leben gerufen. Sowohl für den Eigenbedarf des ZA, als auch damit Geld zu verdienen.“
„Wir können mit dem Verkauf solcher Geräte Geld verdienen?“ Weitwinkel sperrte seine langen Löffelohren auf – wenn es um neue Einnahmenquellen für unsere Staatskasse ging, war er immer ganz vorne mit dabei.
„Allerdings. Die Geräte gehen irgendwann kaputt, und dann entsteht neuer Bedarf. Und ich glaube..“ Johanna setzte eine ernste staatstragende Miene auf, „..das es im Interesse unseres lieben Chefs ist, wenn zB. die Versorgung mit diesen MagicWand-Geräten für die Frauen in seiner twitter-Timeline weiterhin gewährleistet ist!“
„Aahhh… also…ein Projekt von höchster staatlicher Dringlichkeit?“
„So schauts aus, Weitwinkel.“ sagte Johanna in einem Ton zwischen Resignation und Hoffnung, Weitwinkel überzeugt zu haben.
„Und warum sind sie nun hier von der Polizei festgenommen worden?“
„Weil wir vergeblich auf eine Lieferung von Bauteilen gewartet haben. Ein Zwischenhändler hier in Hongkong wollte das ZA über den Tisch ziehen. Ich wollte der Sache nachgehen, und die Lieferung von 3000 kleinen Elektromotoren von Hitachi finden…“
„Gesundheit!“
„…also bin ich in das Lagerhaus eingebrochen. Und als ich gerade die Kisten von Hitachi öffnen will…“
Gesundheit!“
„… überrascht mich der Wachdienst. Um ein Haar hätte ich sie gehabt, die 3000 Motoren von Hitachi!“
„Gesundheit!“
Johanna war dezent gereizt und explodierte:“Weitwinkel! Wenn sie jetzt noch einmal Gesundheit sagen, dann zieh ich Ihnen ihre Löffel so lang, das sie bis auf den Boden reichen! Hitachi ist der Name der Firma, die diese kleinen Elektromotoren herstellt! xhsdgdfsjdfmn!* (*irgend ein nicht übersetzbarer Fluch auf afrikaans, Johannas Muttersprache).
„Mü…mü…mümpf!…sagten Sie kleine Elektromotoren?“ fragte der angefahrene mit eingeschüchterter Miene.
„Ja, warum?“
Weitwinkels Gesicht erhellte sich schlagartig. „Kann man die auch in Modelleisenbahn-Lokomotiven einbauen?“
Johanna, im Zivilberuf Diplomingenieurin für Maschinenbau und zusätzlich Bachelor in Feinmechanik, stutzte kurz: „öhh… ich denke ja, warum?“
„Nun…“ nuschelte Weitwinke freudig, „Ich schlage Ihnen was vor: meine Matrosen helfen Ihnen, die Motoren aus dem Lagerhaus zu schaffen, und im Gegenzug behalte ich 10% der Motoren für eine Modelleisenbahnmanufaktur.“
Johanna sah Weitwinkel mit großen Augen an. „Modelleisenbnahnen, im Ernst?“
„Wollen Sie nun ihre Damenmassagestäbe, oder nicht?“
„Weitwinkel…10%…sie sind ein Schlitzohr!..abgemacht!“ sie reichten sich die Hand.
„Ich bin ein Langohr. Nämlich! Mümpf!“

