Die Kink-Aufsichtsbehörde

(dpa)(Reuters)(rhpa)

Hauptstadt. Nachdem es in den letzten Wochen und Monaten in den sozialen Netz- und Hetzwerken immer wieder zu grob fahrlässiger Verbreitung von Un- und Dummfug bezüglich BDSM, kinks, Übrgriffigkeit und Feminismus gekommen ist, zieht die Regierung nun die Notbremse:

Zum 14. Juli nimmt die neu gebildete Kink-Aufsichtsbehörde in ihrem eigens errichteten neuen Dienstgebäude am Gräfenbergplatz/Ecke Wartenbergstraße ihre Arbeit auf. Ab diesem Stichtag entscheidet alleine die Kink-Aufsichtsbehörde, was im BDSM-Bereich angemessen oder verboten, übergriffig oder erlaubt ist. Bislang werden entsprechende Urteile von oft nicht qualifizierten und/oder ahnungsfernen Privatpersonen (Blogger, Gurus, Podcastern, Aktivisten) ausgesprochen. Dies sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Empörung un Unverständnis in der Szene. Künftig haben einzig die Entscheidungen der Behörde Gültigkeit, sie werden nicht angefochten werden können, und sind nur durch einen päpstlichen Dispens oder ein Veto des Chef zu revidieren.

Grundlage für die Arbeit der Kink-Aufsichtsbehörde ist zum einen das Schlampenschutzgesetz (SchlSchG, 2004) zur Förderung der selbstbewußt fickenden Frau (§147, Abs.2-5), sowie das Jungefrauenförderungsgetz nach Maßgaben des ZA (JffGZA, 2001) zur Wiederaufrichtung gefallener Mädchen (§35, §37 und §38a), sowie das Bildungsgesetz zur Verhinderung der Verbreitung von Dummschwätzerei (BGVVD, 1990, 1998, 2009-14) zur Haltsmaulhaltung-sonst-explodiert-hier-gleich-was (§2, §3a,b und §5).

Auf unsere Frage an die kommissarische Leiterin der Behörde, Ministerialdirigentin Gräfin Daniela-Ghislaine Freiin von Geiselhardt-diMarci (Oberschwester i. Waffen-ZA d.Res., EK II, MdR, Anm. d.R.), warum nicht das „güldene Buch des BDSM“ als Grundlage für die Arbeit der künftigen Kink-Aufsichtsbehörde herangezogen wurde:

Zum einen steht in diesem Buch bekanntermaßen sehr viel Unsinn, zum anderen schreiben wir den Leuten nicht vor, was sie tun sollen, wir überwachen lediglich die Einhaltung der vernunftbezogenen Regeln und schlichten Streitfragen mit behördlichen Bescheiden. Bubble-Battles wie in der letzten Zeit auf twitter, werden damit künftig der Vergangenheit angehören.

Frau von Geiselhardt-diMarci, wem wird die Arbeit der Kink-Aufsichtsbehörde am ehesten nützen?

Im Vordergrund stehen alle traurigen, verheirateten, berufstätigen Mütter bzw. Frauen – die endlich, endlich mal hart rangenommen werden wollen, aber durch das hochtrabende Luxus-Muschi-Gehabe von selbst ernannten Aktivistinnen derartig eingeschüchtert sind, das sie sich in ihr unglückliches unterspanktes Dasein zurück ziehen. Es kann einfach nicht sein, das solche Frauen von diesen Aktivistinnen erweckt und wachgeküßt werden, und dann durch suboptimale Spieldates mit unterqualifizierten Doms in fragwürdigen Hotelzimmern entmutigt, sich wieder in ihre Aramsamsam-Home-Schooling-Schneckenhäuser zurückziehen. Diesen Frauen wollen wir helfen. Daher werden wir an diesen beiden Punkten, den falschen Propheten, wie auch den ungeeigneten Doms, ansetzen.

Mit welchen Instrumenten wird die Kink-Aufsichtsbehörde arbeiten?

Wir werden neben den Kontrollen des gesetzlichen Mindestspankings, der vollen Kuschelfortzahlung im Absturzfall auch die Kontrolle, Ausstellung und Entziehung der Dominanz-Lizenz übernehmen, da sich zur Zeit leider viel zu viele Menschen beiderlei Geschlechts zum „Dom“ bzw. „Dommse“ sein berufen fühlen, die selbst unser Chef, selbst an eineim schlechten Tag, zum Frühstück essen würde. Ganz wichtig ist aber, das wir rechtsverbindliche Grundsatzentscheidungen werden treffen können, zB zum Thema „Übergriffigkeit“. Da werden teilweise von Menschen Sachen in die Welt gesetzt, die in letzter Konsequenz dem BDSM nur abträglich sind, weil sie junge und/oder unerfahrene Menschen fehl und irreleiten.

Können Sie darauf etwas näher eingehen, gnädige Frau?

Im vorliegenden Fall handelt es sich noch um ein laufendes Verfahren, zu dem ich mich derzeit noch nicht äußern kann. Allerdings kann ich es so grob umschreiben: BDSM ohne Übergriffigkeiten, ist, als ob man in der Formel 1 nur noch mit Elektroautos führe. Das ist dann aber keine Formel 1 mehr, sondern die Formel E. Also langweilig.

Kein BDSM mehr?

Richtig. Gerade im Bereich des D/s: BDSM ohne Übergriffigkeit, Krieg ohne Munition, Bier ohne Alkohol: man braucht gar nicht erst anzufangen. Wer etwas anderes behauptet, wird in Zukunft mit dem eigens ausgearbeiteten neuen Strafenkatalog in Berührung kommen, oder zumindest eine Nachschulung durchlaufen müssen.

Was wollen Sie verhindern?

Es kann zB. nicht sein, daß unqualifizierte Männer, oder aber Frauen, die noch nie ein Kind zur Welt gebracht haben, anderen Frauen, die Mütter sind, irgendetwas über Schmerzen erzählen wollen. Ich selbst hatte eine Totgeburt. Wer körperliche oder seelische Schmerzen nicht kennt, soll sich diesbezüglich nicht zum Lehrer über andere aufschwingen. Genausowenig kann es sein, das den Frauen, die sich nach einem Mann sehnen, der sich nimmt, was er will, erzählt wird, sie seien Opfer eines Übergriffs – und sich dadurch verunsichert fühlen. Es gibt sie, diese Frauen, hundertfach, tausendfach. Und es kann nicht sein, das dominante Männer a priori zu bösen Cis-Predatoren erklärt werden, weil sie die Schlampe aufs Bett drücken, im Nacken packen und in den Arsch ficken bis es qualmt. Wenn die selbstbewußte Frau und Schlampe das möchte, ist das kein mißbräuchlicher Übergriff, sondern einvernehmliches Ficken. Und für diese Leute werden wir da sein, und kämpfen.

Wie wird ihre Arbeit in Zukunft aussehen?

Wir werden Urteile fällen, die unumstößlich sind. Wir werden dominanten Menschen auf die Finger sehen, wir werden submissiven Menschen Hilfe geben – aber auch beide in ihre Schranken weisen, wenn sie wider die Vernunft und den gesunden Menschenverstand Unsinn schwafeln, und damit weite, unterspankte Menschen in innere Unsicherheit und Verwirrung bringen.

Wir bedanken uns bei der Ministerialdirigentin Gräfin Daniela-Ghislaine Freiin von Geiselhardt-diMarci für diese Ausführungen. Die Kink-Aufsichtsbehörde wird einen vorläufigen Personalbestand von 147 hauptamtlichen verbeamteten Mitarbeitern haben (zu einem Drittel abkommandiert von der Rechtsabteilung des ZA), und zunächst ein mobiles para-Tactikon (Sondereinsatzkommando) von 50 Mann zur Verfügung haben.

Fiona – Teil 4

Die liebe Provokrokant hat ein kleines Twitterprojekt gestartet: Wir schreiben zusammen Geschichte. Eine Fortsetzungsgeschichte, um genau zu sein. Das Prinzip ist dabei schnell erklärt: Sie denkt sich die Grundpfeiler einer Geschichte aus, und einjeder schreibe dort weiter, wo der Vorherschreibende aufgehört hat. Was am Ende dabei herauskommen wird, wissen wir selbst noch nicht und genau das macht es so spannend. Die Teile 1-3 findet ihr hier:

Teil 1: Provokrokant

Teil 2: Madame X

Teil 3: TamyStinson

TEIL 4

Alles, was in den vorigen Episoden bisher um und über Fiona erzählt wurde, ist auch so geschehen. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Daher ist diese, meine Fortsetzung etwas länger ausgefallen.

[Intro]
„Vergessen Sie den Klimawandel … Ich habe eine bessere Story für Sie!“
-das waren fürs erste die letzten Worte, die Chris sprechen sollte. Denn ein harter Schlag traf in am Hinterkopf. Es wäre auch unwahrscheinlich gewesen, wenn Chris` Chef, Herr Meier, auch nur ein Wort von der Story mit der unsichtbaren Studentin geglaubt hätte. Chris fiel in Ohnmacht. Verantwortlich waren dafür zwei Männer. Südländischer Typen, schwarze Maßanzüge, schwarze Sonnenbrillen. Während der eine Schmiere stand, durchwühlte der andere mit stummer, wortloser Coolness Chris‘ Taschen und nahm ihm nur sein Smartphone und seine Kamera ab. Sie ließen ihn liegen – das er nur bewußtlos und nicht tödlich getroffen war, lag an ihrer professionellen Ausbildung. Zu Chris‘ Glück war der Vorgang nicht unbeobachtet geblieben: Es war, als versteckten sich um diese Uhrzeit hinter jedem Busch des botanischen Gartens noch mehr Personen. Eine Frau, breitschultrig, mit kurzen pinken Haaren (mit silbernen Strähnen), in Tarnhose und Biker-Jacke, zwängte sich durch das Gestrüpp. Ihr folgte ein ziemlich großes Kaninchen. Sie kniete bei Chris nieder, fühlte seinen Puls. „Ach … was ist das wieder für eine Scheiße?!“ seufzte sie.
„Ist der junge Mann tot?“ fragte das Kaninchen.
„Nein. Nur bewußtlos …“ antwortete sie, als sie Chris‘ Puls gefühlt hatte. Dann sah sie sich um. „Sehen Sie irgendwo das Mädchen?“
Das Kaninchen lugte vorsichtig nach allen Seiten, schnupperte in jede Himmelsrichtung: „Nein. Sie ist verschwunden. Nichts zu sehen. Mümpf!“
„Na schön …“ seufzte die Frau. „Bringen sie den Jungen hier ins Krankenhaus. Ich habe noch etwas zu erledigen …“
„Aya aye!“ murmelte das Kaninchen, als die Frau sich ihre Motorradjacke wieder zuzog.

Es passierte noch allerhand in dieser Nacht in und um Kiel:

Unweit des Hafens, auf halber Strecke zwischen der Innenstadt und dem Marineehrenmal Laboe, auf dem Ostufer der Kieler Förde, gab es eine Gasexplosion in einem Chinarestaurant. Drei Tote Chinesen. Wenn es diese Explosion in die Schlagzeilen geschafft hätte, hätte es viel Spekulation um einen „ausländerfeindlichen Anschlag“ gegeben. Aber weder die Polizei, noch das Landeskriminalamt, noch der Bundesnachrichtendienst und auch nicht das Konsulat der Volksrepublik China hatten ein gesteigertes Interesse, die Tragödie publik zu machen: Das fragliche Restaurant war die Zentrale und der gewöhnliche Aufenthaltsort des chinesischen Geheimdienstes in Schleswig Holstein. Die drei Toten waren Agenten, die normalerweise die Schiffe der deutschen Bundesmarine im Hafen überwachten. Normalerweise. So aber stieg mitten in der Nacht eine Person auf ein Motorrad, und fuhr davon. Kurze Zeit später gab es den großen Knall. Für die chinesische Militärspionage war hier nicht Neujahr, sondern erstmal Aschermittwoch.

Zur gleichen Zeit, in der Kieler Innenstadt, trank eine Frau Wodka mit einem Mann. Hotelzimmer. Knisternde Erotik. Laszive Blicke. „Was genau machst du in Deutschland, Sergej?“ fragte die Frau.
„Ich bin geschäftlich unterwegs …Import/Export.“ grinste der Mann mit russischem Akzent.
Sergej Sukawitsch Trachadromow dachte nicht im Traum daran, dieser deutschen Luxusmuschi zu erzählen, das er im Auftrag des FSB in Kiel war. Das Mädchen war auch nicht mehr ganz taufrisch, schon Mitte 30. Anwältin. Aber sie war intelligent, willig und verfügbar. Und schlank. Nicht so eine mopsige Matka wie zu Hause in Jekaterinenburg. Und deutsche Frauen haben bessere Zähne. Geben sogar Blowjobs. Und wenn man richtig viel Glück hat, lassen sie sich sogar in den Arsch ficken. Das macht zwar Spaß, ist aber ein Beweis für die Verweichlichung des Westens. Alles Arschficker. Wie die Amerikaner, diese Schwuchteln.
Sergej sah die Frau an – sie zog ihren BH aus. Sie hatte nur noch den schwarzen Slip und halterlose Strümpfe an. Ein russisches Mädchen wäre nie so unanständig. Sie räkelte sich über das Bett zum Nachttisch. Eilig schnupfte die Frau weißes Pulver von einem kleinen Tablett.
„Komm …fick mich, Sergej!“ Der russische Agent lockerte sein breites Kreuz, trat an das Bett und beugte sich zur Frau herunter. Gerade, als er ihr die Beine auseinander drücken wollte, um dieser deutschen Gelegenheitsmöse zu zeigen, was ein richtiger Mann ist, spürte er ein Stechen in der rechten Seite. Wenn der FSB noch der KGB wäre, wäre die Ausbildung der russischen Auslandsagenten besser gewesen. So aber war Sergej das silberne Stilett entgangen, daß die Frau in der Bettwäsche versteckt hatte. Es war ihm auch nicht aufgefallen, daß diese Frau ihn absichtlich in der Hotelbar angesprochen hatte. Die Spitze steckte tief in seiner Leber. Das austretende Blut war fast schwarz. Das letzte was Sergej sah, war das entnervte, gelangweilte Gesicht der Frau. „Mach schon … stirb endlich!“ seufzte sie. Während er langsam verblutete, wälzte sie sich unter dem sterbenden Koloß hervor.
„…ich hoffe, das wars wert!“ fluchte sie in sich hinein.
Da stand sie nun. Blutbefleckt, halbnackt, zugekokst und auch etwas geil.

