Blog-Interview durch neediesBlog

Die liebe needie hat auf ihrem Blog ein paar Fragen an interessierte gerichtet, die ich gerne für sie beantworten möchte 🙂 Die Fragen sind ihre, die Antworten meine.

Hier kommen die Fragen

1. Dein Twittername (falls vorhanden). Bitte nur angeben, wenn ihr ihn veröffentlicht haben wollt

  • @ChefleGrand // @derMannvomFluss

2. Deine Neigung (Dominant, Submessiv, Switcher, devot, masochistisch, sadistisch. Gerne auch weitere Punkte)

  • Ich bin sadistisch-dominant. Trotz das gerade in der Szene „switch“ in zu sein scheint, verspüre ich immer noch keine devot-masochistischen Neigungen.

3. Aktueller Beziehungsstatus (Single, Spielbeziehung, D/S, Poly, verheiratet..)

  • Ich bin derzeit alleinstehend.

4. Wann wurde dir klar, daß du diese Neigung hast? Oder bist du dir nicht sicher, daß du sie hast?

  • 2014, im Januar/Februar. Sicher bin ich mir schon, nur habe ich diese Neigung nicht immer rund um die Uhr.

5. Hast du schon Erfahrung gemacht? Oder bist du unsicher /hast Angst?

  • Oh ja! Unsicherheit habe ich jedesmal wieder. Bis es losgeht. Dann nicht mehr. Sobald der erste Augenkontakt, die erste Berührung geschehen ist.

6. Hast du Vanilla Beziehungen gehabt?

  • ja natürlich. Das waren zT. auch schöne, gute Beziehungen.

7. Was ist dein ganz spezieller kink? Der dich sofort feucht /hart werden lässt?

  • Das ist von Spielpartnerin zu Spielpartnerin unterschiedlich- je nachdem auf welcher Art von gemeinsamer Kopfkinowelle man reitet. Grundsätzlich würde ich aber sagen: „Selbstbewußter Masochismus.“

8. Würdest du dich auf Wunsch piercen/ tätowieren lassen? Würdest du es von Sub /Sklavin erwarten?

  • Nein. Jeder Mensch sollte in seiner äußeren Erscheinung selbstbestimmt sein, was dauerhafte Merkmale angeht.

9. Hast du schon schlechte Erfahrungen gemacht?

  • Nicht viele, jottseidank. Und auch die eher im „Vorfeld“, nicht im Spiel selbst. Wenn man sein Gegenüber mit Anstand, Würde und Respekt behandelt, dann minimiert das schon von vorneherein die Möglichkeiten für schlechte Erfahrungen.

10. Gibt es Dinge, die sich geändert haben? Also was Tabu war, würdest du jetzt tun.

  • Ich hatte Respekt vor „fest an die Kehle packen“, so komisch das klingen mag. Aber nach guten Erfahrungen (übrigens nicht im bdsm-Kontext im engeren Sinne!) traue ich mir das nun zu.

11. Was wären Dinge, die du niemals tun würdest.

  • Mit Messern am Hals hantieren, Haken oder Nägel durch Brüste schlagen oder stechen, Atemkontrolle mit Plastiktüten. Das ist mir einfach zu gefährlich und zu körperverletzend.

12. Wie sehr unterscheidet sich dein Kopfkino von der Realität?

  • Manchmal meilenweit, manchmal gar nicht so sehr. Es kommt halt auf den Inhalt des Kopfkinos und die betreffende Person an. Wenn das Kopfkino nicht personenspezifisch ist, dann kann das natürlich sehr surreal sein.

13. Wie wichtig sind dir Symbole?

  • Symbole sind mir bedingt wichtig. Ich brauche sie nicht, um mich selbst damit zu identifizieren. Wenn ich sie nutze, dann aus meiner Überzeugung/Neigung heraus.

Die Dominanz-Falle

Hinweis 1
Der folgende Blogeintrag beschäftigt sich mit „abnormen Sexualpraktiken“. Wenn das Thema nichts für Sie ist: zur populärwissenschaftlichen oder fiktiven Unterhaltungsliteratur bitte weiter scrollen!

Hinweis 2
(Wenn ich im folgenden die Rollenverteilung Frau=Sub, Mann=Dom verwende, geschieht das der Einfachheit halber. Es ist mir durchaus bewußt, das es auch andere Konstellationen gibt!)

Hinweis 3
Bei der abschließenden Lektüre dieses Textes ist mir aufgefallen, daß ich gerne Klammern verwende. Ich möchte diese Aussage gerne so stehen lassen.

Hinweis 4
Ich wollte mein eigenes „Problem“ schildern. Weiterhin wollte ich vielleicht auch gegen das güldene Buch schreiben, das meiner Meinung nach nicht existiert. Und diese Auffassung möchte ich auch gern bis zum bitteren Ende aus tiefster Überzeugung verteidigen: Doch – es säuselt mir eine innere Stimme ins Ohr:
„Mundorf, Mundorf…dein Versuch, wider das güldene Buch zu streiten hat darin gemündet, das du selber eines geschrieben hast.“
Ich könnt kotzen.
Aber andererseits: 1.) wollte ich das nachstehende schon länger mal loswerden und 2.) distanziere ich mich hiermit in aller Form (und #ausgruenden) von dem Anspruch es besser zu wissen.

Praeludium

Ich möchte gern mal was zu „dem“ Thema beitragen – wenngleich ich befürchte, meine Ausführungen werden ungefähr so trocken, wie die Masse von (Haus-)Frauen vor der Welle der 50 grauer Schatten war. Ich komm vielleicht gegen Ende etwas näher auf die Schilderung der „abnormen Praktiken“.
Nun denn. Erst etwas graue Theorie. Ich bin nunmal ein Buchgelehrter. Bitte nicht überlesen – wie in jeder Lebensprüfung gibts auch hier einen theoretischen und einen praktischen Teil. Isso.

In letzter Zeit habe ich auf twitter immer öfter gelesen, „was“ bdsm ist. „Wie“ eine Sub zu sein hat, „was“ ein Dom zu tun und zu lassen hat etc.

Eigenlob stinkt. Aber da wir uns hier ja ohnehin mit schmutzigen Sachen beschäftigen, ist das grad mal zu vernachlässigen.
Seitdem ich mich mit bdsm beschäftige das einfach mache*, bekomme ich von meinen Spielgefährtinnen attestiert, ich sei „gut“. Aha.