Und so kam es, das in der darauffolgenden Nacht die Frau Oberlesbe des ZA, Johanna deClerk, der Reichskassenwart Athanasius Weitwinkel und ein Trupp von humanoiden Hasen, Igeln und Bibern in deutschen Marineuniformen ninja-artig durch den Freihandelshafen von Hongkong schlichen; in ein Lagerhaus einbrachen, und bald darauf kistenschleppend wieder zurückkehrten.
Vorsichtig, nahezu geräuschlos hievten sie eine Kiste nach der anderen an Bord der kleinen Barkasse. Bis dahin unbemerkt.
Gerade, als Weitwinkel und Johanna die letzte Kiste mit Hitachi-Motoren den bereits in der Barkasse wartenden Matrosen anreichten, erklang aus Richtung der Lagerhäuser chinesisches Geschrei. Der Strahl einer Taschenlampe traf Weitwinkel, der nun als letzter auf der Hafenmole stand.
Nun fingen auch Hunde an zu bellen. Weitwinkel zuckte zusammen, als er zwei Schäferhunde auf sich zu rennen sah. Er geriet etwas in Panik. Als dann auch noch zwei Warnschüsse über seine langen Löffelohren hinwegfegten, war es ganz aus: „was…äh…wie?… äh.. God save the Queen! This is Britaaaaiiinnn!“ rief er (vielleicht um sich selbst Mut zu machen).
„Oh Gott scheiße! Weitwinkel! kommen sie endlich!“ mit diesen Worten war Johanna wieder die Leiter hoch zur Mole geklettert, und riß Weitwinkel runter in die Barkasse.
An Günther, den Hasen am Steuerstand gerichtet, rief sie: „Fahren Sie! Geben Sie Gas!“
Sie entriß einem der Matrosen die Maschinenpistole, und feuerte ein paar Salven in Richtung der Hafenmole und der Wachleute, während die Barkasse mit voller Fahrt auf den „Khedive“ zuhielt.

…to be continued…

TEIL 3

Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil1

hongkong

Funkspruch des ZA an die Geheimdienstzentrale: „Der Magic Wand ist alle. ZA-1 in Hongkong inhaftiert.“

Naturkautschuk wird meist in Südostasien aus Latex gewonnen, dem Milchsaft des ursprünglich aus Brasilien stammenden Kautschukbaumes (hevea brasiliensis). Er dient hauptsächlich der Herstellung von Gummi (Elastomere) mittels Vulkanisation.

In der deutschen Sprache sind Eigennamen von Schiffen grundsätzlich weiblich. Ob „Gorch Fock“, ob „Bismarck“, ob „Goethe“ oder „Drachenfels“: wird der Name eines Schiffes genannt, so ist der dazu gehörige Artikel „die“.
Nun ist die snöffische Marine ein in der Summe recht überschaubarer Verein – es gibt neben vielen kleinen hölzernen Flußkähnen und Schaluppen lediglich zwei große Überwassereinheiten: Die dem geneigten Leser vielleicht schon bekannte „Senkholzschraube“, einem Hochseeraddampfer mit zwei Geschützen und… dann ist da noch das andere Schiff: der „Khedive“.
Als im Star-Wars Universum dem dortigen Imperium bei einem Zwischenfall ein kleiner Sternenkreuzer abhanden gekommen war (eines von den lang gezogenen spitzen Dreiecken), und darauf hin kurze Zeit später der Rumpf dieses Fahrzeuges unweit der snöffischen Küste im Meer trieb, dauerte es nicht lange bis der Küstenschutz das Wrack entdeckte.
Zu den Eigenheiten des snöffischen Volkes, das ja in der Hauptsache aus Hasen, Igeln, Bärchen, Murmeltieren und sonstigen friedfertigen Gesellen besteht, gehört eines sicher nicht: Die Weltraumfahrt. So kletterten denn die dem Leser vielleicht ebenso schon bekannten Marine-Hasen auf dem Wrack herum, und es dauerte nicht lange, bis dieses Wrack als Überwasserschiff genutzt wurde. Völlig seiner futuristischen Technik und Inneneinrichtung beraubt, mit zwei großen MAN-Dieseln und sechs 88mm-See-Geschützen versehen, war der „Khedive“ seitdem der geheime Stolz der snöffischen Marine. Äußerlich, durch seine dreieckige Erscheinungsform einem hypermodernen Stealth-Schiff ähnelnd, innerlich ein schwerfälliger Koloß auf dem technischen Stand der 40er Jahre, setzte das snöffische House of Lords den „Khedive“ nur sehr, sehr selten, für äußerst wichtige Missionen ein.
Selbst Athanasius Weitwinkel, mußte sich die Benutzung dieses Schiffes auf einem extra hierfür einberufenen außerordentlichen snöffischen Weinfest genehmigen lassen.
Meine eigene Marine war, um ehrlich zu sagen, doch recht neidisch auf den Pott, und Kerstin hätte ihn gerne als unsere eigene neue Geheimwaffe in unsere Dienste überführt – aber ich war mit dem snöffischen House of Lords übereingekommen, das Snöfland den „Khedive“ behalten könne, dafür aber von einem weiteren Ausbau ihrer Seestrreitkräfte (von besagten kleinen Booten einmal abgesehen) Abstand nahm.
Der Name „Khedive“ kommt aus dem ägyptisch-osmanischem Kontext, und bedeutet soviel wie „Vizekönig“. Warum Snöfland dieses Schiff so taufte – who knows. Sie bestanden aber auch auf dem männlichen Artikel.