„Ich hasse Studentenwohnheime!“ seufzte ein Mann, als er durch ein Studentenwohnheim in einem Außenbezirk Kiels tappste. Das richtige Zimmer suchend. „Amerikanische Studenten. Saufen Tequila und Jägermeister bis zum umfallen. Wissen aber nicht, daß Alaska mal zu Rußland gehört hat …“ grummelte er in sich hinein, als er den endlosen Korridor entlang ging. Hinter der einen Tür hörte man ein Skype-Gespräch auf arabisch. Hinter der anderen kochten wohl zwei Asiaten. Hinter der nächsten lebte ein kiffender Informatikstudent. Dann hatte er das richtige Zimmer gefunden. „Meredith Zimmerman“ stand an dem Namensschild neben der Tür. Er klopfte. Die US-amerikanische Biologiestudentin öffnete tatsächlich die Tür.
„Miss Zimmerman?“ fragte der Mann höflich.
„Yes …?“ die junge Amerikanerin war verwirrt und müde. Anscheinend hatte sie schon im Bett gelegen.
Der Mann antwortete nicht. Eine schallgedämpfte Walther-PPK, Kaliber 7,65mm, war die Antwort. Es machte „zumm-zumm“. Ein Schuß ging mitten in die Stirn, der andere in Merediths rechtes Auge. Ihr Hinterkopf zerplatzte – blutige Gehirnmasse, Schädelteile und Haare flogen an die Wand des kleinen 1-Zimmerappartements, noch ehe ihr zuckender Körper dumpf zu Boden gefallen war. Der Mann drehte sich wortlos um, und verließ das Studentenwohnheim genauso still, wie er es betreten hatte. „Ficken wäre jetzt geil!“ war alles, was er dachte.

[Kamera Umschnitt]
„Einen Tag später“ [Kamera-Einstellung: langsamer Helikopterflug über Kiel]
(aus dem Off hört man die Stimme eines Mannes und einer Frau. Mann spricht(mit rheinischem Akzent) )

„Warum können wir nicht irgendwas mit Marzipan machen?“
„Das ist Lübeck! Wir sind aber in Kiel!“
„Und das Stadttor?“
„Das ist aber in Lübeck!“
„Und was mit Seefahrtsgeschichte, der Werft auf der Lastadie?“
„Die ist in LÜBECK!“ „Und warum sind wir dann in dieser Landeshauptstadt von Hedwig-Holzbein, die nichts zu bieten hat? Außerdem reden hier alle wie in einem Werner-Film?!“
„Orrr!“
„Is doch wahr ….jeden Moment kann Meister Röhrich hier um die Ecke getüddelt kommen …?! Hier gibts bloß Handball und die Marine?!“
„Orrrrrr! Das Komitee hat nun mal Kiel als Handlungsort festgelegt! Die Kleine studiert nun mal hier, und nirgendwo sonst!“
„Driss! …Hast du den Russen erledigt?“
„Orr … erinnere mich nicht dran! Mundgeruch und Haare überall. Als ich fertig war, mußte ich mich abreagieren. Hab die Barkeeperin vernascht.“
„Du bringst jemanden um, und hast noch Zeit zu vögeln?“
„Was denn? Ich hatte gekokst und war rattig. Wie liefs mit der Amerikanerin?“
„Kurz und schmerzlos. Und nein, ich hab mich nicht abreagiert!“

[Kamera-Umschnitt: Fußgängerzone Kiel. Es ist der Vormittag nach den soeben geschilderten Ereignissen. Es hat geregnet. Über das nasse Pflaster der Innenstadt klackert ein Paar Stiefeletten. Es ist Fiona. In einem schwarzen Regenmantel.]

In unendlich vielen Gedanken versunken lief Fiona schon seit einer Stunde durch die Kieler Innenstadt. Unsichtbarwerden bei Wut. Unsichtbarwerden beim Orgasmus. Ihre Großmutter, die ihre Fähigkeiten bemerkt hatte – über 600 Kilometer hinweg. Und Chris war über Nacht nicht nach Hause gekehrt. Marleen hatte nur schulterzuckend gemeint, das könne bei ihm hin und wieder vorkommen, wenn er auf Motivsuche in der Stadt unterwegs war. Aber etwas verunsichert war auch sie. Fiona fühlte sich irgendwie unbehaglich, also ging sie in der Altstadt Kiels spazieren. Sie war so tief in ihre Gedanken versunken, das sie nicht merkte, wie eine andere Frau ihr erst heimlich folgte, um dann eiligen Schrittes zu ihr aufzuschließen. Als sie neben ihr war, sprach sie Fiona an: „Entschuldigung: Bist du Fiona?“
Erschrocken drehte diese sich um. „Ähh …jaa?“
Fiona musterte die Frau. Sie war Mitte 30, trug schwarze Lederstiefel, Bluse, Rock und Regenmantel. Schulterlanges dunkels Haar, das von einer Haarspange auf Seitenscheitel gehalten wurde. Albern, wie mit 12. Dafür saß aber auf einer spitzen Nase eine randlose Brille mit rechteckigen Gläsern.
„Wer Sind sie?“ fragte Fiona noch immer verwirrt. Sie hatte noch nicht einmal Angst.
„Ich bin „die Rechtsanwältin.“ Das muß erst einmal genügen. Vertrau mir bitte, ich möchte dir jemand vorstellen …“
Unmerklich nahm sie Fionas Arm, und wollte sie mit sich ziehen.
„Was wollen Sie denn?“ fragte nun Fiona mit schärferem Ton – langsam bekam sie es mit der Angst zu tun. Sie merkte, wie das Kribbeln der Invisibilität wieder in ihr hochkam.
Die Anwältin holte einmal tief Luft: „Fiona. Ich weiß um deine besondere Fähigkeit. Genau darum geht es! Im übrigen weiß ich, wo dein Mitbewohner Chris ist.“ „Sie wissen …“ Fiona sah die Anwältin ungläubig an. Sie hatte diese Frau noch nie zuvor in ihrem Leben gesehen.
„Ja genau! Und eben darum möcht ich Dir jemanden vorstellen. Hab bitte keine Angst!“
„Was ist mit Chris?“
„Gleich. Komm erstmal mit!“

Wenn Fiona richtig Angst gehabt hätte, wäre sie wahrscheinlich unsichtbar geworden. Aber „hey … du wirst unsichtbar, wenn du wütend bist, wenns dir kommt – deine Oma kann Gedanken lesen, Chris ist verschwunden und eine fremde Frau weiß davon?! Schlimmer kanns ja nicht mehr werden!“ schoß ihr durch den Kopf. So ließ sie sich denn mehr oder weniger freiwillig von der Anwältin um ein paar Straßenecken ziehen.
„Wohin gehen wir?“ wollte Fiona wissen.
„In ein Café…wir sind gleich da!“ antwortete die „Anwältin“ hastig.
„Und warum rennen wir so?“ frug Fiona.
„Weil zwei äußerst heiß aussehende südländische Männer in sündhaft teuren Maßanzügen uns seit einer Weile verfolgen …..NICHT umdrehen!“ zischte die Anwältin. „Wir haben eine Häuserecke Vorsprung. Aber wir sind da. Hier ist es.“
Sie waren vor einem Szenecafé angekommen, einem dieser „Kaffeehäuser“, die mehr hoch und lang als breit sind. Wo man 147 verschiedene Kaffee und Espresso-Sorten bekommen kann, die aber gleichzeitig so schlecht geheizt und zuzgig sind, das man schon ziemlich verhipstert sein muß, um sich freiwillig die 100 Jahre alten blechernen Absinth-Werbeplakate an den Wänden anzugucken.

Sie traten durch die gläserne Tür ein. [„Kling-Klong-Klang-Klong“]
Erst jetzt bemerkte Fiona, daß hinter der Tür jemand gestanden hatte: Eine Frau – mit kurzen, pink gefärbten Haaren (mit silbernen Strähnen).
Sie trug diesmal eine graue Uniform. Fiona wunderte sich nur, aber da diese Frau sie nur stumm süffisant anlächelte, folgte sie weiter der Anwältin. Die „Türsteherin“ hingegen blickte wieder durch die Tür nach draußen, und drehte das „Open“-Schild auf die Rückseite. „Closed“. Sie würde die Straße weiter im Auge behalten. Das Café war leer. Und nicht beleuchtet. Nur in einer hinteren Sitzecke glimmte schwach eine Tischlampe. Ein Mann saß an dem Tisch in der Nische. Fiona wurde von der Anwältin in die Sitzecke geführt. Sie nahm Platz. Dem Mann gegen über. Erst jetzt bemerkte sie, das neben dem Mann offenbar ein schlafendes großes Kaninchen saß. Die Anwältin setzte sich neben sie.

Fiona musterte den Mann. Etwas verschlafener Blick, mitte 30, markantes kräftiges Kinn, vielleicht etwas asymmetrisch. Dunkelblondes Haar und Geheimratsecken. Aber die Augen! Der Mann hatte grau-blau-grüne Augen. Fast hypnotisch. Müde Augen, aber faszinierend. Sie wußte nicht, ob sie den typ heiß oder bedrohlich finden sollte. Wahrscheinlich beides.

„Sie sind Fiona, die Biologiestudentin …?“ hob der Mann an.
„Äh ja … “ Fiona war irritiert. Sie fühlte sich unwohl – aber nicht wütend. Und da alle Augen auf ihr ruhten, konnte sie sicher sein, das sie noch sichtbar war.
„Wer sind Sie?“ wollte sie wissen.
„Das werde ich Ihnen vielleicht nachher noch sagen. Bitte haben Sie keine Angst, Fiona. Ich tu` Ihnen nichts. Versprochen! Aber ich muß Ihnen erst ein paar Fragen stellen.“
„Okee …“ Fiona war unsicher und verwirrt. Was wollten diese Leute von ihr?

„Meine Leute und ich haben wegen Ihnen, Fräulein, einige Arbeit!“ hob der Mann wieder an. „Aber der Reihe nach. Sie werden sich sicher fragen, wer wir sind, und was wir von Ihnen wollen. Ich mache es kurz: Es geht um drei Punkte: ihre Sexualität, ihre besondere Fähigkeit unsichtbar zu werden – und leider auch um etwas internationale Sicherheitspolitik.“
„Was ist mit Chris, meinem Mitbewohner?“ – Fiona fiel ein, das es noch etwas wichtigeres gab.
„Dem geht es gut. Er ist im Krankenhaus …“
„Im Krankenhaus?“ schrak Fiona auf.
„Unsere Sicherheitsexpertin“ -der Mann deutete auf die Frau an der Eingangstüre- “ und unser Kaninchen hier, haben ihn gestern Abend bewußtlos im botanischen Garten gefunden und ins Krankenhaus verfrachtet. Er ist niedergeschlagen worden.“
„Im botanischen Garten …“ Fiona stockte. Ihr Gesicht wurde rot – hatte Chris sie beobachtet? Doch dann besann sie sich.
„Niedergeschlagen? Von wem? Warum? Geht es ihm gut?“

Der Mann sah Fiona an. „Haben sie bitte, bitte keine Angst!“ er hob beschwichtigend die Hand. „Trotz seiner albernen Erscheinung mit Skinny-Jeans und …wie heißen die Dinger?“
„Chucks!“ ergänzte die Anwältin.
„Ach ja richtig …“ grummelte der Mann weiter „…und seiner unzivilisierten Frisur: geht es ihm gut. Er ist von zwei Agenten niedergeschlagen worden. Wahrscheinlich, weil er beobachtet hat, wie sie im botanischen Garten masturbiert haben und unsichtbar geworden sind.“
„Was für Agenten?“ fraget Fiona fassungslos. „Die gleichen zwei Männer, die uns eben verfolgt haben -“ setzte die Anwältin ein „Die sind wahrscheinlich zwei Dominikaner oder Jesuiten. Päpstlicher Geheimdienst.“
„Aber … was wollen die denn von mir?“
„Die wollen Sie aufgrund ihrer übernatürlichen Eigenschaften gründlich unter die Lupe nehmen. Niemand legt übernatürliche Fähigkeiten an den Tag, ohne das es Rom nicht mitbekommt.“ fuhr der Mann fort. „Ich erkläre Ihnen auch, wie das alles zusammenhängt. Aber vorher werden Sie mir ein paar Fragen beantworten, verstanden?“
Fiona wußte immer noch nicht, wie ihr geschah: „okee … „

„Was halten Sie von Donald Trump?“
„Ähhm … bitte was?“ „Was halten Sie von dem?“
„Ein Arschloch?!“
„Jut … Und was halten Sie von Wladimir Putin?“
„Auch ein Arschloch?!“ Der Mann nickte nur stumm.
„Nur noch zwei Fragen … Was halten Sie von Xi Jinping?“
„Wer?“ fragte Fiona. „Kenn ich nicht.“
Diese Antwort hatte der Mann offenbar erwartet. „Das ist der Ober-Macker von China. Aber ich verrate Ihnen was, Fiona: Das ist auch ein Arschloch. Und was halten Sie vom Papst?“
„Ich äh … ich glaube nicht an Gott.“
„Nobody is perfect …“ seufzte der Mann augenrollend, und konnte seine Enttäuschung nur schwer verbergen. „Das war ja auch nicht die Frage …Na schön …ich verrate Ihnen was: im Vergleich zu den drei anderen ist der heilige Vater nicht ganz so ein großes Arschloch, wie die anderen drei. Aber alle diese Männer hatten ihre Agenten auf Sie angesetzt, Fräulein.“
„Was zur Hölle hat das alles mit mir zu tun?“ fragte Fiona kopfschüttelnd. „Und mit meiner Sexualität? Meiner Begabung? Und woher wissen Sie das? Für wen arbeiten Sie? Das FBI?“

