K&O – searching for the boss (1)

Zur Erinnerung: Chamaelita und Weitwinkel waren auf dem Weg nach Wien, und hatten unterwegs das „güldene Buch des BDSM“ (trotz dessen Nichtexistenz) im Kühlhaus des „Waldorfer Hof“ versteckt.
Ich war von zwei unbekannten Männern entführt worden, und konnte deshalb nicht an der Eröffnungs-Orgien-BDSM-Session des „dunklen Tempels“ teilnehmen.
Im indischen Ozean schwamm ein U-Boot umher –
und direkt nach meiner Entführung hatte Kerstin sich kurzerhand das Auto von Falbalus „ausgeborgt“ und Ophelia dazu genötigt, sich hinter das Steuer zu setzen.

Zwischen dem Kreuz Meckenheim und Bad Neuenahr ist die A61 sehr lang und gerade: die Trasse folgt einer strategischen Bahnlinie von vor dem ersten Weltkrieg, die aber nie gebaut wurde. Und zu Zeiten des kalten Krieges wurde dieser Streckenabschnitt als Behelfsflugplatz für Kampfflugzeuge der NATO ausgebaut. Daher sind selbst heute noch die Mittelleitplanken herausnehmbar: theoretisch läßt sich dieser Streckenabschnitt in einen Felfdlugplatz verwandeln. In einem Manöver der NATO landeten und starteten hier einmal 17 Düsenjäger.
Im Ernstfall wären die Angehörigen der Regierungsbeamten aus Bonn und Teile des Bundesarchivs von diesem „Flugplatz“ aus mit einer 747 der Lufthansa nach Miami ausgeflogen worden – während sich die Bundesregierung im Regierungsbunker sich im nahegelegenen Marienthal (Kreis Ahweiler/Rheinland-Pfalz) verschanzt hätte.
Gerüchten zufolge, die allerdings nie belegt werden konnten, gab es angeblich einen Tunnel, der die Bundeshauptstadt Bonn *direkt* mit Marienthal verband, und entlang der Trasse der Autobahn führte.

„Ich hoffe mal nicht, daß du was mit Martins Entführung zu tun hast, oder?“
Entrüstet muß Ophelia beinahe Kerstin eine gescheuert haben „Nein! Natürlich nicht?! Ich will einfach nur noch weg hier…das ist mir alles hier zu dubios…Ich wollte zu ner Fetischparty, aber statt dessen hab ich jetzt Angst, sitz in nem fremden Auto, mit einer Frau, der ich eigentlich am liebsten die Augen auskratzen wollte!“
„Du hast nicht nur Angst, du bist auch von Haß und Unrast getrieben, was?“ fragte Kerstin.
Ophelia antwortete nicht.
„Ich hab deinen blog und deine tweets gelesen. Du brauchst mehr als nur ein Schwert und Schild aus Worten und ne sichere Waldlichtung. Du brauchst eine ganze Armee. Aber eins nach dem anderen, wie Martin immer sagt. Und jetzt fahr zu! Wir müssen ihn retten.“
„Wir?!“
„Ja wir! Hopp!“
Ophelia wußte nicht recht wie ihr geschah – sie startete den Wagen und gab Gas.

„Wo fahren wir hin?“
„An einen sicheren Ort. Wenns nicht so komisch wäre, würde ich sagen, „vertrau mir“ – aber ich glaub das kann ich mir schenken.“
„Ich möchte aber gern schnell nach Hause…“
„Ophelia, das kann ich gut verstehen, aber Martin ist eben entführt worden. Du mußt noch deine Aussage machen.“
„Bei der Polizei?“
„Nein. Bei unseren Sicherheitsleuten. Und danach kannst du nach Hause. Versprochen! Ich bezeweifle zwar, daß Martins Entführung auf das Konto deines Teufels geht – aber sicher ist sicher.“
„Sicherheitsleute?“ Ophelia sah Kerstin irritiert an. Kerstin seufzte. „Du glaubst doch nicht allen Ernstes, herumhoppelnde Kaninchen sind alles, was Martin zu bieten hat?! Der nickname ChefleGrand kommt nicht von ungefähr. Dumm nur, daß der große Chef entführt wurde, und ich es nicht verhindern konnte. Ich muß zusehen, daß ich mich mit unserem Geheimdienst treffen kann, und die richtigen Leute an die Strippe bekomme. Da hinten bitte auf die Autobahn auffahren!“
„Was?“
„Mach einfach! Wir sind gleich da!“