(* ich habe bis heute so gut wie keine Ahnung von Fachbegriffen der „Szene“, weiß nicht wie man all die Instrumente und Praktiken so nennt, oder wofür die ganzen Abkürzungen so stehen. Ich mach einfach.)

Ich habe eine „natürliche Dominanz“, die sich sogar aus meinen geschriebenen Worten [sic!] herauslesen lasse, aus meiner Stimme, aus meinem Blick.
Das habe ich nicht nur von Spielgefährtinnen gehört und gelesen, sondern auch von Subs, denen ich außerhalb des Spiels begegnet bin.
Subs mit langjähriger Erfahrung (und wir reden hier nicht von „Hausfrauen-bdsm“, sondern von „cluberfahrenen Nutzviechern“) bescheinigten mir mit schmerzverzerrtem aber sexuell hochbefriedigtem Gesicht, ich hätte eine „gute Handschrift“.
Soso. Das ging sogar so weit, daß mir abgeraten wurde, mit „Anfängerinnen“ zu spielen: ich sei „verdammt gut aber zu hart“. (Zitat!)
Das hat mich natürlich mit einer gewissen inneren Genugtuung und Stolz erfüllt – andererseits war ich auch peinlich berührt, sah (und sehe ich mich teilweise immernoch) selbst als Anfänger.
Selbst jetzt noch bekomme ich hin und wieder zu hören, das wunderbare devote Masochistinnen (mit Erfahrung!) mit denen ich sehr gerne spielen würde, zögern, aus Angst, „mir nicht standhalten zu können“.
Andererseits gehört es im schlechten wie im guten zu meinen Eigenschaften, mich manchmal über Ratschläge hinweg zu setzen.
Ich habe sehr wohl Erstbesteigungen, pardon, -bespielungen „vorgenommen“, d.h. mit Anfängerinnen gespielt.
Und dem Vernehmen nach gereichte es den betreffenden Damen auch zur Freude und Befriedigung.
Man liest ja auch hin und wieder von Erstbespielungen, die gründlich schief gelaufen sind.
Meiner Meinung nach hat das aber was damit zu tun, das der betreffende „Dom“ in dem Moment seine Grenzen, bzw. die der Sub (noch) nicht er-/gekannt hat. Natürlich gibt es diese Grenzen. Aber die müssen definitiv in einer Art von „Vertrag“ beiden Seiten auch bekannt sein.* Dazu aber im folgenden mehr.

(* und natürlich sollte der „Dom“ kein Dumm-Dom Haudrauf gewesen sein und/oder die „Sub“ kein Fräulein Wunschzettel-Möchtegern) **
** oh gott wie sich das anhört. Wie ein Paragraph aus dem g***** B***. herrjeh ist mir das peinlich. Aber gut, weiter im Text.

de Imperio

über die Dominanz

Für mich(!) ist das Sub-Dom Verhältnis, wie das einer Kolonialmacht zu einer Kolonie. Da gibt es natürlich verschiedene Ausformungen, wie die Geschichte gezeigt hat – dazu unten später mehr – aber ich bin ein Verfechter des Prinzips vom „gütigen Diktator“.
Nicht von Raubsucht und Rücksichtslosigkeit geprägt sein, sondern eingedenk seiner unzweifelhaften Stellung an der Spitze der Macht stehend, immer noch den lieben Gott über sich wissend, d.h. den guten Sitten, dem Anstand und der Fürsorge für die ihm untergebenen Untertanen verpflichtet.
Das heißt für mich aber auch, Autonomie walten zu lassen. Gewisse Dinge auch mal an der langen Leine laufen zu lassen. (Wobei das an der Leine führen ja auch was schönes ist, aber wem sag ich das…)
Das hat auch etwas von „Lehnsherr“. (Nein, ich meine jetzt nicht den twitterer. Sondern das mittelalterliche Prinzip. Kann sein, daß jener sich nach jenem benannte, aber das entzieht sich meiner Kenntnis).
Will sagen: Ich, als „Dom“, als hochherrschaftlicher Landesherr, lasse die „Sub“ „ihre Felder bewirtschaften“ – aber wann immer, oder besser wenn ich sage: „Jetzt brauch ich dich – du leistet mir jetzt Hand- und Spanndienste!“ dann erwarte ich Gehrosam und keinen Widerspruch. Im Gegenzug habe ich für Sicherheit, Ruhe und Ordnung zu sorgen – und, wie bereits erwähnt, darf es mit meiner Machtausübung auch nicht übertreiben.
Für mich liegt der Reiz im Dom-Sub-Verhältnis im „jederzeit alles können“, aber mit mit Bedacht(!) von der Macht Gebrauch zu machen.
Das hat für die Sub den Effekt, das jederzeit aus „heiterem Himmel“ etwas über sie hereinbrechen kann, unterbrochenen von langen „friedlichen“ Phasen.
Sprich: Wir können uns stundenlang unterhalten, Kaffee trinken, und irgendwas ansehen, unternehmen – aber wenn ich sage: Rock hoch! Ich will dich in deinen Arsch ficken! Dann wird dein Arsch gefickt. Punkt. Ende der Diskussion.
Und danach wird sich weiter unterhalten als wenn nichts gewesen wäre.
Und diese scheinbare „Unsicherheit der Sub“, dieser Schwebezustand mir ausgeliefert zu sein, ist aber genau dieses Vetrauen, das sie mir schenkt, und eben auch die Verantwortung, die man als „Dom“ eben trägt.
(Zumindest meiner Auffassung nach. Denn diese Unschärfe – die mangelnde Abgrenzung zwischen „Session“ und „Normal“, ist a) meinerseits so gewollt und b) meine, d.h. nicht allgemein verbindliche Auslegung. Dazu gleich mehr.
Außerdem: wenn ich vorher sage, was ich vorhabe, und es damit nicht mehr überraschend ist, geht ja das Kopfkino flöten. Das ist ja eigentlich das, was fickt. Die anschließende Tat soll ja Erfüllung sein, nicht vorhersehbares abspulbares Programm.)