Der Mann und die Anwältin mußten mit den Augen rollen. Diese junge Generation kannte offenbar keine vernünftigen „Bösewichte“ mehr, als das FBI. „Danke Netflix, du Horizontverenger!“ dachte der Mann bei sich. Er seufzte.
„Um ihre Frage zu beantworten: Nein. Meine Leute arbeiten nur für mich. Ich bin Teil eines Komitees, das für eine Weile die Fürsorge für Sie, junges Fräulein, übernommen hat!“
„Fürsorge? Warum das denn?“
„Weil Sie sich unsichtbar machen können?! Wissen Sie, was das bedeutet? Amerikaner, Russen und Chinesen waren hinter Ihnen her. Für die militärische Forschung dieser Länder sind sie von unschätzbarem Wert. Schiffe, Flugzeuge, Panzer – stellen Sie sich mal vor, das ist alles unsichtbar. Nicht nur auf dem Radarschirm, sondern auch für das menschliche Auge. Haben Sie auch nur einen Hauch einer Ahnung, was man mit Ihnen gemacht hätte? Entweder hätte man aus Ihrem Genmaterial versucht, neue Tarnvorrichtungen zu bauen – oder aber …“
„Was?“
„Hätte man versucht, Sie zu töten. Damit sie nicht einem der Konkurrenten in die Hände fallen. Denen könnte ja unter Umständen gelingen, was einem selbst noch nicht gelungen ist. Mit anderen Worten: Sie waren in Lebensgefahr.“
„Wegen meiner Fähigkeit beim Orgasmus unsichtbar zu werden, war ich in Lebensgefahr?“ fragte Fiona. Sie sah den Mann an. Er sah sie an. Sie hatte einen ungläubigen Blick, aber seine Miene war ernst.
„Ja. Die Amerikaner hatten eine Biologie-Studentin, Meredith Zimmerman, auf sie angesetzt, die Russen haben ihren zweitbesten Mann hergeschickt – und die Chinesen waren auch an Ihnen interessiert. Aber die Probleme haben wir…Ich sag mal so… den ausländischen Geheimdienstlern, die auf sie angesetztwaren…ist letzte Nacht etwas „zugestoßen“. Kurz, nachdem Sie sich mal wieder unsichtbar masturbiert haben und Chris Sie dabei beobachtet hat. Lediglich die zwei Schnüffler vomVatikan laufen noch irgendwo rum, aber um die kümmern wir uns auch noch.“ Er machte eine kurze Pause.

„Und damit das alles nicht nochmal passiert, werden wir Ihnen helfen, mit Ihrer Unsichtbarkeit klarzukommen – und: wir werden ihrem Sexualleben etwas auf die Sprünge helfen!“
„Woher wissen Sie das eigentlich?“ fragte Fiona beinahe tonlos.
Der Mann ging nicht darauf ein, sondern zündete sich eine Zigarette an.
„Können Sie die bitte ausmachen?“
„Nein.“ brummte der Mann, sog an seiner Zigarette, und fuhr fort:

„Sagt Ihnen der Name Philomena Weissesbesser etwas?“
„Nein…?“
„Das war Ihre Ur-ur-ur-ur-Urgroßmutter. Sie war 1815 bei der Schlacht von Waterloo Marketenderin und Regimentshure bei den „Braunschweiger Jägern“, die mit Wellington Napoleon besiegt haben. Sie gab einfachen jungen Soldaten den letzten Blowjob vor der Schlacht – für viele wars auch der letzte ihres Lebens. Aber auf den Abendgesellschaften und ausschweifenden Orgien der höheren Offiziere trat sie als Wahrsagerin auf: Sie konnte in die Zukunft sehen, allerdings nur dann, wenn sie squirtete. Sie feierte mit den hohen Herren, masturbierte vor aller Augen, und konnte dann wichtige Ereignisse voraussagen. Auch wenn Wellington davon profitierte, sah er sich doch gezwungen, aus Gründen der Räson ihre Urahnin wegen „Unzucht“ nach den damaligen Gepflogenheiten mit der 9-schwänzigen Katze auspeitschen zu lassen. Allerdings bekam sie davon einen derartigen Orgasmus, daß sich ein Orkan-artiges Unwetter und Donnersturm erhob, der den Briten, Preußen und Braunschweigern beinahe den Sieg über die Franzosen gekostet hätte …!“
„Aber…woher…wieso…wissen Sie das alles?“ Fiona war erstaunt.
Der Mann holte einmal tief Luft. „Weil ich Histo….“
„Wir haben das recherchiert!“ fiel die Anwältin ihm ins Wort.
Der Mann schien seiner Anwältin das einfach so durchgehen zu lassen, denn er fuhr fort:
„…und sagt Ihnen der Name Greta Hunkemöller etwas?“
„Nein …“ antwortete Fiona irritiert.
„Das war ihre Urgroßmutter. Die Mutter ihrer äußerst empathischen Oma. Sie war in den dreißiger Jahren, wie viele Millionen anderer junger Frauen auch, im BDM. Quasi die Hitlerjugend für Mädchen. Das ist nicht weiter tragisch, meine Großutter war auch Mitglied – aber im Gegensatz zu meiner Oma hatte ihre Urgroßmutter eine lesbische Liäson mit ihrer Scharführerin, dh. ihrer direkten Vorgesetzten. Das war ideologisch nicht im Sinne der Nazis, kam aber öfters vor.“
„Moment…meine Uroma war ein Nazi?“ fragte Fiona entsetzt.
Der Mann seufzte. „Nein. Sie war, wie meine Großmutter, ein Kind ihrer Zeit. Während eines Sommer-Zeltlagers im Jahre 1939 hatte ihre Uroma heimlich Sex mit ihrer Scharführerin. Auf was ich hinaus will: Ihre Uroma wurde genau wie Sie unsichtbar, und konnte für eine gewisse Zeitlang gegen alle Regeln der Physik in der Luft schweben – und vor allem: sie konnte Gegenstände bewegen. Durch bloße Gedankenkraft – während ihren Erregungszuständen. Telekinese nennt man das.
Natürlich bekamen die Nazis Wind von der Sache, wollten sich die Kräfte ihrer Urgroßmutter zu Kriegszwecken bemächtigen. Als sie sich jedoch weigerte, steckte man sie mit ihrer Geliebten ins Frauen-KZ Ravensbrück. Dort machten die Nazis Experimente – und heraus kam allerdings nur das hier“
Der Mann stellte ein braunes Apotheker-Fläschen mit Korkverschlußauf den Tisch. Es enthielt 147 weiße Pillen. Auf dem vergilbten Etikett stand „Refortat“.
„Was ist das?“ fragte Fiona.
„Das ist ein Präventivmittel gegen Unsichtbarkeit. Wenn Sie jedesmal, wenn Sie Sex haben, unsichtbar werden, könnte das ihre Sexualparter/innen auf Dauer etwas verunsichern.“ bemerkte der Mann mit einem süffisanten Unterton. „Deshalb nehmen Sie vor jedem Geschlechtsakt eine dieser Pillen, und Sie bleiben sichtbar. Die einzige Nebenwirkung ist, daß das Präparat alkoholbedingte Trunkenheit innerhalb von fünf Minuten eliminiert. Dh. man ist wieder glockennüchtern.“
„Und woher haben Sie das Zeug?“
„Nun… bei diesen Experimenten war jemand unfreiwillig anwesend, der unsichtbare Menschen auch sehen kann, wenn sie für andere Menschen unsichtbar sind.“ mit diesen Worten deutete der Mann auf das Kaninchen, das die ganze Zeit still und leise mit einem Strohhalm Fanta aus einer Flasche genuckelt hatte. Das Langohr, gewahr, das von ihm die Rede war, öffnete die Augen und setze ein naives „So ist es, mümpf!“ hinterher. „Da, wo Menschen unsichtbar werden können, können Kaninchen auch sprechen, und umgekehrt, mümpfennämlich! Ich habe damals ihrer Urgroßmutter und ihrer Freundin zur Flucht aus dem Lager geholfen. Die Nazis waren sehr, sehr böse Menschen, nämlich!“

Die Anwältin fuhr nun fort:
„Sie sind das bislang letzte Glied einer langen matrilinearen Reihe von übernatürlich begabten Menschen. Diese Fähigkeiten werden seit Generationen von Mutter zu Tochter weitergegeben. Und soweit es Unsichtbarkeit betrifft – kann nur unser Langohr hier diese Frauen sehen. Aber das wird dank der Pillen nicht mehr nötig sein.“
„Warum haben sie meiner Mutter nicht diese Pillen gegeben? Oder meiner Großmutter?“
„Weil die Unsichtbarkeit nicht in jeder Generation auftritt. Die besonderen Fähigkeiten variieren von Generation zu Generation.“

„Ich weiß… bzw. ich habe so etwas geahnt….meine Mutter ist eine Schamanin..und meine Großmutter auch..sie können“ hob Fiona an.
„Orrrr hören Sie bloß mit diesem Schamanengefasel auf!“ Fuhr ihr der Mann über den Mund. „Neueheidnischer Mumpitz …nur weil sich im 18-19. Jahrhundert ein paar sexuell verklemmte und versnobbte puderperrückte sklavenhaltende Flachwichser auf pseudo-kelto-druidische Steine einen runtergeholt haben, haben wir heute immer noch immernoch Antisemitismus, Mittelaltermärkte und schwarze Raben geil-findende Triskeloschwachmaten.“
Fiona war war wie vor den Kopf geschlagen. Dies schien der Mann auch zu bemerken, daher ruderte er mit seinen Mitteln zurück: „Das ist jetzt vielleicht salopp ausgedrückt, aber glauben Sie mir. Ich bin Historiker! …das ist alles hineininterpretierte Erfindung. Wissenschaftlich nicht zu halten. Wirkliche Schamanen gibt es nur bei den Tungusen und Ewenken in Sibirien.“
„Aber meine Mutter kann wirklich mit …“
„Ja … mit Toten sprechen. Und Gedanken lesen. Ich weiß, ich weiß. Das konnte Hildegard von Bingen auch …!“ (das war war zwar gelogen, verfehlte aber nicht eine gewisse Wirkung)

„Der eigentliche Punkt ist, mein liebes Fräulein, es hat immer etwas mit Sexualität zu tun. Bei allen Frauen in ihrer Familie.“ Der Mann versuchte die Atmosphäre etwas zu lockern, und lehnte sich entspannt zurück.
„Sie haben einen twitteraccount?“
„äh..ja.“ antwortete Fiona vorsichtig. Der Mann hob abwehrend die Hand. „Nein, ich meine nicht „@seelensternchen123“ …ich meine den anderen Account.“
Er machte eine abwartende Pause. Fionas Pupillen weiteten sich ganz leicht, fast unmerklich vor Entsetzen.
„Ich meine den Account „@Biology_of_Sin_666″. …etwas kitschiger Name.. aber Sie haben sich Mühe gegeben, immerhin.“
„Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen!“
„Doch, das glaube ich schon.“ fuhr der Mann in seinem leichten rheinischen Singsang fort.
„Sie folgen @provokrokant und @TamyStinson, @Needie_, @MadameX, @Crimson_Silk …und natürlich Ophelia_BDSM. Sie lesen brav mit, faven hin und wieder, und halten sich ansonsten zurück.“
„Woher wollen Sie wissen, das ich das bin?“ fragte Fiona trotzig.
„Ihre Augen haben es mir gerade verraten.“ antwortete der Mann mit einem schmunzelnden Lächeln voll von anachronistischer cis-weiß-männer-Sicherheit.
Wieder machte er eine Pause. Fiona war perplex.
„Sehen Sie … solchen Leuten folgt man nicht, weil man unbedingt erpicht darauf ist, sich ellenlange threads zu haarspalterischen dogmatischen Auslegungen von Übergriffigkeit und Feminismus durchzulesen.“ Er sah sie ganz fest an. Starrte ihr in die Augen. Und sie sah in seine Augen. Er spürte ihre Unsicherkeit. Deswegen fuhr er fort:
„Man folgt solchen Leuten, weil man Vorlieben hat. Ein Verlangen hat. Ein Verlangen nach einer Hand ….am Hals. Einer Hand … die an den Haaren zieht …die Ohrfeigen gibt …die Schmerzen und Geborgenheit gleichermaßen gibt …“
„Hören Sie auf!“ zischte Fiona. Sie bemerkte, wie das Gefühl des Unbehagens der Wut wich. „Es“ begann wieder in ihr hochzukribbeln.
„Geben Sie sich keine Mühe. Für uns können Sie vielleicht unsichtbar werden, aber für ihn hier nicht.“ Er deutete wieder auf das Kaninchen.

