Die Advents/Weihnachtsfolge Teil 2

Advent – Tannengrün – Kerzenschein: Die Welt, die könnt so friedlich sein.
Aber mit der Friedlichkeit war es dieses Jahr nicht weit her, ich hatte einen tanzenden Golem unter Kontrolle zu bringen. Eigentlich nicht ich selbst – sondern mein lieber Geheimdienstchef Dr. Heimlich, der mir dieses ausgesprochene Geschenk ja eigentlich mit den besten Absichten hatte machen wollen.
Da ich ja aber sowas wie ein Privatleben habe, hatte ich mich am Vortag wegen wichtigerem (…) nicht darum kümmern wollen, und die Sache auf sich bewenden lassen müssen.
Dr. Heimlich hatte den tanzenden Golem „AfD“ einstweilen unter steter Beobachtung gehalten.
Anderntags saß ich denn morgends in meinem Büro, und suchte nach der Telefonnummer nach meines Studienfreundes Dr. Zomberg – der immerhin über Zombies im Film seine Dissertation geschrieben hatte. Von ihm erhoffte ich mir Abhilfe – dabei hätte ich dieser Tage mich eigentlich um etwas gaaanz anderes kümmern wollen. Doch dazu später.

Zu den lästigen Pflichten eines Staatschefes gehört nun mal auch das regieren – und und so kam es denn, das, noch ehe ich Dr. Zombergs Nummer finden, geschweige denn anrufen konnte, Dr. Heimlich, Kerstin (meine alte-neue Außen und Kriegsministerin) und Athanasius Weitwinkel, mein Reichskassenwart, in der Tür standen.
Weitwinkel arbeitete seit geraumer Zeit an einem Steuer-Reförmchen, und dunkel erinnerte ich mich, das ich einen Entwurf für die Kirchensteuer redigiert hatte.
Vor der Lösung des Golem-Problems und vor der Sache, die ich eigentlich vorhatte, kam also erstmal dröge Verwaltungsarbeit.
Mein Land, so virtuell es auch sei, hat reichlich Traditionen und Rechtsformen, Sitten und Gebräuche unterschiedlichster Coleur in sich vereinigt. Sowohl der preußische Beamtenstaat, als auch das römische Reich haben der Organisation und Verwaltung ihren Stempel aufgedrückt; wenngleich allzu große Ernsthaftigkeit durch eine jewisse, rheinische Jemütlichkeit und Jelassenheit unterbunden wird. Englischer Snobismus, russischer Pragmatismus, klassische Altertumswissenschaft und ein konstitutionalisierter Hang zu Improvisation feiern, je nach Kassen- und Gemütslage, fröhliche Urständ´.
Dazu kam und kommt dann noch die ganz besondere snöffische Naivität – es ist eben nicht immer leicht aus einem solchen Mentalitätskonglomerat ein funktionierendes „ganzes“ zu formen.

Weitwinkel drängelte sich also mit einem Hinweis auf eine Unverständlichkeit in Kirchensteuerfragen vor – ich seufzte. Sowohl Politik als auch Religion sind zwei sensible Themen, auf die ich in diesem Moment keine rechte Lust hatte.
Er reichte mir den Entwurf der neuen Lohnsteuerkarten: „Mein Chef… ich verstehe da etwas nicht…ich bin verwirrt…“
„Lassen Sie mal sehen, Weitwinkel…“
Auf dem Vordruck für die Lohnsteuerkarte in meinem virtuellen Land steht unter „Kirchensteuer“ eine ähnliche Spalte, wie sie euch, liebe Leser, bekannt sein dürfte.
Da steht unter Religionszugehörigkeit zum ankreuzen „normal“ (falls nicht zutreffend bitte weiter mit Zeile 4), und in Zeile 4a „Herätiker (orthodoxes Bekenntnis, koptisches Bekenntnis)“, in Zeile 4b „Erz-Herätiker (lutherisches Bekenntnis)“, Zeile 4c „Mosaisches Bekenntnis“, Zeile 4d „Sonstige (Mohammedaner, Hindus, Sikhs, Buddhisten).
Was jetzt neu war, und Athanasius Weitwinkel offensichtlich verwirrte, war die Zeile „4e“. Sie lautete „Heiden“.