Sie bogen mit Falbalus´ Wagen auf die A61.
„Bei der nächsten Ausfahrt fährst du wieder runter. Auch wenn da steht, „für offiziellen Verkehr gesperrt“. Das sieht aus wie ein Rastplatz, nur ohne Möbel. und der Straßenbelag besteht aus Betonplatten. Da…dahinten! Die Ausfahrt ist unbeleuchtet – da bitte rein!“
„Aber… kein Licht, Durchfahrt verboten…ich kann doch nicht..?!“
„Orrr Ophelia, fahr da rein! Wenn schon nicht für Martin, dann wenigstens für dich, für twitter, eine Welt mit schönem BDSM für alle und den Weltfrieden!“
„Ich hab kein gutes Gefühl dabei!“ – so sprach Ophelia, aber in einem Anflug von Abenteuerlust riß sie im letzten Moment das Steuer herum, und bog auf den unbeleuchteten „Rastplatz“ ein.
Sie hielten an.
„Und was nun?“ fragte Ophelia.
„Moment, ich habs gleich“ antwortete Kerstin, die einen geheimen Code in ihr Smartphone tippte. Als sie fertig getippt hatte, sagte sie nur: „Fahr weiter!“ ohne aufzusehen.
„Wohin?“ Ophalia war verwirrt. Hatten sie etwa angehalten, nur damit Kerstin etwas in ihr Handy tippen konnte? Das hatte sie ohnehin die ganze Zeit getan.
Kerstin sah auf. „Da vorne! Da fährst du jetzt bitte rein!“
Ophelia sah wieder nach vorne und erschrack: vor dem Wagen hatten sich mehrere Betonplatten abgesenkt, bzw. in den Boden eingezogen: Eine durch Neonlicht schwach erhellte Abfahrt in den Untergrund tat sich auf.
„Was ist das?“ wollte Ophelia wissen.
„Das wirst du gleich sehen. Und jetzt mach hinne!“
„Ich faß´ es nicht…was mach ich hier?!“ Ophelia rollte mit den Augen, und fuhr an.