Man verwechsle dieses Verständnis aber bitte nicht mit der Haltung eines Dumm-Doms, einfach so alles mit seiner Sub machen zu können, was ihm so einfällt.
Um eine weitere bildliche Analogie zu zeichnen: die Briten und ihre Kronkolonie auf dem indischen Sub-kontinent* :
(*voller Selbstironie bin ich ergriffen von meinen eigenen treffenden Wortspielereien)
Sie ließen die lokalen Machtstrukturen (Rajas) im Amt, und bauten Eisenbahnlinien, um den geernteten Tee vom Himalaya in die Häfen zu transportieren.
(Earl Grey, not Christian Grey. We keep these things serious!)
Aber im Gegensatz zu einer erwachsenen submissiven Frau, hat sich Indien nicht nur freiwillig unter die britische Schutzmacht gestellt. In Teilen schon, andere Landesteile mußten die Briten mit Waffengewalt erobern, aber das nur am Rande.

Wenn eine submissive Frau und ein dominanter Mann eine Spielbeziehung eingehen, dann schließen sie meinem Verständnis nach einen beiderseitigen Staatsvertrag zwischen zwei souveränen Staaten ab.*
(* ja, es gibt die Spielform, einen wirklichen Vertrag zwischen Sub und Dom aufzusetzen, ich halt da nicht viel von. Das muß meiner Meinung nach aus dem Vertrauen der Sub und des Verantwortungsbewußtseins des Doms (vor dem ersten Spiel) erwachsen. Aber vielleicht ist das einfach nicht nur mein kink – oder um es mit den bahnfahrenden Engländern in Indien zu sagen: not my cup of tea)

Das heißt, die Sub begibt sich freiwillig unter die Fittiche ihres Herrn. Gleichsam unter den schützenden Schirm des Empire.
Das übrigens, meinem Verständnis nach, mehrere Kolonien haben kann. Sonst ist es kein Empire, sondern eher eine eine bilaterale Freundschaft.
(Mit einem Augenzwinkern ein Beispiel: Im Vergleich zum britischen Empire als BDSM-Analogie ist die „deutsch-französische Freundschaft“ der reinste Vanilla-Blümchensex.)
In der Theorie (!) könnte(!) der Herr nun tun und lassen was er will – aber hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen: es kommt auf die Weisheit des Umgangs mit der Neuerwerbung an.
Eine Kolonie – um im Bild zu bleiben – beutet man nicht aus. Man „bewirtschaftet“ sie, erläßt Gesetze, verwaltet sie, spricht Recht und sorgt für Prosperität zu ihrem eigenen Gedeih.
„Ihr, liebe Inder, seid jetzt Teil des Commonwealth! Ihr könnt eure Sitten und Gebräuche behalten, eure Religion und eure Gewohnheiten. Aber das letzte Wort haben wir. Euer Oberhaupt ist nun Queen Victoria im fernen London.
Aber wenn wir gegen die bösen Deutschen kämpfen, dann stellt ihr gefälligst ein Truppenkontinent, und gehorcht auch sonst unseren Anweisungen. Andernfalls gibts was hinter die Löffel! Ende der Diskussion!“
Aber, und das möcht ich auch anmerken: nachdem man sich einig geworden ist legt der Herr die Regeln fest! Tweets, die sagen: „die Sub legt die Regeln fest“, lassen mich den Kopf schütteln.
Überspitzt gesagt: Wenn die Sub die Regeln macht, ist es kein BDSM.
(Aber auch das ist Ansichtssache, wie ich wider meine eigenen Überzeugung einräumen muß.)

Das ist jetzt sehr theatralisch formuliert. Ich persönlich halte wenig von „Bestrafungen“, auch dazu später mehr.
Wenn ich jetzt das so ungefähr bis hierhin skizziert habe: Eine Analogie aus der Geschichte möchte ich gern noch bringen, bevor es dann wieder spannend wird:

Man könnte die BDSM-Spielbeziehung zwischen Herr/Sub, Britannien/Indien auch mit dem Verhältnis UdSSR/Satellitenstaat im Warschauer Pakt vergleichen.
Dieser Vergleich bietet sich zumal deshalb an, als das man „BDSM“ als gemeinsame verbindende „Ideologie“ des Kommunismus verstehen könnte. Anstatt Hammer und Sichel weht allenthalben die Triskele auf den Fahnen.
Ein Herr – eine oder mehrere Sub(s), aber wenns ernst wird, entscheidet Moskau. Ende der Diskussion. Und bei aufmüpfigen Widerworten marschiert die Rote Armee ein. Sorgt für rote Striemen auf Arsch und Titten.
Ich weiß, der Vergleich hinkt arg. Aber was erwartet ihr von einem Historiker, der sich mit BDSM beschäftigt?
Aber wo wir gerade bei „der Ideologie“ sind (und kommen damit auf die eingangs angesprochenen tweets zurück, was „richtig“ und was „falsch“ ist): Ideologien verleiten zu einem Streit um die Deutungshoheit. Es kommt zu Glaubensfragen darum, was denn nun „die reine Lehre“ sei.
Es kann ja sein, das der Herr China mit einen Subs Korea, Vietnam und Laos einen anderen BDSM praktiziert, als der Herr Moskau mit seinen Subs Bulgarien, Ungarn oder der DDR, dieser alten maso-Streberin…
Und da kommen wir nämlich auf nen interessanten Punkt: Es sind immer nur verschiedene Auslegungen einer ursprünglichen Idee.

Mit BDSM ist es wie mit Karl Marx: jeder hat ihn gelesen, aber keiner hat ihn vollends verstanden.
Was übrigbleibt, sind viele verschiedene, teilweise miteinander konkurrierende Interpretationen und Ausformungen. Es gibt zwar ne große Strömung, der sie alle angehören – Hauptsache die Fahne, pardon, der Arsch ist rot – aber vor Ort, ist das, was geschieht, sehr individuell. Die einen kacken in die Windel, die anderen lassen sich den Arsch wund schlagen und wieder andere knieen eine halbe Stunde lang nackt in demütiger Haltung auf dem Fußboden oder hängen buchstäblich in den Seilen.
In meinem eigenen Größenwahn seh ich mich da als verhältnismäßig liberaler Marschall Tito (Jugoslawien) – ich möcht mich möglichst neutral halten, kann aber auch hart, wenns denn „sein muß“. (Und manchmal muß es hart sein. Du willst und du brauchst das, das seh ich doch!).
Diese Selbstbetrachtung eignet sich wunderbar, um sich von (unfreiwilligen) BDSM-Stalinisten abzugrenzen, die anscheinend die Wahrheit für sich gepachtet haben. Da kanns ja einen manchmal gruseln, was da hin und wieder für tweets abgelassen werden. Da wird der Spielkeller zum ideologischen Gulag.
(Wobei die Vorstellung von nackten Sklavinnen, die in Ketten auf einem Freigelände von Peitschenhieben getrieben hin und herkriechen, ja durchaus reizvoll sein kann, ohne Frage).

