Rennvorbereitungen

Die folgende Episode(n) dient/en lediglich meinem Privatvergnügen – zur Fortsetzung meiner kruden „Fortsetzungsgeschichten“ kommen wir demnächst wieder…

Man erinnert sich vielleicht, daß ich lange krank war, durch ein Loch gefallen bin, und versuchte wieder klar zu kommen. In dem Moment eröffnete mir Johanna, die stets Autos und Motorrädern herumschraubt, das sie beabsichtigte, am 24-Stundenrennen auf dem Nürburgring teilzunehmen. Soweit, so gut.
Allerdings sollten Herr Weitwinkel und meine Wenigkeit als Piloten auf ihrem Wagen mitfahren.

„Bist du noch ganz knusper? Weder Weitwinkel und ich sind Rennfahrer?!“
„Sowas kann man lernen.“
„Warum nimmst du niemand von deinen Schülerinnen im ZA?“
Johanna seufzte. „“Weil diejenigen, die vielleicht Interesse haben, noch keine 18 sind. Und diejenigen, die alt genug sind, und eventuell infrage kämen, sind zur Zeit alle im Auslandseinsatz.“
Sie sah mich an. Mit einem sehr, sehr süffisanten Lächeln fuhr sie fort: „Und da ich aber unbedingt dieses Jahr an den Start gehen will, brauche ich noch mindestens euch beide.“
„Ja…Moment – da fahren doch sonst immer vier mit, wir sind nur drei?“ fragte ich. Die Vorstellung mit Tempo 250 durch enge Kurven zu fliegen behagte mir immer noch nicht.
„Das stimmt. Beim 24 Stundenrennen müssen mindestens zwei, maximal vier Fahrer auf einem Fahrzeug gemeldet sein und fahren.“
„Das heißt acht Stunden für jeden…“ ich kratzte mich am Hinterkopf. „Ich hatte dieses Frühjahr eigentlich was anderes vor…Arbeit….ficken… Geld verdienen…Damenbekanntschaften…“
Johanna drückte mir drei sehr ölverschmierte Zündkerzen in die Hand. „Dann gewöhn dich bitte dran, das sich Pläne manchmal ändern! Nächstes Wochenende erwarte ich dich und Herr Langohr im Fahrtsicherheitszentrum oben am Ring. Ihr werdet noch viel lernen müssen!“
Reichlich düppiert stand ich mit ölverschmierten Flossen da, und wußte nicht weiter.
„WER ist hier eigentlich der Chef???“
„Du, Martin.“
„Aha. Dann verrat mir mal, warum ich so irritiert in der Gegend herumstehe?!“
„Weil du Martin bist!“ lachte sie.
Gnarf!

Und so kam es, das Weitwinkel und ich im Schnelldurchlauf im Frühjahr zu „Rennfahrern“ wurden. naja. Eher gesagt: Wir machten die notwendigen Kurse und Lizenzen. Normalerweise braucht man dafür mindestens ein bis zwei Jahre. Aber Johanna hatte diverse „Verbindungen“ – und ich möchte nicht im einzelnen wissen, wen oder was sie alles an Schmiergeldern hatte fließen lassen.
Ich muß ausdrücklich betonen, das Herr Weitwinkel, obwohl er ja sonst ein ängstlicher und schreckhafter Zeitgenosse ist, bei den ganzen Prüfungen (Fahrsicherheitstraining, Schleuderkurs, Flaggen und Signalkunde) überhaus ruhig und gewissenhaft war.
Einmal im April, während einer Trainingspause, saßen wir in „Fahrerlager“ auf einem Reifenstapel. Johanna war gerade Kaffee für uns drei holen, da hummelte er los: „Wissen Sie, Chef… ich weiß zwar auch nicht genau, warum ich hier mitmachen soll, aber ich konzentriere mich auf die Regeln. Die Frau deClerk hat gesagt, das, wenn man sich einfach an die Regeln und das das Erlernte hält, nichts schiefgehen kann. Mümpfennämlich!…außerdem fahren wir für einen guten Zweck. Mit viel Werbung am Auto bekommt man auch viel Geld, mümpfennämlich!“
Ich seufzte. „Die Frau deClerk redet manchmal sehr viel, wenn der Tag lang ist, lieber Herr Weitwinkel!“
Ehrlich gesagt: Ich glaube, ich hatte mehr Bammel als er. Autofahren kann jeder. Aber diese Tempo…diese Konzentration…/o\
Im übrigen hatten weder Weitwinkel noch ich bis dahin unser endgültiges Rennauto gesehen – Johanna hütete dieses Geheimnis wie ihren Augapfel.

Gottseidank ist aber Johanna eine sehr geduldige Lehrerin, und hat uns beiden alles was man zum rennfahren wissen muß, Schritt für Schritt erklärt. Selbst wenn Weitwinkel sich öfters etwas anhören mußte, das er etwas schneller und aggressiver fahren solle, oder Johanna dauernd an mir herum nörgelte, ich solle etwas fitter werden (weniger trinken, weniger rauchen), so machten wir doch gute Fortschritte.

Einmal, im Mai, hielt Weitwinkel in unserem Trainingswagen einmal an der Strecke an-und meldete sich nicht. Wir vermuteten schon einen Unfall oder zumindest einen technischen Defekt. Irgendwann kam er dann gemütlich zurück in die Box gezuckelt. Freudestrahlend kletterte er aus dem Auto, und reichte Johanna einen Blumenstrauß.
„Ich war pföne Blumen pflücken, mümpfennämlich!“
Während ich einen Lachflash bekam, und beinahe an meinem Kaffee erstickt wäre, sprang Johanna schreiend, mit einem großen Schraubenschlüssel auf alles einschlagend, in der ganzen Werkstatt hin und her – sie war fassungslos.
Aber von dieser Art Episoden mal abgesehen: Nachdem erfolgreichen Nordschleifen-Permit (der Nürburgring ist glaub ich die einzige Strecke, für die man eine eigene Lizenz braucht), hielt uns Johanna soweit, das wir in unser richtiges Rennauto umsteigen konnten.