Zurück in die reale Welt: Polizeipräfektur Hongkong. In einer menschenunwürdigen warmen, stickigen Einzelzelle starrte eine junge Frau gelangweilt die Decke an. Außer ihren Flecktarnhosen und dem verschwitzen beige-farbenen tank-Top hatte sie nichts. Vor zwei Tagen hatte die Polizei der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong versucht, die junge Frau in einer üblichen Mehrpersonenzelle unterzubrinegn – was aber in einem Tumult und einer Schlägerei unter den inhaftierten Frauen geführt hatte. Meist noch minderjährige Nutten, Laden- und Garküchenbesitzerinnen, die es gewagt hatten, ihre Schutzgelder nicht fristgerecht zu bezahlen, und allerlei zwielichtige Gestaltinnen mehr.
Johanna de Clerk hatte es schlichtweg für unter ihrer Würde gehalten, mit 25 dieser Chinesinnen in einer Zelle zubringen zu müssen, die von ihren britischen Erbauern ursprünglich einmal für 4 Personen gedacht war. Also hatte sie sich auf ihre Art „ein Einzelzimmer bestellt“, und eine Schlägerei angefangen. Die chinesischen Polizisten hatten es dann auch ihrem Wunsch gemäß für klüger befunden, die renitente Europäerin in eine Einzelzelle zu verfrachten.
Leider hatte Johanna in diesem Tumult auch noch ihre Flipflops verloren, so daß sie nun barfuß war. Das war aber nicht weiter tragisch gewesen, sie hatte in ihrer Kindheit in Südafrika auch selten Schuhe getragen.
Aber diese Einzelzelle – so sehr sie hier ihre Ruhe hatte, war entsetzlich dreckig. Im Boden war ein offenes, stinkendes Loch, in dem mannigfache Reste von Exkrementen und vertrocknetem Monatsblut an der zersplitterten Keramikeinfassung klebten – außerdem Reste von Reis und einer undefinierbaren Masse, die zu leben schien.
Einen Ventilator gab es nicht, und die Klimaanlage die am vergitterten Fenster angebracht war, war augenscheinlich defekt. Man hörte den Lärm der asiatischen Megacity, ein ständiges surren und summen und hupen. Die Luft in der Zelle war an sich schon schlecht, aber besser war sie außerhalb sicherlich auch nicht – der Smog lag wie eine Glocke über Hongkong.
Was Johanna aber in ihrer Lage nicht verzweifeln ließ, war die Tatsache, das sie kurz vor ihrer Festnahme noch einen Notruf hatte absetzen können. Sie wußte, irgendjemand würde sie hier rausholen kommen. Sie wußte nicht, wer das sein würde, oder wann und wie – aber sie blieb gelassen.

Von offiziell registrierten Anlegeplätzen in Hongkong sprechen zu wollen, wäre wohl etwas zu viel verlangt. Aber irgendwo, mitten in einem maritimen Gewusel aus Küstenmotorschiffen, Dschunken, Fähren und kleinen Fischerbooten, strebte eine Motorbarkasse dem Ufer zu.
Die Motorbarkasse war umseitig geschlossen, so das man nicht sehen konnte, wer die Passagiere waren. Einzig am offenen Ruderstand hätte man einen langen dünnen Hasen in marineuniform erkennen können, der auf den Namen Günther gehört hätte.
Irgendwo in dem Gewusel zwischen Wasser und Land, zwischen all den kleinen anderen Wasserfahrzeugen, verschwand die Barkasse um unentdeckt an einem kleinen Steg festzumachen.