de Dolore

über den Schmerz

Was heißt das denn jetzt alles?
Ums vorneweg zu sagen:
Benutzen können, weil benutzt werden wollen. Schmerzen zufügen, weil Schmerzen erlebt werden wollen. Ficken, weil gefickt werden wollen. Kontrollieren, weil Kontrolle abgegeben werden will.
Deepthroaten bis sie kotzt.

Jetzt habe ich solange über „Dominanz“ referiert, kommen wir nun endlich zum Sadismus.
Ich selbst würde mich als dominanten Sadisten bezeichnen, nicht als sadistischen Dom.
Aaaaaber: ich mag die Bezeichnungen nicht sonderlich, denn sie treffen bei mir (und wahrscheinlich auch bei keinem anderen „Kollegen“) 100% richtig zu. Sie spiegeln erstmal eine Gewichtung wider.
Der landläufigen Meinung nach ist ein Sadist ja einer, der zu seinem Vergnügen anderen Schmerzen zufügt.
Und da stolpere ich schon: ich hau ja nicht so oft und feste zu, weil mich das allein geil macht, sondern, weil ich weiß und direkt vor mir sehen kann, daß sie „es braucht“ – und weil sie es so will.
Es ist dieses leichte vibrieren der Nasenflügel unter dem Schmerz, die von der Stirn herablaufenden Schweißperlen und die durch die Zähne zischende Luft beim Versuch nicht laut aufzuschreien, die mir den Ständer verursacht. Und, was mich (gottseidank wie ich finde) vom reinen Sadisten noch unterscheidet: ich will anschließend (oder habe bereits davor) oder während der „Schmerzverabreichung“ von meiner Erektion auch Gebrauch machen. Ich mein – „wozu machen wir das denn sonst“?
„Mein BDSM“ ist wie snooker: Erst spielt man mit viel Fingerspitzengefühl mit Kugeln, aber dann stößt man zu und locht ein.
Und vor der Session (ja, so heißt das auch beim snooker!) sagt der Referee aus dem Hintergrund „Sub to break“. Nun will man die Sub ja nicht „brechen“, sondern ein höheres Punkte-break erzielen, als der Gegenspieler. Das kommt auf einer theoretischen Ebene dem „Grenzen immer weiter nach vorne verschieben“ schon recht nahe, wenn man immer bestrebt ist, mehr Punkte als der andere zu holen.
Aber ich war ja beim einlochen: das gehört für mich dazu.

Ich bin kein Schmerzpurist, der jetzt nur daraus seinen Lustgewinn ziehen könnte. Bei mir läuft BDSM immer noch unter der Generalverwaltung der Fachabteilung „Sex“.
Und jottseidank gibt es, anders als beim snooker, mehr als 147 Punkte bzw. Möglichkeiten, Spielzeuge, Haken und Ösen, um sich gegenseitig Lust zu verschaffen.
Damit das aber möglich ist, braucht man zweifelsohne eine „Dominanz“, damit sich die Dame bei Schlagabsicht auch wirklich nach vorne beugt und einem nicht den Vogel zeigt.
Dominanz ist also platt ausgedrückt die Fähigkeit zu kommandieren (poetischer: „zu führen“) und Sadismus die „Kunst“ lustbereitende Schmerzen zu verursachen.
Das mündet dann im Ideal-Fall dazu, das die Sub sich „fallen lassen kann“, um zu fliegen. Und wenns uns dann beiden kommt, haben wir alles richtig gemacht.

Aus diesem meinem doch sehr haptischen Verständnis heraus erwächst dann auch meine Gewichtung etwas mehr zugunsten den Sadismus als denn der Dominanz: Es gibt Spielkonstellationen, die werden, zumindest in Teilen, über eine (leider große – typisch twitter halt…) räumliche Distanz ausgelebt.
Es mag andere mit Befriedigung erfüllen, wenn der Dom per Telefon etwas „befiehlt“ („anordnet“ gefällt mir besser), und am anderen Ende der Leitung die Devotion dadurch ausgelebt wird, diese Anordnung zu befolgen.
Und wenn eine Anordnung nicht korrekt ausgeführt wurde, gibts dann, entweder auch fernmündlich oder beim (nächsten) Treffen dann eine adäquate Bestrafung in Form von Schmerzen.
Man verstehe mich nicht falsch – ich gönne diese Spielvariante jedem, der sich darin wiederfindet.
Aber da ich nun mal ein „gütiger Diktator“ bin, und kein Scharfrichter und zudem ja auch was mit meinem Ständer anfangen will, der sich dann melden täte, sind „Fernwartung“ und „Bestrafung“ jetzt nicht unbedingt meins.
Man kann das als willkommene Ergänzung sehen, und ich bin auch bereit daran zu wachsen (man lernt ja nie aus), aber nur davon allein wird der Bock nicht fett. Höchstens dauergeil und ein nicht gut tuender Druck baute sich auf.

Aus gleichen Gründen ist für mich persönlich auch das B in BDSM etwas reizlos. Bondage… tja… seufz… das sieht ja ganz nett aus. Aber was nützt mir denn da ein höchst ästhetischer und devoter Rollbraten, der da unter der Decke baumelt, wenn man an keins der drei Löcher zum ficken drankommt? Das ist eine Faszination, die sich mir, auch nach längerer Betrachtung, einfach nicht erschließen will.
Aber auch hier gilt: jedem seins.
Ich bind´ lieber mit rauem Sisalseil (das scheuert so schön wund) die Titten ab und fixiere mein submissives Nutztierchen mit Fesseln und Spreizstangen. Hab ich persönlich mehr von.
(Und da ich mir meine Spielgefährtinnen ja selbst aussuchen kann, such ich mir natürlich eine aus, die in dem Moment auch was davon hat).