Fiona schnaubte. Sie fühlte sich „enttarnt“ . Und hoffte, ihre besondere Tarnfähigkeit würde jetzt etwas nützen. aber das Kaninchen legte seine lange Pfote auf ihre linke Hand – sie spürte, wie sie sichtbar blieb.
„Mögen Sie Männer in Uniform?“ fragte der Mann, obwohl er die Antwort bereits kannte.
„Das geht Sie gar nichts an!“ fauchte Fiona.
„Danke für ihre aufschlußreiche Antwort, Fräulein!“ schmunzelte der Mann.
„Bevor Sie ihre summa-cum-laude-Muschi zur nächsten Studentenparty schleifen: Was erhoffen Sie sich da zu angeln? Einen Skinny-Jeans-Studenten? Der dann zu einem trostlosen alt-Hippie an der Seite seiner Schamanen-Frau verkommt, genau wie ihr Vater?“
Fiona war baff. In der Tat – wenn sie es recht bedachte, hatte ihr Vater immer im Schatten ihrer dominanten spirituellen Mutter gestanden. Dann schoß ihr ein anderer Gedanke durch den Kopf:
Dieser Mann, mit seinen faszinierenden Augen, sagte immer „Fräulein“: „Fräulein! KEIN MANN nennt eine junge Frau jemals „Fräulein!“ das ist herabwürdigend, übergriffig, frauenfeindlich und ….scheiße … macht mich das heiß! Wenn der gleich „mein Kind zu mir sagt!“ …dann explodier ich entweder bis in alle Ewigkeit in die Unsichtbarkeit, oder ich muß mir gleich nen neuen trockenen Schlüpper anziehen!“ fluchte Fiona in sich hinein. Sie kaute auf ihrer Unterlippe herum.

Ihre Unsicherheit wandelte sich urplötzlich in Angriffslust:
„Na schön. Ich interessiere mich für bdsm, und verfolge die #ntl auf twitter. Und ich finde Männer in Uniform attraktiv….und ich habe schon darüber nachgedacht, ob ich mich bei dieser Ophelia_BDSM™ für eine O-Runde anmelde…. aber ich habe mich noch nicht getraut, weil ich noch keinerlei Erfahrung habe.“

„Also, wenn Sie das machen sollten, Fräulein, dann bestellen Sie der Frau Kollegin bitte nen schönen Gruß von mir…“
„Sie kennen Sie?“ fragte Fiona mit leichtem Glanz in den Augen.
„Ja…es gibt sie wirklich. Sie ist ein echter Mensch. Aber Sie werden sich ihrer Sexualität ersteinmal anders bewußt werden, ohne [OpheliasVorname]s Grundausbildung. Denn noch stehen Sie hier unter meiner Kuratel, bevor jemand anderes aus dem Komitee die Fürsorge für Sie übernimmt.“
„Was soll das heißen? Wollen Sie etwa mein Dom sein?“ fragte Fiona mit einem Unterton der Belustigung und des Erschreckens.
„Och …gnädiges Fräulein … ich ficke für mein Leben gern. Sogar so, das es weh tut …“ der Mann kratzte sich süffisant grinsend am Hinterkopf, und sah Fiona wieder fest in die Augen. Und Fiona malte sich gerade aus, wie sich das anfühlen würde, auf analem Wege das Hirn rausgevögelt zu bekommen.
„Aber ich kann nicht jede submissive, devote und masochistisch veranlagte Frau auf der Welt vögeln. So sehr ich es auch wollte. Und in Ihrem Falle, Fiona, werde ich wohl einstweilen auf das Vergnügen verzichten müssen. Ihr Schicksal liegt nicht allein in meinen Händen. Sondern in denen eines Komitees – da bin ich nur ein gleichberechtigtes Mitglied. Und ich möchte die anderen Mitglieder nicht brüskieren. An diesem Punkt endet mein Zuständigkeitsbereich. Sie haben eine einzigartige orgiastische Begabung, Fräulein. In Ihnen wohnt eine besondere Energie. Dieselbe Energie, die sie hin und wieder unsichtbar werden läßt. Da ist etwas in Ihnen – und ich bedauere zu tiefst, das ich es nicht bin, der diese Energie freilegen wird. Sie sind geboren, um zu dienen. Das sehe ich in Ihren Augen. Sie brauchen diese besondere „Führung“.“

„Was soll das heißen?“ fragte Fiona.
Die Anwältin hatte ein tablet hervorgezaubert, und antwortete anstelle des Mannes:
„Wir haben ein Joyclub Profil für dich angelegt. Und auch schon ein paar passende Männer für dich gefunden-“ die Anwältin machte eine abwartende Pause. „Wir denken, daß das das beste für dich ist.“
„Sie haben bitte WAS?“
„Wir haben genug Bilder von deinem Handy, wir kennen deine Interessen und deine Neigungen…. hier ist dein Paßwort.“
Die Anwältin schob Fiona einen Zettel mit Nickname und Paßwort zum ihrem JoyClub-Profil rüber.

„Kiel ist seit über 150 Jahren Marinestützpunkt …. schnappen Sie sich nen jungen Oberleutnant zur See … achnee …das sind alles junge Familienväter … lieber einen geschiedenen Kapitänleutnant zur See …jemand mit Dominanz und Uniform …. und bei Gott … lassen Sie sich ordentlich durchficken, Mädchen!“ brummte der Mann wieder als Antwort.
„Ich bin etwas verwirrt…!“ Fiona schüttelte den Kopf.
Er hatte „Mädchen“ gesagt! Fiona zwang sich, nicht ausfällig zu werden, und gleichzeitig ignorierte sie ihren dezent angefeuchteten Schritt.

„Ich fasse gerne nochmal zusammen, Fräulein: Erstens: Sie waren in Gefahr, weil Sie bei Erregung unsichtbar werden. Diese Gefahr haben wir eliminiert. Zweitens: Sie haben jetzt ein Gegenmittel, das verhindert, das Sie unsichtbar werden. Drittens: Sie wissen nun, daß Sie in ihrer Familienlinie nicht alleine mit dieser Problematik da stehen. Und viertens: Sie müssen Ihre Sexualität erforschen und bewußt leben! Sie müssen ihre Bestimmung finden, Fräulein! …Ich hab schon Frauen gefickt, die waren noch viel unsicherer als du, Mädchen. Und die konnten nichtmal unsichtbar werden! Gehen Sie jetzt, Fiona. Sie haben morgen Abend ein blind-Date. Wir halten Ihnen den Rücken frei, Chris geht es gut, und in ihrer Mitbewohnerin Marleen haben Sie eine Freundin, die Ihnen zuhören wird. Entdecken Sie sich selbst!“

Alle erhoben sich, bis auf das Kaninchen, das wieder zu schlafen schien.

In Fionas Kopf drehte sich alles. Derartigen Input war sie nicht gewohnt. Beim hinausgehen fragte sie den Mann und die Anwältin: „Die da hinten, an der Tür mit den pinken Haaren ….warum sieht ihre Uniform aus wie eine aus Iron Sky?“

„Hey … Grau ist eine schöne Farbe!“ brummte die gemeinte schmunzelnd und warf Fiona einen vielsagenden Blick zu. Fiona verließ das Kaffeehaus. Verwirrt. Mit Mitteln gegen ihre Unsichtbarkeit. Mit einem Joyclubaccount und einem Blindate am nächsten Tag.

„Und nun?“ fragte die Anwältin, als Fiona zur Türe raus war.
„Naja… Ihr kümmert euch noch um die zwei Designer-Agenten aus Rom – und ich sag beim nächsten Komitee-Mitglied bescheid, das wir den Staffelstab Fiona übergeben haben.“ antwortete der Mann.
Vaya con Dios, Fiona…vaya con Dios…“ murmelte er noch, als er @Crimson_Silk eine WhatsApp-Nachricht schrieb.

Teil 5: Crimson_Silk

Teil 6: JoyFull117

Teil 7: PeachBlack

Teil 8: Needie

Horror

Malen wir mal schwarz. Oder dunkelbraun/blau.

Was hat mich als langzeitarbeitsloser Geisteswissenschaftler im Reich der AfD zu erwarten?
(wenn man mal die bis heute bekannte deutsche Geschichte als Analogie zugrunde nimmt)

ICH HOFFE UND BETE – DAß DAS FOLGENDE NIEMALS AUCH NUR IM ANSATZ WIRKLICH GESCHIEHT!!!

Nun – zum einen wäre da der „schwarze Winkel“. Den gab es für KZ-Häftlinge für „Asoziale“. „Schmarotzer“, „Volksschädlinge“. „Arbeitsscheue“. Mit anderen Worten: Arbeitslager.
Vor dem Gas hätte mich meine bloße genetische Veranlagung gerettet. Als weißer heterosexueller schafft mans vielleicht bis zum Kapo.
Zum anderen: Die AfD steckt mich in eine dunkle(blaue) Uniform. Da ich studiert habe, und mein geistiger Horizont größer ist, als die gesamte ehemalige DDR zusammen, erscheine ich dem Regime nützlich.
Mein erster(!) sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz. Endlich! Man hat mich zum „Reichskommissar zur Sexualprävention“ [sic!] ernannt.
Mein Job: ich soll nicht nur Misch-Beziehungen zwischen Bio-Deutschen und nicht-Bio-Deutschen aufspüren (damit befaßt sich meine Dienststelle hauptsächlich). Nein.
Meine Aufgabe ist es, alle (ehemaligen) „Sexworker“, Transsexuelle und vor allem: Homosexuelle, BDSM’ler, „sexpositive Feministinnen“ usw. aufzuspüren – denn sie verletzen das „gesunde Volksempfinden“. Sexuelle Abweichungen, Neigungen etc. sind „undeutsch“. Gehören „ausgemerzt“.
Alles, was über die Missionarsstellung (im rechten Winkel) hinausgeht, wird verfolgt.
Und ausgerechnet mich haben sie dazu abkommandiert.
Die ganzen Journalisten, Politiker haben sie schon. Für die kann ich nichts mehr tun.
Letzte Woche haben sie Dunja Hayali hingerichtet. Und vorgestern Tom Buhrow.
Das Internet, wie ich es früher kannte, gibt es schon lange nicht mehr.

Da steh ich nun, in meiner dunkelblauen Uniform der Waffen-AfD (und ich war mal Mitglied in der SPD!), und soll meine Freunde und Bekannte jagen. Ich ecke mit meinen Vorgesetzten schon jedesmal an, weil ich hin und wieder die katholische Messe besuche. Weil ich nicht „Heil Höcke“ rufe. Und den „Deutschen Gruß“ nur mit „rheinischer Lässigkeit“ vorbringe. Nicht stramm genug.
Ich sehe die Listen, die über meinen Schreibtisch wandern. Bei jeder einzelnen Seite schließe ich die Augen, und reibe mir müde die Nasenwurzel.
Ich habe nicht genug Pässe und Reisegenehmigungen für Schweden oder die Schweiz. Ich kann sie nicht alle rausbringen. Es ist zum kotzen.
Vorgestern haben die Chinesen(!) angekündigt, sie würden den Krieg nicht eher beenden, als das Deutschland kapituliert.
Warum bin ich nicht weggelaufen? Hab mich nicht ins Ausland abgesetzt, als es los ging?
Ich hab mich korrumpieren lassen. Satt zu essen zu haben, war mir, dem Langezeitarbeitslosen, damals wichtiger, als die Moral. Ich wollte nicht ins KZ.
Dabei habe ich für die ganze Bande da oben nichts als Verachtung übrig.

Viele Leute, die ich damals auf twitter kannte, hielten nichts von Religion. Allenfalls etwas „schwarzer Rabenzauber“, um ihre bdsm-Haftigkeit zu beteuern. Ihr Gott hieß eigentlich „netflix“ (das gibt es übrigens seit 4 Jahren nicht mehr in Deutschland).
Unsere „Bundesführung“ (oder „das Brot“, wie man ihn hinter vorgehaltener Hand nennt) hält auch nichts davon. „Deutsch zu sein“, heißt neuerdings, zur Sommerwende auf Merkel-Bilder zu pissen.
Frau Merkel verbringt ihren Lebensabend übrigens in Paris, da sie in Deutschland zur Fahndung ausgeschrieben ist.

Ich habe in meinem Büro allerdings noch ein Kruzifix. In der Schublade meines Schreibtisches. Gleich neben der Dienstpistole.
(Übrigens eine Luger 08 – das pickelige Sackgesicht von der Höckejugend der hier als Hauswart fungiert, bekam fast ne spontane Ejakulation, als er eine „Waffe der Erlebnisgeneration“ sah, anstatt einer modernen Glock. Ich hätte ihm das Wunderwerk „doitscher Ingenieurskunst“ am besten mitten ins Gesicht ballern sollen.)
Und wenn ich dieses Kruzifix sehe… dann schäme ich mich. Wie hat es so weit kommen können? Wir hätten es doch besser wissen können.
Mein Gott – warum hast du mich verlassen? Uns verlassen? Oder ich dich?
Ich fühle nichts als Schuld – obwohl ich niemandem persönlich irgendetwas getan habe.

Mich reißt mein Terminkalender aus meinen Gedanken: Ich soll ein Lager für politische Gefangene inspizieren. Wieder einmal.
Ehemalige Prostituierte. Sexworker*innen. BDSM’ler.
Mir graut es jetzt schon davor.
Als ich das letzte mal eines dieser Lager visitierte, erkannte ich zwischen den Baracken drei mir bekannte Gesichter. Ein lesbisches Päärchen, denen ich einmal (in einem anderen Leben) beim Umzug geholfen hatte, und eine damals ziemlich prOminente Sexworkerin.
Ich habe eine halbe Stunde(!) mit dem Lagerleiter diskutieren müssen. Sein Magdeburger-Bördeland-Dialekt empfand ich als so mich aggressiv machend – ich hätte ihn auf der Stelle totprügeln können. Aber er war AfD-Mann der ersten Stunde. Hatte beim Staatsbegräbnis für Gauland mit den Sarg getragen. Gleich hinter Höcke.
Aber ich konnte mir nach laaangem den Mund-fusselig-reden, von diesem gesitigen Tiefflieger auserbitten, das diese drei Frauen „von dringlicher Wichtigkeit“ für meine Dienststelle seien.

Natürlich haben die drei mich erkannt. Und sie hatten erst Schrecken, dann nur Verachtung für mich in ihren Augen. Ich konnte mir keine menschliche Regung erlauben. Mein Gesicht blieb ausdruckslos. Ich verkrampfte. Starrte durch sie durch.
Ich hatte nur drei Pässe! Zwei für die Schweiz und einen für Schweden.
Und ich würde aller Wahrscheinlichkeit niemals die Gelegenheit haben, diesen drei Frauen erklären zu können, das sie nur aufrgund meiner Fürsprache aus dieser Hölle herauskamen. Für sie blieb ich der opportunistische Wendehals.