„Was ist das denn für eine neue Religionsgemeinschaft, mein Chef?“ fragte Weitwinkel, und reichte mir den Lohnsteuerkartenvordruck.
„Äh…achso das hier: Das ist für die Atheisten. Man weiß ja nicht, ob sich nicht doch mal welche zu uns verlaufen.“
„Athe-was?“
„Atheisten. Gottlose. Heiden – die glauben an nichts. Kein Jott, keine Relijon – et jibt so Leute. Sie erinnern sich doch an das Twittertreffen, das sie mit Heimlich organisiert haben, oder? Mein twitteraccount hat mitlerweile an die 720 follower. Und für den Fall das sich von diesen vielen Leuten hier vielleicht mal niederlassen wollen, müssen wir auf alles gefaßt sein. Wer sich der Welt öffnet, muß auch ein kleines Stück mit der Zeit gehen, lieber Weitwinkel.“
„Heiden? Oh Gott…wie furchtbar… und die glauben wirklich an nichts?“
„An gar nichts, lieber Weitwinkel.“
„Aber…aber…“ man sah Weitwinkel seine Konfusion deutlich an. Er war sichtlich aus dem Konzept gebracht.
„Aber…dann haben die ja gar keine Schutzengel, kein Sankt Martin, kein Nikolaus, kein Ostern…“
„Tja nun, wissen Sie…“ ich überlegte, wie ich meinem Reichskassenwart schonend die Welt erklären konnte, ohne ihn emotional zu überfordern.
„Und die Kinder von den Heiden bekommen an Weihnachten keine Geschenke, weil sie kein Weihnachten haben?“ Weitwinkel fing an zu weinen – auch das noch!
„Die haben keine Krippenfiguren, keinen Weihnachtsbaum, keine Eisenbahnen mit denen sie spielen? Die werden nicht in de Christmette dem lumen christi teilhaftig?“ schluchzte er unter Tränen.
Ich seufzte – und erinnerte mich an die tweets von so manchem strammen Atheisten, deren Weihnachten in haßerfülltem sich-betrinken im Kreise der Familie bestand. Wie sollte ich Weitwinkel das beibringen?
„Halt halt halt…hey Weitwinkel!“ ich rüttelte an seiner Schulter. „Bleiben Sie bei sich!…ich kann Ihnen versichern, das alle Kinder an Weihnachten Geschenke bekommen!“
„Wirklich?“ fragte er, schluchzend.
„Ja…seien Sie unbesorgt!“
„Aber…aber.. ist das nicht eine sehr, sehr langweilige Religion?“
„Äh…was meinen Sie? Die Atheisten gehören keiner Religion an, da sie keinen Gott haben…“
„Ja…aber…das bedeutet, die gehen am Sonntag Morgen von halb Elf bis halb Zwölf in eine große leere Halle, und glauben eine ganze Stunde lang an nichts?“ fragte er nun verwundert. „So ganz ohne Musik, Hostien, Liturgie und Weihrauch? Das muß doch entsetzlich langweilig sein!“ Weitwinkel sah Kerstin und mich mit großen weinerlich-fragenden Augen an.
Ich seufzte – wie sollte ich einem ur-snöffischen Wesen wie ihm das bloß verdeutlichen? Kerstin rollte auch mit den Augen – und grinste dann: „Weitwinkel, die haben ab und zu das fliegende Spaghettimonster!“
Orrr Kerstin! Ich stupste ihr in die Seite und zischte ihr zu: „Kerstin –bitte! Der nimmt das doch alles Ernst!“
Aber es war zu spät: Weitwinkel begann sich auf seinem Schreibblock Notizen zu machen. „Spag-hetti..“ nuschelte er. „Und sonst? Gibt es keine Symbole oder Figuren, die das Nicht-Glauben ausdrücken?“ fragte er uns.
Da es eh zu spät war, sprang ich auf Kerstins Zug mit auf, und meinte: „Doch… Kurt Cobain und Che Guevara.“
Kerstin mußte laut auflachen. Sie wandte sich Weitwinkel zu, und meinte mit tot-ernster Miene: „Und sie dürfen die Null und die Eins nicht vergessen! Hören Sie! Das sind alles ganz rationale, binär denkende Menschen. Alles Kinder des Informations-Zeitalters. Die Null und die Eins sind gaaanz wichtig!“
Auch das notierte sich Weitwinkel sehr eifrig.