[mysteriöse Musik aus dem Hintergrund: https://youtu.be/XuFyLPrHLbc?t=2m9s%5D

Sie fuhren eine betonierte Abfahrt hinunter, die immer weiter in das Innere der rheinischen Erde zu führen schien. Die Wände waren schwach mit Neonröhren alle 75 Meter ausgeleuchtet, und mit weiß-grünen Streifen bemalt. Ophelia bemerkte nicht, wie sich hinter ihnen die Betonplatten an der Oberfläche wieder schlossen. Der „Rastplatz“ sah wieder aus, als wäre hier nichts geschehen.
Die lange Abfahrt mündete in einer T-Kreuzung in einen Tunnel. Die Röhre, die von links kam, war stockfinster, die, die nach rechts führt, war weiter beleuchtet.
„Immer dem Licht nach!“ sagte Kerstin.
„Wo sind wir hier?“ fragte Ophelia. Sie glaubte, im Halbdunkeln der T-Kreuzung ein gelbes Straßenschild erkannt zu haben, auf dem „Bonn“ stand. Es wies allerdings in die andere Richtung.
Kerstin steckte sich eine ihrer langen Davidoff-Nuttenstengel an, und während des Anzündens antwortete sie: „Wir sind in dem Tunnel, der das Regierungsviertel in Bonn mit Marienthal verbindet.“ Sie blies den Rauch mit einem satten Schwall aus, und betätigte den elektrischen Fensterheber, um Ophelia nicht zuzuräuchern.
„Kannst ruhig Gas geben. Alle was drin ist. Es sind noch 12 Kilometer, immer gerade aus!“
„Moment…Marienthal? Der Regierungsbunker? Den gibts doch nicht mehr?“
Kerstin tat einen tiefen Lungenzug, und blies wieder langsam den Qualm aus, bevor sie antwortete.
„Nietzsche hat auch mal gesagt, das Gott tot ist. Und? Gott gibts immer noch, aber dafür ist jetzt Nietzsche tot. Natürlich ist der offizielle Teil entkernt und rückgebaut worden. Aber der untere Teil…der war der Bundesrepublik zu teuer, um ihn zurückbauen zu lassen. Tja. Und nun sitzen wir drin.“
Ophelia schaute auf den Tacho: Sie fuhren durch eine schmale Tunnelröhre mit 170 Sachen.
„Wer ist „wir“?“
„Auch das siehst du gleich. Magst du Männer in Uniformen?“
„Äh…ja… schon. Nicht mein Hauptkink, aber manchmal…“
„Na dann wirst du gleich was geboten bekommen!“
Monoton wummerten die Neonröhren alle 75 Meter an dem Wagen vorbei. Ophelia hätte eigentlich wenden wollen: Aber der Tunnel war zu schmal dazu. Es gab nur eine Richtung. Es kam ihr vor, als flögen sie durch ein Wurmloch.

Sie sprachen kein Wort miteinander. Nur einmal fragte Kerstin: „Stimmt das, daß du Frauen hilfst bzw. vernetzt, die von Arschlöchern schlecht behandelt wurden, und denen vorgegaukelt haben, das wäre bdsm?“
„Ja.“ antwortete Ophelia einsilbig.
Kerstin schaute sie an sagte aber nichts. Sie warf nur die erst halb gerauchte Zigarette aus dem Wagenfenster.

Nach ein paar Minuten, Kerstin war ob des Nikotibschubes wenigstens die kurze Zeit entspannt gewesen, blickte sie wieder nach vorn.
„Breeeemsen!“ schrie sie.
Ophelia hatte wie in Trance immer weiter Gas gegeben und stieg nun voll in die Eisen: Sie war total in Gedanken gewesen, und hatte die Schilder in der Tunnelröhre übersehen.
Mit einem langen, lauten Quietschen kam Falbalus´ Wagen, in dem sie saßen, gerade mal drei Meter vor einem mint-grün gestrichenen Stahltor zu stehen. Ein etwas verrostetes rot-weißes Schild bedeutete „Kraftwagen HIER HALT!“
Der Tunnel war an dieser Stelle verbreitert: Neben dem Stahltor war eine stählerne Luftschutztüre für Personen und eine Gegensprechanlage.
„Willst du uns umbringen?“ fragte Kerstin erschrocken.
„Sorry…“ auch Ophelia rang nach Atem. „Was jetzt?“
„Wir warten.“

Es dauerte nur einen Moment, und das tonnenschwere grüne Stahltor schob sich beiseite – begleitet von einem auf und ab heulenden Sirenenton und orangem Blinklicht.
„Fahr rein – wir sind da.“
Ophelia lenkte den Wagen durch das nun offene Tor – und sie standen in einer Art Garagenhalle.
In seitlichen Parknischen, ähnlich einer Tiefgarage, standen verschiedene Autos. Mehrere schwarze Mercedes älteren Baujahrs, ein weißer Porsche und ein Bordeaux-roter Opel Astra mit silberner Triskele an der Heckklappe und Ahrweiler Kennzeichen.
Es gab ein weiteres großes Stahltor, das Fahrzeuge hätte passieren lassen können: dieses blieb aber zu. Aber dafür stand eine doppelflügelige Stahltür geöffnet, die einen Korridor abschloß, der weiter in das Innere der Bunkeranlage führte. Und in dieser Türe standen drei Soldaten, mit Maschinenpistolen.
Kerstin stieg aus – Ophelia tat es ihr gleich – wenn auch kopfschüttelnd.
Sie wähnte sich eh schon längst im falschen Film – aber diese Uniformen! Nicht, das die drei Soldaten nicht „fesch“ ausgesehen hätten. Aber die Farbe, das Schnittmuster – das wirkte so antiquiert. Ebenso wie die Waffen.