Ich habe meine Waffe in der Hand – früher hab ich gefesselte Frauen sexuell damit erregt, in dem ich mit der Pistole ihren Busen entlang gefahren bin.
Heute hab ich das Ding in der Hand, und möchte mir eine Kugel durch den Kopf jagen. Weil ich mich schäme, was aus unserem Land geworden ist. Das ich mich vor den Karren des Bösen habe spannen lassen. Weil ich Dinge tue, die ich nie tun wollte. Weil ich Freunde und Bekannte verrate – und nur einen Bruchteil retten kann. Und selbst dieser kleine Teil hält mich für einen Teil des Bösen.
Aber ich bin zu feige. Ich habe einen Überlebenstrieb. Ich will nicht sterben – so wie alle anderen Menschen auch. Ich bin feige, und ich werde feige bleiben.
Wenn die Chinesen hier sind, lauf ich zu Fuß über die Alpen bis nach Argentinien.
Diese Welt hätte eine so schöne Welt sein können. Das alles hätte nicht sein müssen.
Ich werde vor mir selber weglaufen.

Wahrscheinlich war es damals genauso. Als Opa jung war.
Und nun habe ich, der studierter Historiker, was ich immer wollte: Eine Zeitreise. Ich kann 1 zu 1 nachempfinden, wie eine frühere Zeitepoche sich angefühlt hat.
Ich möchte sterben. Aus Scham.

„Herr Reichskommissar?“ – eine Stimme holt mich wieder aus den Gedanken.
Ein Saarländer, AfD-Mann seit 9 Jahren, salutiert vor mir.
„Neue Listen, Herr Reichskommissar!“ – er reicht mir das tablet. Ich scrolle wieder anteilnahmslos runter – und entdecke bekannte Namen.
„Nicht die Dommse…!“ seufze ich still in mich hinein.
Wieder eine Dienstreise. Wieder Diskussionen. Wieder zu wenig Pässe.

Ich hasse alles. Die Welt. Unsere Regierung. Und vor allem: Meine eigene Schwäche. Meine Feigheit.
Meine Feigheit, damals nicht genug gegen die AfD getan zu haben.

Ein Ölgemälde zum Brexit

Wenn man den Brexit als – sagen wir mal – eine mythologische Sage auffassen würde, so wie die klassischen Sagen des Altertums mit Zeus, Herkules, Apollo & Co: Dann denken wir mal für einen Moment an Ölgemälde. Besonders in der Neuzeit (18- fr. 20.) Jahrhundert sind die klassischen Sagen und Mythen des Altertums in symbolhaften großen Ölgemälden dargestellt worden.
zB „Europa“ – der Sage nach eine phönizische Prinzessin, die auf einem Stier (Zeus) über das Mittelmeer nach Westen reitet.
Würde man heute nun den Brexit in einem riesigen Ölgemälde wiedergeben, so sähe die Komposition dieses Gemäldes in etwa so aus:

Rechts oben im Bild, eine große Muttergottheit, auf einem Stier sitzend. Europa. Mit entsetztem Gesicht. Die Hände vor Entsetzen links und rechts an den Kopf gespreßt.
Unter ihr, zu Füßen des Stiers drei Frauengestalten: Zwei große, und eine etwas kleinere. Die beiden größeren der drei „Töchter“ der Europa wären zum einen Marianne (symbolhaft für Frankreich) und zum anderen Germania (für Deutschland). Marianne trägt eine phrygische Sansculotten-Mütze mit Kokarde, eine ihrer Brüste liegt bloß.
Germania trägt einen geflügelten Helm und Brustpanzer. Beide strecken ihre Arme nach links aus, als ob sie etwas festhalten wollen.

Daneben, etwas kleiner – eine Frauengestalt mit Füllhorn – die Roma. Sie symbolisiert den Rest der EU. Roma hat die rechte Hand vor die Augen gehalten, als ob sie sagen wolle: „Das darf doch nicht wahr sein!“. In der linken hat sie ihr Füllhorn halb gesenkt – viele kleine undeutlich erkennbare Gestalten (möglicherweise die Personifikation der Flüchlinge) versucht am Füllhorn emporzuklettern.
Diese drei Töchter und ihre Mutter sehen einer Gestalt auf der linken Bildhälfte hinterher:
Es ist die Tochter, die die Familie verläßt. Mit Attributen Schild, Speer und griechischem Helm, von einem Löwen begleitet: Es ist die Britannia. Sie hat sich von ihren Schwestern und ihrer Mutter abgewandt, und wirft einen unklaren Blick zurück. Man ist sich nicht sicher, ob ihr Blick sorgenvoll oder froh ist.
Geleitet wird die Britannia von einem Daimon (Dämon), eine Art Teufel, der sie in das große Dunkel auf der linken Bildseite zu ziehen/führen scheint. (Eine orange Haartolle wäre schlüssig, aber etwas zuviel in der Symbolik).


So ungefähr hätte man früher den Brexit als Ölgemälde dargestellt.

Archäologie ist Drecksarbeit – Kapitel 2

Das folgende aus dem Englischen übersetzt, und nur an wenigen Stellen sinnwahrend (Regionalbezug GB/D) abgeändert. Original: by Tony Robinson and Professor Mick Aston.

Ich übersetze dies, um das Werk der beiden vorgenannten Autoren zu würdigen und es einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Die hier gemachten Beobachtungen und Beschreibungen lassen sich im Grundsatz auch auf den deutschen Kulturraum anwenden, allerdings nicht zu 100%. Um aber möglichst nahe am Originaltext zu bleiben, habe ich es unterlassen, Beispiele aus der britischen Geschichte durch solche aus der deutschen Geschichte zu ersetzen. Die Grundzüge der geschichtlichen Abläufe, der Behördlichkeiten sowie der praktischen archäologischen Grabungsarbeit sind in beiden Ländern vergleichbar.

Kapitel 2

[Das folgende schildert die Situation in Großbritannien.]

Wie begann nun die Archäologie?
Ab dem Zeitpunkt, da die erste Pyramide fertiggestellt war, gab es Leute, die versuchten einen Weg hinein zu graben. Sobald der Vulkan, der Pompeii verschüttet hatte, begann sich abzukühlen, gab es reichlich Volk das sich daran machte zu buddeln, um Beute zu machen.
Schatzsuche hat immer schon eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Archäologie gespielt, genauso wie Recycling. Steine-klau gibt es wahrscheinlich, seitdem das allererste von Menschenhand gebaute Gebäude in der Menschheitsgeschichte zusammengefallen ist.

In den Sommertagen des 12. Jahrhunderts mochten die Mönche von St. Albans auf ihren Kirchturm gestiegen sein – was sie sahen, waren Linien trockenen Grases in ihren Feldern, die die Fundamente der römischen Stadt Verulamium markierten, die immer noch unter der Oberfäche schlummerten.
Nun waren die Mönche allerdings nicht aus einem akademischen Interesse heraus auf ihren Kirchturm gestiegen. Sie suchten billiges Baumaterial mit niedrigen Transportkosten. Aber wer sagt schon, das, wenn sie nach frei verfügbaren Ziegeln und Steinen gruben, sie nicht ebenso fasziniert waren von dem, was sie denn da zutage förderten?


Dies war sicherlich der Fall in Much Wenlock in Shropshire. Im Jahre 1101 zerfiel die Kirche in ihre Einzelteile – als zwei Jungen durch ein Loch im Boden fielen und in diesem ein Skelett fanden. Die örtlichen Mönche wußten dank alter Dokumente, das ihre Kirchenpatronin, die heilige Milburga, irgendwo in der Nähe eines längst verschwundenen Altars begraben worden war. Um nun zu beweisen, daß dieses Skelett das der Milburga war, taten sie, was seitdem zahllose Archäologen immer wieder taten: Sie gruben in alle Richtungen.
Und dann, als sie den verschwundenen Altar gefunden hatten, reinigten sie ihren „Fund“ – das soeben zur heiligen Milburga erklärte Skelett – bevor sie es in einem brandneuen Schrein ausstellten. Auch dies ist kein Fall einer rein akademischen Untersuchung, aber was heißt das schon in der Archäologie?


Im Jahre 1191, hundert Meilen entfernt in Glastonbury, fand eine weitere Grabung statt. Die dortigen Mönche legten zwei Skelette frei. Ziemlich schnell waren sie sich sicher, daß es sich um die Überreste von König Arthur [Artus] und seiner zweiten Frau, Guinevere, handelte. Woher wußten sie das? Weil sie neben den Knochen ein Bleikreuz fanden, auf dem geschrieben stand: „Hier liegt der berühmte König Arthur mit Guinevere, seiner zweiten Frau.“ Was für ein Volltreffer!
Diese neuen Reliquien würden Pilger und Geld anziehen – zumal Abtei erst kürzlich bei einem Feuer abgebrannt war.
Auch bei Hofe war der König sehr erfreut, denn die Körper zweier international so berühmter Persönlichkeiten in seinem Besitz zu haben, verlieh auch ihm einiges an Glaubwürdigkeit. Mit einem Mal schien die Zukunft von Glastonbury Abbey eine rosige zu sein.
War dies ein Beispiel von göttlicher Fügung? Nein.
Die Inschrift wurde später als Fälschung entlarvt. Nichtsdestotrotz sicherten sich die Mönche von Glastonbury Abbey damit einen wohlverdienten Platz in den Geschichtsbüchern: nämlich den ersten bekannten Fall von Betrug in der Geschichte der Archäologie.

Aber waren die Menschen des Mittelalters an Ruinen nur als Quelle für Baumaterial und ggf. Prestige interessiert? Kam es ihnen nicht in den Sinn, das die antiken Monumente ihnen zahllose faszinierende Geschichten über ihre eigenen Vorfahren hätten erzählen können?
Sicherlich die meisten, sogar die ungebildeten und armen, hatten eine vage Vorstellung davon, das die Römer Britannien für gut vier Jahrhunderte besetzt und ein massives, zerbröckeltes Erbe zurückgelassen hatten.
Aber sonst schien kaum irgendeine Form von antiker Architektur als solche verstanden – oder gar als solche erkannt worden zu sein. Der große Historiker Beda, er schrieb im 8. Jahrhundert, unternahm den Versuch einer Chronik der Geschichte der Menschen in Britannien – Stonehenge erwähnte er mit keinem Wort.
Bis ins 16. Jahrhundert dachten die Menschen, die diese massiven Steine in der Salisbury Plain überhaupt kannten, es handele sich um ein afrikanisches Monument, das von Giganten über das Mittelmeer gehievt und dann in Irland abgesetzt worden war, um als Wandkonstruktion für ein enormes Badehaus zu dienen. Dann seien die Steine magischerweise von Merlin „entführt“ worden, der sie auf der Salisbury Plain als Denkmal für den Sieg König Arthurs über die Sachsen neu platzierte.
Es dauerte weitere 350 Jahre, bevor die Wissenschaftler anfingen genauer zu verstehen, wie alt Stonehenge überhaupt ist. Aber selbst heute wissen wir nicht wirklich, welchen Zweck die Anlage hatte. Vielleicht erscheinen die heutigen Theorien zukünftigen Generationen genauso unglaubwürdig wie das Seemansgarn über die „Waschgelegenheiten der Giganten“.


Wenn sie also so lange ignoriert wurden, wie begannen die Menschen sich Wissen über die antiken Monumente in Britannien anzueignen?
Die erste Person, von der wir wissen, das sie ausreichend an alten Ruinen interessiert war, um sie im Detail zu beschreiben, war ein Priester namens Gerald, der im späten 12. Jahrhundert lebte.
Er befand sich auf einer Rundreise mit seinem Bischof durch Wales, um die Bevölkerung für die Teilnahme an den Kreuzzügen zu gewinnen. Dabei fertigte er einen Reisebericht an, in dem er die Monumente beschrieb, die er sah. Er hatte ein wirklich gutes Auge für Architektur und notierte sich Dinge, die anderen Leuten entgehen: So beschrieb er beispielsweise die Ruinen des [röm., Anm. d. Ü.] Forts in Caerleon folgendermaßen:
Viele Spuren seiner ehemaligen Pracht sind immer noch zu sehen. Große Paläste, verziert mit goldenen Dächern, in Nachahmung römischer Größe. Man findet sie innerhalb wie außerhalb, zu beider Seiten des Mauerrings; unterirdische Bauten und Durchgänge, Wasserleitungen und – was ich wert finde zu bemerken – kunstfertig ausgeführte Öfen, die ohne erkennbaren Sinn, ihre Hitze durch schmale Röhren in den Wänden ableiten.
Mit anderen Worten: Gerald hatte eine römische Hypocausten-Heizung entdeckt!

Heutzutage ist es für uns nahezu unmöglich, sich eine Zeit vorzustellen, in der unsere Monumente weder beschrieben noch katalogartig erfaßt sind. Aber das erste Beispiel das wir von jemandem haben, der eine detaillierte Liste alter Ruinen aufzeichnet, geht ins Jahr 1478 zurück. William Worcester verbrachte sein Arbeitsleben als Sekretär von Sir John Fastolf (die Inspiration für Shakespeare, als er den lüsternen, betrunkenen Falstaff in „Henry IV“ entwarf).
Als er sich ins Privatleben zurückzog, seinen geizigen Arbeitsgeber endlich losgeworden, unternahm William eine zweijährige Wanderung von Norfolk nach Cornwall, auf der er sämtliche Kirchen, Burguinen, Stadtmauern, ja sogar die großen Hügelbilder, bis ins Detail beschrieb, die ihm unterkamen.

