Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 3b

Fortsetzung von Teil 3a

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Südostasiatische Landschaft. Ein breites Tal zwischen hoch aufragenden Felsen. In der Talsohle ein Reisfeld neben dem anderen. Wasserbüffel. Kleine asiatische Menschen mit großen runden Spitzhüten bei landwirtschaftlicher Tätigkeit. Im Hintergrund dudelt eine Asia-Imbiß-Dauerbeschallungsmusik.
Inmitten des Tales in den Reisfeldern liegt ein kleines Dorf aus Bambushütten, es trägt den schönen vietnamesischen Namen Phãc-Pệt-Pleị.

Das Bild kennen wir alle. Und wir alle erwarten jeden Moment, das mindestens drei amerikanische Hubschrauber durchs Bild donnern.
Is.aba.nich!

Über den schmalen Weg zwischen den Reisfeldern, einer stillgelegten französischen Bahntrasse, rast eine kaukasische lesbische Frau mit kurzen pinken Haaren auf einem Motorrad. Auf dem Sozius klammert sich ein humanoides Kaninchen fest, und fürchtet um sein Leben.
Der Motor knattert. Mööööööm-möm-möm-möm-mööööm-möm-möm-möööööööm….

Rückblende: Johanna hatte mit Weitwinkels Hilfe nun 3000 Elektromotoren für die anlaufende Produktion von MagicWands retten können, aber das nötige Gummi fehlte ihr noch.
Auf der Flucht vor den chinesischen Behörden hatte Weitwinkel in seinem „schlauen Buch“ nachgeschlagen, um herauszufinden, wer ihnen denn nun helfen könne.
Die Lösung bestand in einem „alten weisen Mann irgendwo in den Bergen Süd-Ost-Asiens, der auf alles eine Antwort wüßte“.
Nun mußten die beiden diesen Mann aber erst einmal finden.
Der „Khedive“ hatte nach anderthalb Tagen Fahrt unbeschadet und unentdeckt das Mekong-Delta erreicht, und Weitwinkel und Johanna hatten sich mit der Barkasse bis kurz vor Saigon bringen lassen.
Zuvor hatte Weitwinkel noch einen Funkspruch an die in der fernen Heimat weilende Außenministerin Kerstin Maier abgesetzt: „Oberlesbe ZA aus Haft befreit. Stop. Haben Elektromotoren für Damenmassagestäbe und Modelleisenbahnen. Stop. Suchen jetzt den alten weisen Mann in den Bergen. Stop. gez Weitwinkel, Reichskassenwart mümpfenstop.“

(Da Kerstin mir das Telegramm an dem gleichen Tag noch unter die Nase hielt, weiß ich aus eigener Anschauung, daß sie diese Nachricht einerseits mit einem „gottseidank“ und ansonsten mit einem „What.-The.-Fuck.!!“ quittierte. Ich war in jenen Tagen aber mit weißgott anderen Sachen beschäftigt, um mich näher damit auseinander zu setzen.)

