O.N.S. – oder: die Geister, die ich schlief.

ONS:

1.: Bezeichnung innerhalb des Konvoi-Geleitzugsystems der Alliierten während des zweiten Weltlkrieges im Nordatlantik für Geleitzüge langsamer Geschwindigkeit von Großbritannien nach Nordamerika. „Outbound from the British Isles to North America. Slowly.“

Orrr…Martin…schnarch. Verschone uns mit Seefahrtsgeschichte!
(mürrisches Augenrollen meinerseits)

2.: afrikaans für „wir“.
Schnarch! Verschone uns mit Sprachunterricht.
(unwirsches Papier-beiseite-gelege meinerseits. seufzen.)
Na schön. Da habt ihr doch drauf gewartet:

(das folgende bezieht sich nicht nur auf einmalige Treffen, sondern auch a) auf lange Antextungs-Prozesse vie WA oder telegram, die nie einen physischen Abschluß gefunden haben, als auch b) auf Treffen, die sich einige wenige Male wiederholten, dann aber „eingeschlafen“ sind).

3.: One-Night-Stand.
eine im Prinzip einmalige sexuelle Begegnung„. Soweit das Lexikon.

Wenn ich zu einer Frau sage, „Mädchen, du bist einmalig!“, dann sehr vereehrte Damenwelt, is it not intended to be an One-Night-Stand, its more or less a compliment. An apprecitaion of your very personality, for gods sake! My choice of words may sometimes seem to be over-classical – aber verfickt und zugenäht: Eben weil ich wohl dem feedbäckischen Vernehmen nach so gut mit Worten umgehen kann (oben wie untenrum), schauen wir uns jetzt in die Augen. Apropos meine Augen: Die hab ich „nur“ genetisch so geerbt, aber es freut mich, wenn sie euch gefallen. Nur aber eben dazu muß man mir auch in die selbigen schauen. Live. Face to face.

Wo bleibt die Wertschätzung des einzelnen menschlichen Sexualkontakts?
Ist es nicht so, als umgäbe jedes Paar, das miteinander schläft, eine kleine (zärtliche) „Aura des Heiligen“?
Aber vielleicht ist es eben diese Zerbrechlichkeit. Vielleicht bin ich als Historiker zu sehr eine Persönlichkeit, die sich mit vergangenen Momenten beschäftigt.
Aber als guter Historiker möchte ich vergangenen Momenten nicht nur gedenken – eingedenk guter Museumsdidaktik möchte ich vielleicht die Momente bewahren, das Feuer am brennen erhalten – wieder erlebbar zu machen. Und vielleicht scheitert mein gut gemeinter geistiger Anspruch an den liderlichen, flüchtigen Realitäten; who knows -.-

Wieviele Ehemänner habe ich schon gehörnt, in dem ich ihre Frau gefickt habe?
Wievielen (kleinen) Kindern habe ich die Mama für eine oder mehr Nächte „entführt“, in dem ich sie festgebunden, geschlagen und in den Arsch gefickt habe?
Wie oft steckte hinter der „Freundin, die ich besuche, Papa/Oma/Opa/[andere Freundin] passen heut auf dich auf“ meine Wenigkeit?
Und was ist mit den Unabhängigen? Den Frauen, die es sich, ohne Rücksicht auf irgendjemand nehmen zu müssen, leisten konnten?