Einer der Soldaten erkannte Kerstin, und beeilte sich, zackig zu salutieren: „Frau Minister!“ – und knallte dabei die Hacken der genagelten Knobelbecher so hart zusammen, das der Knall in einem mehrfachen Echo in der Halle wiederhallte. Auch die beiden anderen Soldaten nahmen sofort Hab-Acht-Stellung ein, und knallten die Hacken ebenso laut zusammen. Ophelia lief ein kalter Schauer über den Rücken.
„Frau Minister?“ fragte Ophelia ungläubig.
„Ja. Das jetzt zu erklären würde zu lange dauern… später!“ Sie wandte sich an den mittleren der drei Soldaten, den Abzeichen nach einem Hauptfeldwebel: „Der Wagen muß sofort zum Halter zurück! Name und Zielort habe ich auf nem Zettel auf dem Amaturenbrett gelassen. Die Fahrbereitschaft soll ihn unverzüglich zurückbringen!… ach ja: und tanken Sie ihn wieder auf!“ sie wandte sich wieder an Ophelia: „Wir wollen ja, das der Falbalus kein Grund zu Klage hat!…Komm mit!“
Sie schritten, gefolgt von den drei Soldaten, einen langen Korridor entlang. Auch dieser war von Neonröhren erleuchtet -und hellgrau/grün gestrichen. Am Ende dieses Korridors war wieder eine Tür, die offen stand. Die Stiefel der Soldaten klackerten laut auf dem harten Beton. Ophelia folgte Kerstin in einer Mischung aus Angst, Trance und Fluchtreflex. Noch nicht ganz auf der Höhe der Mitte des Korridors angelangt, kam ihnen jemand entgegen:

Eine junge Frau, blonde, schulterlange Haare: Sie trug lederne Militärstiefel („Knobelbecher“), dazu Breecheshosen – aber am Oberkörper trug sie lediglich einen schwarzen Büstenheber (keinen Halter!), so daß ihre Brustwarzen frei lagen und stracks nach vorn wiesen. Als Hals trug die Frau ein schwarzes Band – Ophelia kniff die Augen zusammen, um besser zu erkennen, was an diesem Band befestigt war: kein „Ring der O“, der mittlerweile dank H&M von unschuldigen zwölfjährigen als Schmuck getragen wird, nein, da baumelte ein Eisernes Kreuz über den Brüsten dieser blonden Frau.
„Hallo Natasha!“ – so begrüßte Kerstin die blonde Frau. „Wen haben wir hier?“
Natasha salutierte zunächst förmlich: „Melde gehorsamst, Frau Minister…“
„Tasha, laß den Quatsch. Der Chef ist entführt worden. Also bitte!“
Natasha holte kurz Luft, und antwortete: „In der kurzen Zeit haben wir nur van der Waale, de Flandre, Graf di Rocca und Findeisen herbekommen können. Und von den Snöfs nur Lord Hetschhogk!“
„Na suuuper!“ Kerstin rollte mit den Augen. „Und mit der Truppe soll ich Martin wiederfinden, oder was? Verfickte Scheiße!“
Sie wandte sich an Ophelia: „Natasha wird jetzt deine Zeugenaussage aufnehmen, und auch die Phantombilder zeichnen. Versuche dich bitte an alles so genau wie nur möglich zu erinnern! Ich werd jetzt auch alles niederschreiben. Bitte… es geht um Martin.“
Ophelia seufzte. „Ich kann nichts versprechen. Ich versuchs…“
„Danke!“
Kerstin war sich immer noch unsicher, was sie von Ophelia halten sollte – aber in dieser Ausnahmesituation war es auch müßig darüber zu sinnieren.

to be continued…

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