Das hat aber auch was damit zu tun, auf welche Art von Devotion ich persönlich anspringe: ein widerwillig gezischtes „benutz mich“ hat für mich mehr Reiz, als eine Sub die nackend vor mir kniet und sich bedankt, das sie in meiner Gegenwart überhaupt atmen darf. Und womöglich vor jedem Atemzug um Erlaubnis fragt.
Ich sags ja: Indien. Autonomie. Atmen könnt ihr auch alleine, dazu muß die Kolonialverwaltung nicht jedesmal eine Dienstanweisung mit drei Durchschlägen schreiben.
Oder anders ausgedrückt: Liebe Eingeborenen: ihr sollt eure Herren nicht als weiße Götter nackt und im Staub kniend anbeten – sondern auf den Plantagen was zu unserem gemeinsamen Wohlstand beisteuern. Ich bau´ auch ne Eisenbahn. Versprochen. (Das ich das wirklich tue, bedarf keines gesonderten Nachweises).
Und wenn ich will, das du nackt vor mir kniest, dann werde ich das zu gegebener Zeit auch kundtun. Verlaß dich drauf. Aber bis dahin verbitte ich mir solche eigenmächtigen Anbetereien. Du bekommst was du brauchst. Das ist ebenso versprochen.

Wie eben erwähnt, suche ich mir meine Spielpartnerinnen aus. Und da jeder Mensch individuell ist, so ist auch wohl jede einzelne Spielpartnerschaft individuell. Das heißt in meinem Falle, ich muß mir vorher darüber klar sein, was geht und was nicht geht. Ich kenne Frauen, mit denen kann ich was anderes machen, als mit anderen. Für die eine ist hier ne Grenze, für die andere da.

Einschub: Im folgenden gilt „Schlampe“ nicht als Beleidigung sondern als Auszeichnung. (Eisernes Kreuz 1. Klasse für besondere Nahkampfleistungen im blasen, schlucken und sonstigem)

Das trifft auch auf die Intensität (oder Qualität aber nicht im wertenden Sinne) des Spiels zu. Ich kenne eine submissive „Schlampe“ bei der sich Devotion und Masochismus in doch begrenzten Bahnen bewegen, dafür aber sehr ausgeglichen sind. Und soll ich euch was sagen: Es macht einfach Spaß und Lust mit dieser Frau zu ficken. Richtig hart zu ficken. Das ist aber streng genommen kein „hartes Spiel“ im Sinne der BDSM-Paragraphen. (und bevor wir uns jetzt wieder ereifern, daß es diese Paragraphen gar nicht gibt – besagte Schlampe ist es, die streng genommen werden muß. Soll. Will.)
Ich kenne weiterhin Masochistinnen, die allein beim Wort „verdreschen“ feucht werden. Und auch da macht es unwahrscheinlich viel Spaß und Lust mit zu „spielen“. Da kann man sich richtig austoben, wenn man die entsprechende komplimentäre Ader hat, versteht sich. Aber meiner Erfahrung nach genügt da „Gehorsam“, es bedarf keiner totalen 24/7 Unterwerfung.
Und da ich eh eher für Atemkontrolle als denn für Atemerlaubnis bin: richtig mehrheitlich devote Frauen ohne ausgeprägten Masochismus habe ich bislang nicht wirklich kennengelernt – sie würden mich auch nicht sonderlich reizen, vermute ich.
Ich hab nichts davon, wenn du nur da kniest. Atmest, dich bewegst und mir einen bläst wenn ich es „gestatte“. Ein bißchen Leidensfähigkeit und Eigenverantwortung darfs schon sein.
Uuuund: ich kenn eine Frau, bei der hat es wie bei der „Schlampe“ recht ähnlich angefangen, sich aber in eine gänzlich andere Richtung entwickelt.
Das hat etwas mit den Ebenen zu tun, auf denen wir uns bewegen. All das, was ich bis hierher geschrieben habe, betrifft ja die zwischenmenschlichen Beziehungen „untenrum“ UND „obenrum“. Und das muß meiner Erfahrung nach in Einklang sein, damit ein „Spiel“ zustande kommt.
(Weswegen ich mit mir total unbekannten Frauen, etwa im Rahmen einer Vorführung, (noch) nicht spielen könnte – dazu dann aber weiter im Schlußteil).
Aber wenn sich auf der zwischennmenschlichen Ebene „obenrum“ so viel tut – antweder zum schlechten oder wie in diesem Fall zum guten, wenn da eine besondere Form der innigen Zuneigung (Seelenfreundschaft, nochmal etwas anderes als Liebe) entsteht, dann kippt „das Untenrum“ irgendwie weg. Dies ist eine Erkenntnis, die tut nicht nur der Dame, sondern mir auf der Seele weh, aber es ist wohl nicht so ohne weiteres zu ändern.
In meiner Selbstbetrachtung möchte ich die These aufstellen, daß ich nur dann „spielen“ kann, wenn mein Gegenüber nicht zuuu unbekannt und nicht zuuu emotional/seelenfreundschaftlich verbandelt ist. Weil letzteres sich in gänzlich anderen Ebenen abspielt, als im Kellergeschoß mit seinen Haken, Ösen und Ketten.
Von beiden Fällen nochmal zu trennen ist: Liebe. Das ist was gaaaaaanz anderes. Wenn Sex „Liebe machen“ ist, brauch ich kein diesen ganzen BDSM-Kram nicht dafür. Das ist nochmal eine eigene Liga. Aber da „sie“ meine Liebe zwar erwiedert, aber fortan zugunsten ihres….ach was reg ich mich auf. Das Thema ist wirklich privat, und hat hier nichts zu suchen.
*durchatmen. Ommmmmmm*
Jedenfalls: wenn die Sub nicht „böse“ ist, d.h. ich auf der Obenrum-Ebene nicht oder nicht mehr dieses „rrrr“ spüre, dann spiel ich auch nicht mit ihr. Wenn sie dieses betreffende rrrr nicht in den Augen hat, dann mache ich auch keine rrrr-Dinge.
Das ist zwar sehr subjektiv, aber ich glaube mein Gegenüber zu „erspüren“. Ich bilde mir ein, das richtige Maß an „Behandlung“ aber auch an generellem Auftreten und Verhalten aus den Augen der Sub ablesen zu können.
Meister Yoda würde sagen: „Das rrrr groß in ihr ist.“ (oder halt nicht(mehr)).
Das ist aber keine Entscheidung aus Bösartigkeit, psychischem Sadismus,* heraus, sondern eine zwischenmenschliche Entwicklung.