Johanna und Weitwinkel tappten also durch Saigon, auf der Suche nach einem geeigneten Fortbewegungsmittel.
„Sagen Sie mal, Frau deClerk, wenn Sie doch Damenhygiene-Massagegeräte herstellen wollen…hätten Sie da auch Verwendung für duftende Öle?“ fragt Weitwinkel, während sie sich durch den Wust an Rikschas, Motorrollern, Garküchen und Kleintransportern quälten.
„Natürlich…. es muß ja auch flutschen…!“
„Flutsch…was?“
„Orrr….Weitwinkel, Sie haben wirklich keine Ahnung, was?“
„Ähh…wahrscheinlich nicht, nein. Ich dachte an pflegende Öle… wohlriechend…ich denke Frauen mögen so etwas? Mümpf!“
„Ja, das stimmt. Können Sie sowas organisieren?“
„Aber sicher. ich habe vor einiger Zeit eine Insel im Mittelmeer… nunja…sagen wir, „befreit“, und dort eine Produktion für Lazitröl ins Leben gerufen.“
[„wir berichteten“ Anm.d. Red.]
„Lazi-was?“
„Lazitröl. Latschenkiefer-Zitrus-Öl. Ich habe auf der Insel sogar einen Gouverneur eingesetzt, der dort übert alles wacht.“
„Einen Gouverneur?“
„Ja… den ehr und flauschwürdigen Aljoscha von Wietzethal…der Berner Sennenhund von Frau Chamäleon!“
Johanna blieb konsterniert stehen. „Sie haben WAS zu WEM gemacht? Einen Hund? Als Gouverneur einer Insel? Ich dachte, als sie mir letztes Jahr in der Wüste von ihrem komischen Weinfest erzählt haben, da hätte ich schon alles gehört…aber einen Hund? Ernsthaft?“
„Was denn? mümpf…“ hummelte Weitwinkel etwas deprimiert „Darf ich Sie dran erinnern, daß ich ein humanoides Kaninchen bin und die Besatzung des „Khedive“ aus Hasen, Igeln, Bibern und einem Capybara besteht?!“
Johanna schüttelte nur resignierend den Kopf. „Schon gut Weitwinkel, schon gut… Sie sagen, sie haben Öl. Gut. Ich nehm ihr komisches Öl. Dann können die Mädels in Martins #NTL gleich das ganze komplette Set kaufen. Den MagicWand samt Pflegeöl.“
„Hmpf… gut..ich hätte aber noch eine kleine Bedingung! Mümpfennämlich!“
„Und die wäre?“ fragte Johanna skeptisch – gesppannt was nun noch kommen würde.
„Nun, wenn wir tatsächlich Kautschuk auftreiben, dann hätte ich bitte einen Anteil davon!“
„Wofür das denn? Sie haben doch schon 10% von meinen Elektromotoren? Wofür brauchen Sie bitte denn Kautschuk?“
„Nun… Unser lieber Chef beschäftigt sich ja nicht nur mit irgendwelchen Erotica zur nachtschlafenen Zeit… Die Tischbanden eines Snookertisches sind doch auch aus Kautschuk. Dann haben die Snookerfreunde auf twitter auch etwas davon. Und außerdem: Man kann damit Schnuller für kleine Kinder herstellen. Das ist doch ein ehrwür….“
Johanna unterbrach Weitwinkel mit einer ruckhaften Handbewegung.
„Äh???“ zuckte Weitwinkel erschrocken, als ihn Johanna dicht an eine Hauswand preßte.
„Nicht bewegen, Weitwinkel.“
„Aber…“
„Pssst! Seit fünf Minuten verfolgen uns zwei komische Schlitzaugen auf Schritt und Tritt!“
„Aber…aber…wir sind mitten in Saigon, hier sind alle Menschen Asiaten. Mümpf!“
„Mag sein… aber die beiden sind entweder Polizisten in Zivil oder vom chinesischen Geheimdienst.“
„Wir sind doch in Vietnam…woher wollen Sie denn…äh wissen…“
„Die haben alle den gleichen bescheuerten Haarschnitt!“ zischte Johanna. „kommen Sie!“ mit diesen Worten packte sie Weitwinkel am Kragen, und zog ihn um die nächste Hausecke.