Ich hätte es besser wissen müssen, aber ich hatte mich durch Kerstin dazu hinreißen lassen, meinen lieben Reichskassenwart Athanasius Weitwinkel etwas zu veräppeln.
Brummel-hummelnd besah er sich seine Notizen und den Vordruck für die Lohnsteuerkarte.
„Hmmm… aber fiskalisch gesehen bilden die Heiden eine Religionsgemeinschaft ab, die dadurch definiert wird, das sie keiner anderen Gemeinschaft angehören.“
„Das ist eine interessante juristische Frage,“ Kerstin setzte sich auf „ich glaube aber nicht, daß…“
Weitwinkel hob abwehrend die Hand, „als Reichskassenwart muß ich zusehen, das Geld in die Kasse unseres Chefs, und damit in unsere, kommt. Und da für alle Religionsgemeinschaften der Steuersatz gleich hoch ist, werden die Heiden, so es sie denn in unserem Land geben sollte, den gleichen Satz zahlen müssen. Dann halt in eine „Allgemeine Heidenkasse“. Nachher kommen die Leute noch auf die Idee, aus der Kirche auszutreten, um Geld zu sparen.“
„Naja… Weitwinkel…ich glaub in Deutschland zum Beispiel wird das anders gehandhabt…“ wollte ich dazwischen gehen.
„Neinnein, mein Chef.. ich habe da eine Idee…Die Kirchensteuern aller Religionsgemeinschaften dienen doch dem Zweck, den Unterhalt der Gemeinschaften an sich als auch den Betrieb von Kindergärten, Armenspeisungen, Krankenhäusern und Altenheimen zu finanzieren, oder?“
„Jaaa…“
„Sehen Sie – und die Heiden werden für diese dem Gemeinwohl nützlichen Dinge ebenso aufkommen. Außerdem werden wir an ihnen mehr verdienen,als an den Gläubigen!“ Weitwinkel lächelte auf einmal.
„Warum denn das?“
„Naja, weil die Heiden mehr arbeiten!“
„Hä? Weitwinkel, was haben sie vor?“
„Naja… Ich werde einen Gesetzesentwurf erarbeiten, daß Feiertage, also Tage an denen Arbeitsverhältnis ruht, nur von denjenigen begangen werden dürfen, die der Religionsgemeinschaft angehören, die den Feiertag ausrichtet. Es wäre doch unlogisch, wenn jemand, der nicht an den lieben Gott glaubt, aber gleichzeitig die Geburt von Gottes Sohn, also Weihnachten feiern darf. Diejenigen werden dann am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag zur Arbeit erscheinen müssen – tun sie das nicht, haben sie einen unentschuldigten Fehltag beim Arbeitgeber. Schließlich haben die jüdischen und mohammedanischen Geschäfte ja auch Sonntags auf, aber Samstags bzw. Freitags geschlossen.“
„Dann werden die aber verdammt wenig Feiertage haben…“ brummte ich.
Kerstin lachte auf: „Das heißt, ich muß also nur weiter schön brav katholisch bleiben, damit ich die meisten Feiertage im Jahr mitnehmen kann?“
„Ja!“ gab Weitwinkel in vollem Ernst zurück „Einjeder ist seiner Spiritualität Schmied – und muß mit den Konsequenzen leben.“
„Moment – wie sieht das denn mit Leuten aus, die an Feiertagen arbeiten müssen?“ unterbrach ich meinen Reichskassenwart.
„Die sind natürlich von der Steuer befreit!“
„Also wenn eine z.B. katholische Krankenschwester am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag Dienst auf der Station schiebt…“
„Dann ist sie an diesen beiden Arbeitstagen, da es ja Feiertage ihrer Konfession sind, natürlich von der Kirchensteuer befreit. Umgekehrt würde diese Befreiung ja auch für Heiden gelten, die an staatlichen Feiertagen wie Neujahr oder dem ersten Mai arbeiten müssen.“
„Oder an meinem Geburtstag.“ brummte ich – und rollte mit den Augen. Steuergesetzgebung ist seit alters her ein beliebtes Mittel, jegliche staatliche Bürokratie auf Trab zu halten.
Weitwinkel hatte sich erhoben, und wandte sich wieder zum gehen.
„Entschuldigen Sie, daß ich sie hier gestört habe…jetzt muß ich nur noch einen geeigneten Bauplatz finden!“
„Moment – einen Bauplatz? Wofür?“
„Na für die Atheistenkirche…!“
„Orrrr Weitwinkel! Haben Sie nicht zugehört? Die Atheisten brauchen keine Kirche, weil sie keinen Gott haben, an den sie glauben!“
„Doch, doch, mein Chef. Wir müssen auch für diese Heiden ein Gebetshaus bauen, wir sind gesetzlich dazu verpflichtet. Im Gesetz steht, daß jede Religionsgemeinschaft im Sinne der Steuergesetzgebung ein Anrecht auf die Errichtung von mindestens einem Gebethaus durch den Staat hat. Wegen der Gleichberechtigung. Wenn wir den Atheisten keine Kirche bauen, verstoßen wir gegen das Gesetz, mein Chef! Egal, was sie darin machen!“
„Aber…!“
Ich wollte noch etwas sagen, aber Weitwinkel war schon fast zur Tür hinaus. Und mit den Worten „…und ich glaube, ich weiß auch schon wo wir das bauen! Aber…“ er holte tief Luft „…zu erst möchte uuuunbedingt nach Remagen auf den Weihnachtsmarkt meine Verwandten besuchen!“
Achja – die alljährliche Kleintierschau auf dem Weihnachtsmarkt meiner Heimatstadt. Das war für Weitwinkel jedes Jahr stets eine Art Wallfahrt. Am liebsten wär ich mitgefahren. Aber aus bekannten Gründen ging das nicht.
„Ich muß weeeheg! Tschööhöö!“ – winkte Weitwinkel uns noch zu, hoppelte von dannen und ließ Kerstin, Dr. Heimlich und mich verdattert im Raum zurück.
„Hat der sich bei der arabischen Exkursion vielleicht einen Sonnenstich abgeholt?“ fragte Dr. Heimlich noch ehe Kerstin oder ich etwas sagen konnten.
„Fragt WER?“ frug ich mahnend zurück „…etwa derjenige, der zulange im Keller war, und uns einen TANZENDEN GOLEM BESCHERT HAT?“
Dr. Heimlich verstummte pikiert.