Anfang Juni:
„Das ist er!“ sagte sie nur, als sie mit einem glänzen in den Augen die Plane vom Fahrzeug hob.
Ihr „Baby“. Der Wagen, an dem sie, eigenem Bekunden nach, zwei Jahre lang alleine herumgeschraubt hatte. Der „deClerk Racing dCR- 24-N GTx“.
Der Wagen sah aus, wie eine Mischung aus einem Porsche und einem AMG Mercedes, allerdings erinnerte er mich auch etwas an einen Mustang. Auffällig waren die hervorstehenden Doppelscheinwerfer, die dem Gefährt ein unverwechselbares Äußeres verliehen.
Ich ging einaml um den Wagen herum. Nicht schlecht, Madame, nicht schlecht…
„Jepp… und ich habe ihn nahezu allein zusammengenbaut. Da ist von allem etwas drin: Mercedes, Porsche, Audi…“
„Ich sehs… und was für eine Maschine steckt da drin?“
„Ein Mercedes V-8…allerdings von mir selbst noch etwas getuned… 525 PS. Nicht der leistungsfähigste Hobel, aber man kann damit Rennen fahren.“
„Kein Hybrid, kein e-Motor?“ fragte ich, obwohl ich mir die Antwort fast denken konnte.
Johanna sah mich denn auch an, als ob ich ihr einen unsittlichen Antrag gemacht hätte. Erbost gab sie zurück: „Nur weil ich ein schwules Mädchen bin, fahre ich noch lange kein schwules Auto! Das Baby trinkt nur Super-Benzin!“ Sie beugte sich etwas über die Motorhaube und streichelte sie sanft.
„Ich hoffe doch wenigstens „Bleifrei“?“ frotzelte ich.
Sie runzelte die Stirn und erhob sich wieder. „Ja natürlich!“ brummte sie.
Sie sah auf den Kalender, und auf die Uhr, die an der Werkstattwand hing.
„Es sind noch drei Wochen bis zum Rennen, Martin.“
„Und es ist schon nach 10Uhr abends durch… wäre Zeit für ein Bier!“ meinte ich.
„Moment! Das Bier müssen wir uns verdienen! Du hilfst mir jetzt beim bekleben!“
So werkelten wir ganz alleine in dieser Werkstatt fast die ganze Nacht durch mit Klebefolie, Fön und Spachtel, um die ganzen „Sponsoren“-Logos auf den Wagen zu bringen.
„Weitwinkel hat drauf bestanden, das er nur mitfährt, wenn wir auch für „Lazitröl“ und „agriCola“ Werbung machen.“ seufzte sie.
Amüsiert mußte ich schmunzeln. „Das wundert mich nicht… Du hast ja sonst eher… (ich räusperte mich) …ungewöhnliche Werbung drauf!“
(Mal abgesehen davon, das Johanna die Startnummer „666“ beantragt und auch bekommen hatte…)
Ich besah mir den großen Aufkleber „kink .com“, „“ANAL- alles super“, „Interflug“ [sic!]. Sogar „Spenden – Subs in Not“ fand sich auf dem Wagen wieder, ohne das ich in diesem Moment wußte, was es damit auf sich hatte. Das sollte ich später erfahren.
Ganz zum Schluß brachten wir die Fahrernamen über den Türen an. Damit die Fernsehzuschauer (und die Rennleitung) sehen konnten, wer auf diesem Fahrzeug unterwegs wäre. An jedem Namen ist auch eine kleine Flagge angebracht, damit man die Nationalität des Fahrers erkennen kann.
Da wir schlecht die snöffische Flagge vor Weitwinkels Namen pappen konnten (sie ziert einen stilisierten Hasen) bekam er, genau wie ich „schwarz-rot-gold“ verpaßt. Aber Johanna… nun… seufz… wer meinen Blog schon etwas länger liest, der weiß, das sie gewisse Probleme mit ihrem Heimatland hat.
Ich öffnete schonmal die ersten Bierflaschen (nachts um halb vier), als sie haßerfüllt auf der Beifahrerseite die südafrikanische Flagge neben ihrem Namen anbrachte. Doch dann schritt sie mit einem breiten Grinsen um die Motorhaube.
„Was kommt jetzt?“ fragte ich ahnungslos.
„Jetzt werd ich meine Flagge richtige Flagge anbringen!“ sagte sie diabolisch. Und setzte etwas für mich unverständlich auf afrikaans hinterher. Ich stand auf, und ging zu ihr hin.
Vorsichtig, ja richtig liebevoll, zog sie den kleinen Sticker von der Trägerfolie, und klebte die südafrikanische Flagge neben ihren Namen auf der Fahrerseite. Allerdings war es die alte Flagge Südafrikas.
„Orrrrr Mädchen?! Ist das dein Ernst!“
„Allerdings Martin! Das ist mein Ernst. Das ist mein Auto, mein Rennstall, meine Flagge! Ek is´n Boere-Meisie!“
Ich rollte mit den Augen. „Na wenn du meinst…“
„Ich meine das, Martin! Da diskutiere ich auch nicht drüber.“
Ich reichte ihr nur wortlos die Bierflasche. Wir stießen an. Noch drei Wochen bis zum Rennen.

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