Und dann ging sie los, die wilde Jagd: Johanna blickte sich suchend um. Mitten im Gewühl der südostasiatischen Metropole. Überall laut knarrende Motorroller, Motorrikschas und kleine überladene Daihatsu-Transporter. Da kam ein friedfertiger Vietnamese auf einem etwas größeren Motorrad daher. Johanna zögerte nicht lange, und mit einem Chuck-Norris-würdigen Karate-Kick trat sie den armen Mann während der Fahrt vom Sitz seines Kraftrades. (übrigens eine Raubkopie eines Lizenznachbaus eines Plagiats einer ostdeutschen MZ).
Das Motorrad und Fahrer flogen auf die Straße, aber noch ehe der abgeworfene Fahrer sich mit seinen Blessuren vom Boden erhoben hatte, saß sie schon auf dem Vehikel.
Weitwinkel stand verwirrt daneben. „Aber…aber..sie können doch nicht…“
„Kommen sie, man!“ schrie sie. „Wir müssen hier weg!“
„Aber der arme Mann…!“
In der Zwischenzeit hatte sich der Vietnamese mit blutiger Nase erhoben, und bedrängte Johanna, ihm sein Motorrad wieder zu geben. Kurzerhand packte sie ihn sich, verpaßte ihm erst eine Kopfnuß und noch einen Schlag – zwei oder drei Zähne flogen durch die Gegend – und dann drehte sie sich wieder um:“ Weitwinkel! Nun machen sie schon!“
Mitlerweile waren die vermeintlichen chinesischen Agenten und uniformierte Polizisten trillerpfeifend herbeigetrabt, und eine Menschentraube hatte sich um die Szenerie gebildet.
Weitwinkel hielt es nun doch für geraten, aufzusitzen, und sprang mit einem ängstlich-aufgeregten „Mümpf!“ auf den Sozius. Darauf hatte Johanna nur gewartet, und gab Gas – so stark, daß sich das Vorderrad vom Boden hob, und sie nur auf dem Hinterrad durch die Menschenmenge bretterten.

Johanna ist eine begeisterte und begnadete Motorradfahrerin. Sie raste durch das durch das chaotische Verkehrsgewirr Saigons, und der arme Weitwinkel hielt sich fest so gut er konnte.
Nach einer Stunde hatten sie wohl sämtliche Verfolger abgeschüttelt, und hielten an einer großen Ausfallstraße an. Daihatsu und Toyota-Transporter rasten an ihnen vorbei, aber auch rumpelnde Ochsenkarren zogen gemächlich die stadtein -und auswärts.

„Wo müssen wir hin?“ fragte Weitwinkel sich umblickend, in steter Sorge, chinesische Geheimdienstagenten könntem jeden Moment hinter ihm stehen.
Johanna hatte sich in die Karte vergraben.
„Hier…ich habs…Das Kaff heißt Dôm-Phắc-Sừb-Gãg-Bôl…da müssen wir hin…!“
Weitwinkel steckte nun auch seine Stupsnase in die Karte: „…oh..da führt ja eine Eisenbahnlinie hin! Wir können den Zug nehmen!“
Genervt ließ Johanna die Karte sinken.
„Weitwinkel..“ seufzte sie, „…diese Karte ist 70 Jahre alt! Sehen Sie hier: Alles, was nicht auf vietnamesisch ist, ist auf französisch… Es würde mich nicht wundern, wenn diese Eisenbahnlinie seit dem Indochinakrieg nicht mehr benutzt wird. Ich glaub, die letzten, die hier mit nem Zug gefahren sind, waren die Japsen im 2. Weltkrieg!“
„Oh…wie traurig…. mümpf..“
„Was denn?“
„Stillgelegte Eisenbahnstrecken machen mich traurig…mümpfenseufz!“
Johanna verdrehte die Augen „Orrr…Weitwinkel! Wenn es sie tröstet: Wenn wir der Bahnlinie folgen, dann sind es nur 147 km bis zu unserem Ziel. Vorausgesetzt, wir finden die Bahnlinie, und dann dort auch den alten Mann.“
„Und der kann uns vielleicht mit Kautschuk aushelfen…mümpf!“ Weitwinkels Miene hellte sich wieder etwas auf. „Dann können wir auch Schnuller für Kleinkinder und Snookertischbanden herstellen…juhumümpf!“
Sichtlich entnervt faltete Johanna die Karte wieder zusammen: „Whatever, Weitwinkel..whatever…!“

…to be continued…

TEIL 4

3 Gedanken zu “Rubber, Rabbits and the MagicWand – Teil 3b

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