Buchrezension: “Die römische Kaiserzeit – Die Legionen und das Imperium” von Armin Eich (2014)

Beim vorliegenden Werk handelt es sich um ein ausgesprochen gutes Fachbuch.

Obwohl als Taschenbuch in der Reihe “C.H.Beck Geschichte der Antike” erschienen, ist es weit mehr als ein kurzer Abriß, und auch mehr als leichte, eingängige Kost. Die Bezeichnung “Fach”- Buch trägt es zurecht, da es sich einmal einer bestimmten Programmatik widmet (dazu unten mehr), und zum anderen gründlich aber komplex ist. Daher ist es eher für profunde Kenner besser geeignet als denn als Einstiegslektüre in die Materie.

Der Haupttitel ließe vermuten, das sich Eich mit mehr als den Kaisern beschäftigt, dies ist bis auf einige notwendige Ausnahmen allerdings nicht der Fall. Im Grunde faßt er den Kenntnis und Forschungsstand über die römischen Kaiser von Augustus bis zu den Severern kompakt und kompetent zusammen – über die meisten römischen Kaiser ließen sich die Monographien ja in Regalmeter bemessen.

Lobenswert ist sein Einstieg bei Augustus, in dem er darlegt, mit welchen politischen Konstrukten und Kniffen der römische Senat und Octavian die polititschen Verhältnisse nach dem Bürgerkrieg zu ordnen suchten. Diese “konstitutionellen Provisorien”, die sich in den folgenden zweieinhalb Jahrhunderten verselbständigen sollten, machen die Besonderheiten des römischen Kaisertums erst in ihrer Gänze verständlich.

Der Subtitel “Die Legionen und das Imperium” legt den Schwerpunkt des Buches fest – einerseits inhaltlich erhellend, andererseits etwas schade. Denn es kann bei manchem Leser wohl der Eindruck entstehen, die römische Kaiserwürde hätte nahezu ausschließlich vom Militär abgehangen.

In großen Teilen des behandelten Zeitraumes trifft dies zwar durchaus zu, dennoch ist der Focus nur auf das Verhältnis der Legionen vs. Kaiser zu legen, meines Erachtens nach etwas zu eindimensional. Wirtschaftliche, kulturelle oder demographische Prozesse finden in Eichs Betrachtungen Eingang, wenn sie in einem Zusammenhang mit kriegerischen Auseinandersetzungen, deren Beginn oder als deren Folge auftauchen.

Hiervon ausgenommen ist jedoch die Finanzlage des Imperiums – aufzeigend, wie wichtig für die Staatsführung, nimmt sich Eich der römischen Staatskasse, der Privatkasse der Kaiser und den Kosten für den Unterhalt der Legionen an. Dies ist in seiner Gesamtschau, soweit mir bekannt, noch nicht allzuoft geschehen, daher ist dieser Aspekt durchaus zu begrüßen. Auf den Wertverfall der Münzprägungen wird stellenweise eingegangen, aber der Bezug zur reichsweiten Wirtschaftslage kommt mir etwas zu knapp.

Nach den Flaviern sinkt die Präsenz des römischen Senates in Eichs Buch – zweifelsohne dem Bedeutungsverlust dieses Gremiums Rechnung tragend. Aber nachdem der Senat besonders im Zusammenspiel mit Octavian/Augustus und dem iulisch-claudischen Kaiserhaus so exponiert und wichtig dargestellt wurde, fragt man sich ab dem 2. Jahrhundert etwas: “was wurde eigentlich aus den Senatoren?”.

Wie gesagt: Die Machtverschiebung zuungunsten des Senates ist nicht von der Hand zu weisen, eine Militarisierung der Kaiserwürde ebensowenig, jedoch eine erscheint mir die Gesamtdarstellung ab diesem Punkt etwas unausgewogen zu sein.

Spannend ist es es allemal, die dynastischen bzw. “legiogenen” Kaisererhebungen auch als Kenner der Materie nocheinmal auf knapp 300 Seiten durchleben zu können. (In der vorliegenden Ausgabe kann die Seitenahl grob als zeitliche Bezugsgröße/Jahreszahl genommen werden)

Denn, und das ist wiederum ein Verdienst Eichs und seiner Schwerpunktsetzung, eine homogene Dynastienfolge hat es in der Zeit vor den “Soldatenkaisern” nicht gegeben, weder innerhalb einer Dynastie selbst noch zwischen unterschiedlichen Familienclans. Die immerwieder auftauchenden Intermezzi des Senats als Kollegium der “einen-Kaiser-suchenden” machen dies deutlich. Eben vor diesem Hintergrund wäre eine etwas gründlichere Darstellung des Senats auch im 2./3. Jahrhundert wünschenswert gewesen.

Eingedenk der Quellenlage, die den Fachleuten ja bekannt ist, läßt sich im späten 2. Jahrhundert und dem “kurzen” 3. Jahrhundert zur Zeit vielleicht nicht wirklich mehr herausholen. Dennoch wirken gerade die Jahre von 235 bis 284 etwas “eilig” verfaßt und sinken vom Niveau her leicht unter den Rest des Buches. Eich “gallopiert” etwas, bildlich parallel zum spätantiken Bewegungsheer, durch die Jahre der Soldatenkaiser und der Usurpatoren. Trotz Quellenlage und ständiger Bezugnahme zu den kriegerischen Auseinandersetzungen hätte die Darstellung hier etwas mehr “Ruhe” vertragen können.

Die von Eich angegeben Originalquellen sind umfangreich, ebenso die Sekundärliteratur. Ich hätte jedoch an einigen Stellen etwas mehr Fußnoten erwartet, um gewissen Thesen leichter folgen zu können, und mich nicht nur auf das geschriebene verlassen zu müssen.

Fazit: Armin Eich legt mit seinem Buch “Die römische Kaiserzeit – Das Imperium und die Legionen” eine sehr gute Darstellung der römischen Kaiser und ihrer Interdependenz zum Militär vor. Der Bezug zum Senat flacht etwas ab, vielleicht mehr als es den antiken Realitäten Rechnung trüge. Das Ende hingegen, Diocletian wird nur indirekt angerissen, wirkt etwas zerfleddert, man hat den Eindruck das 3. Jahrhundert sei die notwendige Pflicht nach der Kür gewesen. Gleichwohl ist das ganze Buch eine kompetente, kompakte und nicht überlastete Darstellung der römischen Kaiserzeit.

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