* ja, mir wurde auch schon mal „emotionaler Mißbrauch“ [sic!] vorgeworfen, weil ich mit einer Sub nicht mehr gespielt habe. Gemeinhin empfindet es unsere Gesellschaft ja als Mißbrauch, wenn man eine Frau schlägt. Jetzt isses schon Mißbrauch, wenn man sie nicht (mehr) schlägt. Allein angesichts solch verquarster Gehirnpirouetten, möcht ich mich liebend gern als möglichst neutraler Marschall Tito aus den großen was-ist-richtig-was-ist-falsch-Diskussionen raushalten und lieber „mein Ding“ machen.

Man kann Kolonien auch in ihre Freiheit entlassen, um danach weiterhin als Freunde und Partner gedeihlich miteinander umzugehen. Die Schläge sind weg, aber die Eisenbahn fährt noch. Und der Tee wird immer noch in England getrunken. Das heißt, die gegenseitige Prägung und Bereicherung ist immer noch da. Die Herrschaft ist weg, aber die Freiheit ist da.
Es gibt natürlich auch den Fall (und so war es hier auch etwas), daß sich die „Spielbeziehung“ für meinen Geschmack zu sehr richtung Devotion und Fixierung auf mich zu verschieben drohte. Das soll aber den vorherigen Sätzen keinen Abbruch tun – im Gegenteil: Das Empire in seiner alten Form ist weg, dafür ist das Commonwealth an seine Stelle getreten. Ich hab ja immerhin auch auf „Macht“ verzichtet, d.h. muß mich umstellen.

Ich würde also behaupten, das eigentliche Spiel – das bekomm ich hin. Ohne je ein Fachbuch gelesen zu haben(gibts sowas übrhaupt?), ohne je ein BDSM-Coaching besucht zu haben (aka Parteihochschule der sadomasochistischen Internationale in Moskau).
Vielleicht hab ich auch eine naturgegebene gottgewollte „dominante Ader“. Und das ich auch sonst ein eigentlich recht umgänglicher Mensch bin – ich denk, das bekomm ich einigermaßen hin und ich arbeite permanent daran, daß das auch so bleibt.

Aber wo ich grad in Wallung kam mich aufzuregen: Kommen wir nun zu meinem Problem mit der ganzen Sache. Der Grund, warum ich das ganze hier hinschreibe.

Notwendiger Einschub: Wir können uns doch drauf einigen das „Dom“ als Oberbegriff für sowohl dominante Sadisten als auch sadistische („eigentliche“) Doms steht?
Und wir können auch mal festhalten das diese unterschiedlichen beiden Gewichtungen auf der Gegenseite, in Form von Devotion und Masochismus auftauchen. (jetzt mal so grob. ich schreib hier nicht die verbindliche Bibel. Jaaaa, ich hätt auch von Anfang an von Bottom und Top schreiben können, aber die Begriffe mag ich irgendwie nicht)

Aber ich seh mich (leider) viel zu selten als „Dom“:

laqueus imperio

Die Dominanzfalle.

Der Papst: kann sich nicht irren. Banken: können nicht bankrott gehen.
Auf die unfreiwillige oder auch selbsternannte „Stalinisten des BDSM“ trifft beides zu.

too big to fail. too big to fall. too good to play with.

Des Schicksals unerforschlichem Ratschlusse zufolge hab ich ausgerechnet den dritten englischen Satz zugelost bekommen. Gesäßtableau. zu deutsch: Arschkarte.

Ob ich jetzt wirklich so „gut“ bin, liegt im vor Lustschmerzen tränenden Auge der Betrachterin – wobei: wir sind hier ja nicht beim Eiskunstlauf wo es Haltungsnoten in Pflicht und Kür gibt. Aber ihr wißt was ich meine: manchmal eilt einem ein Ruf voraus, der mit der Realität nur bedingt was zu tun hat.
Ich koche ja auch nur mit Wasser – die Amerikaner haben die Verteidigungsbereitschaft der Sowjets auch völlig zu hoch eingeschätzt; die Marschälle der Roten Armee wären in Freudentränen ausgebrochen, hätten sie nur ein Bruchteil dessen gehabt, was man ihnen zu haben unterstellte.

Betreffs der allermeisten BDSM-affinen Blogs muß ich ein Geständnis machen:
Ich lese viele einschlägige Blogartikel erst gar nicht, oder zumindest nicht zu Ende: Die dort geschilderten Erlebnisse (ich beschränke mich hier auf real erlebtes und nicht fiktive/ficktiefe Phantasien) machen mich einfach zu neidisch.

Ich war noch nie in einem Swinger/SM- Club, und kann und möchte deshalb auch nicht mitreden, oder mir den Mund wässrig machen lassen, ohne das ich meine Neugier, die ich diesbezüglich habe, irgendwie befridigen kann (geschweige denn meine Libido).
Ich möchte da schon gerne mal hin – aber nicht alleine. Dazu brauch ich aber eine Begleitung – vorzugsweise eine Sub – die ich so gut kenne, und mit der ich so gut vertraut bin, das ich unter den Eindrücken, von denen ich hoffe das sie die Erwartungen übertreffen, nicht zusammenbreche und sie auch noch ein paar Tage danach mit mir zusammen wieder auf den Boden kommt. Eine alle-paar-Monate mal miteinander spielen-Sub (womöglich noch mit großer räumlicher Entfernung) kann das nicht wirklich leisten.
Dabei würde ich meinen Horizont gerne dahingehend erweitern.

Aber da sind noch zwei andere Sachen, die mich bedrücken:
Die (aus meiner Sicht) etwas fehlplatzierte Sub-Solidarität, und noch viel schlimmer: das liebe Geld.

Es fällt sehr schwer, sich „dominant“ zu fühlen, wenn man nur noch 2,17€ im Portemonnaie hat. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, wenn man es gleichzeitig fortwährend „unterstellt“ bekommt, es in diesem Moment auch zu sein.
Selbst dann noch, wenn man aus diesen ökonomischen Gründen in eine Depression fällt, und man auf nahezu gar nichts Lust hat. Nichteinmal BDSM oder überhaupt Sex.