„Seufz…diese Stadt hätte niemals an die Chinesen zurückgegeben werden dürfen…seufz…“
Eine halbe Stunde, nachdem die Barkasse an einem der unzähligen Stege fetsgemacht hatte, tappste Athanasius Weitwinkel unter Hitze und Smog leidend, durch das Straßengewirr Hongkongs.
„Früher hätte ich im Gouverneurspalast diese Angelegenheit aus dem Weg räumen können. Ich hätte mit seiner Exzellenz dem Statthalter auf der Veranda sitzen können, Earl Grey getrunken, Gebäck geknabbert, uns von indischen Dienern im Livree Zitronenlimonade reichen lassen und uns von malayischen Lakaien im Livree Luft zu fächern lassen können….mümpf!“
Weitwinkel seufzte. Auf seinem Weg durch das Gewirr der Straßen und Menschen wurde ihm sehr, sehr schwer ums Herz. Er versuchte sich mit dem summen von „Rule Britannia“ Mut zu machen, und an bessere Zeiten zu denken. Das erste mal war er in Hongkong gewesen, als das zweite Dampfschiff in der Geschichte überhaupt in Hongkong festgemacht hatte. Das letzte Mal war war in dieser Stadt am 30. Juni 1997 gewesen – zur Übergabezeremonie an die Chinesen. Er hatte sich an Bord der „Britannia“, der Yacht der königlichen Familie, als Royal Sea-Hare (königlicher Seehase) eingeschlichen, um Prinz Charles zu trösten. Leider war dieser Versuch königlich gescheitert: Er weinte wesentlich mehr als der Prince of Wales selbst.
Während er so durch die Straßen tappte, vorbei an unzähligen Garküchen, keuchenden Kulis, stinkenden Mopeds und hupenden Taxis, da blickte er in die vielen chinesischen Gesichter. Die vielen Menschen, die ja eigentlich nichts dafür konnten, das sie ja jetzt Chinesen und keine Untertanen ihrer Majestät mehr waren. Und wieder summte er, um sich aufzumuntern, und um nicht total emotional zu vermümpfen. Das Motiv aus „Tochter Zion“, das bei Orchesteraufführungen gerne als Intro zu „Rule Britannia“ gespielt wird.
Nach einiger Zeit hatte der wackere Athanasius Weitwinkel die Poliziepräfektur gefunden, die er gesucht hatte. Glücklicherweise waren die wichtigen Dinge in dieser Stadt immernoch nicht nur auf chinesisch, sondern auch auf englisch ausgeschildert.
„Es ist so furchtbar heiß hier…mümpf…ich fühle mich wie gebraten. Warum kann ich diese Angelegenheit nicht bei einer gekühlten Zitronenlimonade im britischen Gouverneurspalast auf der Veranda erledigen? Mümpfenschwitz!“ seufzte Athanasius Weitwinkel, als er die Stufen zum Büro eines gewissen Herrn Quang, dem zuständigen Beamten, hinaufstapfte. Als Hase hatte er es zum einen schwer, die kleinen Treppenstufen zu benutzen, ohnehin litt er ja unter seinem Pelz unter den Temperaturen und der schlechten Luft. Es stank nach Reis, Chop Suey, chinesischen Zigaretten und undefinierbaren anderen Stoffen.
„Mümpfendreck! Anstatt mit einem Statthalter zu dinieren, muß ich zu einem chinesischen Beamten Treppen hianufsteigen… o tempora, o mores…seufzenmümpf! Schwitz!“
Sicherheitsbeamte und Pförtner, die ihn anhalten wollen, schubste Weitwinkel einfach aus dem Weg – und trat letztendlich mit einem lauten Türknall in das Büro des Herrn Quang.

…to be continued…
Teil 2