Ich wandte mich an Kerstin: „Und was verschlägt dich hierhin?“
„Ähm…“ sie wirkte auch noch etwas geflasht von Weitwinkels plötzlichem Eifer, für Atheisten eine Kirche bauen zu wollen. „… Ich hoffe, Weitwinkel hat die volle Lohnfortzahlung im Vollrauschfall nicht angetastet? Wenn ich ab 1. Januar wieder vollkommen in Amt und Würden bin, möchte ich meine Arbeitnehmerrechte gewahrt wissen.“
„Was?…“ jetzt war ich verwirrt. Die volle Lohnfortzahlung im Vollrauschfall war mit einer der ersten (und insgesamt wenigen) Gesetzeswerke, die die verstorbene Sally initiiert hatte.
„Kerstin – ich kann dich beruhigen, da bleibt alles beim alten. Aber deswegen bist du nicht hier, nehme ich an?“
„Nein, nicht wirklich – ich wollt mich eigentlich nur für eine Woche abmelden. Ich muß mich um meine Mandanten kümmern- ich hab da so ne Sorgerechtssache, und die Mandantin hat noch n anderes Problem. Und danach bin ich nach Kuba zur Beerdigung von Fidel Castro.“
„Schönen Gruß an Raul.“
„Mach ich….Und daher meld ich mich für eine Woche zu einer Dienstreise ab. Die Schlüssel vom Auswärtigen Amt leg ich dir hier auf den Tisch.“ Sie legte mir einen großen Schlüsselbund auf den Schreibtisch, und sah mich mit gespielt ernster Miene an:
„Und ich habe NICHTS von einer Großfahndung nach einem Rabbiner und NICHTS von tanzenden Golems gehört. Ich bin eigentlich gar nicht mehr hier!“
Schwer atmend und seufzend, und meine Arme hinter dem Kopf verschränkend meinte ich nur: „Kerstin, Dr. Heimlich und ich haben hier alles unter Kontrolle – ist doch so, Dr. Heimlich?“
Der gefragte nickte nur beflissentlich hecktisch mit dem Kopf.
„Soso…“ lachte Kerstin… „So Leute, ich bin wieder weg. Und schönen Gruß an Zimbo!“ – Kerstin verschwand. Und natürlich wußte sie schon wieder alles – aber ich war dankbar, daß sie sich zumindest für den Augenblick aus der Sache raushielt. Und ich freute mich, daß sie sich ihrer Arbeit als Anwältin widmete. Seit Sallys Tod war ja noch nicht so viel Zeit vergangen – ihre Trauerbewältigung bestand aus Arbeit.

