auch ein „Dom“ ist nervös

„Was mach ich eigentlich hier?“

Oh mann, wieder so eine Aktion. Fern der Heimat. Mit einer unbekannten Frau.
Es regnet.
Wie haben uns auf twitter kennengelernt. Wo denn sonst. Ich bin zu faul für Dating-Seiten. Und auf twitter lernt man sich durch Worte kennen.
Das ist wichtig, wie ich finde. In den Worten verbirgt sich der Esprit, der Geist, die Persönlichkeit.
Bei alle Liebe zu Hiebe&Triebe, aber es ist immer ein Mensch.
In den Wochen vor so einem Treffen schreibt man eben auch über Arbeit(-ssuche), Kinder, Ehemänner, unerfüllte Sehnsüchte, und vieles mehr…
…und irgendwann schreibt man über das Treffen.
Sucht sich ein Hotel aus. Wir teilen uns die Kosten.
Ich armer Schlucker hab einiges an Sparsamkeit, Schwarzarbeit und Mühen gesteckt, um mir das finanziell überhaupt erlauben zu können.
benzin wächst leider nicht in meinem Garten.

Und nun sitz ich hier in der Hotel-Lobby und warte. Mein einziger Freund und Halt in meiner jetzigen Nervosität ist der lauwarme Kakao aus dem Automaten.

Sie hatte schon mal eine Affäre – auch in einem Hotelzimmer. Aber der war dem Vernehmen nach eher ein Reinfall. Allerdings ein finanziell unabhängiger Dienstwagenfahrer. Verheirateter Ehemann. Schwafelte viel von Dominanz und Erfüllung durch BDSM. So ein Audi-Raser, die mich auf der Landstraße und auf der Autobahn gnadenlos in meinem
alten Opel Astra abziehen. Na gut – der hats also im Bett nicht gebracht.
Madame – es kann nur besser werden.
Ich hab mein „Werkzeug“ schon hoch ins Zimmer gebracht. Aber nicht mit einem Rollkoffer, und auch nicht in einem Alukoffer. So wie es dem Vernehmen „alle anderen“ machen. Oh Gott bewahre, nein so mach ich das nicht.

Wenns sein muß bring ich mein Werkzeug einzeln ins Hotelzimmer. Und wenn ich dafür zehnmal vom Hotelparkplatz bis ins Zimmer und zurück laufen muß.
Naja, ich nehm den Fahrstuhl.
Wenn der nen Spiegel hat, mach ich mal einen auf Lehnsherr und poste ein Fahrstuhlfoto.
Das gibt dann bestimmt wieder ein fav von meiner Haupt-Sub.
Hab ich auch auch alles dabei? Werkzeug? jaaa – hab ich. Gestern Abend hab ich all die schönen Spielsachen ins Auto verfrachtet. Auch wenn ich genau weiß, das ich so gut wie nichts davon benutzen werde. Die ganze Aktion ist generalstabsmäßig geplant. Sogar das gottverdammte Auto ist geputzt.
Wenns zur Sache geht, reichen meine bloßen Hände und mein Blick. Erfahrungswerte.
Ausnahmen gibt es immer – aber meistens reicht ein Blick in die Augen der Frau, um zu wissen, „was sie braucht“. Und wie hart.
Himmel – ich bin aufgeregt.

Im Geiste geh ich die Liste der römischen Kaiser durch. Um mich abzulenken. Um mir selbst einen Anstrich von intekllektueller Größe zu geben (ich hab ja mal was studiert), wenn ich mich gleich als HartzIV Empfänger mit einer verheirateten Frau zum Sex mit harten Bandagen einlasse. Auch wenn hier niemand meine Gedanken hören kann.

Was, wenn anstatt ihr der gehörnte Ehemann hier aufkreuzt?
Ok, die Luger liegt im Handschuhfach… bzw. jetzt unter dem Bett. Ist ne Luftpistole. Und nicht geladen. Scheiße, tu das Schießeisen weg! Andererseits – was wenn es sie geil macht?
Mal abgesehen davon, daß das hier formal auch nicht ganz so legal ist – aber das hier ist ein BDSM-Hotelzimmer-Date. Hier soll gleich einvernehmliche Körperverletzung stattfinden.