Das ist eine sehr, sehr merkwürdige Belastung – meinem Empfinden nach.

Zur Außenwirkung bleibt mir nur twitter. Als HartzIV Empfänger sehe ich es partout nicht ein, für JoyClub oder Sklavenzentrale auch noch Geld zu bezahlen, um jemanden kennen zu lernen (entweder als Spielpartnerin, oder einen „kollegialen Austausch“ mit anderen Doms (hier gerne auch beiderlei Geschlechts) – man möcht sich ja gerne weiterbilden).
Twitter hat in sofern den Vorteil, und das schrieb ich bereits in anderen Blogeinträgen, das hier Worte zählen, das man mit Worten tiefer in die Seele schaut und schauen läßt. Worte ficken tiefer.
Die NTL-Bilder die ich poste, waren auf dem ersten Programm ja in den letzten Monaten doch recht gesittet und auf dem zweiten Programm (Zweitaccount) etwas „härter“ bzw. anschaulicher. Sie sind, wie ebenfalls an anderer Stelle bereits beschrieben, Illustration des Kopfkinos und damit letztendlich immer auch ein bißchen Balzgehabe. Und eben weil das in den letzten Monaten doch sehr moderat war, habe ich mich manchesmal gefragt: „Wie kommt es nur?“
Wie kommt es nur, das da so kleine stille feminine Sub-Zweitaccounts aus dem Boden sprießen, noch keine 10 tweets alt – die aber erstmal den „üblichen Verdächtigen“ folgen. So eine liquide Gruppe von ca 15-35 BDSM-affinen Accounts, die, wenn sie wirklich mal alle miteinander zur gleichen Zeit am gleichen Ort spielen würden, wohl die geilste deutschsprachige SM-Orgie aller Zeiten durchziehen könnten.
Mitten drin in dem erlauchten Kreis: Meine Wenigkeit.

Also nicht, das ich mich nicht geschmeichelt fühlte, im Gegenteil. Irgendwie ist man ja auch stolz zu erlauchten Kreisen dazuzugehören.
Nur: meine wenigen aber „glorreichen“ (summa cum grani salis) Erfahrungen liegen in der Vergangenheit. Momentan häng ich als Mensch derartig zwischen Baum und Borke, zum „Dom sein“ komm oder kam ich in den letzten Monaten sehr, sehr selten.
Höchstens mal in meinem eigenen Kopfkino.
Also ich würd schon gern wieder aktiver sein – aber im Moment häng ich irgendwie in den Seilen. Und es hat nichts mit Shibari zu tun.

„Großbritannien – ein Land, das sich von seiner Größe nicht mehr erholt.“ – so lautete mal Anfang der 90er Jahre die Überschrift über einen Zeitungsartikel, die britische Geschichte und Großbritannien zur Gegenwart betreffend (1993).

Mich beschlich der Verdacht: ich gehöre einem Club der „Großen“ an, obwohl ich mich selbst als alles andere als zugehörig sehe. Bei Lichte betrachtet bin ich eher so ne sozialistische Mangelwirtschaft, anstatt Moskau.
Wenn man kein Geld für eine Edelstahlgerte hat, muß man eben ein altes Elektrokabel nehmen. Das sieht nach außen hin zwar schön kreativ aus, und zwirbelt auch derbst im Sinne des rrrr – ist aber meiner Kassenlage geschuldet.
Immer diese Schau nach „Größe“ und „Bedeutung“: kann sein, daß das so ein Männerding ist.
Denn es ist eben kein Wettkampf – und es kommt auch eher auf die individuelle Paßgenauigkeit auf die jeweilige Spielpartnerin an.
Zumindest versuche ich mir das beruhigend immer selbst einzureden, wenn ich lese, wenn zumindest finanz-potente „Doms“ mit ihren teuren Autos, reichhaltiger Club-Erfahrung und einem riesen Koffer an Spielzeug* durch die Republik düsen, um Hotelzimmerspieldates zu vergeigen.
(*ich nenn´ den Kram ja „Werkzeug“, aber was weiß ich schon).
In diesen (Zeuginnenaussagen nach unbegründeten) Penisneid freud´schen Ausmaßes verfalle ich aber auch – jetzt kommts: bei den mehr oder weniger „prominenten twitter Subs“. Eine blöde Umschreibung, zugegeben. Aber die geneigte Leserschaft wird sich einen Reim darauf machen können.
Es tröstet mich dann auch nicht sonderlich, das ich mit einigen dieser „Promis“ selbst schon gespielt und geschlafen habe – angesichts der Frage ob ich mir Brot, Tabak und Benzin für die nächste Woche leisten kann, oder ob ich als „großer Dom“ mit meinen 34 Lenzen meine Eltern um ein paar Scheiben Wurst und eine Flasche Bier anschnorren muß. Weild as geld einfach hinten und vorn nicht langt und ich keinen bezahlten Job finde.
Diese Diskrepanz zwischen teils selbst geschaffenem, teils mysteriös aufgetauchtem Image und der bitteren Wirklichkeit zerreißt mich manchmal.
Jedenfalls werde ich aus der mir selbst verordneten Demut vor Gott, dem Jobcenter, meiner eigenen mangelnden Erfahrung und dem Selbstanspruch kein BDSM-Stalinist zu sein, einen Teufel tun und mich von selbst aus als „Dom“ extra zu prodizieren oder präsentieren.
Das überlasse ich gerne anderen Accounts. Ich will mit dem Thema BDSM auch nicht so „hausieren“ gehen – die heutige „Abhandlung“ darüber ist eine seltene Ausnahme.
Richtig schlimm wäre es nämlich, wenn ich mit Weisheiten und Wahrheiten und einem Ego auftreten würde, für das es in der TL genug Beispiele gibt.