Ich war mit Dr. Heimlich nun endlich allein.
„So – Dr. Heimlich. Nun zu uns beiden! Gibt’s was neues von dem Rabbi?“
„Leider nein, mein Chef. Zu meinem Bedauern blieb die Fahndung nach Rabbi Löw bislang ergebnislos.“
„Na spitze!“ brummte ich.
„Und was macht unser Golem derweilen?“
„AfD tanzt weiterhin in unserem Keller, mein Chef! Ich habe Wachleute postiert, wie sie angeordnet haben, und bis jetzt ist keine Veränderung seines Zustandes eingetreten.“
„Hmmm…“ brummte ich – während Heimlich zu mir gesprochen hatte, hatte ich endlich Zimbos Nummer gefunden.
„Dann wird ich jetzt mal nen Spezialisten anrufen…“
„Sie meinen Dr. Zomberg, mein Chef?“
„Ganz genau den!“

Ich wählte die Nummer, und nach dem Freizeichen wurde abgenommen.
„Zimbo, bist du es?“
„Moin, Chef!“ klang es etwas verrauscht aus dem Hörer.
„Tach Zimbo…Wie geht’s?“
„Och ja… und selbst?“
„Gute Frage… ich hab hier ein Problem…“
„Das ist ja nichts neues, Scheff!“ lachte Zimbos Stimme dreckig am anderen Ende der Leitung.
„Das ist ein sehrspezielles Problem, und ich dachte, da kannst du mir hoffentlich bei helfen…“
„Öhm…wenn ich kann… Fickst du immernoch ne verheiratete Frau?“
Ich rollte mit den Augen.
„Orrr Zimbo, das ist jetzt nicht die Frage…“ grunzte ich.
„Also ja?“
Ich seufzte. „Also erstens ist das nicht nur eine verheiratete Frau, und zweitens fick´ich die nicht nur so, sondern ich bind die auch dabei fest und hau ihnen den Hintern wund!“
(Unabhängig von der Thematik habe ich eben manchmal den Hang dazu, Dinge richtig zu stellen).
„Oh Mundorf…so genau wollt ich das gar nicht wissen.“ Zimbos Stimme klang nun irgendwo zwischen lachen und weinen
„Alter…! Das ist so krass und krank… das hab ich dir schon so oft gesagt…“
„Ja… das hast du.“
„Ich mein…du kannst da ja machen, aber müßt ihr dann auch noch solche Bilder twittern? Ernsthaft jetzt…“
„Ich halt mich mit sowas zurück, das weißt du…“
„Also komm, Mundorf… was du da manchmal in deiner #ntl postest, das ist schon ziemlich krank…“
„Ansichtssache…“ ich wollte endlich auf den Golem zu sprechen kommen
„Alter! Du hast letzte Woche ne Frau gepostet, die mit roten Striemen aufm Rücken an den Fußboden gekettet war!“
„Ja und? Ich kann ja nicht nur Modelleisenbahnen und snooker-Bilder twittern! Aber wenn ich das nächste mal wieder in Bonn bin, komm ich mal vorbei, und dann kannst du mir gerne eine Moralpredigt halten. Ich hab hier ne Sache, wegen der ich dich eigentich gesprochen haben wollte…“
„Was denn?“
„Zimbo…ich hab hier einen außer Kontrolle geratenen Golem. Dr. Heimlich wollte ne Wunderwaffe bauen, und das Ding läßt sich nicht mehr abschalten! Das Problem ist: Der Rabbi, der den konstruiert hat, ist auf der Flucht!“