Eine etwas exzentrischere „Forschung“ ereignete sich in den 1530er Jahren. Ein junger Diakon, John Leland, bekam den königlichen Auftrag von Heinrich VIII. die Klosterbibliotheken des Landes nach „wichtigen Texten und Textsammlungen“ zu durchsuchen, damit sie „aus dem Dunkel des Todes wieder ans Licht des Lebens“ hervorgeholt würden. In Wahrheit bedeutete dies nichts anderes, als das, als Heinrich VIII. die Klöster der Reihe nach schließen ließ bzw. konfiszierte, eine umfangreiche Menge der Bücher aus diesen Klöstern in seinem Palast endete. Aber als Leland mit diesem Auftrag das Land bereiste, so verzeichnete er auch gewissenhaft die verschiedenen alten Gebäude, die er sah. Dies war für viele dieser Bauten das erste Mal, das sie als solche erkannt und aufgezeichnet wurden. Für nahezu 200 Jahre verstaubten Lelands Aufzeichnungen im Regal, ignoriert als das Gschwafel eines Sonderlings. Möglicherweise wurden sie im Jahre 1710 einmal veröffentlicht, aber es dauerte bis zum frühen 20. Jahrhhundert, bevor ihr wahrer Wert erkannt wurde. Nun geben diese Aufzeichnungen uns ein einzigartiges Bild des Englands des ausgehenden Mittelalters.
Die Motivation König Heinrichs VIII. scheint ersteinmal reine Plünderung gewesen zu sein, und das ganze Unterfangen trieb Leland anscheinend komplett und unwiderruflich in den Wahnsinn.
Aber beide, John Leland und William Worcester, zeigen, das die Menschen begannen sich für die Vergangenheit, namentlich der Bauwerke und [Kultur-]Landschaften in Großbritanntien zu interessieren.

Diese neue Pseudo-Wissenschaft brauchte alsbald einen Namen: Die Bezeichnung lautete „Antiquarianismus„. Richtig „Anlauf“ nahm diese neue Disziplin, als die ersten Forscher aus dem neuentdeckten Amerika heimkehrten. Sie brachten Erzählungen mit von „Wilden“, die sie Indianer nannten. Die Gelehrten des 16. Jahrhunderts waren regelrecht begeistert von diesen „Wilden“ und ihrer Körperbemalung. Sie schienen die perfekten Beispiele dafür zu sein, wie die Ureinwohner Britanniens in der grauen Vorzeit einst ausgesehen haben mochten. Die Künstler der Tudor-Zeit fertigen lebhafte Zeichnungen von indianischen Holzkreisen an, die an Stonehenge erinnerten, und die darin tanzenden Eingeborenen waren ein perfektes Abziehbild der Figuren aus Disneys „Pocahontas„.
Das Bildnis einer barbusigen, über und über blau tätowierten, schwertfuchtelnden Frau, wie sie vom Forscher und Illustrator John White gezeichnet wurde, mag nicht historisch korrekt sein, aber Sie mögen sich vorstellen können, wie eingehend und langwährend sie von den ernsten Mitgliedern der Royal Society untersucht wurden.
Die Tatsache, das diese primitiven Leute nur Steinwerkzeuge besaßen, faszinierte die Antiquare sehr. Tausende von großen, blank behauenen Steinen waren in Britannien seit dem Mittelalter gefunden worden – aber niemand konnte erklären, um was es sich dabei handelte. Hergestellt durch Feen, oder als das Rasultat von Blitzeinschlägen angesehen, wurden sie als magische Glücksbringer gehandelt und verkauft – um im Dachgiebel aufgehangen Schutz gegen Blitzeinschlag und Feuer zu bieten.
Aber nun, als man sie mit den Werkzeugen der Indianer verglich, wurde es offensichtlich, das diese sonderbaren, schönen und blank polierten Artefakte Äxte aus Feuerstein waren – hergestellt von unseren weit zurückliegenden Vorfahren. Die Kenntnis um unsere prähistorische Geschichte nahm Gestalt an.


Der große Antiquar John Aubrey (1626-97) war der erste, der die großen Steinkreise Britanniens in vor-römische Zeit datierte, und zwar in die Zeitepoche, in der die Menschen die steinernen Äxte benutzten.
Er erregte damit die Aufmerksamkeit seines Gönners, König Charles II., nach dessen Besuch des Steinkreises von Avebury, einem Ort, der bis dahin wohl komplett übersehen worden war. „Seine Majestät„, so schreibt Aubrey, „ordnete an, das ich bis an den Grund der Steine grübe…auf das ich irgendwelchen menschlichen Knochen fünde, aber ich tat dies nicht.“ Ob er es aus Faulheit unterließ oder dankenswürdigerweise das archäologische Erbe Britanniens schützen wollte, ist nicht überliefert.


Aber das 17. Jahrhundert war nicht nur die Zeit, um die Landschaft auf der Suche nach bis dato unbekannten Fundplätzen auf den Kopf zu stellen. Es war ebenso der Beginn der großen Zeit der Sammlungen. Die begüterte Oberschicht begann, ihre eigenen Sammlungen an interessanten Artefakten anzulegen. Einer der berüchtigsten dieser Sammler war Elias Ashmole, ein Diener des Königs, der von der faszinierenden Sammlung im Besitz des Forschers John Tradescant und seiner Frau Hester hörte, und ihnen anbot, diese zu katalogisieren.
Dann drängte er das Paar dazu, ihm diese Sammlung „aus freien Stücken“ zu überlassen. Doch John änderte seine Meinung später, und vermachte seine Sammlung testamentarisch dem König. Nach seinem Tod hatte Elias nichts eiligeres zu tun, als in das Haus neben Johns Witwe Hester zu ziehen, peinlich darauf bedacht, das sie nichts aus der Sammlung verschenken oder veräußern möge. Neun Jahre später wurde die arme Frau in ihrem eigenen Gartenteich ertränkt aufgefunden. Elias entfernte promt alle Gemälde und Artefakte der Sammlung aus ihrem Haus und Garten, sobald er davon hörte.
Aus diesen schäbigen Anfängen entwickelte sich das erste öffentliche Museum in Britannien: „the Ashmolean“ öffnete im Jahre 1683. Obwohl Elias Name immer noch als der Name des Günders gilt, so sind doch die Eheleute Tradescant nicht komplett vergessen: Während sie nämlich neue botanische Proben in Virginia sammelten, gaben sie einer Pflanze ihren Namen – Tradescantia. Eben jene kleine Zimmerpflanze, die seitdem als Staubfänger auf den Fensterbänken Britanniens sitzt – von Bodmin bis Inverness.

Im 18. Jahrhundert begannen gebildete Männer aus der Mittelschicht, auf der ganzen Welt Dinge zu vermessen und aufzuzeichnen – was auch immer ihnen unter die Augen kam. Diese Beobachtungen mündeten in einer Reihe von Wissenschaften. So war es mit der Archäologie genauso wie mit der Geographie, Geologie und der Naturgeschichte.
William Stukeley (1687-1765), ein Arzt und ehemaliger Vikar, führte minutiöse Vermessungen in Stonehenge durch. Außerdem ergrub er dort Bestattungen – dies sind die ersten Aufzeichnungen einer richtigen archäologischen Grabung, die wir kennen.
Seine Erkenntnisse führten Stukeley zu der Annahme, das diese Begräbnisse nicht, wie vorher vermutet, für die Toten einer bedeutenden Schlacht gewesen waren, sondern vor-römische „Bestattungen von Königen und hohen Persönlichkeiten während einer beträchtlichen Zeitspanne des Friedens“ waren.
Seine Arbeit ist bemerkenswert professionell für diese Zeitperiode, aber als seine Ergebnisse 1740 veröffentlicht wurden, hatte er seine Meinung unglücklicherweise radikal geändert. Er war nun besessen von der Idee, Druiden hätten Stonehenge als auch Avebury errichtet. Ja – er verkleidete sich selbst sogar als druidischer Hohepriester und vollführte druidische Rituale. Während man das noch nachsichtigerweise als „etwas bekloppt“ bezeichnen kann, so manipulierte er traurigerweise ebenso seine Funde, um seine neuen Theorien zu untermauern. Somit ist er der urspünglich Verantwortliche für die bis heute andauernde und falsche Assoziation zwischer Druidentum und den großen Steinkreisen.
Man kann im zugute halten, das er erst die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machte, das die Steinkreise Plünderungen und Mißbrauch ausgesetzt sind. Aber es ist eine Ironie, das seine betrügerische „Wissenschaft“ die Inspiration für das alljährliche Chaos zur Sommersonnenwende, wie wir es heute auf der Salisbury Plain erleben, werden sollte.

Im frühen 19. Jahrhundert wurde das Ausgraben von alten Artefakten zum Hobby für gebildete Gentlemen. Ihre Ehefrauen und Töchter machten derweil ein Picknick, und sahen ihren unerschrockenen Männern und Vätern dabei zu, wie diese die gedungenen Landarbeiter bei der Plünderung von Britanniens Hügelgräber überwachten. Die hierbei gefundenen Urnen und Pfeilspitzen endeten in der Regel im nächstgelegenen Herrenhaus, im dortigen Kuriositätenkabinett einträchtig vereint mit ähnlichen Funden aus der Türkei, Griechenland und Ägypten.

Aber wie alt genau waren diese Trophäen?
Im 17. Jahrhundert hatte der Erzbischof James Ussher (1581-1656) anhand seiner Bibelstudien ausgerechnet, das die Welt im Jahre 4004 vor Christi Geburt erschaffen worden war. Dieses Datum war sogar auf den Umschlag der offiziellen King James Bibel [wegweisend f d. engl. Sprache, vgl. Lutherbibel f. d. dt. Spr, Anm. d. Übrs.] gedruckt.
Aber die Wissenschaft den 19. Jahrhunderts hatte ernsthafte Zweifel an dieser Berechnung. In ganz Europa erkannten die Geologen, das die Prozesse, die Felsschichten, Fossilien und Flußablagerungen formten, weit mehr Zeit benötigten, als es der Zeitrahmen von Bischof Ussher zuließ. Zusätzlich enthielten einige der sehr alten Schichten menschengemachte Werkzeuge, so das es offensichtlich wurde, daß die Menscheit länger auf diesem Planeten lebte, als bisher angenommen.
Im Jahre 1859 veröffentliche Charles Darwin sein Werk „über die Entstehung der Arten“ und bewies damit, das nicht nur Pflanzen und Tiere sich über Jahrtausende entwickelt hatten, sondern auch die Menschen und ihre Werkzeuge über einen ebenso langen Zeitraum.
Die Kuratoren der Museen saßen zwar förmlich auf Bergen alter Werkzeuge, wußten diese aber nicht nach den Zeitperioden zu kategorisieren, in denen sie hergestellt worden waren. Schließlich war es ein Däne, Christian Thomsen (er starb 1865), der beschloß, sie nach dem Material zu benennen, aus dem sie gemacht worden waren: Stein, Bronze und Eisen.
Die tiefsten Funde waren aus Stein, die am nächsten der Oberfläche gefundenen aus Eisen – so schien es für geboten, dies als die richtige chronologische Reihenfolge anzusehen. Die Einteilung in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit war geboren.
Dann – im Jahre 1880 – revolutionierte ein Mann die Welt der Archäologie vollkommen. Ein kränklicher ehemaliger Armee-Landvermesser namens Augustus Lane-Fox, der bereits Antiquitäten in der ganzen Welt gesammelt hatte. Er erbte ein großes Gestüt an der Grenze zwischen Wiltshire und Dorset, unter der Bedingung, das er seinen Namen zu dem des Erblassers abänderte: Pitt-Rivers. Er willigte ein, und begann daraufhin das komplette Gelände seines neuen Besitzes umzugraben. Es erwies sich als picke-packe-voll mit steinzeitlichen, bronzezeitlichen und römischen Funden – und er hatte das Geld, die Zeit und die Arbeitskraft um die Sache gründlich zu machen. Seine Arbeit ist die Blaupause einer wissenschaftlichen Grabung: Er grub, er zeichnete auf und er publizierte gewissenhaft. Er schrieb alles nieder. Er unterstellte jedem einzelnen Fund, den er ausgrub, das dieser wichtig für das Verständnis des gesamten Grabungsareals sei.

Grundsätzlich„, so schrieb er, „zeichnen Ausgräber nur das auf, was im Moment wichtig erscheint. Aber neue Fragestellungen werden auftauchen, und schwerlich werden sie zu lösen sein, wenn ihre Anhaltspunkte der Aufmerksamkeit entgangen sind…. beim zurückblättern nach Beweisen in älteren Aufzeichnungen; die Dinge, die den meisten Wert besitzen, wird man übersehen haben, da man dachte, das sie zu diesem Zeitpunkt uninteressant seien. Demnach sollte jedes einzelne Detail aufgezeichnet werden.
Augustus Pitt-Rivers umschrieb damit die Grundregel, die als Basis der modernen Archäologie gilt.

Blog-Interview durch neediesBlog

Die liebe needie hat auf ihrem Blog ein paar Fragen an interessierte gerichtet, die ich gerne für sie beantworten möchte 🙂 Die Fragen sind ihre, die Antworten meine.

Hier kommen die Fragen

1. Dein Twittername (falls vorhanden). Bitte nur angeben, wenn ihr ihn veröffentlicht haben wollt

  • @ChefleGrand // @derMannvomFluss

2. Deine Neigung (Dominant, Submessiv, Switcher, devot, masochistisch, sadistisch. Gerne auch weitere Punkte)

  • Ich bin sadistisch-dominant. Trotz das gerade in der Szene „switch“ in zu sein scheint, verspüre ich immer noch keine devot-masochistischen Neigungen.

3. Aktueller Beziehungsstatus (Single, Spielbeziehung, D/S, Poly, verheiratet..)

  • Ich bin derzeit alleinstehend.

4. Wann wurde dir klar, daß du diese Neigung hast? Oder bist du dir nicht sicher, daß du sie hast?

  • 2014, im Januar/Februar. Sicher bin ich mir schon, nur habe ich diese Neigung nicht immer rund um die Uhr.