Es gibt ja dieses allgemeine Bild der Kompensation. D.h. der erfolgreiche Staatsanwalt/Geschäftsmann braucht es, sich von der Domina auspeitschen zu lassen, und die erfolgreiche Geschäftsfrau/Managerin braucht es, sich wie ein Stück Fickvieh von 15 fremden Männern besteigen zu lassen, wenn ihr Herr ihr das befiehlt.
Das dieses Schema ebensowenig wie alles hier keine Allgemeingültigkeit hat, ist mir bekannt, aber wir alle kennen das Schema. Und ich falle da raus.
Richtig „Dom sein“ („mit mir eins sein“???) kann ich nur dann, wenn auch die anderen Lebensumstände zumindest etwas besser sind als in meiner jüngeren Vergangenheit. ich bin kein Kompensations-Spieler.
Also: mich ehrt es, wenn man mich „dazu zählt“, noch lieber aber möchte ich tatsächlich ein „Teil davon sein“.
Aber noch hänge ich in dieser dummen Dominanzfalle fest. Und das tut weh. Es ist sehr schemrzhaft. Nicht untenrum, sondern obenrum.

Ich will es dann auch sein, und nicht als Oberchecker und Makker es bloß spielen. So ich diesen Anspruch erhöbe, bräuchte ich mich nicht wundern, sondern sollte mich eher schämen.

Apropos Scham und Demut: (und das ist dann auch wirklich der Schlußabschnitt!).
Ich habe auf dem zweiten Programm ein paar tweets geschrieben, die von fremdgehenden, fremdgegangenen verheirateten Subs mißverständlich interpretiert worden sind. Ich möchte das an dieser Stelle noch einmal klar stellen:

Ich bin weißgott der letzte, der Einspruch gegen promiskuitive Umtriebe und Hiebe erheben würde!
Wenn wir die mit einem Vanilla-Ehemann verheirateten Sub-Accounts aus der NTL/rrrr/bdsm – TL streichen würden, könnten wir gut und gerne 2/3 der TL streichen. Das will wirklich niemand!
Im Gegenteil: wer hart gefickt werden will, der soll auch die Möglichkeit dazu bekommen.

Ich habe aber zwei Beobachtungen gemacht, die mich doch etwas verwundert haben: zum einen: „Du spielst zu hart. Ich weiß nicht, ob ich das kann.“ (oder so ähnlich. Einmal auch einer Dame quasi als „Reisehinweis“ zu mir mitgegeben: „Fahr zu ihm, aber Vorsicht, der spielt hart!“ – ausgesprochen von Leuten, die mich noch nie live haben spielen sehen. Und wir haben uns dann eigentlich recht vanillig verlustiert, aber wurscht. War geil.) Aber die andere Aussage – das man schon gern wollte, wenn man nicht Angst hätte: ja Gott, das ist eine Frage des Vertrauens. Aber meistens kam das zu einem Stadium des Gesprächs, wo noch größeres Vertrauen schon gar nicht mehr aufzubauen möglich gewesen wäre. Also Rückzieher in letzter Minute. Sollte ich an mir zweifeln? Ich komme durch sowas stets ins grübeln. Die ganze Zeit will sie, aber dann im letzten Moment… äh…? hmpf!
Und die andere Beobachtung: „Ich würd schon, aber du hast ja schon eine Sub. Da will ich mich nicht dazwischen drängen.“
(Zum Verständnis: betreffende Sub war/ist auch verheiratet und kann nur alle Monate hier mal vorbeikommen. Ich kann ja wegen der Kassenlage keine großen Fahrten unternehmen)
Da möchte man doch vor seufzen und Verzweiflung den Kopf auf den Tisch knallen.
„Liebe Frau mögliche neue Spielpartnerin: Dein Ehemann weiß nicht, was du für Gelüste hast, oder findet sie abartig. Also suchst du dir einen „Dom“ um mit dem das auszuleben. Jut. Du möchtest das mit mir machen. Auch jut.
Aber dann bekommst du Angst vor der eigenen Courage – und willst einer anderen Sub „nicht ins Gehege kommen“?

Zum mitschreiben: So lange ich sowieso keine solide bürgerliche Existenz im Sinne von Familiengründung bewerkstelligen kann, da es an den wirtschaftlichen Voraussetzungen mangelt, möchte ich wenigstens die dadurch entstandene Freiheit und Ungebundenheit untenrum auch nutzen können.
Das heißt im Klartext: wenn wir zwei uns sympathisch sind, und miteinander in die Kiste gehen wollen, dann können wir das auch tun. Punkt. Ohne Rücksicht auf irgend jemanden!
Ich kann mir – im Gegensatz zu vielen, vielen anderen – meine Sexual/Spielpartnerinnen frei und ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen aussuchen.
Die „Sub“, der du nicht ins Gehege kommen möchtest, die ist nur alle paar Monate hier. Und die ist – genau wie du – verheiratet. Und nach dem Prinzip: ein Herrscher kann viele Untertanen haben, die Untertanen aber nur einen Herrscher, wär das alles kein Problem gewesen.
Du bist eh schon bereit deinen Mann zu betrügen, aber aus Solidarität einer anderen Sub gegenüber läßt du es dann bleiben, oder was?
Orrrrr!
Um es kurz zu machen: Der einzige, der monatelang dumm aus der Wäsche in die Röhre guckend UNGEFICKT geblieben ist: war ich.
Als hätte ich nen Teflon-Anzug an. Die Anziehungskraft ist wohl da, der Ruf auch, die Erfahrung – naja geht so, machen wir durch Improvisation schon wett. Sogar die Bereitschaft zu mir zu kommen (anstatt Hotelzimmer ) – alles da. Und dann scheiterts an der reichlich vorhandenen Solidarität der sozialistischen Bru… äh..Schwesterländer. Es war und ist bisweilen zum kirre werden.

Auf der einen Seite ehrt das alle Beteiligten – aber ich bin auch „meiner Größe sitzen geblieben“, für die ich mir nichts kaufen kann. Höchstens einsam einne runterholen, wenn die Damen bei ihren Vanillamännern liegen. Weil sie sich nicht hertrauen.

Auch das ist etwas, das ich als Teil der „Dominanzfalle“ bezeichnen möchte.

Soviel habe ich heute nun verfaßt. Ich folgte dem Trieb zum Schrieb – über den Hieb.
Manch Thema ich ausließ oder nur knapp gefaßt.
Allgemeine Gültigkeit ich nicht erhebe – lieber wärs mir, eine Sub vor Schmerzensgeilheit vor mir schwöbe.
ich will diesen Text nun auf sich bewenden lassen,
und in Gedanken deinen Hals umfassen.