Alle sie haben gegen das oberste Gebot der Vernunft (und des güldenen Buches, aber das nur nebenbei) verstoßen:
das erste(!) (Blinddate) Treffen mit dem Kerl.
Bei ihm zu Hause.
Mit Aussicht auf sexuelle Handlungen.
Und zwar solchen, die das bürgerliche Normalmaß überschreiten.
SOWAS TUT FRAU NICHT.
(Ophelia und die anderen Erklärbärchen haben mit den, diese Umstände betreffenden, Warnhinweisen absolut recht. Nur: Ausgerechnet ich „ernähre“ mich von diesen seltenen, ungehorsamen Ausnahmen. Ich kann nämlich nicht von meiner kleinen Insel hier raus. Ich bin auf mutige Frauen angewiesen.) ( I know, thats deep)

Und dennoch: sie waren hier. Übernachtung mit Frühstück.
ES GIBT KEINE VIELFICKER-BONUSMEILEN. Hinter meinen was auch immer-bei-Frauen-auslösendenen Augen sitzt nämlich ein reichlich ernster Geist, der jeden einzelnen Menschen, jede einzelne Frau, die ich „kennenlerne“ (in Schlafzimmer-hafter Bedeutung des Wortes) als einzele, wertzuschätzende Person wahrnimmt.
Wir haben uns doch geschrieben. Ich weiß leidlich um Deine Lebensumstände bescheid. Wir haben vielleicht sogar telefoniert. Uns Bilder geschickt. Ich weiß, wie du aussiehst, was du machst, was dich umtreibt. Weil ich dich als Mensch wertschätze – und ja. Auch: Weil ich dich attraktiv finde, und mit dir schlafen möchte/wollte.
Niemand, NIIIEEEMAND wird, hier in meinem Kopf als „abzuhakender Fick“ betrachtet. Das wäre unmenschlich, barbarisch, und unter meiner – und vor allem: Unter Deiner Würde.
Denn es wohnt dem Beischlaf zweier Menschen eine unveräußerliche Würde inne. Sie ist nicht revidierbar (rückgängig zu machen), nicht negierbar (zu verneinen) und nicht verhandelbar.
Sie ist wahrhaftig.
Weil sie aber „wahrhaftig“ ist, also wahr, und haftend, unsauslöschbar:
WARUM ZUM GEIER habe ich das Gefühl, als ich betrachte alte schwarz-weiß Fotos, die vor meinen Augen immer mehr verbleichen und zu Staub zerfallen?

Und die, die nicht hier waren: Wir haben uns geschrieben. Uns ausgetauscht. Uns angenähert. Sind intim geworden, soweit es Worte und Bildnachrichten zulassen. Wir leben im 21. Jahrhundert – da ist eben vieles digital und nicht analog real. Aber dennoch. Wir waren uns nahe. Du warst feucht und er war hart. Weißt du noch???
Warum ist das nun alles weg? Allein aus der Angst heraus, selbst keine austauschbare Nummer zu sein, bist du es für mich auch nicht. Aus Respekt, Anstand und Würde.
Aber warum ist es dann so still geworden?

Was ich akzeptieren kann, ist, wenn Du Dein Glück gefunden hast. No problem with that. Da bin ich der erste, der aus Achtung und Anstand heraus wieder artig zurück ins Glied tritt.
Ich möchte, das es Dir gut geht. Eben, weil ich Dich wertschätze.

Was ich aber nicht verstehen kann, was mich schmerzt, ist dieses Gefühl, einem Geist begegnet zu sein.
Wie zwei Schiffe, die sich (in mitten eines Sturmes) auf dem Ozean angenähert haben. Auf Funkkontakt, oder gar auf Sichtkontakt. Und sich dann einfach wieder aus den Augen verloren haben.
Dieses…. „wieder verschwinden“… einfach so. Es erinnert an einen tragischen Schiffuntergang. Ohne Überlebenden.
Herrgottnochmal – wir haben miteinander geschlafen!
Wir haben mit einander geschrieben. Bilder ausgetauscht. Obenrum und untenrum.
Und nun sinkt das ganze stumm unter Wasser. Als wäre nie etwas gewesen.
Bildlich gesprochen suche ich die Wasseroberfläche ab. „Was war das denn? Einfach so weg? Verschwunden? Spurlos? War das eine Fata Morgana?“

„DREI WOCHEN MITEINANDER SCHREIBEN – du kommst zu mir – wir verbringen eine Nacht miteinander – und dann: Schwupps. Aus. Nichts mehr.“
Man gestatte mir an dieser Stelle ein vulgäres Wort:
Das ist doch Scheiße?!