5. Hast du schon Erfahrung gemacht? Oder bist du unsicher /hast Angst?

  • Oh ja! Unsicherheit habe ich jedesmal wieder. Bis es losgeht. Dann nicht mehr. Sobald der erste Augenkontakt, die erste Berührung geschehen ist.

6. Hast du Vanilla Beziehungen gehabt?

  • ja natürlich. Das waren zT. auch schöne, gute Beziehungen.

7. Was ist dein ganz spezieller kink? Der dich sofort feucht /hart werden lässt?

  • Das ist von Spielpartnerin zu Spielpartnerin unterschiedlich- je nachdem auf welcher Art von gemeinsamer Kopfkinowelle man reitet. Grundsätzlich würde ich aber sagen: „Selbstbewußter Masochismus.“

8. Würdest du dich auf Wunsch piercen/ tätowieren lassen? Würdest du es von Sub /Sklavin erwarten?

  • Nein. Jeder Mensch sollte in seiner äußeren Erscheinung selbstbestimmt sein, was dauerhafte Merkmale angeht.

9. Hast du schon schlechte Erfahrungen gemacht?

  • Nicht viele, jottseidank. Und auch die eher im „Vorfeld“, nicht im Spiel selbst. Wenn man sein Gegenüber mit Anstand, Würde und Respekt behandelt, dann minimiert das schon von vorneherein die Möglichkeiten für schlechte Erfahrungen.

10. Gibt es Dinge, die sich geändert haben? Also was Tabu war, würdest du jetzt tun.

  • Ich hatte Respekt vor „fest an die Kehle packen“, so komisch das klingen mag. Aber nach guten Erfahrungen (übrigens nicht im bdsm-Kontext im engeren Sinne!) traue ich mir das nun zu.

11. Was wären Dinge, die du niemals tun würdest.

  • Mit Messern am Hals hantieren, Haken oder Nägel durch Brüste schlagen oder stechen, Atemkontrolle mit Plastiktüten. Das ist mir einfach zu gefährlich und zu körperverletzend.

12. Wie sehr unterscheidet sich dein Kopfkino von der Realität?

  • Manchmal meilenweit, manchmal gar nicht so sehr. Es kommt halt auf den Inhalt des Kopfkinos und die betreffende Person an. Wenn das Kopfkino nicht personenspezifisch ist, dann kann das natürlich sehr surreal sein.

13. Wie wichtig sind dir Symbole?

  • Symbole sind mir bedingt wichtig. Ich brauche sie nicht, um mich selbst damit zu identifizieren. Wenn ich sie nutze, dann aus meiner Überzeugung/Neigung heraus.

JoyClub – Vorstellung,

Sehr geehrte Damen (und Herren…)

Wie Sie sicherlich selbst wissen, befinden wir uns hier auf JoyClub – eine Seite, auf der man erstmal seine mehr oder wenige vorhandenen Sexualpräferenzen darlegen muß. Also ist es müßig, im eigenen Profil lang und breit zu beschreiben, wie der/die“ideale Partner/in“ auszusehen hat. Niemand ist perfekt.
Auch ich nicht. Als 1,74m großer Raucher falle ich eh schon durch so manches Raster – hoffentlich auch durch das derjenigen, bei denen ein Mann mindestens 1,80 groß sein muß. Ein Mann muß gar nichts. Frau übrigens auch nicht. Ich könnte mir auch eine „Traumfrau“ gedanklich zusammenbasteln – die aber hier finden zu wollen, wäre dann doch etwas vermessen.
Die „Chemie“ muß stimmen, die Wellenlänge. Nicht die Körbchengröße oder Penislänge. (Beides gibt es im Idealfall als Bonbon noch obendrein.)
Ob Sie gerne mit einer Harley fahren, reiten, exessiv joggen, oder aber gerne ins Theater, auf Konzerte gehen: Denken Sie an den ersten Satz oben. Sollten wir uns mal wirklich live in die Augen blicken, werden wir beide nervös sein, und (man verzeihe mir das vulgäre Wort) eigentlich gern FICKEN wollen. Und uns bei einem überteuerten Cappuccino möglichst intelligente Gesprächsbausteine einfallen lassen, die so peinlich sind, das sie jedem Teenager gut zu Gesicht stünden. Entweder wollen wir sofort nur noch weg, oder „zur Tat schreiten“. Eins von beiden.
Ob es dazu kommt bzw. kommen kann: Entnehmen Sie bitte der Vorlieben/Abneigungsliste unten.
(Hierzu sei übrigens gesagt: Alles kann nichts muß. Nur weil mir etwas grundsätzlich gefällt, werd ich es tunlichst unterlassen, das von einer Partnerin auf Teufelkommraus zu verlangen. Wer bin ich denn?! Im übrigen respektiere ich no-gos. Punkt.)
Außerdem: Eine längergehende erotische Romanze ohne jeglichen perversen Kink wiegt mehr, als ein total mißglücktes bdsm-ONS-Date.

bdsm: Es gibt Menscheninnen, die behaupten, ich hätte eine dominante Ader, und wäre auch ein „guter“ Sadist. Tja nun? Was soll ich sagen? Ich selbst würde am ehesten über mich sagen: Ich mache Frühstück und bring es ggf. sogar ans Bett. Das ist das mindeste an Anstand, das man(n) einer Frau entgegen bringen sollte, wenn man sie zuvor (und danach) fesselt, schlägt und in alle ihre drei Löcher fickt. (überspitzt ausgedrückt). Will ich nur ficken? Nö. Aber ich erinnere an den ersten Satz. Wir sind hier nicht in einem romantischen Bergdoktor-Roman, sondern im JoyClub. Und da wir alle hier Erwachsene sind (Zumindest dem Gesetze nach; DU bist ein großes Mädchen und ich bin ein großer Junge), wissen wir, daß man im Leben auch manchmal One-Night-Stands hat. Die gut oder schlecht sind. Oder längere Affären. Die gut oder schlecht sind – bishin man womöglich eine/n Lebenspartnerin findet – das KANN alles passieren.

Ich kann Frauen zum lachen bringen. Improvisiere 4zeilige humoristische Reime aus dem Stehgreif. Massiere den Rücken. Ich kann stundenlang über so etwas langweiliges wie Geschichte sprechen (ich bin nebenbei, studierter Historiker), ohne das es langweilig dabei wird. Auch wenn Geschichte Dein schlechtestes Fach in der Schule war.
Ich kann Dich aber auch auspeitschen. Dir den Rücken/Hintern in allen (vorher einvernehmlich abgesprochenen) Farbschattierungen mit diversem Werkzeug marmorieren. Dich fesseln. Dich eine Stunde auf dem Boden liegen lassen. Dich erniedrigen. Anpissen.
(wie gesagt: das kann, muß aber nicht so sein). Das ist keine Beliebigkeit – sondern: Ein auf den Gegenüber eingehen. Und was der/die Gegenüber braucht/nicht braucht (ungeachtet aller Vorlieben-Listen), das sieht man am ehesten im live-Augenkontakt. Bei dem überteuerten Cappuccino. Weglaufen können wir dann beide immer noch.

Gnä‘ Frau: Wenn Sie bisher durchgehalten haben:


Was mag ich?

  • Bodenständigkeit. Seien Sie Sie selbst.
  • Das „rrrr“ in den Augen. Wenn ich sehe, daß Du ein „böses Mädchen“ bist, bin ich auch ein „böser Junge“. (Gott, war das grad kitschig…?!^^)
  • kinky. dreckig. böse.
  • schöne Augen. Die mir was erzählen. Ohne das auch nur ein Wort gesprochen wird.(ok, das war besser…)
  • wenn „Sie“ von selbst merkt, das mir in der Kuschelhaltung der Arm einschläft, und ich diesen dann wieder wach rütteln kann
  • Nagellack. Und sehnige, schmale Füße. Ich bin kein(!) 100%iger Fußfetischist, aber, selbst wenn Gnä‘ Frau „Fuß“ nix abgewinnen kann: Sind die schmal, (sehnig) und gepflegt, ist das schon mal ein (optionales) Plus. (aber bitte gewaschen. Ich hab vielleicht dreckige perverse Kinks, aber so schlimm isses dann auch nicht!)
  • wenn frau bockig ist – und sich (weil kink) gerne eine runterhauen läßt. „um zu spuren“. (das ist eine schöne Phanatsie, für die, die das mögen. Aber wie gesagt – ich kann auch ohne das. Ist ja nur ne Aufzählung, was ich mag, nicht was ich muß)
  • Schamhaare?! Hm ja. (das wird jetzt eine blödesten Sätze, die sie je auf JC gelesen haben, Achtung räusper… „je schlanker die Frau, desto mehr (gut getrimmt/gepflegten Bewuchs (kein Theresa-Orlowsy-Urwald! Bitte, wir sind nicht mehr in den 80ern!) find ich anregend – umgekehrt: je runder die Dame, destoweniger dessen.) Ich mache nicht zwangsläufig Konzessionen an die Figur. Wenn unsere Chemie stimmt, wir unser „Hirn ficken“, dann ist die Figur erstmal zweitrangig!. (Wenn Sie allerdings gertenschlank und blank rasiert sind, wäre ich der letzte, der sich beschweren würde!)
  • ich mag es, frau zu lecken. (mal ausgenommen, das steht auf der „geht gar nicht Liste“. Abdr grundsätzlich – und das muß ich einfach der Pflicht und Schuldigkeit -sowie meinem eigenen Willen nach- in Kauf nehmen: ich lecke gern. EGAL wie sehr ich mir davon einen steifen Hals hole. Aber wenn ich mirmir einen Blowjob wünsche/erhoffe/erwarten darf, dann wird auch zurückgeleckt. Eine Frau ohne Orgasmus ist Driss(wie wir im Rheinland sagen). (Ausgenommen davon Spielkonstellationen,wo „sie“ drauf verzichtet, kommen zu wollen/müssen. Ok. Das geht auch. Aber vom Grundsatz her- es soll beiden Spaß machen.

Was mag ich nicht?

  • frivoles Gehabe und nix dahinter
  • Dschungelcamp/Lets Dance und (meistens) die Zuschauer*innen dieser Sendungen/Sender.(Ausnahmen möglich – wie war das: magst du anal?)
  • Menschen, die nur Kulturradio und arte konsumieren. (ein bißchen bis viel Bildung ist ja ok, aber im Zweifelsfalle bin ich eher der Typ Eintopfgericht statt Schicki-Micki-Nobel-Restaurants. Wenn Sie also zufälligerweise Kunstgeschichte studiert haben sollten: Mädchen, dann mußt du schon verdammt gut blasen können…!)
  • „auch nur ein ONS zu sein“. (Ja, auch ich hab Gefühle. Also nicht „Gefühle“, sondern „Gefühle“. Dieses „nur einmal und niemehr wieder“ find ich doof. Wenns uns beiden Spaß gemacht hat, dann kann man das gerne auch mal wiederholen/ausbauen!)
  • militante Tanten. Ich rauche, und esse Fleisch. Ich verzichte gern auf beides während eines „Zusammenseins“ – und gehe auch notfalls in einen anderen Raum/auf den Balkon (ja genau, um eine Fleischwurst zu rauchen). Ich organisiere sogar laktosefreie Sojamilch, wenn es nötig ist. Aber versuche mich nicht zu bekehren. Wir sind keine Missionare. Und wegen der Missionarsstellung sind wir beide nicht hier, oder? ODER?
  • „Fernwartung“: was nützt es mir, wenn ich dir über 300km per WhatsApp die Anweisung gebe, daß du dich nackend hinknieest? Da hab ich nüscht von.

Ich bin ein Typ von „Live. Augenkontakt. DU und ICH. HIER.“
Ich bin nicht 1,80 groß und auch nicht reich.
Aber ich habe eine Männerschulter, in die ein „Mädchen“ paßt. Für eine Nacht, für eine Affäre oder (tja nun…mal sehen was sich ergibt).
Wenns paßt mach ich „aua“ UND Frühstück.
Ich habe vielleicht „nur“ einen deutschen Durchschnittspenis, aber dem Vernehmen nach eine „Stahlbetonlatte“. (Hier könnte ich eine Userin als Referenz angeben! – nach Absprache leite ich das gerne weiter, sofern frau sich einstweilen nicht selbst davon überzeugen möchte.) Einmal kommen reicht mir nicht.
Andere Userin… moment? Ähm..?
Ja, das hätte ich beinahe vergessen: Ich bin NICHT verheiratet, und habe KEINE Kinder. Versprochen!
Ich bin so ungebunden und „frei“ wie man(n) diesbezüglich nur sein kann.
Im Gegenzug respektiere ich aber, wenn eine Frau verheiratet ist und/oder Kinder hat. Das ist ok. Wer bin ich, das als Ausschlußkriterium zu benutzen. Aber wenn Du Interesse an mir haben solltest, dann mach bitte kurz vor knapp nicht noch nen Rückzieher.

Ich verspreche hoch und heilig! das ich „50 shades of Dingenskirchen“ weder gelesen noch als Film geschaut habe! Alles, was ich (bei gegenseitigem Einverständnis(!)) mache, mache ich nach Gefühl und aus dem Handgelenk.
Verschonen Sie mich bitte auch mit „der Herr leitet mich und gestattet es mir zu atmen“ – Gehabe. Du atmest, wenn dir die Luft dazu fehlt. Selbst wenn Du mir zu Füßen knieen solltest – wer bin ich denn, daß ich Dir ein Formular überreiche, das du in dreifachr Ausfertigung abzuzeichnen hast?!
Atme selbst! Und wenn du mich „Herr“ nennen sollen würdest, dann wirst du das von selbst merken, wenns soweit ist. Bis dahin hab ich einen Vornamen (den erfahren wir dann gegenseitig beim Cappuccino).
Spätestens, wenn du beimdeepthroat würgen mußt, wirst du mich von selbst „Herr“ nennen – wenn du das möchtest. Wenn das absolut nicht dein Ding ist, dann lassen wir das – und ich werd dir keinen Strick draus drehen. (Es sei denn, du stehst aus Strangulation – aber auch das ist eben „nur“ Verhandlungssache).