Ob sie gut blasen kann? Ob sie anal mag?
Hab ich die Hand und Fußfesseln schon an den Stellen im Zimmer positioniert, an denen ich sie zu brauchen gedenke?
raucht sie eigentlich? Ach nee…sie hatte geschrieben, das sie selbst nicht raucht. Hm… Qualmgestank geht nie ganz weg, aber ich muß mir unbedingt noch den Mund ausspülen. Sie soll keinen Aschenbnecher küssen müssen. Ich schaue auf die Uhr. T -15 Minuten. Das reicht für eine letzte Zigarette und einmal mit der Zahnpasta gurgeln.
Warum ist das Wasser in den Hotelzimmern eigentlich immer lauwarm?
Liegt das lange Lineal unterm Kopfkissen? ja -tut es. ich habs bei T-35 Minuten dahingelegt, und danach zweimal überprüft. Oh mann, bin ich aufgeregt.

Wir haben vereinbart: keine Kostüme. Ich brauche keine Rollenspielklamotten. Sie soll mich beim Vornamen nennen, so wie ich sie beim Vornamen nenne. Wenn sie will, darf sie auch Herr sagen. Aber das überlasse ich ihr. Sie darf Rock und Stiefel tragen, wenn sie mag. ich laß mich überraschen.
Vielleicht sagt sie es, wenn sie vor mir kniet. Aber ich ich brauche keine knieende Frau vor mir. Außer zum Blowjob. Das der auch zum Deepthroat ausarten kann, wenn sich mein Schwanz in ihrem Mund wohlfühlt, das habe ich ihr schon angedroht. Und auch, das ich keine Rücksicht auf Reflexe nehme. Sie klang am Telefon, als ich ihr das sagte, verunsichert.
Aber ich hab gesagt: „Du schaffst das schon!“.
Und nach dem Blowjob/Deepthroat darf sie mich gerne mal „Herr“ nennen.

Aaaach…Mist… T-8 Minuten. Ich muß nochmal pinkeln. Aufpassen – Hose nicht versauen! Das untergräbt die „Autorität“. Was auch immer das ist.
Es kommt nix. War nur die Aufregung.
Über NS haben wir nicht wirklich gesprochen – das ließe sich hier im Hotelzimmer eh schlecht bewerkstelligen. Vielleicht kommt sie ja auch mal zu mir nach Hause. Aber das wird nicht heute entschieden. Und auch nicht von mir.

Wird sie sich wohl mit mir fühlen? Wird sie es genießen, wenn ich sie hart rannehme, wie wir das in unseren DM-Gesprächen und am Telefon ausgemalt haben?

Ich denk grad an „die anderen“ aus unserer gemeinsamen Timeline. An die, die heute Abend in einen SM-Club fahren. An die, die heut mal wieder Zirkel spielen. An die, die heut nichts vorhaben. An die, die in vielleicht einer Mischung aus Neid und Gönnerfreude uns viel Spaß gewünscht haben. Ich denk auch an die anderen Frauen, die mich interessieren. Ich denk einfach an die ganze „Truppe“.

Das hier ist also die Wirklichkeit. Anders als auf den NTL Bildern. Hier ist niemand schlank, hier ist auch nichts schwarz-weiß. Hier wird sich auch nicht elegant geräkelt.
Und ich werd auch nen Teufel tun, mir nen schwarzen Anzug anzuziehen, um mir den dann mit Champagner, Sperma und Mösensaft zu versauen. Wie gesagt, ich brauch keine Klischeekleidung.

Oooohh Herr, der du bist über den Himmeln.. wat bin ich opjeräch!
Meine Schuhe glänzen. Hemd – frisch gebügelt. Man sieht sogar noch die Bügelkante. Hose und Unterhose: vor 40 Minuten frisch angezogen.
Ich rieche, wie eine lebendige Nivea-men Werbung. Aber nicht zu aufdringlich. Sondern dezent.

Orrrr Mädchen… komm endlich an.. ich halts nicht mehr aus!
T-2 Minuten.

Und dann biegt ein Wagen auf den Hotelparkplatz.
Das ist sie. Ich weiß es.
Und nun entscheidet sich viel.
Sie steigt aus.
Ich stehe auf, und gehe aus der Lobby. Wir treffen uns kurz vor dem Hoteleingang.

Als sie mich sieht, lächelt sie.
Ich seh ihr in die Augen. Ihr Blick verrät mir alles.

Wenn man einer bis dato unbekannten Frau gegenübertritt, und sie ficken, ihr den Arsch versohlen, sie fesseln und vor allem: befriedigen will, dann sollte man den Soundtrack der Sopranos im Ohr haben („woke up this morning“) – und nicht lange nachdenken.

Meine Nervosität ist weg.

4 Gedanken zu “auch ein „Dom“ ist nervös

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