Ich dachte immer Mädchen seien emotionaler reifer als Jungs.
Tatsache ist, das die Mädchen erwachsene Frauen sind und ich bin ein erwachsener Mann.
Und trotzdem: ich bin verbittert, traurig und enttäuscht. Und allein.
Ich hasse es.
In meinem Inneren gibt es eine Art „Ablagesystem“. Es nennt sich „die Straße nach Capua.“
Im im ditten Teil „Caius“-Trilogie wird die antike Straße von Rom nach Capua beschrieben: Ein Mausoleum reiht sich links und rechts an das nächste.
Und in meinem Inneren gibt es eine ebensolche Straße. Doch hier werden keine toten Menschen begraben. Eher Erinnerungen aufbewahrt.
Für jede Frau eines. Mit all den Textnachrichten, Sprachnachrichten, den Bildern, den gemeinsamen Nächten. Jede einzelne bekommt ihr eigenes Mausoleum.
Zur Aufbewahrung, nicht zur Bestattung.
Ich begrabe nicht.
Sowas begräbt sich leider von selber.

Ich möchte Dich (wieder) sehen. Einmal (resp. nur mal heftig miteinander schreiben) ist mir zu billig.
Verzeihe mir, wenn ich nicht die Kraft hatte, mich „schnell genug“ wieder von selbst zu melden.
Aber vergessen habe ich Dich nicht.

Vielleicht spricht so vieles gegen mich – aber, wenn es etwas gibt, das ich auszeichnet, so möchte ich behaupten, so ist es mein Gedächtnis und meine Wahrhaftigkeit.
Beliebigkeit ist mir fremd.

Das heißt nicht, das ich dich heiraten möchte. Das heißt auch nicht, das ich mir ein Leben mit dir vorstelle. Aber diese ungezwungene Art unseres Zusammenseins – dieses kleine Fünkchen Leichtigkeit, das fehlt mir.
Und ich habe Angst, das es dir nicht fehlt.

Ich möchte nicht jeden One-Night-Stand meines Lebens wiederholen.
Aber für die meisten gilt:

Warum war das nur einmal? Hätten wir uns nicht noch ein klein wenig mehr zu geben gehabt?
Wahrscheinlich bin ich ein Romantiker. Denn es beschleicht mich die Angst, du hast mich längst vergessen.

[Nachtrag-Block zur selbstkritischen Ergänzung:
Mir fehlt bisweilen die schiere Kraft, das Selbstvertrauen und die Zuversicht, mich von mir aus wieder zu melden. Denn um keinen Preis der Welt möchte oich als ein Typ dastehen, der „um einen Fick bettelt“. Das ist mir zuwider, und ungeachtet sämtlicher gemeinsam vorhandener Phantasien: Das ist nicht meine Art. Ich mag einfach aus Anstand heraus nicht stören wollen. Und manchmal, da fehlt mir einfach auch die Kraft dazu. Weil auch ich nur ein Mensch bin, mit seinen eigenen Sorgen und Nöten. Aber weißt du… unser gemeinsames „Bild“ – so schwarz-weiß und verblichen es auch sein mag… ich habs noch. Ich bewahre es auf. Es ist nicht vergessen. Denn ich bin Martin, der Historiker. Ich lege selbst so emotionale Dinge wie diese unter einem Aktenzeichen ab – nicht um zu vergessen, sondern um dich wiederfinden zu können.
Aber während ich so stumm und nachdenklich die Aktenzeichen meines WA-Nachrichten rauf und runterscrolle, habe ich so große Angst, du seiest nur ein Geist, den ich mir eingebildet habe.
Und ich sei nicht mehr als ein Geist, den du schon längst vergessen hast.]

Martin.

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