„Mundorf, Alter! Was hast du geraucht?“
„Zimbo! Ich meine es ernst!“
„Oh Mann….Äh…ja also…ohne Rabbi ist das schwer…“
„Deswegen ruf ich dich an, mein Freund!“
„Also…ich brauche zwei Gehilfen – mit denen müßte ich mich im Kreis um den schlafenden Golem aufstellen und die Beschwörungsformel umgekehrt aufsagen.“
Sowas hatte ich befürchtet: „Verstehe…nur schläft der momentan nicht.“
„Hm..ja…bei „the Witcher“ wird der Golem glaub ich unter Strom gesetzt. Mit 3 Pylonen – und dann ein elektrischer Kreis!“
„Das ist alles?“
„Alles? Alter, weißt du was das für ein Aufwand ist? Das muß an einem abgelegenen Ort passieren, am besten in eine Burgruine oder so…“
Ich seufzte. „Wie schnell kannst du hier sein?“
„Das ist bei mmir im Moment alles echt knapp. Ich sitz hier noch an ner Monografie über Blutspritzer in italo-western Hornos der 70er Jahre. Morgen hätt ich vielleicht Zeit…“
Auch wenn mir in diesem Augenblick mehr daran gelegen war, Zimbo dazu zu bewegen, den Golem auszuschalten, wollte ich denn doch wissen: „Was bitte ist ein Horno?“
„Ein Horror-Porno. Ganz interessantes Filmgenre…erinnert mich fast daran, wenn ich an dich und die Immenburg denke…“
„Orrrr… fängst du schon wieder an?“
„Ich stell mir das so vor..:“ Zimbo hatte wieder diese dreckige Lache in der Stimme „Der Chef schlendert da einfach so durch…Begutachtet alles…“
„Erinner mich jetzt nicht an den Gestank von billigem Nuttenparfum.“
„Och Mundorf… das wär das ideale Weihnachtsgeschenk für dich!“
Ich seufzte – „Wie du meinst, Zimbo. Ich laß dich morgen Nachmittag von einer Eskorte abholen. Vielleicht sehen wir uns dann ja… ach ja: Eh ich es vergesse: Schönen Gruß von Kerstin!“
„Ah…Danke – Gruß zurück!“

Wir beendeten das Telefonat. Dr. Heimlich hatte die ganze Zeit daneben gesessen, und zugehört.
„Also Heimlich, Sie haben es gehört. Bitte organisieren Sie eine Eskorte für den Herrn Dr. Zomberg! Ich will diesen Golem endlich loswerden….“
und mehr zu mir selbst fügte ich hinzu: „Und dann möchte ich endlich machen, was ich schon die ganze Zeit schon vorhabe!“

to be continued…

Ein Gedanke zu “Die Advents/Weihnachtsfolge Teil 2

  1. Der arme Weitwinkel! Dass ihr ihn auch noch so verarschen musstest! Wenn er seine Idee konsequent durchzieht, wird er allerdings ein ziemliches Chaos veranstalten, weil jede Religion dann ihre eigenen Feiertage bekommen würde. Und der Dr. Zomberg scheint ja auch krass drauf zu sein. Horno – ich habe so gelacht! 😀
    Wie immer herrlich amüsant geschrieben und ich freue mich schon darauf, wenn Zomberg sich den Golem vornimmt.

    PS: Und ich glaube, da will jemand unbedingt zurück nach Knüsselshoven 😉

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