So – genug der vielen Worte. Wenn Du/Sie, Gnä‘ Frau gerade denkst: „Der Typ hat doch nen Sprung in der Schüssel?!“ – dann sind Sie hier genau richtig. Laß mich in Deine Augen schaun, Mädchen!

(einen Hinweis in noch (fast) eigener Sache: Als „Solo-Mann“ ist man auf diversen Portalen im Internet ohnehin das Geschmeiß dieser Erde. Ich möchte mich stellvertretend für meine Geschlechtsgenossen für die ganzen plumpen Sprüche, Kommentare, Anmachversuche und private Nachrichten entschuldigen. Diese „Heimwichser“ (zu denen ich rein technisch gesehen auch zähle) – wissen nicht, was sie tun. Aber es ist unwürdig.
Von daher werde ich mir persönliche Nachrichten wohl überlegen, und möglichst gut formulieren, bevor ich sie abschicke. Einzelne Rechtschreibfehler sind keine Dummheit, sondern der Aufregung geschuldet! (Als Mann zahlt man 79 € für 6 Monate! – Da ist man schon mal nervös, wenn man(n) frau anschreibt!).

So – jetzt aber. Ich bin ein Mensch. Mit Fehlern. Mit Erfahrung(en). Mit Höhen und Tiefen. Und „Mann“ bin ich nebenbei auch noch. Bei beiderseitigem Wohlgefallen sogar einer, bei dem man Spaß haben kann, und gut behandelt wird. Egal, wie lang es hält.
Ich bin ich.

M.

Einkauf. beim NORMA

ein normaler, alltäglicher Vorgang.

Stellen Sie sich vor, das Auto ist ein Schiff.
Und jedes mal, wenn wir einen Supermarkt ansteuern, dann ist es, als ob der Einkaufskorb das Beiboot ist, mit dem wir an Land rudern – denn der Parkplatz des Supermarkts ist der Hafen, und das Schiff liegt in solchem vor Anker. (Außerdem kann man mit einem Auto schlecht in einen Supermarkt fahren.)
Am Landgang behufs des Einkaufens nehmen für gewöhnlich sowohl der Chef als auch Herr Weitwinkel teil. Begleitet vom Zahlmeister, zwei Marinesoldaten und 2-3 Matrosen, die die Einkäufe schleppen. Meistens ist es dann so, daß der Chef mit einem der Marinesoldaten loszieht, um Bier, Milch und Tabak zu kaufen, und der Rest des Landkommandos unter der Leitung des Herrn Weitwinkel die übrigen Regale abklappert. Als Treffpunkt wird dann „vor der Kasse“ ausgemacht.
Der Chef hält neben den Einkaufsplan natürlich auch Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts im Auge – man kann ja nie wissen. Alles zwischen 15 und 55 wird in 0,4253 Sekunden gerastert, analysiert – und eigentlich immer ad acta gelegt.
Ein abenteuerliches Schauspiel ist es, wenn Weitwinkel, und der Zahlmeister, der meistens einen Dreispitz trägt, eine mit einem Gänsekiel beschriebene, büttenpapierne Einkaufsliste abklappern. Dabei kommt es auch vor, das sich Weitwinkel von den Matrosen hochheben läßt, um in die obersten Regale sehen zu können. Bisweilen kauft er dann auch Waren, die ihn spontan faszinieren aber gar nicht auf der Liste stehen.
Nachdem der Einkauf getätigt ist, und die Matrosen die Einkäufe ins Beiboot verfrachten, der Zahlmeister den Einkaufszettel, den Kassenbeleg und die PayBack-Karte mit Weitwinkel durchgesehen hat, streiten dieser und der Chef hin und wieder darüber, ob diese oder jene Ausgabe denn wirklich notwendig war. Dann rudert der Einkaufskorb zurück über den Parklplatz (durch das Hafenbecken) zurück zum Schiff. Dort wird dann alles – wie auf einem großen Schiff – im Laderaum verstaut, und der Maschinentelegraf rattert. Das Ausparken aus der Parklücke ist das Ablegen des Schiffes vom Pier: Die Wachoffiziere lehnen sich über die Brüstung der Brücke, um einen Blick nach hinten zu haben, reichen die Entfernung zum Ufer auf die Brücke weiter; der Rückwärtsgang ist der klingelnde Maschinentelegraf, im Maschinenraum rotieren die Zylinder.
Die Marinesoldaten, bei mancher emotional-politischer Großwetterlage sogar Johanna deClerk und ein paar ihrer Kampflesben, stehen Gewehr bei Fuß, und beobachten die Umgebung.
„Heck kommt frei“
„Backbordmaschine halbe Kraft zurück, vordere Spring kommt frei. Wegfrieren. Klar bei Deckkommando!“
Weitwinkel ist unterdessen in seiner Kajüte verschwunden, oder beschnuffelt die Einkäufe. Der Chef überwacht als „Eigner“ des Schiffes stumm auf der Brücke das Ablegemanöver, und geifert zu den Klängen des Autoradios(wdr2) innerlich über twitter, die bdsm Community, zu Tode tief gnarfend und nicht Galle spucken könnend, legt er mürrisch den Gang ein.
Ein Opel Astra, Baujahr 95 – unter den smarten Gefährten des 21. Jahunderts mit Navi, und mehr Computertechnik als in den Apollo-Mondraketen der Amerikaner verbaut war – da erscheint dieses alte Vehikel wirklich wie ein dampfgetriebener Seelenverkäufer. Es nützt auch nichts, daß die Maate und Heizer, wenngleich hohlwangig und abgekämpft, stolz darauf sind, daß der Kasten noch schwimmt.
Wenn der Kahn wieder auf offener See ist, und den Hafen hinter sich gelassen hat, steht meistens eine Frau in Uniform in der Tür zur Kajüte des Chefs.
Entweder K. oder Johanna.
„Martin…möchtest du die Tagespresse studieren? Das Dossier deiner TL – wer, was, wann mit wem und wie oft….“
Und immer öfter kommt nur ein unwirsches „Nein!“ aus dem inneren der Kajüte zurück. „Diese hohlhirnige Finsternis…. wenn die alle mal vom Leben so gefickt wären wie ich, dann würden sie alle wundgescheurt sein-und zwar oben wie untenrum! und dieses ganze bdsm Blabla, angefangen von der großen Lehrmeisterin bishin zum kleinsten Windelscheißerchen würden alle mal die Schnauze halten. Eigentlich sollten wir mal da…bei diesem Dingens aufkreuzen… ich kann mit meinem bloßen Blick, mehr als …ach was solls… konnte ich mal. Ich hab ja nicht mal mehr eine sporadische Gelegenheit, mir eine Krawatte anzuziehen. Aber wenn…. dann… ich mach mit einer Krawatte, selbst wenn ich sie nur trage, mehr als andere mit ihren 147 Gerten-Floggern, weiß der Kuckuck was… [Stimme wird leiser] ….zumindest war das früher so… [Stimme wird noch leiser] …zumindest war das früher so…“
Die Frau in Uniform an der Kajütentür hat schon längst augenrollend den Gang verlassen, und das Tagesdossier dem Archivar vom Dienst wortlos auf den Tisch geknallt, und ist in die Offiziersmesse – um sich zu betrinken.
Während der Chef noch gedankenversunken und abgestumpft, in seinen Erinnerungen seine Dominanz und Potenz wiederzufinden sucht, oder zumindest ein paar schemenhafte Hinweise dazu, steht Weitwinkel in der Tür. Klopft vorsichtig an.
„Huhu…. die Pfrau Chamäleon wünscht uns über Funk einen guten Morgen, Chef!“
„Danke gleichfalls!“
„…und…ähm…wir haben noch 9,60€, mein Chef. Das sind 10 Rechnungs-Euro, bzw. 9 Valuta-Euro. Da kommen noch hinzu 1,25€ an Pfand der Bierpflaschen, die Sie eben gekaupft haben, mümpfennämlich.“
Der Chef hat nicht zugehört. Oder er hat zugehört, aber dann nur als Untoter. Mit unbewegter Miene fragt er: „Wie lange noch?“
„Ähm…ähm… das muß nach unserem jetzigen Kenntnisstand noch 5 Tage reichen, euer Gnaden!“
Das reicht nie.
„Lassen sie die Rationen halbieren. Tabak nur auf Bezugsschein. Essenausgabe nach Vorschrift, keine Bevorzugung der Offiziere.“ Daumen und Zeigefinger an die Nasenwurzel gepreßt, die Augen verschlossen. „Ich hab nicht mal das Geld für neue Schnürsenkel. Schwarze Schuhe und Schuhwichse ist reichlich da – ich seh nachts um halb drei mit 2 Promille noch dominanter aus -und bin es auch-, als diese ganzen Schwafel-Heinis… aber ohne Schnürsenkel…“ [tiefes seufzen]
„Bitte was?“
„Ach nichts, Weitwinkel… nichts. Gehn` Sie. Ich komm gleich auf die Brücke. Und sagen Sie dem LI, er soll den Brennstoff peilen. Ich will nicht schon wieder mit dem letzten Tropfen die Aral ansteuern müssen.“
„Da sammeln wir aber Payback-Punkte, nämlich!“
[ orrr. seufz!]

„ICH WÄRE VERFICKT NOCHMAL FROH, WENN WIR NE SCHATZINSEL ANLAUFEN KÖNNTEN…und jetzt raus mit Ihnen!“
[„gehen Sie ihren Weihrauch, oder was auch immer sie unnötigerweise heute gekauft haben, beschnuffeln“ -> in Gedanken hinzugestezt]
Wie jeder gutaussehende, kompetente, mit Augen-die-frau-zum-feuchtwerden-veranlassende, aber leider leidende und zwangsweise hungernde und eine abgewetzte, reparaturbedürftige Uniform tragender Kapitän gießt sich der Chef erstmal ein Glas eines alkoholischen Getränkes ein. Das Schiff bewegt sich sanft in der Dünung. Der Astra rollt deshalb so gut über die Straßen des Landkreises Ahrweiler, weil der Asphalt hier genauso alt ist, wie das Auto selbst.
Durch das Oberlicht fällt etwas Licht in die Kajüte. Stumm sieht er dem blauen Dunst der Zigarette hinterher.
Im Hintergrund hört man die Kommandos an Deck.
„Zehn Grad Steuerbord! Lichtzeichen setzen!“ …der Maschinentelegraf rasselt.
„All die un- und fehl-gefickten Mösen meiner Generation, die mir versagt blieben… und jetzt sitzen Sie da..unglücklich… und lassen sich von der Premiummuschi belehren, wie man sich selbst noch schneller an die Wand fährt. Einfach mehr Vollgas geben…. nee…ich brauch das Tagesdossier nicht zu lesen. Ich WILL diese Welt gar nicht mehr hören. Alles, was ich in der Schule oder bei meinen Großeltern gelernt hab, ist heute verboten, verpöhnt oder ungesund. Das einzige was mich von den scheiß-beschissenen Nazis unterscheidet, ist der Glaube an den lieben Gott. Aber [Chef lacht verzweifelt diabolisch in sich hinein] das macht nichts. Das haben diese schwarzbelederten ignoranten Säulenheiligen der Gutmenscherei mit den Nazis gemeinsam: Dem Zimmermann aus Galiläa hören genausoviel oder wenig zu wie mir… Ach was solls…“
Müde reibt er sich den Kopf, bemerkt, das seine eigenen langen Gedankensätze nur für denjenigen noch einen Sinn ergeben, der auch in seinem Kopf wohnen würde, ihm zuhören würde.
Ein heftiges Reiben der Augen. Wieder wach sein.
Mürrisch, sehr sehr mürrisch, stapft er den Korridor entlang, und entert zur Brücke auf.
Ein Maat pfeift „Käptn auf Brücke“. Unwirsch läßt der Chef sich auf seinen Sitz fallen.
„neun Euro für 5 Tage…. “ seufzt er.
„BLINKER LINKS! Und beide Maschinen große Kraft voraus!“ Auf einmal ist er dann wieder wach. Hellwach. Und konzentriert.
„Obersteuermann! Ich erbitte mir ein Überholmanöver aus, bei dem selbst Falbalus und Ophelia Ehrenblowjobs als Lobeshymnen darbieten würden! Vollgas, wenn ich bitten darf!“
Der Obersteuermann knallt die Hacken zusammen, salutiert: „Jawoll mein Chef!“.
Der Motor heult auf.
Im Tank ist mehr heiße Luft als Benzin.
Weitwinkel hält sich in seiner Kajüte, von der plötzlichen Beschleunigung überrascht, verzweifelt irgendwo fest, während um ihn herum die Zitronen, mit denen er handelt, herumpurzeln.
Der Astra zieht mit Müh und Not, 70 verschlissene PS aussaugend, an einem lahmarschigen SUV vorbei. Von so einer unglücklichen Familienmutter MitteEnde 30, die auf ihrem geheimen Twitteraccount davon träumt, von einem Mann geschlagen, vergewaltigt und angepißt zu werden. Stattdessen söhnt sie sich mit ihrem Mann den Kindern zuliebe aus, und fährt vom Einkaufen direkt weiter zur „Kita Spatzenhirn“, nur um den nächsten augenroll-tweet zu verfassen. Der landet in ihrer TL gleich hinter Ophelia, MarieMoreau und Falbalus. Den alten, klapprigen bordeauxroten Astra, mit Triskelen, Effzeh und Lazitrölaufkleber, der da grade lebensgefährlich nahe an ihr vorbeiflankt, nimmt sie gar nicht wahr.
An Bord brummt sie Maschine.
„Wir schwimmen noch.“ schnaubt der Chef verbittert in sich hinein. „wir schwimmen noch.“
Autofahren ist seit je her immer eine Sache der Marine gewesen.